Manson Family

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Die Charles Manson Family oder in Kurzform auch als The Family bezeichnet, war eine zunächst friedliche Hippiekommune um den Musiker und Sektengründer Charles Manson.

Charles Manson hatte im Frühjahr 1967 eine siebenjährige Haftstrafe verbüßt und wurde auf Bewährung entlassen. Er hatte im Gefängnis Gitarrespielen gelernt und tingelte als Straßenmusiker die Westküste entlang. Im Sommer 1967 kam er in die Hauptstadt der Hippiebewegung, San Francisco. Schon bald scharten sich desillusionierte, obdachlose oder drogenabhängige junge Leute um den nur 157 cm großen, charismatischen Barden. Manson hatte eine Vorliebe für rothaarige junge Mädchen bzw. Frauen, von denen er im Laufe der Zeit mehrere Dutzend um sich versammelte.

War eine ihm verfallen, verlangte Manson von ihr als Liebesbeweis, dass sie ihm noch jüngere und auch hübschere Frauen zuzuführen habe. Diese Methode hatte Erfolg – die Gruppe wuchs stetig und schon bald wurde Mansons VW-Bus zu klein für die "Family". So erwarb er einen schwarz angestrichenen Schulbus und durchstreifte damit die Westküstenregion der USA. Die aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zusammengewürfelte Kommune experimentierte exzessiv mit Drogen wie LSD, Psilocybin und Meskalin. Die leicht beeinflussbaren Jugendlichen bedeuteten ein perfekt rekrutiertes „Menschenmaterial” für die selbstgestrickte Ideologie Mansons.

Auf einem Konzert der Band Grateful Dead 1967 soll Manson auf einem LSD-Trip eine Kreuzigungsvision gehabt haben, danach verkündete er, der wiedergeborene Christus zu sein (Manson = Menschensohn). Ab Sommer 1968 behauptete Manson, Christus und der Teufel in einer Person zu sein. Seine Anhänger bezeugten seine Äußerungen oft mit "Amen, Amen"-Ausrufen.

Manson war zu diesem Zeitpunkt fasziniert von den Ideen Aleister Crowleys, verwoben mit nazistischen Elementen sowie Elementen der Scientology-Ideologie und seltsamen eigen interpretierten Transkriptionen und Elementen aus Liedtexten, bevorzugt aus den Alben der Beatles. So entstand Mansons apokalyptische Vorstellung eines „Helter Skelter” (nach dem gleichnamigen Lied der Beatles auf dem sogenannten „Weißen Album“): Provokante Schläge gegen die weiße Oberschicht zum einen und gegen die schwarze Unterschicht zum anderen, um beide Seiten gegeneinander aufzuhetzen. Die Manson Family zeichnete Ende der 1960er verantwortlich für eine Vielzahl von Überfällen und Morden, unter anderem an der Filmschauspielerin Sharon Tate und ihren Freunden sowie an dem Supermarktkettenbesitzer Leno LaBianca und dessen Frau Rosemary.

Die Manson Family wurde 1969 nach den Morden Tate-LaBianca auf einer Ranch im Death Valley (Kalifornien) verhaftet. Fünf Mitglieder der Manson Family wurden wegen dieser Morde angeklagt und zunächst zur Todesstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde durch legislative Unstimmigkeiten und eine Gesetzesänderung zu lebenslanger Haft abgeändert. Alle "Lebenslänglichen" der Manson Family kämpfen bis heute um eine Revision ihrer Strafe oder um eine Begnadigung. Begnadigt wurde bislang nur Steven Dennis Grogan (1985).

Praktiken der Familie[Bearbeiten]

Manson suchte für seine Familie gezielt Mädchen mit schwierigem sozialem Hintergrund, die er mithilfe von psychischen Manipulationen und Drogen unter Kontrolle hielt. Um neue Mitglieder für seine Sekte zu gewinnen, köderte er diese mit Drogen und Gruppensex. Vor allem versuchte er Geldgeber zu finden, die seine Familie finanzierten und ihm Kontakte zur Musikbranche vermitteln konnten, um seine Karriere voranzutreiben. Viele Musiker, Filmschauspieler und weitere Berühmtheiten wurden von den Mädchen umworben, um sie in die Familie zu „integrieren“, also ihre Geschäftskontakte und Finanzen auszubeuten.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

  • Susan Atkins alias „Sadie Mae Glutz“
  • Patricia Krenwinkel alias „Katie“
  • Charles Watson alias „Tex Watson“
  • Linda Kasabian alias „Linda Christian“, „Yana the Witch“, „Linda Chiochios“
  • Leslie Van Houten alias „Lulu“
  • Lynette Fromme alias „Squeaky“
  • Bobby Beausoleil
  • Bruce Davis
  • Steven Dennis Grogan alias „Clem“
  • Mary Brunner alias „Mother Mary“, „Mary Manson“
  • Catherine Share alias „Gypsy“
  • Sandy Good alias „Blue“
  • Diane Lake alias „Snake“
  • Susan Bartell alias „Country Sue“
  • Ruth Ann Moorehouse alias „Ouish“
  • Ella Jo Bailey alias „Yellerstone“
  • Madaline Joan Cottage alias „Little Patty“, „Linda Baldwin“
  • Sherry Ann Cooper alias „Sherry“, „Simi Valley Sherri“
  • Daniel Thomas de Carlo alias „Danny“, „Donkey Dan“
  • John Leo Flynn alias „Juan Flynn“
  • John Philip Haught alias „Zero“
  • Catherine Gillies alias „Cappy“
  • Kathryn Lutesinger alias „Kitty“
  • Barbara Hoyt
  • Nancy Pitman
  • Larry Bailey
  • Edward Arthur Bailey
  • Brooks Posten
  • Stephanie Schram
  • Paul Allen Watkins
  • Joel Pugh

Rezeption[Bearbeiten]

Es gibt inzwischen viele Artikel mit Bezug zu Charles Manson zu kaufen. So gibt es unter anderem T-Shirts, Poster, Anstecker und Aufnäher. Es existieren etliche Bücher und andere Printmedien, dazu noch diverse Veröffentlichungen aus dem Audio- und Videobereich sowie etlichen Internetpräsenzen, wobei hier der Bereich von naiver, kultartiger Verehrung bis hin zum Versuch einer ernsthaften Dokumentation der Geschehnisse um Manson variiert. Eine Website über Manson wurde nach der Verbüßung einer langjährigen Haftstrafe von der fanatischen Anhängerin Mansons und ehemaligen Familymitglied Sandy Good eingerichtet.

Es existieren zahlreiche Tonträger mit Materialien, die vor seiner Inhaftierung entstanden sind, als auch Aufnahmen, die in Haftanstalten aufgenommen wurden. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um Musik oder Interviews auf nicht lizenzierten Tonträgern. Einen nahezu ikonenartigen Status erreichte das Cover des Life-Magazins vom 19. Dezember 1969, es wurde zu einer Art Markenzeichen für oben genannte Manson-Devotionalien. Auf dem Cover ist ein Porträt Mansons zu sehen, dass bei einer Verhaftung entstanden ist, - da Manson zu diesem Zeitpunkt LSD konsumiert hatte, sind die Pupillen unnatürlich geweitet. Er hält zudem den Rekord, jener Haftgefangene zu sein, der die meisten E-Mails, Briefe und Grußkarten bekommt.

Sonic Youths Album Bad Moon Rising (1985) mit dem darauf enthaltenen Titel Death Valley '69, das Album Evol (1986) sowie Teile des Bootlegs The Walls Have Ears (1985) beschäftigen sich thematisch mit Manson. Lydia Lunch schrieb die Texte für Death Valley '69, welches auch unter dem Titel Spahn Ranch Dance bekannt ist. Der Titel der LP The Whitey Album von Ciccone Youth (einem Nebenprojekt von Sonic Youth) von 1988 spielt außerdem mit dem Wort „Whitey“ (Bezeichnung für Weiße als Pendant zu „Nigger“) auf Mansons Rezeption des weißen Albums der Beatles an. Auch in dem Lied Glad to See You Go von den Ramones wird Charles Manson mehrmals erwähnt.

Marilyn Manson in Cannes

1988 verarbeitete Ozzy Osbourne auf dem Album No Rest for the Wicked in dem Song Bloodbath in Paradise die Morde der Manson-Family, in dem zu Beginn ein Manson-Zitat rückwärts abgespielt wird. 1993 veröffentlichte die Hard-Rock-Band Guns N’ Roses den Manson-Song Look at Your Game Girl als Hidden Track auf dem Album The Spaghetti Incident?.

Schock-Rocker Marilyn Manson hat Charles Mansons Namen angenommen, allerdings nicht, um seine Verehrung auszudrücken, sondern um zwei Extreme US-amerikanischer Popularität, Marilyn Monroe und Charles Manson, in einem Namen zusammenzufassen, um beispielsweise den Irrsinn und die Tragik des Starkults hervorzuheben, der beiden Geschichten anhaftet. Auch er veröffentlichte ein Lied von Charles Manson (My Monkey) auf seinem Album Portrait of an American Family. 1995 verwendete die Metalband Paradise Lost Manson-Zitate in Forever Failure auf Draconian Times.

Die Band Slipknot veröffentlichte auf dem 1999 erschienenen gleichnamigen Album im Song "742617000027" ein Zitat aus der "Charles Manson Documentary". Dort ist zu hören: "The whole thing, I think is sick", welches ständig in unterschiedlichen Geschwindigkeiten wiederholt und mit verzerrenden Gitarren untermalt wird.

Auch die Alternative-Metal-Band System of a Down zeigt sich zum Teil von Charles Manson inspiriert, beispielsweise mit dem Lied ATWA auf dem Album Toxicity. Scars on Broadway, die Band von Daron Malakian, erwähnt Manson in der Single 3005 auf dem Album Scars on Broadway. Die US-amerikanische Horrorpunkband Die Monster Die widmete Manson auf ihrem Album Honor Thy Dead das ironische Lied Charles Manson, He's So Handsome.

Die Band Der Blutharsch verarbeitete in einem ihrer Songs einen von Manson gesprochenen Text („The war is not over“), ebenfalls erwähnt die Band Mushroomhead Charles Manson in ihrem Song Bwomp. Das Stück A Poem About an Old Prison Man der polnischen Death-Metal-Band Decapitated basiert zudem auf einem Gedicht Mansons. In der amerikanischen Zeichentrickserie South Park bekam Manson eine Spezialfolge, in der er aus dem Gefängnis flieht, zum Ende hin ein gutes Gemüt bekommt und seine Memoiren schreibt. 2009 beschäftigte sich die Ausstellung MAN SON 1969. Vom Schrecken der Situation in der Hamburger Kunsthalle mit dem Mythos, der Charles Manson umgibt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Vincent Bugliosi, Curt Gentry: Helter Skelter. Der Mordrausch des Charles Manson (Originaltitel: The True Story of the Manson Murders. W. W. Norton, New York, NY 2001, ISBN 0-393-32223-8), Riva, München 2010, ISBN 978-3-86883-057-6
  • Louis Paul Boon: Die Jesses-Mädchen. Nach der Offenbarung Johannis und dem „Bericht über aufsehenerregende Morde in der Stadt Babylon“. Zusammengestellt anhand von Zeitungsausschnitten (Originaltitel: De Meisjes van Jesses, übersetzt von Hans Herrfurth), Volk und Welt, Berlin 1977 (Roman, ohne ISBN).
  • Carol Greene: Der Fall Charles Manson. Mörder aus der Retorte (Originaltitel: Test-Tube Murders, the Case of Charles Manson). Böttiger, Wiesbaden-Nordenstadt 2001, ISBN 3-925725-13-X.
  • Dirck Möllmann, Michael Sauer, Mario Asef, Frank Barth: Man son 1969. Vom Schrecken der Situation. Hamburger Kunsthalle, Hamburg 2009, ISBN 978-3-938002-28-5 (Katalog der Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle vom 30. Januar bis 26. April 2009).
  • Ed Sanders; Frank Göhre (Nachwort): The Family. Die Geschichte von Charles Manson (Originaltitel: The Family, übersetzt von Edwin Ortmann und Hella Knappertsbusch). Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. In: rororo-Sachbuch, rororo 9644, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-19644-1.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]