Hamburg-Ottensen

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Wappen von Hamburg
Ottensen
Stadtteil von Hamburg
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Koordinaten 53° 33′ 14″ N, 9° 55′ 4″ O53.553889.91776Koordinaten: 53° 33′ 14″ N, 9° 55′ 4″ O
Fläche 2,8 km²
Einwohner 34.593 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 12.355 Einwohner/km²
Postleitzahl 2....
Vorwahl 040
Bezirk Bezirk Altona
Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Ottensen ist ein Stadtteil Hamburgs im Bezirk Altona mit einer Fläche von 2,9 km² und einer Einwohnerzahl von 33.000. Er grenzt an die Stadtteile Altona-Altstadt, Altona-Nord, Bahrenfeld und Othmarschen und mit seinem Ortsteil Neumühlen im Süden an die Elbe, auf deren anderen Seite Waltershof im Hamburger Hafen liegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Zur Geschichte nach 1889 siehe:

Hauptartikel: Hamburg-Altona

Ottensen wurde erstmals 1310 als holsteinisches Kirchendorf (Ottenhusen) urkundlich erwähnt. Seine Gründung geht aber auf die Zeit des fränkischen Reiches zurück und soll in etwa zeitgleich mit der Gründung der Hammaburg gewesen sein. Ab 1390 war es Sitz des Landvogtes der schauenburgischen Grafschaft Pinneberg.

Ottensen war lange Zeit ein Bauern- und Handwerkerdorf, das 1640 unter dänische Herrschaft geriet und zeitweise größer als Altona war. Wie dieses im Westen der Stadt Hamburg vorgelagert, wurde es von den Hamburgern als „frei“ angesehen, da hier lange Zeit ein freierer Geist als in Hamburg herrschte.

Als Folge des Deutsch-Dänischen Kriegs (1864) wurde es 1866 Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein.

In der Folge entwickelte sich Ottensen zu einem bedeutenden Industriestandort Norddeutschlands, nicht zuletzt, weil es seit 1867 im Wirtschaftsgebiet des Deutschen Zollvereins lag, Altona und Hamburg jedoch nicht. Innerhalb von 60 Jahren stieg die Einwohnerzahl um das Sechzehnfache an: Wohnten 1840 noch 2.411 Einwohner in Ottensen, waren es 1900 bereits 37.738. Von der Zollgrenze zu Altona profitierte auch Bahrenfeld.

Rolandsmühle um 1900

Im 19. Jahrhundert wurde Ottensen zum Industriestandort. Zahlreiche Fabriken entstanden in der Zeit der Industrialisierung. Ab 1867 bildeten Ottensen und das diesem zuvor angegliederte Neumühlen den Stadtkreis Altona, wurden 1871 zur Stadt Ottensen-Neumühlen erhoben, beide gingen jedoch bereits 1889 als Stadtteile an Altona und wurden 1938, mit dem Ende der Altonaer Selbständigkeit, Teil der neuen Einheitsgemeinde Hansestadt Hamburg.

1992 machte der Stadtteil international Schlagzeilen, als auf dem Gelände des von den Nazis zerstörten Jüdischen Friedhofs Ottensen das Einkaufszentrum Mercado erbaut wurde. Nach einem Gutachten des Jerusalemer Oberrabbiners Itzchak Kolitz wurde auf die ursprünglich geplante Tiefgarage verzichtet. Gedenktafeln im Mercado erinnern an den Friedhof.

Ortsbezeichnungen[Bearbeiten]

Der Name Ottensen, ursprünglich Ottenhusen, leitet sich nach der Überlieferung vom Ritter Otto von Bahren ab und bezeichnet den Ort, an dem sein Hof lag: wo Otto huste (mittelniederdeutsch für hausen). Die Nachbarstadtteile Bahrenfeld und Othmarschen sollen ebenfalls auf Otto von Bahren zurückführen.

Ottensen ist auch unter dem Namen Mottenburg bekannt, der von vielen Ottensenern selbst verwendet wird. Über die Entstehung dieses Namens existiert eine Vielzahl von Varianten. Ab den 1870er Jahren gehörte er zum allgemeinen Sprachgebrauch. Häufig wird als Hintergrund angegeben, dass Ottensen Standort mehrerer Industrie-, insbesondere Glasbläsereibetriebe war, und zugleich ungesunde Wohnverhältnisse hatte. Die Arbeiter dort litten unter der verbreiteten Berufskrankheit Tuberkulose, die umgangssprachlich „die Motten“ genannt wurde: man hatte Löcher in der Lunge, wie ein von Motten zerfressenes Stück Stoff. Daraus leite sich die Bezeichnung „Mottenburger“ für die Ottenser ab.

Eine andere Variante hängt mit der Gesangsposse Die Mottenburger zusammen, die der Kladderadatsch-Begründer David Kalisch Ende 1867 schrieb. Er karikierte darin den als besonders korrupt geltenden Oberbürgermeister Charlottenburgs (seit 1920 ein Teil Berlins), verlegte die Handlung jedoch ins fiktive Mottenburg – der erste schriftliche Hinweis auf dieses Wort. Das Lied über den „Tyrann von Mottenburg“ fand in Ottensen bald Anwendung auf den damaligen Polizeipräfekten, das Stück selbst wurde in der Spielzeit 1868/69 am Hamburger Thalia Theater aufgeführt. Die karikierten Verhältnisse darin erinnerten viele an die Kämpfe um Posten in der Verwaltung, die sich im Zuge der Stadtwerdung Ottensens 1871 abspielten.

Am 25. Juli 1950 wurde mit der Umbenennung der Hörmannstraße in Mottenburger Straße der Name im Stadtteil sichtbar verankert. Am 19. Januar 1976 kam noch die Mottenburger Twiete als weiterer Straßenname hinzu. Das in unmittelbarer Nähe gelegene, ebenfalls 1976 eröffnete Zentrum für stadtteilbezogene Kultur- und Sozialarbeit heißt in Anlehnung daran „Die Motte“.

Heutige Entwicklung[Bearbeiten]

In den 1960er Jahren wurde die Ottenser Industrie zunehmend verlagert und Firmen meldeten Insolvenz an. Investitionen in neue Projekte, die die alten Wirtschaftsgrundlagen hätten ersetzen können, blieben aus. Daher sank die Bevölkerungszahl, bis sich in den 1980er Jahren erstmals eine Trendwende ergab. Mittlerweile hat der Stadtteil eine deutliche Aufwertung (Gentrifizierung) erfahren – vor allem, seitdem Ottensen vom rebellischen, multikulturellen Szenestadtteil der 1970er zum heutigen, eher gediegenen, aber immer noch kulturell vielfältigen Stadtzentrum mit attraktiven Einkaufsmöglichkeiten geworden ist. Viele alte Häuser sind jetzt saniert, und die Wohnungen sehr begehrt, statt WGs finden sich zunehmend Mittelstands-Familien und Akademiker. Auch das Shopping- und Nachtleben hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt und ist zu einem Publikumsmagneten geworden, so dass jetzt Besucher aus dem ganzen Hamburger Stadtgebiet kommen. Bemerkenswert ist, dass Ottensen trotz der Vielfalt der Nationalitäten innerhalb seiner Bevölkerung nicht zu den sozialen Brennpunkten Hamburgs zählt, sondern als lebendiger Stadtteil beliebt ist.

Politik[Bearbeiten]

Bei den Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft am 20. Februar 2011 kam es in Ottensen über die Landesliste zu folgendem Ergebnis:

  • SPD 48,4 % (+8,0)
  • GAL 20,6 % (-1,0)
  • Die Linke 12,9 % (+2,3)
  • CDU 7,8 % (-14,3)
  • FDP 3,3 % (+0,5)
  • Sonstige Parteien 7,0 % (+4,5)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Euler-Hermes-Gebäude

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Das von den Architekten Raabe & Wöhlecke entworfene Lankenaustift.
  • Das vom Altonaer Bausenator Gustav Oelsner im Bauhausstil entworfene Berufsschulzentrum (dessen Aula als Altonaer Theater genutzt wird) und
  • das Altonaer Museum, beide am Platz der Republik.
  • Die Christianskirche: auf dem angrenzenden Kirchhof liegt der deutsche Dichter Klopstock begraben.
  • Das 22geschossige, gewölbte Hermes-Bürohochhaus am S-Bahnhof Bahrenfeld (erbaut 1977–1981; Architekt: Titus Felixmüller).
  • Die von dem Otzen-Schüler Fernando Lorenzen 1898 errichtete Kreuzkirche.
  • Das unter Mitwirkung von Friedensreich Hundertwasser gestaltete Stadtcafé Ottensen an der Behringstraße.
  • Das als ökologisches Handels- und Gewerbezentrum geplante VIVO an der nördlichen Bahrenfelder Straße, heute von der Hamburger Verwaltung und einigen Dienstleistern genutzt
  • An der Ecke Nöltingstraße/Am Born wurde ein alter Bagger der 1868 in Ottensen gegründeten Firma Menck & Hambrock aufgestellt, der als „Menckmal“ an die bedeutende metallindustrielle Vergangenheit Ottensens erinnert; vergleichbare Denkmäler der Industriegeschichte finden sich im Eingangsbereich zu den Zeisekinos an der Friedensallee (Schiffsschraube) und über dem Einlass in das Veranstaltungszentrum Fabrik an der Barnerstraße (Lastkran).
  • Die Osterkirche

Theater[Bearbeiten]

  • Das Altonaer Theater in der Museumsstraße 17 neben dem Altonaer Museum hat sich auf die Inszenierung von klassischer bis moderner Literatur spezialisiert. Bücher wie Die Vermessung der Welt oder Herr Lehmann werden auf die Bühne gebracht.
  • In der Gaußstraße befindet sich die Spielstätte „Gauss“ des Thalia Theaters.
  • Monsun-Theater in der Friedensallee


Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Der bahnhofsnahe Teil der Ottenser Hauptstraße

Im Jahr 2007 betrug die Arbeitslosenquote 5,6 %. Ottensen verfügt über 2.289 Wohngebäude. Die durchschnittliche Größe einer Wohnung beträgt 66,4 , die Wohnfläche je Einwohner 36,1 . Mit 1.429 Sozialwohnungen steht Ottensen im Bezirk Altona an zweiter Stelle hinter dem Stadtteil Altona-Altstadt.[1]

Mercado[Bearbeiten]

Das Mercado (spanisch für Markt/Wochenmarkt) ist ein zweistöckiges Einkaufszentrum im Besitz der Union Investment[2], in dessen Mitte sich auf einer Fläche von 900 m² etwa 30 feste installierte Stände befinden, die einem Wochenmarkt nachempfunden sind. Um diese Stände herum befinden sich auf einer Verkaufsfläche von 23.000 m² Geschäfte und Restaurants. Das Mercado wurde am 5. Oktober 1995 eröffnet. Drei Jahre später wurde auf einer Fläche von 1.200 m² eine Bücherhalle im Mercado eröffnet.

Alter jüdischer Friedhof[Bearbeiten]

Gedenktafeln im Untergeschoss des Mercado mit den Namen von 4.500 hier bestatteten Toten

Bei den Ausschachtungsarbeiten für das Mercado kam es Ende 1991 und 1992 zu Protesten strenggläubiger Juden unter Führung der Atra Kadisha, die sich für die Erhaltung jüdischer Friedhöfe einsetzt. Seit 1663 hatte hier ein jüdischer Friedhof bestanden, die letzte Beisetzung 1934 stattgefunden. Im Zweiten Weltkrieg hatte sich der Nazi-Staat des Geländes bemächtigt und darauf 1939 und 1942 zwei Luftschutzbunker errichtet. Grabsteine und Gebeine, auf die man während des Baus stieß, waren auf den Jüdischen Friedhof Ohlsdorf umgebettet worden, darunter das Grab des Bankiers Salomon Heine, des Onkels von Heinrich Heine. Da eine Wiederherstellung des Friedhofs nach dem Krieg unmöglich schien, war das Gelände nach einem Rückerstattungsverfahren 1950 von der Jewish Trust Corporation und der Jüdischen Gemeinde an den Hertie-Konzern verkauft worden, der dort 1952/53 ein Kaufhaus errichtete.

1988 wurde das Gelände abermals verkauft und das Kaufhaus später abgerissen. Atra Kadisha brachte nun die Bauarbeiten zum Stillstand und forderte die Rückgabe des Geländes an die jüdische Gemeinde: ein jüdischer Friedhof sei unantastbar.[3] Der von den Beteiligten als Gutachter zugezogene Jerusalemer Oberrabbiner Itzchak Kolitz entschied, das Erdreich müsse unangetastet bleiben, wo noch Gräber und Gebeine vorhanden oder zu vermuten seien; diese seien durch eine Betonplatte zu schützen, auf der gebaut werden könne. So wurde unter fortdauernder rabbinischer Baubeaufsichtigung verfahren. Die geplante Tiefgarage wurde nicht ausgeführt; stattdessen wurden 400 Stellplätze auf dem Dach geschaffen. Gedenktafeln am Treppenabgang informieren über die Geschichte des Jüdischen Friedhofs Ottensen, nennen die Namen von insgesamt 4.500 dort bestatteten Toten und lassen Raum für weitere Namen, die künftig noch ermittelt werden könnten.[4]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Kinderkrankenhaus Altona

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Erwähnenswert ist das Kinderkrankenhaus Altona, getragen vom „Verein Altonaer Kinderkrankenhaus von 1859 e.V.“, als eine von zwei Kinderkliniken in Hamburg eine bekannte Adresse im Hamburger Gesundheitswesen.

Bildung[Bearbeiten]

Rudolf Steiner Schule Altona

Ottensen verfügt über 34 Kindergärten. Im Jahr 2007 besuchen insgesamt 1.791 Schülern folgende Schulen[1]:

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Zu den regelmäßigen Veranstaltungen in Ottensen gehört die altonale, ein zweiwöchiges Kultur- und Straßenfest mit bis zu 600.000 Besuchern.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Mit Ottensen verbunden[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Im Westen Ottensens liegt die Adolf-Jäger-Kampfbahn, seit 1909 Spielstätte des traditionsreichen Fußballclubs Altona 93.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Webseite Statistik Nord, abgerufen 15. Oktober 2009.
  2. Mercado wechselt den Eigentümer. Hamburger Abendblatt vom 2. September 2009
  3. Alexander Jung, DIE ZEIT 13. März 1992
  4. http://www.gedenkstaetten-in-hamburg.de/page.php?id=20 abgerufen am 9. Januar 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Förderkreis „Ottensen-Chronik“ e.V. (Hg.): Ottensen-Chronik. Hamburg 2002 (3. Auflage) (Selbstverlag).
  • Ina Lorenz/Jörg Berkemann: Streitfall jüdischer Friedhof Ottensen. Wie lange dauert Ewigkeit. 2 Bde., Hamburg 1995 (Dölling und Galitz). ISBN 3-926174-67-6
  • Stadtteilarchiv Ottensen (Hg.): Schauplatz Ottensen. Geschichte und Geschichten der Ottenser Plätze. Hamburg-Altona 2003 (Selbstverlag). ISBN 3-9808925-1-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hamburg-Ottensen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien