Generation Y

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Als Generation Y (kurz Gen Y) wird in der Soziologie diejenige Bevölkerungskohorte genannt, deren Mitglieder im Zeitraum von etwa 1990 bis 2010 zu den Teenagern zählten. Je nach Quelle wird diese Generation auch als Millennials (zu deutsch etwa die Jahrtausender) bezeichnet.

Sie gilt damit als Nachfolgegeneration der Boomers und der Generation X. Der Name ist darauf zurückzuführen, dass nach X im Alphabet der Buchstabe Y folgt. Der Buchstabe "Y" wird englisch Why (= ‚Warum?‘) ausgesprochen, was auf das charakteristische Hinterfragen der Generation Y verweist.[1] Die nachfolgende Generation ist die Generation Z, welche mit dem Geburtsjahr 1999 beginnt.[2]

Soziologische Charakterisierung[Bearbeiten]

Die Generation Y gilt als vergleichsweise gut ausgebildet, oft mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss.[3] Sie zeichnet sich durch eine technologieaffine Lebensweise aus, da es sich um die erste Generation handelt, die größtenteils in einem Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen ist.[4] Sie arbeitet lieber in virtuellen Teams als in tiefen Hierarchien. Anstelle von Status und Prestige rücken die Freude an der Arbeit sowie die Sinnsuche ins Zentrum. Mehr Freiräume, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, sowie mehr Zeit für Familie und Freizeit sind zentrale Forderungen der Generation Y: Sie will nicht mehr dem Beruf alles unterordnen, sondern fordert eine Balance zwischen Beruf und Freizeit. Nicht erst nach der Arbeit beginnt für die Generation Y der Spaß, sondern sie möchte schon während der Arbeit glücklich sein – durch einen Job, der ihnen einen Sinn bietet. Sie verkörpert einen Wertewandel, der auf gesellschaftlicher Ebene bereits stattfindet, den die jungen Beschäftigten nun aber auch in die Berufswelt tragen.[5] Der Berliner Jugendforscher Klaus Hurrelmann macht auf die Multioptionsgesellschaft und Grenzlosigkeit aufmerksam, in welcher die Generation Y groß geworden ist.[6] Dazu passt auch, dass bereits auffallend viele Berufsanfänger – 60% im Jahr 2014 gegenüber 48% im Jahr 2002 – dieser Generation Ansprüche auf Führungspositionen erheben und sich als Experten wähnen.[7]

Die Millennials sind optimistisch und selbstbewusst und haben wenig Vertrauen in die Regierung, weshalb sie sich durch passiven Widerstand aktiv ins politische Geschehen einbringen. Ein Beispiel dafür ist die Bewegung Occupy Wall Street, wo sich die moderne Organisation der Generation Y darstellt.

In ihrem Buch „Die heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändert“[8] aus dem Jahr 2014 geben der Soziologe Klaus Hurrelmann und der Journalist Erik Albrecht den ersten systematischen Überblick über alle bisherigen Untersuchungen zu diesem Thema, ergänzt um authentische Äußerungen von Generationsangehörigen. Ihre zentralen Aussagen sind:

  1. Die Generation Y hat in der sensiblen und formativen Zeit ihres Jugendalters den Terroranschlag in New York, weltweite Kriege und Krisen und zuletzt die Finanz- und Eurokrise mit einer verheerenden Jugendarbeitslosigkeit erlebt. Sie ist den Umgang mit Unsicherheiten und Ungewissheiten der Lebensplanung gewohnt. Sie hat gelernt, das Beste aus jeder noch so undurchsichtigen Situation zu machen, zu sondieren und zu taktieren, um sich stets möglichst viele Optionen offen zu halten. Diese Mentalität hat ihr den Namen gegeben, der im Amerikanischen mit dem Wort „Why“ die fragende und suchende Grundhaltung ausdrückt. Das Leben in Unsicherheit empfindet sie aus diesem Grund als ganz normal.
  2. Die Ypsiloner sind Meister im Improvisieren. Ihr Lebenslauf verliert die Gradlinigkeit, die noch für die Eltern typisch war. Leben ist für die Generation Y viel weniger planbar als früher. Bei allem Stress, den sie durchaus empfinden, genießen die Ypsiloner das auch, weil es sie unabhängig und frei macht. Sie sind „Egotaktiker“, die alle wichtigen Lebensentscheidungen nach den unmittelbaren Vorteilen und Nachteilen für die eigene Person und ihr Wohlbefinden abschätzen.
  3. In Zeiten, in denen es politisch und wirtschaftlich unruhig zugeht, in denen es den Job auf Lebenszeit möglicherweise nie mehr geben wird, investieren die jungen Leute so viel in ihre Bildung und Ausbildung wie nie zuvor. Ein hoher Bildungsabschluss wird zur wichtigsten Munition im Kampf um einen Platz in der Gesellschaft. Er gilt aber auch als Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben. Die Generation Y macht massenhaft das Abitur und strömt in die Universitäten und Hochschulen, um sich möglichst viele Optionen offen zu halten. Fast 60 Prozent von ihnen, in der Mehrheit junge Frauen, schaffen das und setzen sich damit von den übrigen 40 Prozent ihrer Jahrgänge ab, die mit dieser Entwicklung nicht mithalten können.
  4. Einmal im Beruf angekommen, wollen diese 60 Prozent gut Gebildeten, die so etwas wie die Elite der Generation Y darstellen, dafür so viel Erfüllung, Freude und Anerkennung eintauschen wie irgend möglich. Sie lehnen Hierarchien und Reglementierungen ab und wollen möglichst früh einen Arbeitsplatz in einem Team haben, in dem sie keiner gängelt und sie ihr Können unter Beweis stellen können. Intensives Arbeiten und lebenslanges Lernen ist für sie selbstverständlich, aber sie haben auch gelernt, mit ihren Kräften zu haushalten. Nicht weil sie nicht hart arbeiten könnten, sondern weil sie nur dann volles Engagement geben können und wollen. Sie haben so etwas wie eine eingebaute Burn-Out-Sperre.
  5. Die Generation Y fordert neue Familienmodelle konsequent ein. Bei der Familienplanung und -gestaltung setzt sie auf Gleichberechtigung, Väterzeit, Homo-Ehe und bricht alle bisherigen Tabus. Die Ypsiloner wünschen sich Kinder, aber wenn die Bedingungen in Partnerschaft, Privatleben und Beruf nicht stimmen, die Unwägbarkeiten des Lebens zu groß sind, dann bleiben sie lieber kinderlos. Die Generation Y drängt deshalb vehement auf die Vereinbarkeit von Familie und Karriere.
  6. Die Freizeit ist das Trainingslager der Generation Y. Hier lernen die Egotaktiker, ihren eigenen Weg durch den Dschungel der Optionen zu finden. Das Internet ist dabei immer dabei – sei es auf dem Computer, Tablet oder Smartphone. Für die Generation Y ist eine Trennung zwischen online und offline längst nicht mehr sinnvoll. Das Internet und vor allem Soziale Netzwerke sind wichtig für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Neue Medien sind der Bereich, in dem sie gesellschaftlich überlegen sind und ihre eigenen Akzente setzen. Ältere Bevölkerungsgruppen und die eigenen Eltern bemühen sich, intensiv von ihnen zu lernen.
  7. Die Generation Y ist nicht unpolitisch. Sie definiert Politik allerdings anders als bisher gewohnt. Viele früher als „politisch“ definierten Themen sind für die Ypsiloner heute eher eine Frage von Konsum, Ethik oder Lifestyle. Die Generation Y kämpft nicht für eine neue Gesellschaftsordnung wie andere Generationen vor ihr. Aber sie will nach ihren eigenen Vorstellungen leben. Sie geht nicht auf die Barrikaden, aber auch keine falschen Kompromisse ein. Bildung, Beruf, Freizeit, Familie, Politik – die Ypsiloner leben ihr Leben heute einfach nach ihren Vorstellungen. Damit verändern sie unsere Gesellschaft. Das macht sie zu „heimlichen Revolutionären“, die traditionelle Muster des Lebens fast unmerklich unterwandern und verändern.

Generation Chips[Bearbeiten]

Als „Gegenpol“ bzw. Verlierer dieser Generation bezeichnen Susanne Finsterer und Edmund Fröhlich im gleichnamigen Buch die Generation Chips[9], die zu viel Medien konsumierten, sich einseitig ernährten und von der gesellschaftlichen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen seien. Dieser nicht klar abgegrenzten Bevölkerungsgruppe gehören hauptsächlich Menschen aus der Unterschicht, welche durch das fehlende Engagement der Eltern um die schulischen Belange ihrer Kinder geprägt ist, an. Neben dem Elternhaus sieht Fröhlich, als Leiter einer Fachklinik für fettsüchtige Kinder, aber auch die Politik bzw. die Schulen in der Pflicht[10] dem gesellschaftlichen Problem entgegen zu tretten.

Anhang[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. RP-Online: Generation Y – Glück schlägt Geld. Abgerufen am 25. April 2014.
  2. Beverly Kaye, Sharon Jordan-Evans: Love 'Em or Lose 'Em: Getting Good People to Stay. 4. Auflage. Berrett-Koehler Publishers, San Francisco 2007, S. 236. Interpretation des Buches
  3. Peter Sheahan: Generation Y: Thriving and Surviving With Generation Y at Work. Hardie Grant Publishing, 2005, ISBN 1-74273-139-2, S. 7.
  4. Daniela M. Weise: Rekrutierung der Net-Generation. E-Recruiting mit Hilfe von Web 2.0-Tools. Diplomica-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8366-9680-7, S. 15.
  5. Kerstin Bund: Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen. Murmann Verlag, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86774-339-6.
  6. Jean Heuser, Anne Kunze: Wollen die auch arbeiten? In: Die Zeit. Online, abgerufen am 10. Dezember 2013.
  7. Bewerber-Motto: „It's not about you, it's about me.“
    Online: Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRekrutierung Jobinterviews mit Y-Faktor. Bundesarbeitgeberverband Chemie, 9. Juli 2014, abgerufen am 11. Juli 2014. In: Blätter für Vorgesetzte auf der Internetpräsenz des Bundesarbeitgeberverband Chemie;
    Print: BAVC - Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V., Heft 7/2014, S. 5.
  8. Klaus Hurrelmann, Erik Albrecht: Die heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändert. Verlag Beltz, Weinheim 2014, ISBN 978-3-407-85976-1.
  9.  Edmund Fröhlich, Susanne Finsterer: Generation Chips: Computer und Fastfood - was unsere Kinder in die Fettsucht treibt!. 1. Auflage. Krenn, 2007, ISBN 978-3-90253-230-5.
  10. Fettsüchtige Kinder "Es geht nicht um Ästhetik". stern.de, 16. April 2007, abgerufen am 1. Dezember 2014.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kerstin Bund: Glück schlägt Geld. Generation Y: Was wir wirklich wollen. Murmann, Hamburg 2014, ISBN 978-3-86774-339-6.
  • Kerstin Bund, Uwe Jean Heuser, Anne Kunze: Generation Y: Wollen die auch arbeiten? In: Die Zeit. Nr. 11, 7. März 2013
  • Klaus Hurrelmann, Erik Albrecht: Die heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändert. Verlag Beltz, Weinheim 2014, ISBN 978-3-407-85976-1.
  • Ursula Kosser: Ohne uns - die Generation Y und ihre Absage an das Leistungsdenken. Dumont Buchverlag, Köln 2014, ISBN 978-3-8321-9740-7.
  • Anders Parment: Die Generation Y. Mitarbeiter der Zukunft motivieren, integrieren, führen. Springer Gabler, 2014, ISBN 978-3-8349-4621-8.
  • Christian Scholz: Das neue Szenario im Berufsleben. In: Spieler ohne Stammplatzgarantie. Darwiportunismus in der neuen Arbeitswelt. Wiley-VCH, Weinheim 2003, ISBN 3-527-50052-9 (ursprünglich erschienen in WISU. 10/99; PDF; 114 KB)
  • Eva Windisch, Niclas Medman: Understanding the digital natives. In: Ericsson Business Review. 1/2008, S. 36–39 (pdf, 217 KB)
  • Uwe Justus Wenzel: Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Über die „Generation Maybe“ und andere Etiketten des Zeitgeistes. In: NZZ. 29. März 2014, S. 23.

Weblinks[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]