Niefern-Öschelbronn

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Niefern-Öschelbronn
Niefern-Öschelbronn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Niefern-Öschelbronn hervorgehoben
48.9163888888898.7841666666667240Koordinaten: 48° 55′ N, 8° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 240 m ü. NHN
Fläche: 22,02 km²
Einwohner: 11.838 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 538 Einwohner je km²
Postleitzahl: 75223
Vorwahl: 07233
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 046
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Friedensstraße 11
75223 Niefern-Öschelbronn
Webpräsenz: www.niefern-oeschelbronn.de
Bürgermeister: Jürgen Kurz
Lage der Gemeinde Niefern-Öschelbronn im Enzkreis
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Niefern-Öschelbronn ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg.

Lage und Ausdehnung[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am Rande des nördlichen Schwarzwalds etwa sieben km östlich von der Kreisstadt Pforzheim. Sie besteht aus den beiden Ortsteilen Niefern und Öschelbronn, die sich am 1. August 1971 freiwillig zusammenschlossen. Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordwesten) sind Kieselbronn, Mühlacker, Wiernsheim, Wurmberg und Pforzheim.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Niefern-Öschelbronn besteht aus den ehemaligen Gemeinden Niefern und Öschelbronn. Zur ehemaligen Gemeinde Niefern gehören das Dorf Niefern, der Ort „Klubhaus, Fußballplatz“ und die Häuser Obere Kirnbachwiesen und „Rattach, Pumpstation“. Zur ehemaligen Gemeinde Öschelbronn gehört das Dorf Öschelbronn und die Häuser Bräuningsmühle.

Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Niefern liegt die Wüstung Riesche und im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Öschelbronn liegt die Wüstung Hardheim.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsteil Niefern[Bearbeiten]

Wappen

Die Gemarkung Niefern, direkt im Enztal gelegen, ist seit uralten Zeiten besiedelt, da außer römischen und fränkischen auch vorgeschichtliche Spuren gefunden wurden. Zudem soll der Name „Niefern“ wie „Enz“ und „Nagold“ keltischen Ursprungs sein und nicht, wie lange angenommen, „Neue Fähre“ (von ahd.= niu fara) bedeuten.

Die erste sichere Nennung des Ortes fällt in die Jahre 1082 bis 1091 in den Schenkungsbüchern des Klosters Hirsau. Dessen Klostertochter Reichenbach hatte wenig später ebenfalls von hier Besitzrechte.

1186 steht ein Heinrich von Niefern, Herr der Burg Enzberg, im Dienst der Bischöfe von Speyer. Enzberg gehörte lange zu Niefern, seine Bewohner kamen hierher zum Gottesdienst, wurden hier getauft, getraut und begraben. Niefern erlebte einen häufigen Besitzerwechsel. Maulbronn besaß lange Zeit großen Einfluss im Ort. Seit 1529 ist Niefern ganz im badischen Besitz. Markgraf Karl II. schenkte 1555 seinem Kanzler Martin Achtsynit für seine Verdienste um die Reformation den Ort mitsamt dem alten Burgstadel an der Enz. Dieser erbaute die Niefernburg „von Grund uff“ und versah sie mit Wirtschaftsgebäuden, Säg- und Mahlmühle. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden allein durch die Pest zwei Drittel der Bevölkerung hinweggerafft. Niefern war sehr arm und durch seine Lage an der Grenze von Baden zu Württemberg zusätzlich im Nachteil. 1672 griff der Markgraf von Baden helfend ein und richtete eine „Papiermühle“ in der Sägmühle der Niefernburg ein. Ins 19. Jahrhundert fallen die ersten Anfänge der heutigen Industrie der Gemeinde, der Pforzheimer Industrie ging es auch in Niefern merklich aufwärts. In die vom Staat auf Abbruch verkaufte Niefernburg zieht 1857 ein evangelisches Waisenhaus ein. Später wurde sie für lange Jahre Mädchenerziehungsheim, und ist heute eine sozialpädagogische Einrichtung.

Ortsteil Öschelbronn[Bearbeiten]

Wappen

Nach dem großen Brand in Öschelbronn 1933 stieß man im Ortskern auf die Spuren eines römischen Gutshofes, der durch Sträßchen mit dem römischen Pforzheim und nach Osten mit der Furt bei Dürrmenz verbunden war. Öschelbronn wird in frühen Aufzeichnungen „Nessenbrunn“ genannt, was auf die alemannische Sippensiedlung eines „Nesso“ hindeutet.

Später änderte sich die Schreibweise in „Öschelbronn“ = Brunnen bei den Eschen. Schon 835 kommt der Ort im Lorscher Codex vor. Er hatte viele Herren, darunter das Kloster Sinsheim und später vor allem das Kloster Maulbronn. Mit ihm kam Öschelbronn 1504 zu Württemberg. Das Dorf war mehrmals Opfer von verheerenden Bränden. 1852 brannte die Kirche mit ab. Die jetzige wurde anschließend erbaut. 1906, 1911 und 1933 wurde der Ort wiederum von Brandkatastrophen heimgesucht. 1933 brannten 203 Häuser ab. Die Ursache wurde nie geklärt. Öschelbronn wurde als Musterdorf im fränkisch-alemannischen Fachwerkstil wieder aufgebaut.[3] In den letzten Tagen des Krieges musste Öschelbronn Artilleriebeschuss und Kampfhandlungen über sich ergehen lassen. Der Schanzgraben, Teil der Eppinger Linien, der 1695/97 unter dem Markgrafen Ludwig von Baden, dem „Türkenlouis“, zum Schutz gegen die Franzosen ausgehoben wurde, ist im Abschnitt Niefern-Öschelbronn noch sehr gut erhalten. Er beginnt bei der Waldschanz, Gemarkung Niefern und zieht dann über den Tannenberg, Gemarkung Niefern zum Wald „Steckhof“, Gemarkung Öschelbronn, in Richtung Mühlacker-Eppingen. 1810 kam Öschelbronn zu Baden. Auch die Öschelbronner nützten die Industrialisierung Pforzheims, um ihre Lebensumstände zu verbessern. Traditionell in diesem Ortsteil ist der vierteljährliche Krämermarkt.

Niefern-Öschelbronn[Bearbeiten]

Am 1. August 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Öschelbronn nach Niefern eingemeindet. Die Gemeinde Niefern wurde am 18. November 1971 in Niefern-Öschelbronn umbenannt.

Mit einer Gemarkungsfläche von 22 km² hat es sich nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem bedingt durch seine günstige Verkehrslage an der B 10, Autobahnanschluss mit Tank- und Rastanlage, zwei Landesstraßen, Bahnhof an der Strecke Karlsruhe - Stuttgart, zu einem Industrieort mit etwa 4.000 Arbeitsplätzen entwickelt. Die Gemeinde liegt an der Landesentwicklungsachse Karlsruhe - Pforzheim - Mühlacker. Industrie in den Bereichen Maschinenbau, Biotechnologie, Fernsehantennen, Elektrotechnik, Räumwerkzeuge, Automaten-Drehteile, Schmuckwaren hat hier ihren Standort.

Im Ort bestehen ein beheiztes Freibad mit Liegewiese, ein Hallenbad, Sauna, ein Sportstadion, vier Sportplätze (davon ein Hartplatz), zwei Turnhallen, eine Großsporthalle, fünf Tennisplätze und eine Tennishalle, Schießstand, eine Minigolfanlage, eine Mehrzweckhalle in Öschelbronn (Steighalle), ein Kultursaal (Ameliussaal) sowie der Saalbau des Johanneshauses, eine Ortsgruppe des Technischen Hilfswerkes und eine Freiwillige Feuerwehr.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl[Bearbeiten]

Die Gemeinderatswahl am 13. Juni 2004 führte zu folgendem Ergebnis:

  1. CDU 31,6% (-0,7) - 7 Sitze (=)
  2. FDP/DVP 28,6% (+28,6) - 6 Sitze (+6)
  3. FWG 27,4% (-19,8) - 6 Sitze (-5)
  4. SPD 12,4% (-2,2) - 3 Sitze (=)
  5. Andere 0,0% (-5,8) - 0 Sitze (-1)

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]

Die Gemeinde pflegt Kontakte nach Oelsnitz/Erzgeb. in Sachsen und Odry in Tschechien. Außerdem bemüht sich Niefern-Öschelbronn seit 2011 um eine Freundschaft mit der französischen Kleinstadt La Bresse in den Vogesen.

Kultur[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Kirnbachmuseum

Sport[Bearbeiten]

  • Fußballverein Öschelbronn 1924 e. V.
  • Turnverein 1891 Öschelbronn e. V.
  • TSG Niefern
  • TCNÖ Tennisclub Niefern-Öschelbronn
  • Fußballverein 09 Niefern e. V.
  • VDH Niefern Hundesportverein
  • Schachclub Niefern-Öschelbronn 1980 e. V.
  • Sportschützen Verein 1924 e.V. Niefern
  • DLRG OG Niefern-Öschelbronn e.V.

Musik[Bearbeiten]

  • Musikverein Niefern
  • Fanfarenzug Öschelbronn Brass Band
  • Posaunenchor
  • Akkordeon-Orchester Niefern-Öschelbronn e. V.

Bauwerke[Bearbeiten]

Evangelische Kirche[Bearbeiten]

Evangelische Pfarrkirche Niefern
Chorausmalung

Die Evangelische Kirche zu Niefern nimmt unter den Kulturdenkmalen des Enzkreises nach dem Kloster Maulbronn und der Pfarrkirche zu Tiefenbronn den dritten Platz ein. Sie ist neben der Niefernburg das älteste Gebäude des Ortes und bildet seinen geographischen und historischen Mittelpunkt. Das gotische Gotteshaus geht auf das 14. und 15. Jahrhundert zurück. Der Chor stammt von ca. 1350, das Hauptschiff wurde 1480 - 1490 fertiggestellt. Die Kirche war vor der Reformation eine Stifts- oder Chorherren-Kirche, wahrscheinlich eine Filiale der Pforzheimer Schlosskirche. Kennzeichen sind das hohe Tonnengewölbe des Kirchenschiffs und der Lettner, der wie eine Brücke das Schiff vom Chorraum trennt. Er ist einer der wenigen erhaltenen Exemplare in Südwestdeutschland.

Holzskulpturen, Vermutlich Heilige Ottilia und Johannes der Täufer

Die Bedeutung der Nieferner Kirche haben die Seccomalereien begründet, welche die Innenwände im Chor nahezu vollständig bedecken. Des Weiteren beherbergt die Kirche einige Werke mittelalterlicher Holzschnitzkunst: Zwei große Heiligenfiguren, eine weibliche Figur, vermutlich die heilige Ottilia darstellend, und Johannes der Täufer schmücken die südliche Seitenwand. Das Kruzifix auf Choraltar und die dahinter stehende heilige Anna selbdritt sind kleinere Holzskulpturen.

Maria ist die Patronin der Nieferner Kirche; die Kirche hieß ehemals St. Marien. Darauf weist auch eine Inschrift im Torbogen des Lettners und eine Sandsteinfigur hoch oben an der Westwand des Turmes hin.

Niefernburg[Bearbeiten]

Niefernburg

Die „Talburg“ als Vorläufer von Schloss Niefernburg wurde spätestens um 1185 von den Herren von Niefern erbaut. Die Herren von Niefern gehörten zusammen mit den Herren von Enzberg und von Dürrmenz zu einem großen Geschlecht und führten ein gemeinsames Wappen. Markgraf Karl II. schenkte 1555 seinem Kanzler Martin Achtsynit für seine Verdienste um die Reformation den Ort mitsamt dem alten Burgstadel an der Enz. Dieser erbaute die Niefernburg „von Grund uff“ und versah sie mit Wirtschaftsgebäuden, Säg- und Mahlmühle. Noch heute bietet die Niefernburg dem Betrachter ein eindrucksvolles Bild. Der 27 Meter hohe, achteckige Treppenturm ist von allen Bauteilen am besten erhalten.

Die Niefernburg ist heute eine Einrichtung der Jugendhilfe im Diakonischen Werk der Evangelischen Landeskirche in Baden. Sie wurde 1852 als Rettungshaus für Waisenkinder gegründet, hat sich zu einer sozialpädagogischen Einrichtung für Mädchen und Jungen entwickelt, die Jugendliche bei einer Neuorientierung unterstützt.

Chartaque[Bearbeiten]

Neben der Niefernburg, den beiden Gotteshäusern und dem Kirnbachmuseum besitzt Niefern-Öschelbronn bestehen die Eppinger Linien. Sie wurden in den Jahren 1681 bis 1697 gegen die feindlichen Truppen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Fronarbeit gebaut und führen von Dillweißenstein bis Neckargemünd rund 80 Kilometer wie ein Schutzriegel und zweiter Limes durch den Kraichgau. Dieser zweite Limes sollte Württemberg schützen, musste aber nie aktiviert werden.

Angeregt durch Oberforstrat Alfons Dürr und unterstützt vom jungen Kulturkreis baute Niefern-Öschelbronn in den Jahren 1987/88 an der Nieferner Waldschanze, direkt an den Eppinger Linien, einen historischen Wach- und Beobachtungsturm nach, eine sogenannte Chartaque. Sie bietet Aussicht nach Eutingen, Kieselbronn, Enzberg und zur rechten Hand nach Öschelbronn. Die Baukosten betrugen 120.000 DM, die zum größten Teil durch die Gemeinde und der Sparkasse finanziert wurden.

Dieser hölzerne Aussichtsturm mit einer Höhe von 12,10 Metern wurde von der Bevölkerung angenommen. Einige Jugendliche jedoch entfachten Mitte der 1990er Jahre in einer stürmischen Nacht auf der oberen Plattform ein Lagerfeuer. Das hölzerne Bauwerk, das durch seine Bauweise wie ein gut ziehender Kamin wirkte, geriet in Brand und brannte vollständig ab. 1998 wurde die zweite Chartaque als identischer Nachbau, finanziert von der Feuerversicherung, errichtet.

Verwaltungsgebäude der ehemaligen Papierfabrik[Bearbeiten]

Neben der Niefernburg, in den Enzauen befand sich das Verwaltungsgebäude der ehemaligen Papierfabrik, auch „Herrenhaus“ genannt. Das 1823 erbaute „Herrenhaus“ war das letzte Gebäude des ältesten Industriestandorts in Baden, der 1673 als Papiermühle gegründet wurde. Das Gebäude wurde 2009 abgerissen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Haltepunkt Niefern in Niefern-Vorort liegt an der Bahnstrecke Karlsruhe–Mühlacker. Es halten Regional-Expresszüge der Relation Karlsruhe–Stuttgart sowie Züge der Stadtbahn Karlsruhe der Relation Wörth (Rhein)-Badepark–KarlsruheBietigheim-Bissingen. Außerdem wird die Gemeinde durch die Bundesautobahn 8 (Abfahrt Pforzheim-Ost) und die Bundesstraße 10 erschlossen.

Unternehmen[Bearbeiten]

Insgesamt sind in Niefern-Öschelbronn rund 600 Betriebe ansässig, davon 35 Industrie-, 40 Schmuckwaren-, 95 Handwerks- und 430 sonstige Betriebe. Daneben verfügt Niefern-Öschelbronn über fünf Hotels mit einer Bettenkapazität von rund 400 Betten.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Köhler: Evangelische Kirche Niefern, Schnell Kunstführer Nr. 2193, Schnell & Steiner Regensburg 1996, erhältlich bei der evangelischen Kirchengemeinde

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niefern-Öschelbronn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 573–576
  3. Vgl. Hermann Diruf: Der Wiederaufbau von Öschselbronn - das erste „nationalsozialistische Aufbauwerk“, in: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 47. Jahrgang 1989 Heft 1, S. 39-46.