Podcasting

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Podcasting bezeichnet das Anbieten abonnierbarer Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet. Das Kofferwort setzt sich zusammen aus der englischen Rundfunkbezeichnung Broadcasting und der Bezeichnung für bestimmte tragbare MP3-Spieler, iPod, mit deren Erfolg Podcasts direkt verbunden sind und die heute stellvertretend für jegliche tragbare MP3-Spieler stehen.[1] Ein einzelner Podcast besteht aus einer Serie von Medienbeiträgen (Episoden), die über einen News Feed (meistens RSS) automatisch bezogen werden können. Alternativ sind Podcasts auch unter dem markenneutralen Begriff Netcast bekannt. Podcasts stehen im Gegensatz zum Webcast oder Streaming, bei denen keine lokal gespeicherte und damit auch offline verfügbare Mediendatei verwendet wird. Selten finden die deutschen Wörter Hörstück, Hördatei oder Bewegtbilddatei Anwendung. Podcasts sind vergleichbar mit Radiosendungen, die auch unabhängig von den Sendezeiten angehört werden können.

Handelt es sich um Fernsehbeiträge oder anderes Videomaterial, das auf diesem Weg verbreitet wird, spricht man von Vodcast, Vidcast oder inzwischen meistens von einem Video-Podcast. Podcasting wäre so als Teilbereich von Video-/Audio-on-Demand zu betrachten. Jedoch stehen letztere Begriffe eher für kostenpflichtige und durchsuchbare Dienste, während „Sender“ Podcasts in aller Regel kostenlos und in einer vom Konsumenten ausgewählten Menge nach und nach in neuen Folgen anbieten.

Geschichte[Bearbeiten]

Als Erfinder des Podcastings gelten Tristan Louis, der das Konzept im Jahr 2000 erstmals vorschlug, und Dave Winer, der es leicht modifiziert als Erster umsetzte. Der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry gilt auf Produzentenseite als Pionier des damals noch „Audioblogging“ genannten Verfahrens. Den Begriff „Podcast“ erfand Ben Hammersley erst 2004; er bürgerte sich schnell ein, auch die Technik fand immer breitere Verwendung – mit dem Blogger Adam Curry als ihrem größten Unterstützer. 2005 sprang das Unternehmen Apple, dessen tragbarer Digital-Audio-Player iPod bereits für die Namensgebung hatte herhalten müssen, auf den Zug und verschaffte dem Podcasting durch die Integration in die bereits weit verbreitete Software iTunes Zugang zu einem Massenpublikum.

Zunächst beschäftigte sich die kleine Gemeinschaft in den Sendungen vor allem mit sich selbst, erst langsam bildeten sich themenorientierte Sendungen heraus. Schnell vertreten waren Musiksendungen. Auch Zeitungen und Zeitschriften bieten zunehmend im Rahmen ihres Onlineangebots Podcasting an, mit aufgenommenen Sendungen und mit über Sprachsynthese vorgelesenen Artikeln.

Seit Sommer 2005 tauchen einige Podcasts mit erotischen Inhalten auf, so genannte Porncasts. Daraufhin integrierte Apple in die Software iTunes ab Version 5 eine Kindersicherung, basierend auf einer freiwilligen Angabe des Podcasters, ob seine Inhalte für Kinder und Jugendliche geeignet sind.

Im Juni 2005 tauchte der erste deutschsprachige Video-Podcast[2] auf und im Herbst 2005 wurden bei Portalen wie Apples iTunes bereits mehrere Video-Podcasts unter der Rubrik Podcast gelistet. Sie werden in der Regel in Video-Formaten wie MPEG-4 und H.264 geliefert. Auch sie werden über einen Newsfeed angeboten.

Im Februar 2006 zählte die deutsche Szene rund 1300 Podcasts. Freie Radios können mit StreamOnTheFly aus ihrem Archivnetzwerk Podcasts anbieten.

Bis 2008 hat sich bei allen großen Radiosendern und einigen Fernsehsendern wie arte.tv die Bereitstellung ausgewählter Radio- und Fernsehsendungen über die Podcast-Funktion etabliert. Die Sendungen werden entweder auf der eigenen Internetseite oder zusätzlich auf Podcast-Portalen entweder als Live-Stream ohne die Möglichkeit des Herunterladens (von Filmen) oder wahlweise zum Soforthören oder Herunterladen (von Audiodateien) bereitgestellt. Die Inhalte sind neben Informations- und Bildungssendungen häufig Interviewsendungen und ab 2008 auch einzelne Spielfilme, die entweder temporär für einige Tage oder dauerhaft über eine so genannte Mediathek (z. B. ZDF-Mediathek) zum Konsum über Live-Stream (Filme) oder Herunterladen (Audiosendungen) bereitgestellt werden.

Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) und die Financial Times Deutschland (FTD) waren die ersten Online-Medien, die personalisiertes Podcasting ermöglichten. Als Pionier der deutschen Podcastszene gilt Tim Pritlove, der neben selbst produzierten Podcasts auch aktiv an der Software- und Toolentwicklung zur Produktion eines Podcasts mitwirkt.

Inhalt von Podcast-Sendungen[Bearbeiten]

Beliebige Teilnehmer auf Anbieterseite (Podcaster) erstellen diese Mediendateien und stellen sie anschließend mittels eines News Feeds auf einem Server im Internet bereit. Ein Teilnehmer kann diesen so genannten Feed mit einer speziellen Software „abonnieren“.

Schematische Darstellung eines Audio-Podcasts, der die Episoden im MP3-Format bereitstellt

Ein Abonnement bedeutet hier, dass die Software in regelmäßigen Abständen den Newsfeed des Podcasts auf neue Beiträge überprüft und diese dann herunterlädt. Beim Podcasting werden nicht nur Schlagzeilen, sondern auch Mediendateien aggregiert.

Anders als bei einem Zeitschriftenabonnement besteht keine Vertragsbeziehung zwischen Anbieter und Abonnenten. Man kann dadurch einer breiten Öffentlichkeit Podcasts anbieten. Die Mediendatei eines Angebots kann beliebige Inhalte haben, beispielsweise Mitschnitte von Radiosendungen, Interviews, automatisch vorgelesene Zeitungsartikel, Musiksendungen usw.

News Feeds und Podcasts findet man unter anderem häufig in Weblogs. Es existieren mittlerweile jedoch große Verzeichnisse und Portale im Internet mit Listen solcher Links zu den unterschiedlichsten Themen.

Meistens handelt es sich bei Podcasts um private Sendungen, ähnlich Radioshows, die sich einem bestimmten Thema widmen. Zunehmend werden aber auch professionell produzierte Podcasts, etwa für Special-Interest-Nachrichten und -Themen angeboten. Podcasts, die schwerpunktmäßig Inhalte einer bestimmten Kategorie bereitstellen, werden oft mit einem englischen Kategoriekürzel und dem Zusatz "cast" versehen bezeichnet. Beispiele stellen Bezeichnungen wie etwa Astronomycast, Howcast, Porncast, Sportcast oder Educast dar. Educast, ein Kofferwort aus „educational Podcast“ bezeichnet Podcasts mit dem Ziel der Wissensvermittlung.

Bei der Verwendung von Musik in eigenen Podcasts ist das Urheberrecht zu beachten. Ein zunehmender Trend ist das Benutzen von Podsafe Music, also lizenzfreier oder Creative-Commons-lizenzierter Musik.

Auch zur Unterscheidung technisch unterschiedlicher Hauptquellen des Audio- und/oder Video-Materials eines Podcasts werden gerne spezielle Begriffe verwendet. Während das Voipcasting oder Phonecasting, das Aufzeichnen einzelner Beiträge per Telefon bezeichnet, beschreibt Screencasting das Aufzeichnen der Aktivitäten auf einem grafischen Display, das meistens mit einer Sprecherstimme begleitet wird.

Im Bereich spezialisierter Musikszenen wird eine Podcast-ähnliche Funktionalität eingesetzt, damit die Szenemitglieder über neue Musik verschiedener Labels immer auf dem aktuellen Stand sind und diese digital vorhören können. Es handelt sich hier um Podcasts im weiteren Sinne, da sie musikbezogen sind und es keine Moderation gibt. Es wird lediglich dieselbe technische Grundlage verwendet.

Veranstaltungen, wie die jährliche Verleihung eines Podcast Awards zeugen von der steigenden Verbreitung in alle Themenbereiche des Internets.

Sendungsnotizen[Bearbeiten]

Häufig werden Podcasts zusammen mit ergänzenden Sendungsnotizen zur aktuellen Episode veröffentlicht. Diese sogenannten "Shownotes" enthalten meist neben einem beschreibenden Text auch Bilder und Links zu den besprochenen Themen. Seit kurzem werden zu diversen Podcasts Sendungsnotizen via Crowdsourcing geschrieben[3].

Technisches[Bearbeiten]

Podcasting bedient sich bereits existierender Techniken. Es erleichtert die Bereitstellung und den Empfang von Audio- und Videoinhalten erheblich. So wird eine breitere Basis von Produzenten und Konsumenten geschaffen (ausgedrückt in der Wortneuschöpfung „Prosument“).

Die einzelnen Beiträge eines Podcasts heißen gewöhnlich „Episoden“, obwohl teilweise der Begriff „Podcast“ auch auf eine einzelne dieser so verbreiteten Dateien angewendet wird. Fälschlicherweise nennt man manchmal auch nur die im News Feed verlinkten Medieninhalte Podcast.

Im Internet kann jeder mit geringem Aufwand, zum Beispiel einem PC mit Soundkarte, Mikrofon, sowie Internetanschluss und Webspace, einen Podcast erstellen. Webspace, der speziell auf die Belange eines Podcasters ausgelegt ist, wird Podspace genannt. Bei einem Hosting-Service, der ausschließlich Podspace anbietet, spricht man von einem Podhosting-Dienst. Es ist weder kostspielige Hard- oder Software erforderlich, noch sind öffentliche Gebühren, wie beim Betrieb eines Webradios, zu entrichten. Podcaster müssen jedoch genauso wie Betreiber von Rundfunksendern (z. B. auch Web-Radios) die Rechte Dritter an den Medieninhalten beachten und eventuell Gebühren an sie oder deren Lizenzgeber abführen (Urheberrecht).

Bücher, die exklusiv nur als Podcast, das heißt als Hörbuch im Podcast-Format, erscheinen, werden auch Podiobook genannt.

Podcast-Empfang[Bearbeiten]

Der Podcasting-Client (englisch podcatcher) bietet dem Hörer die Möglichkeit, Listen von Newsfeeds von Podcasts zusammenzustellen (aggregieren). Diese Software wird daher auch als Feed-Aggregator bezeichnet. Dieser Begriff ist jedoch weniger genau als Podcasting-Client, da jener lediglich Ticker-Nachrichten abruft (Newsfeeds) – ohne Zugriff auf Audio-Dateien. Viele Podcasting-Clients erlauben die regelmäßige Aktualisierung und den automatischen Download der abonnierten Podcast-Feeds.

Die meisten der Aggregatoren legen automatisch eine Wiedergabeliste in einem mit portablen MP3-Playern synchronisierbaren Medienspieler an. Die Synchronisation erfolgt so, dass die neuen Episoden auf das Gerät geladen werden, wenn man dieses mit dem Computer verbindet. Bei den meisten Programmen lässt sich dabei einstellen, ob man alle (Serien) oder nur die aktuelle Version (z. B. Nachrichten) herunterladen möchte.

Neben dem Abonnement durch spezielle Podcasting-Clients können Podcasts meistens auch über eine Website in Form eines Hyperlinks auf die Audiodatei publiziert und als gewöhnliche Audiodateien vom Nutzer mit dem Webbrowser heruntergeladen werden. Dort können sie dann mit einem Audioplayer angehört werden. Sind Audiodateien ohne Newsfeeds in einem Weblog verlinkt, spricht man mitunter auch von einem Audioblog.

Ein nicht unbedeutender Anteil des Konsums von Podcast-Episoden aus Podcast-Portalen findet in der in Form von Streaming Audio statt. Auf so genanntes Streaming Media spezialisierte Portale (wie etwa podcast.de, podster.de oder yasssu.com) bieten Medieninhalte über einen Abspielknopf an, der in Webseiten und Weblogs zum Abspielen als Streaming Media eingebettet werden kann. Waren bislang oft Desktop-Computer das primäre Zugangsgerät so häuft sich in letzter Zeit der Zugang zu solchen Inhalten über Smartphones.

Details zu technischen Hintergründen und dem Ablauf des Verfahrens der Inhalteauslieferung per Streaming finden sich im Streaming-Media-Artikel.

Podcast-Erstellung[Bearbeiten]

Zur Erstellung der Audiodateien für einen Podcast gibt es mehrere Wege:

Zum einen kann man Audiomaterial live mit einem Aufnahmegerät aufzeichnen. Möglich sind ein Computer mit Toneingang und Mikrofon beziehungsweise Headset oder ein MP3- oder MiniDisc-Recorder, dessen Aufnahmen auf den Rechner überspielt und dort nachbearbeitet werden können.

Mit Hilfe eines Audioschnittprogrammes wie etwa des freien Audioeditors Audacity oder Ardour können sowohl Aufnahmen direkt am PC gemacht werden als auch einzelne Bausteine (Sprache, Geräusche, Musik) zu einem Beitrag zusammengeschnitten werden.

Will man längere Stücke gesprochenen Textes als Audiodatei erstellen, ist die automatische Sprachsynthese eine Alternative zur Aufnahme eines menschlichen Sprechers. Bei der Sprachsynthese ist die Vorlesequalität beim derzeitigen Stand der Technik von durchaus akzeptabler Qualität (zwar schlechter als die eines menschlichen Sprechers, indes erheblich kostengünstiger und schneller). Es ist zu empfehlen, MP3-Dateien durch Sprachsynthese lieber nur fünf bis acht Minuten lang zu produzieren. Auch bei einer guten Sprachsynthese ist das Zuhören für die meisten Menschen gewöhnungsbedürftig beziehungsweise anstrengend.

Auch MIDI-Dateien lassen sich mit Hilfe eines MIDI-Klangerzeugers leicht in Audiodaten konvertieren.

Die Audiodaten erzeugt man im MP3-Format oder mittels eines anderen Audio-Codecs, zum Beispiel Advanced Audio Coding (AAC) oder Vorbis, überführt sie in Dateien und transportiert diese auf einen Server.

Gleichzeitig werden die Audiodaten unter Verwendung so genannter enclosure tags in einen News Feed eingetragen, der auf der Website des Podcasters platziert wird. Die Handhabung erleichtern spezielle Programme wie Podcast Maker oder GarageBand, so dass es auch ohne viel technische Einarbeitung möglich ist, Podcasts zu erstellen und im Internet verfügbar zu machen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) gab im April 2006 die Anzahl der seit November 2005 heruntergeladenen Podcast-Dateien auf über eine Million an.

Seit dem 8. Juni 2006 wendet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel per Video-Podcast (Vodcast) wöchentlich samstags an die Öffentlichkeit. Merkel ist die erste Regierungschefin weltweit, die dieses Medium nutzt. Sie verbindet damit die Absicht, den Bürgern die Politik der Bundesregierung besser zu erklären.

Bekannte deutschsprachige Podcasts sind oder waren zum Beispiel Annik Rubens’ „Schlaflos in München“, Peter Marquardts „lemotox – die Volksentdummung“, Holger Schmidts „MacManiacs“, Michael Koziols „Meikys Podcast“, „Chicks on Tour“, „Kilians Podkost“ von Kilian Muster oder Computerclub 2, oder die aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs stammenden Podcasts „Alternativlos“ von Felix von Leitner und CCC-Sprecher Frank Rieger oder CRE (vorher Chaosradio Express) von Tim Pritlove, der ebenfalls eine ganze Reihe weiterer Podcasts – etwa Freak Show oder Logbuch:Netzpolitik – produziert, welche alle unter dem Begriff Metaebene[4] subsumiert wurden. Weiterhin ist als ein Hauptvertreter der Video-Podcasts der „Elektrischer Reporter“ des Journalisten Mario Sixtus zu erwähnen. Darüber hinaus existieren viele Sparten-Podcasts, die sich mit Themen wie Literatur, Softwareentwicklung, Erwachsenenbildung, Kabarett und vielen anderen auseinandersetzen.

Schweiz[Bearbeiten]

Das Schweizer Fernsehen und Radio präsentiert ein weites Podcastangebot. Die Grundlage sind meistens gesendete Sendungen (Zweitverwertungen). Die Angebote vom Radio sind Audiocasts, Beiträge vom Fernsehen sind Vodcasts. Weitere Medien, unter anderem auch Printmedien und nicht kommerzielle Originale erweitern das Schweizer Angebot. Die Neue Zürcher Zeitung hat mit NZZ Campus ein Podcast-Angebot aufgebaut, das die Artikel in den Printausgaben ergänzt.

Österreich[Bearbeiten]

Die Podcast-Landschaft in Österreich wird vor allem von den Rundfunkanstalten gestaltet. Das weitestgefächerte Angebot bietet hier der ORF, doch auch er hinkt nach eigenen Angaben der internationalen Praxis noch hinterher.[5] Vereinzelt bieten auch österreichische Printmedien Podcasts an. Auch Tourismusregionen sind auf den Podcast-Zug aufgesprungen, wie zum Beispiel die Region Zell am See in Kaprun. Auch im Bereich der Weiterbildung werden immer häufiger Podcasts eingesetzt. Vorträge und Expertengespräche sind hierbei beliebte Genres in verschiedensten Fachbereichen, von Informatik und Technik, Wirtschaft bis hin zu Kunstgeschichte und Sprachwissenschaften.

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Eine im April 2006 von Forrester Research veröffentlichte Studie (Autorin Charlene Li) ergab, dass bisher erst ein Prozent aller Internet-Nutzer in Nordamerika entsprechende Dateien herunterladen und nutzen. Rund 25 Prozent der Befragten waren grundsätzlich am Podcasting interessiert. Forrester Research prognostizierte für die US-amerikanischen Haushalte aber bis 2010 eine Steigerung der heruntergeladenen Dateien von 700.000 auf 12,3 Millionen.[6] Der wohl bekannteste Podcast der Welt stammt aus Amerika: Adam Currys „Daily Source Code“. US-Präsident Barack Obama veröffentlicht wöchentlich einen Podcast, der vergleichbar ist mit dem der deutschen Bundeskanzlerin.

Schulischer Einsatz von Podcasts[Bearbeiten]

Einsatz von Podcasts im Fremdsprachenunterricht[Bearbeiten]

Podcast können im Fremdsprachenunterricht sowohl zur Verbesserung rezeptiver als auch produktiver Fertigkeiten eingesetzt werden. Neben der Verwendung fertiger Podcasts kann die Lehrperson selber einen Podcasts mit Lerninhalten für ihre Lerngruppe bereitstellen oder die Lernenden bei der Herstellung eines eigenen Podcasts anleiten.[7]

Hörverstehen[Bearbeiten]

Bei der Arbeit mit fertigen Podcasts steht vor allem das Hörverstehen im Zentrum. Möglich sind alle mit Hörtexten üblichen Arbeitsformen, also zum Beispiel klassische Hörverstehensaufgaben mit vorgegebenen Antworten, aber auch Zusammenfassungen, Nacherzählungen, die Schulung des phonematischen Hörens – in Verbindung mit einer Transkription des jeweiligen Beitrags – oder Aufgabenstellungen, in denen Informationen aus einem Podcast durch Recherche vertieft werden müssen.[8][9][10] Podcastspezifisch sind vor allem die Authentizität, Aktualität und thematische Vielfalt der über Podcasts zugänglichen Audio- und Videodateien.

Viele Podcasts bieten neben den eigentlichen Audio- und Videodateien zusätzliche Informationen wie Zusammenfassungen, weiterführende Links oder Transkriptionen an, die zur Vorentlastung, thematischen Vertiefung, Planung von Aufgaben oder zur Überprüfung des Verständnisses eingesetzt werden können. Lehrenden eröffnet sich mit der Hilfe von Podcasts die Möglichkeit, Hörverstehensaufgaben thematisch auf ihre Lernergruppe zuzuschneiden, für die Lerngruppe wichtige Varietäten stärker in den Unterricht einzubeziehen oder Aufgaben zur Binnendifferenzierung anzubieten.

Die Verbreitung über das Internet sowie die Möglichkeit, Podcastfolgen abzuspeichern und auf mobile Geräte wie zum Beispiel mp3-Player oder Smartphones zu übertragen, ermöglichen den Einsatz von Podcastepisoden über die Unterrichtszeit hinaus. Neben der Nachbearbeitung von im Unterricht behandelten Hörtexten oder auf Podcastepisoden basierenden Hörverstehensaufgaben zur selbständigen Bearbeitung können Lernende Podcasts auch selbständig zur Unterstützung des Spracherwerbs verwenden. Da die meisten Podcasts nicht explizit für Lernende gemacht werden, sind sie erst etwa ab B1 (= selbständige Sprachverwendung) oder später für autonome Lernende geeignet. Es existieren aber auch speziell für Lernende konzipierte Angebote, wie zum Beispiel die didaktisierten Angebote der deutschen Welle[11] oder über das Portal audio-lingua[12][13] zur Verfügung gestellten Beiträge von Muttersprachlern, die sich zum Teil auch schon an Lernende auf tieferen Niveaustufen richten.

Sprechen[Bearbeiten]

Beim Erstellen von Podcasts steht vor allem die mündliche Produktion, also das Sprechen oder die Aussprache[14] im Vordergrund. Je nach Aufgabenstellung und thematischer Ausrichtung kann auch das Leseverstehen oder das Schreiben einbezogen werden.

Einsatz von Podcasts im Mathematikunterricht[Bearbeiten]

In der Mathematik hat das schriftlich-graphische Darstellen eine zentrale Funktion. Daher werden zunächst Videopodcasts beschrieben. Aber auch Audiopodcasts werden zum Lehren und Lernen von Mathematik eingesetzt. Neben der Verwendung fertiger Podcasts, die auch von Lehrpersonen erstellt sein können, ist gerade das Erstellen der Podcasts durch die Schülerinnen und Schüler vielversprechend.

Videopodcasts[Bearbeiten]

Ein Beispiel für anspruchsvolle Videopocasts zu mathematischen Themen ist die von BR alpha mit Beutelspacher erstellte Reihe Mathematik zum Anfassen. Die verschiedenen Episoden eignen sich für einen Einsatz als Impuls für mathematische Themen in der Lehrerbildung und in der Sekundarstufe.

Audiopodcasts[Bearbeiten]

Bei der Produktion von Audiopodcasts zu mathematischen Themen durch Lernende müssen die schriftlich-grafischen Darstellungsmittel durch klare Verwendung von Begriffen kompensiert werden. Für zwei verschiedene Zielgruppen liegen solche Audiopodcasts vor: für Grundschüler (PriMaPodcasts)[15] [16] und für Studierende des Lehramts (MathePodcasts). [17] Die PriMaPodcasts sind von Primarstufenschülern erstellte Podcasts zur Mathematik. Sie dienen der mathematischen Begriffsbildung aber auch als Zugang zur Forschung in diesem Bereich. Als PriMaPodcasts liegen auch Beispiele auf Englisch [18] [19], Spanisch und auf Türkisch vor. Die MathePodcasts sind von Studierenden erstellte Podcasts zu mathematischen Themen.[20] Ziele der Erstellung von Podcasts sind die Vertiefung mathematischer Inhalte oder die Vorbereitung auf die Erstellung von Audiopodcasts mit den Schülerinnen und Schülern.

Wort des Jahres 2005 im Vereinigten Königreich[Bearbeiten]

Nachdem das Wort „Podcast“ bereits im August 2005 ins Oxford Dictionary of English aufgenommen wurde, wurde es vom New Oxford American Dictionary zum Wort des Jahres 2005 gewählt. Hierbei setzte es sich gegen Kandidaten wie bird flu („Vogelgrippe“) und Sudoku durch.

Der Entscheidung für „Podcast“ lag laut der Jury in erster Linie die „phänomenale Ausbreitung“ des Wortes zugrunde, das es „von relativer Unbekanntheit zu einem der heißesten Medientrends schaffte“.

Piktogramm[Bearbeiten]

Podcasthörer-Zeichen

Für die Icon-Darstellung von Podcasts zum Beispiel in Podcatchern gibt es kein einheitliches Piktogramm. Zu den bekanntesten gehört das bei iTunes verwendete violette Männchen, von dessen Kopf Funkwellen ausgehen. Allerdings ist diese Grafik von Apple geschützt und darf nicht von Dritten verwendet werden. Daher wird häufig auf das RSS-Piktogramm zurückgegriffen.

Seit März 2006 gibt es das rechts abgebildete „Podcasthörererkennungszeichen“. Es wurde von Peter Marquardt entworfen und in einem Wettbewerb gewählt, der auf Annik Rubens’ Initiative hin stattfand. Die Entwicklung des Symbols war zuvor im englischsprachigen Raum wiederholt als versuchte Monopolisierung der Symbolentwicklung kritisiert worden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Podcasting – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Podcast – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag zu Podcast bei der Oxford University Press (englisch)
  2. Homepage erster deutscher Videopodcast
  3. Shownot.es Sendungsnotizen Community
  4. Metaebene Personal Media
  5. Der Standard, „ORF baut derzeit sein Online-Angebot aus – Formate als Podcast dauert an“, Artikel vom 9. April 2008, abgerufen am 29. April 2008
  6. Golem.de: „Studie: Noch hört fast niemand Podcasts“, Artikel vom 7. April 2006, abgerufen am 10. Januar 2008
  7. Dorok, Sebastian, J. Podcasting im Unterricht. Abgerufen am 4. Februar 2012
  8. Johanpeter, Maike: Podcasts im Französischunterricht Abgerufen am 4. Februar 2012
  9. Heckmann, Verena: Podcasts im Spanischunterricht. Abgerufen am 4. Februar 2012
  10. Kalt, Andreas: Australien: Cities via Podcast bereisen. Abgerufen am 4. Februar 2012
  11. Deutsch lernen mit Podcasts, abgerufen am 4. Februar 2012
  12. http://www.audio-lingua.eu/ Audio-lingua, Abgerufen am 4. Februar 2012
  13. Heckmann, Verena: Audio-lingua: Individuelles Hörverstehenstraining online, abgerufen am 4. Februar 2012
  14. Ducate, Lara; Lomicka Lara: PODCASTING: AN EFFECTIVE TOOL FOR HONING LANGUAGE STUDENTS’ PRONUNCIATION? (PDF; 182 kB). In: Language Learning & Technology, October 2009, Volume 13, Number 3, S. 66–86. Abgerufen am 4. Februar 2012.
  15. Schreiber, Christof: PriMaPodcast - Podcasts zur Mathematik in der Primarstufe Abgerufen am 4. März 2014
  16. Blog für Primapodcasts Abgerufen am 4. März 2014
  17. Blog für MathePodcasts von Studierenden Abgerufen am 4. März 2014
  18. Klose, Rebecca: Englischsprachige PriMaPodcasts im Mathematikunterricht Abgerufen am 4. März 2014
  19. Blog für Primapodcasts auf Englisch Abgerufen am 4. März 2014
  20. Klose, Rebecca; Tebaartz, Petra; Schreiber, Christof & Lengnink, Katja: Audio-Podcasts zu fachmathematischen Inhalten Abgerufen am 4. Juni 2014
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