Ramanathapuram (Distrikt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Distrikt Ramanathapuram
இராமநாதபுரம் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Ramanathapuram
Fläche: 4.180 km²
Einwohner: 1.337.560 (2011)
Bevölkerungsdichte: 320 Ew./km²
Website: ramnad.tn.nic.in

Der Distrikt Ramanathapuram (Tamil: இராமநாதபுரம் மாவட்டம்; früher: Ramnad) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum ist die namensgebende Stadt Ramanathapuram.

Geografie[Bearbeiten]

Die Palkstraße zwischen der Insel Pamban und dem Festland

Der Distrikt Ramanathapuram hat eine Fläche von 4.180 Quadratkilometern und liegt an der Küste im Süden Tamil Nadus. Nachbardistrikte sind Thoothukudi im Südwesten, Virudhunagar im Westen, Sivaganga im Norden und Pudukkottai im Nordosten. Der Distrikt Ramanathapuram ist in die sieben Taluks Kamuthi, Mudukulathur, Paramakudi, Tiruvadanai, Kadaladi, Ramanathapuram und Rameswaram unterteilt.

Die Distrikthauptstadt Ramanathapuram liegt im Binnenland im Zentrum des Distrikts. Etwas weiter nördlich mündet der Fluss Vaigai ins Meer. Die Länge der Küstenlinie des Distrikts Ramanathapuram beträgt 271 Kilometer (fast ein Drittel der gesamten Küstenlänge Tamil Nadus). Zum Distrikt gehört eine spitz zulaufende Halbinsel, welche die Palkbucht im Norden vom Golf von Mannar im Süden trennt. Am Ende der Halbinsel liegt die vorgelagerte Insel Pamban mit der Stadt Rameswaram. Von dem an der äußersten Spitze der Pamban-Insel gelegenen Ort Dhanushkodi sind es weniger als 30 Kilometer nach Sri Lanka. In der Meerenge liegt eine Kette von Inseln, die als Adamsbrücke bekannt ist.

Das Gebiet des Distrikts ist flach und wenig fruchtbar. Das Klima ist tropisch und semiarid. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 28 °C, der Jahresniederschlag beträgt 827 mm (zum Vergleich: Chennai 1.270 mm, Thiruvananthapuram 1.696 mm). Fast zwei Drittel der Niederschlagsmenge fallen während des Nordostmonsuns zwischen Oktober und Dezember.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Epos Ramayana schildert, wie der Hindu-Gott Rama (eine Inkarnation Vishnus) eine Brücke nach Lanka bauen ließ, um seine Frau Sita aus der Entführung durch den Dämonenkönig Ravana zu retten. Diese Brücke wird mit der Adamsbrücke identifiziert. Bei seiner Rückkehr soll Rama in Rameswaram einen Tempel gegründet haben.

Die lokalen Machthaber in der Region von Ramanathapuram trugen seit dem 14. Jahrhundert den Titel Setupati („Brückenherren“) und erhoben den Anspruch, sie seien von Rama beauftragt worden, die Pilger in Rameswaram zu beschützen. Anfang des 17. Jahrhunderts verliehen die Nayaks von Madurai den Titel Setupati offiziell dem Geschlecht der Maravan. Raghunatha Kilavan (1673–1708) verlegte die Hauptstadt der Setupatis von Pogalur nach Ramanathapuram und ließ die Stadt befestigen. 1725 übernahm ein Usurpator den Thron. Einer seiner Vasallen verbündete sich aber mit dem rechtmäßigen Erben und dem Raja von Thanjavur, setzte den Usurpator ab und erzwang die Teilung seines Herrschaftsgebiets: Der Nordteil fiel an Thanjavur, der rebellische Vasall machte sich als Raja von Sivaganga selbstständig und der Erbe erhielt ein Gebiet, das in etwa dem heutigen Distrikt entspricht. 1795 enthoben die Briten den Setupati Muthuramalinga seines Amtes und unterstellten Ramanathapuram der Verwaltung Britisch-Indiens, setzten aber die Erben seiner Schwester als Zamindars (Grundherren) ein. 1892 wurde das Zamindari-System abgeschafft, der Palast von Ramanathapuram ist aber bis heute im Besitz der Setupati-Familie.

Während der Kolonialzeit gehörte das Gebiet von Ramanathapuram zunächst zum Distrikt Madurai. 1910 wurde der Distrikt Ramnad (Ramanathapuram) aus Teilen der Distrikte Madurai und Tirunelveli gegründet. Während der britischen Kolonialzeit gehörte der Distrikt Ramanathapuram zur Provinz Madras. Nach der indischen Unabhängigkeit kam er im Zuge des States Reorganisation Act 1956 an den neuformierten Bundesstaat Madras, der nunmehr die tamilischsprachigen Gebiete umfasste und 1969 in Tamil Nadu umbenannt wurde. 1985 spalteten sich die Distrikte Sivaganga und Virudhunagar vom Distrikt Ramanathapuram ab.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Muslime begehen Fest an der Dargah (Heiligengrab) von Erwadi

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat der Distrikt Ramanathapuram 1.337.560 Einwohner. Im Vergleich zur letzten Volkszählung 2001 war die Einwohnerzahl um 12,6 Prozent um somit etwas langsamer als im Durchschnitt Tamil Nadus (15,5 Prozent) gewachsen. Der Distrikt ist nur dünn besiedelt: Die Bevölkerungsdichte ist mit 320 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich niedriger als der Mittelwert des Bundesstaates (555 Einwohner pqo Quadratkilometer) und nach dem Distrikt Nilgiris der zweitniedrigste aller Distrikte Tamil Nadus. 31,9 Prozent der Einwohner des Distrikts Ramanathapuram leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit niedriger als im Durchschnitt des Bundesstaates (48,5 Prozent). Die Alphabetisierungsquote entspricht mit 81,5 Prozent dem Mittelwert des Tamil Nadus (80,3 Prozent).[2]

Unter den Einwohnern des Distriktes stellen die Hindus nach der Volkszählung 2001 mit 78,1 Prozent die Mehrheit. Daneben gibt es größere Minderheiten von Muslimen (14,7 Prozent) und Christen (7,1 Prozent). Der muslimische Bevölkerungsanteil ist der höchste unter den Distrikten Tamil Nadus.[3]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Pamban-Brücke zwischen Rameswaram und dem Festland

Die wichtigsten Erwerbszweige im Distrikt Ramanathapuram sind Landwirtschaft und Fischerei. Nach der Volkszählung 2001 sind 58,5 % der Bevölkerung im Agrarsektor beschäftigt.[4] Traditionell wird Perlenfischerei betrieben, in jüngerer Zeit ist der Garnelenanbau in Aquakulturen hinzugekommen. Daneben ist im Distrikt Ramanathapuram Textilindustrie ansässig.

Durch das Gebiet des Distrikts führen zwei Fernstraßen und eine Bahnstrecke. Rameswaram ist der Endpunkt des aus Kochi kommenden National Highway 49 und der Bahnstrecke aus Madurai. Die Insel Pamban, auf der Rameswaram liegt, ist durch die Pamban-Brücke mit dem Festland verbunden. Sie besteht aus einer separaten Straßen- und Eisenbahnbrücke (letztere ist eine 1914 erbaute Hubbrücke) und ist mit 2.065 Metern die längste Seebrücke Indiens.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Innenansicht des Ramanathaswami-Tempels

Die auf der Pamban-Insel im Distrikt Ramanathapuram gelegene Stadt Rameswaram gilt Hindus als einer der heiligsten Orte Indiens und zieht große Mengen an Pilgern an. Der Haupttempel der Stadt ist der Ramanathaswami-Tempel, dessen älteste Teile auf das 12. Jahrhundert zurückgehen. Dem Mythos zufolge soll Rama bei seiner Rückkehr aus Lanka hier den Gott Shiva verehrt haben. Daher ist Rameswaram einer der wenigen Orte, die Vishnuiten und Shivaiten gleichermaßen heilig ist.

Städte[Bearbeiten]

Stadt Einwohner
(2001)[5]
Abiramam 6.636
Kamuthi 13.135
Keelakarai 30.472
Mandapam 15.799
Mudukulathur 13.130
Paramakudi 82.239
R.S.Mangalam 11.044
Ramanathapuram 61.976
Rameswaram 38.035
Sayalgudi 12.049
Thondi 15.298

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Distrikt Ramanathapuram: Rainfall statistics
  2. Census of India 2011: Provisional Population Totals. Paper 1 (PDF; 17,8 MB) und Paper 2. (PDF; 14,1 MB)
  3. Census GIS India (Religion)
  4. Census GIS India
  5. Census of India 2001: Population, population in the age group 0-6 and literates by sex - Cities/Towns (in alphabetic order)

Literatur[Bearbeiten]

  • The Imperial Gazetteer of India. Band 21: Pushkar to Salween. New edition. Clarendon Press, Oxford 1908, S. 177 ff., Stichwort: Rāmnād Estate.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ramanathapuram district – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien