Rush Limbaugh

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Rush Limbaugh (2009)

Rush Hudson Limbaugh III (IPA [ˈˈlɪmbɔː]; * 12. Januar 1951 in Cape Girardeau, Missouri) ist ein konservativer US-amerikanischer Radiomoderator und Entertainer. Rush Limbaugh ist Moderator der The Rush Limbaugh Show. Seine Sendung wird seit August 1988 landesweit ausgestrahlt; 2005 hatte sie nach einer Arbitron-Umfrage zwischen 14 und 20 Millionen Zuhörer pro Woche. Innerhalb des Segments Talk radio ist damit seine Zuhörerschaft die Größte in den USA.

Familie[Bearbeiten]

Rush Limbaugh wurde in Cape Girardeau als Sohn von Mildred „Millie“ Carolyn (geb. Armstrong), und Rush Hudson Limbaugh jr. geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt und Kampfflieger im Zweiten Weltkrieg, der im Gebiet China-Burma-Indien diente. Der Vorname „Rush“ erinnert an den Geburtsnamen des Familienmitglieds Edna Rush.[1] In seiner Familie gibt es etliche Juristen, neben seinem Vater auch sein Großvater und sein Bruder David. Sein Onkel Stephen N. Limbaugh sr. ist ein von Ronald Reagan ernannter Bundesrichter an einem Bezirksgericht in Missouri, und sein Cousin Stephen N. Limbaugh jr. ist Richter am Obersten Gerichtshof von Missouri. Großvater Rush Limbaugh sr. war in Missouri Staatsanwalt, Richter, Sonderbevollmächtigter und von 1930 bis 1932 Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Missouri.[2] Limbaughs Großvater war hoch angesehen als einer der „Patriarchen“ der Gesellschaft von Cape Girardeau und langjähriger Vorsitzender der Historischen Gesellschaft von Missouri. Als Rush sr. im Alter von 104 Jahren starb, war er noch immer als Anwalt tätig. Das Gebäude des Bundesgerichts in Cape Girardeau ist nach ihm benannt.

Limbaugh ist seit 2010 in vierter Ehe mit der Eventmanagerin Kathryn Rogers verheiratet. Dass Limbaugh in der Diskussion um die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in den Vereinigten Staaten Barack Obama vorwarf, mit seiner Befürwortung der Homo-Ehe führe Obama einen „Krieg gegen die traditionelle Ehe“, führte zu scharfer Kritik an Limbaughs Doppelmoral.[3][4]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Limbaugh begann seine Radio-Karriere als Jugendlicher 1967[5] in seiner Heimatstadt Cape Girardeau unter dem Namen Rusty Sharpe.[1] Er schloss die Cape Central High School 1969 ab. Auf Wunsch seiner Eltern schrieb er sich an der Southeast Missouri State University ein. Nach zwei Semestern brach er sein Studium ab; nach Auskunft seiner Mutter „he flunked everything“ (er fiel bei allem durch), sogar eine Veranstaltung zum modernen Tanz.[1] Wie er 1992 einem Reporter sagte, „schien er an nichts anderem als Radio interessiert zu sein.“[6]

Anschließend moderierte er Musikprogramme bei wechselnden Radiostationen unter dem Pseudonym Jeff Christie. 1979 begann er für einige Jahre für das Baseball-Team der Kansas City Royals zu arbeiten.

Karriere[Bearbeiten]

Fahndungsfoto bei der Verhaftung 2006

Beginn der Karriere[Bearbeiten]

Limbaugh begann seine Sendung 1988 und wurde von mehreren Radiosendern ausgestrahlt, später dann auch auf Stationen mit einer größeren Zuhörerschaft als dieses Programm zunehmend populär wurde. Die Show war auch ein Grund, dass Mittelwellensender sich zu einem Nachrichten- und Gesprächsmedium wandelten, als in den 1970er-Jahren die Zahl der Zuhörer sank. Die Show war jahrelang die meistgehörte Talk-Sendung in den USA, jedoch betrachtet Rush Limbaugh die Massenmedien, als sei er selbst kein Teil davon.

Kritiker beklagen oft die mangelnde Balance zwischen konservativen und linken Standpunkten in Talkshows im Radio. Limbaugh entgegnet darauf, dass Zeitungen und Fernsehen (mit Ausnahme von Fox News) seiner Auffassung nach linke Standpunkte (im American English „liberal“) massiv bevorzugten und er daher ein Gegengewicht darstelle und nicht etwa rechts stehe, sondern für die Mehrheit spreche. Er war dabei einer der ersten, die liberal konsequent als Schimpfwort benutzten, ähnlich wie später Glenn Beck und andere. Werden ihm Falschaussagen und Tatsachenverdrehungen nachgewiesen, so behauptet Limbaugh meist, kein neutraler Reporter zu sein, sondern bezeichnet sich als Unterhalter (Entertainer), der nicht beanspruche, Fakten wiederzugeben.

Aufsehen erregte im Oktober 2003 seine Oxycontin-Sucht. In Deutschland wird der Wirkstoff Oxycodon als Schmerzmittel unter dem Handelsnamen Oxygesic verkauft und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Ähnlich ist die Rechtslage in den USA. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Limbaugh wegen des Verdachtes, sich bei mehreren Ärzten Verschreibungen für das Schmerzmittel erschlichen zu haben, was dieser aber abstritt. Im April 2006 wurde das Verfahren unter der Bedingung eingestellt, dass Limbaugh die entstandenen Kosten der Ermittlungen von US$ 30.000 bezahlt und sich von einem Arzt behandeln lässt. Vor der Enthüllung seiner eigenen Sucht hatte Limbaugh regelmäßig Drogenabhängige moralisch verdammt und hohe Gefängnisstrafen für Drogensüchtige gefordert.[7]

Limbaughs Show ist bei rechtskonservativen Amerikanern überaus beliebt. Anfang Juli 2008 wurde bekannt, dass Limbaugh den Arbeitsvertrag mit seinem Arbeitgeber, dem Unternehmen Premiere Radio Networks, das zum Medienkonglomerat Clear Channel gehört, bis 2016 verlängert hatte und dafür insgesamt mehr als 400.000.000 Dollar erhält. Nach den 12-Uhr-Nachrichten redet Limbaugh drei Stunden lang „vornehmlich über Politik, über die Welt, das Leben, gerne über sich selbst.“[8] Nach Angaben der Medienforscherin Allison Schafer von der American University in Washington, D.C. besteht die Zielgruppe von Limbaugh aus Zuhörern, die mehrheitlich weiß, konservativ, eher gering gebildet und bereits älter sind. Immer wieder wurde Kritik an seinem Moderationsstil laut, so etwa im März 2011, als Limbaugh, der das Bemühen um Umweltschutz wiederholt als liberal verspottet hat, im Kontext der japanischen Tsunami-Katastrophe über Flüchtlinge spottete, weil sie selbst in einem Auffanglager ihren Müll recycelten.[9]

Themen und Äußerungen[Bearbeiten]

Limbaughs Äußerungen waren und sind oft stark umstritten. So äußerte er sich z. B. zu dem Folterskandal in Abu Ghuraib dahingehend, dass die Behandlung der Iraker ja nicht auch schlimmer gewesen sei als ein Initiationsritus bei der Studentenverbindung Skulls and Bones. Indem man gegen die amerikanischen Täter vorgehe, werde man jetzt Menschen bestrafen und ihr Leben ruinieren, bloß „weil sie eine gute Zeit hatten."[10]. Am 14. Oktober 2011 kritisierte er, dass die US-Regierung Mittel zur Bekämpfung der terroristischen Lord's Resistance Army bereitstellte. Er erklärte in seiner Radioshow: „Lord's Resistance Army sind Christen. Sie bekämpfen die Muslime im Sudan. Und Obama schickt Truppen, um sie vom Schlachtfeld zu entfernen, was bedeutet, sie zu töten... So, das ist ein neuer Krieg. Hunderte von Soldaten, um Christen im Sudan und Uganda auszulöschen."[11] Später in der gleichen Show, nach einer Pause, ruderte Limbaugh allerdings zurück und sagte: „Stimmt das? Der LRA wird wirklich schlimmes Zeugs vorgeworfen? Kidnappen von Kindern, Folter, Mord, so ein Zeug? Nun, wir haben das erst heute rausgefunden. Wir werden natürlich sorgfältige Recherche betreiben. Nichtsdestotrotz haben wir hunderte Soldaten dorthin geschickt, um diese Jungs zu bekämpfen... und sie sagen von sich, Christen zu sein."[12]

Limbaughs Äußerungen über Schwarze stehen häufig in der Kritik und werden von Wissenschaftlern als rassistisch eingeschätzt.[13][14][15] 2007 bezeichnete er den damaligen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama als „magischen Neger“ („Magic Negro“), und er sieht Obama als Teil einer von ACORN instigierten Verschwörung, die das Ziel verfolge, schwarzen Jugendlichen beizubringen, Amerika zu hassen.[16][17] Darüber hinaus vertrat er in seiner Radioshow die Ansicht, dass die zusammengesetzten Bilder gesuchter Verbrecher dem Bild des schwarzen Politikers Jesse Jackson ähnelten, und verglich die National Football League mit den Bloods und Crips, bloß ohne Waffen.[18][17] Einem schwarzen Anrufer sagte Limbaugh, der Anrufer solle sich gefälligst den „Knochen aus der Nase“ nehmen und dann zurückrufen.[14]

Im Zuge der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2012 profilierte sich Limbaugh als die neben Glenn Beck wohl prominenteste Stimme der rechten Tea-Party-Bewegung. Er griff dabei Sandra Fluke, eine Studentin an der katholischen Georgetown University, zwischen dem 29. Februar und dem 2. März insgesamt 46 Mal massiv an, weil sie bei einer Anhörung der demokratischen Kongressabgeordneten ausgesagt hatte. Bei der Anhörung, bei der es um die Erstattung von Verhütungsmitteln für Frauen durch Krankenkassen ging, hatte Fluke gefordert, solche Frauen aus armen Bevölkerungsschichten staatlich zu unterstützen, die sich keine Kondome leisten könnten. Limbaugh, der als Anhänger der sog. Lebensrechtsbewegung ("pro-life") Empfängnisverhütung grundsätzlich ablehnt, warf Fluke daraufhin vor, sie wolle demnach, dass Frauen vom Staat Geld bekommen sollten, um Sex zu haben. Unter anderem bezeichnete er sie dabei als „Prostituierte“, „Schlampe“ und „Feminazi“, mutmaßte, sie habe so viel Sex, dass sie kaum noch laufen könne, und forderte sie auf, Pornovideos von sich ins Internet zu stellen.[19] Nachdem deshalb eine Reihe von Anzeigenkunden ihre Aufträge storniert hatten,[20] entschuldigte sich Limbaugh am 3. März auf seiner Website für seine Wortwahl.[21] Fluke, mit der sich auch Präsident Barack Obama solidarisch erklärt hatte,[22] nahm diese Entschuldigung nicht an.[23] Die Zahl der Werbekunden, die ihre Einschaltungen in Limbaughs Show kündigten, wuchs bis zum 8. März auf 45.[24][25][26]

Einige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen erklärte Limbaugh in seiner Sendung, es sei sicher, dass der Republikaner Mitt Romney einen Erdrutschsieg über Obama erringen werde: Die Umfragen, die anderes vorhersagten, seien entweder schlecht gemacht, da zu wenig traditionell republikanisch gesinnte Wähler befragt worden seien, oder schlicht von den liberalen Medien manipuliert worden. Überdies verteidigte er die Pläne des republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan, im Falle eines Sieges den Spitzensteuersatz und zugleich die Bildungsausgaben zu senken: Das Problem des amerikanischen Erziehungswesens, so Limbaugh, sei nicht etwa Geldmangel, sondern allein der Umstand, dass „falsche", also „liberale", Lehrer in den Schulen „falsche", unchristliche und „unamerikanische" Inhalte unterrichten würden.[27]

Zum Anschlag auf den Boston-Marathon erklärte Limbaugh: „Ich glaube, man sollte nicht verwerfen, dass wir in diesem Land in einem wirtschaftlichen Desaster sind. Es gibt Leute, die einfach nicht mehr weiter wissen. Sie finden keine Arbeit, keinen Job, keinerlei Hoffnung. Das führt zu allerlei Ärger und Chaos.”[28]

In Europa kann die Sendung über die Webstreams diverser US-Stationen und über die Mittelwelle des amerikanischen Militärsenders AFN gehört werden.

Werke[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rush Limbaugh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Paul D. Colford. The Rush Limbaugh story: talent on loan from God: an unauthorized biography. New York. St. Martin’s Press, 1993. ISBN 0-312-09906-1.
  2. St. Louis Post-Dispatch. The loudest limb on the family tree, radio's Rush Limbaugh is the 'big mouth'; branch of a solid old Cape Girardeau family. 27. September 1992.
  3. Congrats to Rush Limbaugh on his fourth traditional marriage bei salon.com, abgerufen am 10. Mai 2012
  4. Rush Limbaugh Has Destroyed More Marriages than Obama’s Gay Marriage Support bei politicususa.com, abgerufen am 10. Mai 2012
  5. Rush Limbaugh Gives Sean a Rare Interview, Fox News Channel. 19. Oktober 2005. 
  6. „Rush is Always Right.“ USA Weekend, 24-January 26, 1992, p. 7
  7. CBS News: Rush Limbaugh Arrested On Drug Charges. 28. April 2006
  8. „Rush Limbaugh. 400 Millionen Dollar für den Radiomann“, FAZ, 11. Juli 2008
  9. Rush Limbaugh Mocks Japan Quake Refugees. In: The Huffington Post. 16. März 2011, abgerufen am 22. Juni 2012 (englisch).
  10. über Limbaugh von Susan Sontag in der New York Times
  11. Limbaugh, Rush. "Obama Invades Uganda, Targets Christians". Transkript von Rush Limbaugh Show, 14. Oktober 2011. Retrieved 19. Oktober 2012.
  12. Hounshell, Blake. "Rush Limbaugh on Lord's Resistance Army: 'Obama Invades Uganda, Targets Christians'". Foreign Policy blog. 15. Oktober 2011. Retrieved 19. Oktober 2012.
  13. Nassira Nicola: Black face, white voice: Rush Limbaugh and the "message" of race. In: Journal of Language and Politics. 9, Nr. 2, 2010, S. 281–309. doi:10.1075/jlp.9.2.06nic.
  14. a b John K. Wilson: The Most Dangerous Man in America: Rush Limbaugh's Assault on Reason. Thomas Dunne Books, New York 2011, ISBN 978-0-312-61214-6, S. 19.
  15. David Roediger: White Looks: Hairy Apes, True Stories and Limbaugh's Laughs. In: Minnesota Review. 47, Nr. 1, 1996, S. 37–47.
  16. John K. Wilson: The Most Dangerous Man in America: Rush Limbaugh's Assault on Reason. Thomas Dunne Books, New York 2011, ISBN 978-0-312-61214-6, S. 108.
  17. a b Limbaugh's Attack on Student is Only the Latest in Hate Talk. In: Intelligence Report (Southern Poverty Law Center). 146, Sommer 2012.
  18. John K. Wilson: The Most Dangerous Man in America: Rush Limbaugh's Assault on Reason. Thomas Dunne Books, New York 2011, ISBN 978-0-312-61214-6, S. 16.
  19. Limbaugh Launched 46 Personal Attacks On Fluke; He Apologized For Two Words. In: Media Matters for America. 5. März 2012
  20. Jack Mirkinson: Rush Limbaugh Advertisers Pull Commercials In Wake Of Sandra Fluke „Slut“ Firestorm. In: The Huffington Post. 2./3. März 2012
  21. Rush Limbaugh: A Statement from Rush. 3. März 2012
  22. Lucy Madison: Obama calls Sandra Fluke to offer support over Limbaugh comments. In: CBS News. 2. März 2012
  23. Matt Negrin: Sandra Fluke Says Rush Limbaugh’s Apology Doesn’t Change Anything. In ABC News. 5. März 2012
  24. MJ Lee: Rush Limbaugh loses 45 advertisers. In: Politico. 6./8. März 2012
  25. Eva C. Schweitzer: US-Wahlkampf: Die Vagina-Monologe der Republikaner. In: Die Zeit. 9. März 2012
  26. Zu weiteren Informationen siehe den Artikel in der englischsprachigen Wikipedia: Rush Limbaugh–Sandra Fluke controversy
  27. [1]
  28. http://blog.nz-online.de/peltner/tag/rush-limbaugh/
  29. http://www.hawes.com/1996/1996-02-25.pdf