Bloods und Crips

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Die Crips und die Bloods sind zwei der drei großen amerikanischen Gangs. Sie entstammen beide dem Gebiet von Los Angeles, Kalifornien. Die drittgrößte Bande ist die Mara Salvatrucha, diese steht jedoch weder zu Bloods noch zu Crips in einer ähnlich feindschaftlichen Beziehung wie diese zueinander.

Die beiden Gruppen, die sich wiederum in viele Einzelgruppierungen unterteilen, beherrschen Teile des illegalen Drogen-Marktes der kalifornischen Stadt, obwohl andere, insbesondere hispanische Gangs, zum Beispiel Mara Salvatrucha, an Gewicht in Los Angeles gewinnen. Die Bloods und Crips zeichnen sich durch ein außergewöhnlich hohes Maß an Gewalt aus, und es kommt bis zum heutigen Tag sowohl zwischen einzelnen Crip-Gangs als auch zwischen Bloods und Crips regelmäßig zu blutigen Zusammenstößen, die unter anderem dazu geführt haben, dass zurzeit etwa einhundert Mitglieder dieser Gangs in den Todeszellen von Kalifornien sitzen.

Die Crips sind eine Straßengang, die ursprünglich von Raymond Washington 1969 unter dem Namen „Baby Avenues“ gegründet wurde. Nach einiger Zeit nahm die Größe der Gang rapide zu und sie benannte sich um in „Avenues Crips“. Der Name „Crips“ bürgerte sich später ein und bezieht sich auf die Abkürzung „Community Revolution in Progress“. Ihr Erkennungszeichen sind hauptsächlich die blauen „Bandanas“. Das Tragen der blauen Kopftücher ist jedoch ein Erkennungszeichen mit abnehmender Bedeutung.

Der Name Bloods ist eine Verkürzung der Bezeichnung „Blood Alliance“ für das Bündnis rivalisierender Gangs, die sich unter dem Eindruck zunehmender Aggression und Expansion der Crips in den 1970er Jahren entschlossen haben, ihre Präsenz nach außen zu vereinheitlichen. Das Erkennungszeichen der Bloods sind analog zu den Crips die roten „Bandanas“, wobei auch hier das Tragen roter Kopftücher zwar noch praktiziert wird, aber nicht mehr von der gleichen Bedeutung ist wie in früheren Zeiten.

Geschichtlicher Hintergrund[Bearbeiten]

Die Anfänge der Crips und ihrer Rivalen, der Bloods, lassen sich in dem sozialen Umfeld von Los Angeles in den 1960er Jahren finden. Zu dieser Zeit gab es bereits eine sehr vielfältige Bandenszene, die sowohl weiße als auch schwarze, selten gemischte, Jugendbanden umfasste. In jenem Gebiet, welches später als South Central Los Angeles (heute South Los Angeles) bekannt wurde, erreichten die sozialen Spannungen ein besonders hohes Maß. Zu dieser Zeit war South Central in besonders schwerem Maße durch den wirtschaftlichen Niedergang geprägt. Viele weiße bürgerliche Familien aus dem Mittelstand verließen die Gegend, und mit ihnen verschwand das, was Beobachter „Mittelstands-Organisation und -Koordination“ der Nachbarschaften nennen.[1] South Central verarmte in zunehmendem Maß und erlebte einen zuvor nicht gekannten Grad der Ghettoisierung. Daneben kam es in regelmäßigen Abständen zu Übergriffen auf die nun dominante schwarze Bevölkerung durch weiße Jugendbanden mit Ursprung von Städten wie Huntington Park, Bell und South Gate. Hier zu nennen wären insbesondere die „Spook Hunters“. Dies führte zu Gegenreaktionen sich formierender schwarzer Jugendbanden und ließ schließlich auch das Los Angeles Police Department (LAPD) ihre Präsenz verstärken. Unter der Leitung von Chief William Parker entfremdete es mit einer Politik der Härte und mehrfachen gewalttätigen Übergriffen auf diese Banden, sowie genereller Verdächtigung der schwarzen Bevölkerung von South Central Los Angeles und insbesondere der Jugendlichen so weit, dass sich diese in der Ausübung von Selbstjustiz weiter bestätigt fühlten.

Die Zustände ermöglichten, dass sich 1965 die anscheinend routinemäßige Kontrolle eines mutmaßlich alkoholisierten Autofahrers im South Central-Stadtteil Watts durch einen Polizisten der California Highway Patrol zu einem Aufstand von beispiellosen Ausmaßen auswuchs. Er ging unter der Bezeichnung „Watts-Aufruhr“ in die Geschichte ein. Die Unruhen erfassten den gesamten genannten Stadtteil, dauerten sechs Tage an und forderten neben ca. 1000 Verwundeten nach offiziellen Darstellungen auch bis zu 34 Todesopfer. Die Unruhen wurden durch weite Teile der Bevölkerung von Watts getragen und die Einmischung von Banden war sehr begrenzt.[1]

Infolge dieser Ereignisse erhielten politische Gruppierungen, insbesondere die 1966 in Oakland, Kalifornien gegründete Black Panther Party (BPP), einen beträchtlichen Zuwachs an Rückhalt durch die schwarze Bevölkerung im Allgemeinen und durch die Jugendlichen im Speziellen. Das machte die BPP zu einem Hauptziel für polizeiliche Ermittlungsarbeit und führte zu deren Unterwanderung und Störung, vor allem durch das FBI im Rahmen des geheimen COINTELPRO-Programms. Zudem rivalisierte die BPP mit einer anderen Gruppierung, der US-Organization, welche sich wie die BPP zum Ziel gesetzt hatte, polizeiliche Aktivitäten zu überwachen und sich ebenfalls durch ein stark politisiertes Erscheinungsbild auszeichnete. Polizeiüberwachung, Verhaftungen und gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen beiden Gruppen führten zu deren Verfall und bis etwa 1970 waren diese politischen Organisationen praktisch wieder verschwunden und hinterließen ein Machtvakuum auch in Los Angeles, welches in der Folge durch Jugendbanden gefüllt wurde, v. a. durch die Crips.

Gründung und Entwicklung von Crips und Bloods[Bearbeiten]

Die Familie des damals dreijährigen Raymond Lee Washington zog 1956 nach Los Angeles. Er war somit später als Jugendlicher Zeitzeuge der gesamten Entwicklung in Los Angeles und es ist naheliegend, dass besonders die Watts-Unruhen einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterließen. Washington war ein großer Bewunderer der Black Panther Party, der er aufgrund seines Alters allerdings nicht beitreten durfte. Er entschloss sich zusammen mit neun anderen Jugendlichen, darunter Greg „Batman“ Davis, eine eigene Gang zu gründen, die sich zunächst an den Idealen der BPP und einer anderen Gang, den „Avenues“, orientierte. Der Name dieser neuen Gang lautete in Anlehnung an die Avenues und aufgrund des jugendlichen Alters der Mitglieder Baby Avenues, andere Bezeichnungen waren Baby Cribs oder Avenue Cribs (man beachte das „b“ in Cribs, das Wort deutete ebenfalls auf das niedrige Alter der Mitglieder hin und darf nicht mit dem späteren Crips verwechselt werden).

In ihrer Kleidung orientierten sich die Baby Avenues zunächst stark an der BPP, mit schwarzen Lederjacken und Handschuhen, daneben trugen sie Hüte und Hosen in Beige sowie einen Spazierstock, der vermutlich dazu beitrug, dass die Gang-Mitglieder nach ihrer Erscheinung später die Bezeichnung „Crips/Krüppel“ durch die lokale Berichterstattung erhielten.

Die Crips waren zunächst einfach darauf aus, die Rolle zu übernehmen, die die BPP einst ausgefüllt hatte. Allerdings fehlte ihnen von vornherein die politische Programmatik der Black Panther, stattdessen konzentrierten sie sich ausschließlich auf den Aspekt einer Bürgerwehr und Schutzmacht in den betreffenden Territorien (turfs). Aufgrund der Armut der Mitglieder und ihrem gleichzeitigen Drang, sich dem Crib-Dresscode anzupassen, kamen einige der ersten Vergehen gegen Unbeteiligte zustande. Dies waren im Wesentlichen Einbrüche in Bekleidungsgeschäfte und Diebstähle von Lederjacken etc. auf offener Straße. Ein solcher Diebstahl wuchs sich zum ersten Mord aus, als ein Jugendlicher während des Diebstahls eines Ledermantels durch eine Gruppe von Jugendlichen, die allesamt in ihrem Erscheinungsbild Crib-Mitgliedern entsprachen, zu Tode geprügelt wurde. Die Presse (Los Angeles Times, 1972) prägte in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „Crips“ für die Mitglieder dieser Gang. „Crippin'“ sollte sich daraufhin zum Lebensstil vieler Cribs auswachsen.

Die Crips expandierten zu dieser Zeit zunehmend. Ein Markstein dieser Entwicklung ist der Beitritt von Stanley Tookie Williams 1971 und die Gründung der „Westside Crips“, während Washingtons Gang von nun an als „Eastside Crips“ geführt wurden.[2] Die Konfrontationen von Crips mit anderen Gangs eskalierten zunehmend und die „ehrenhafte“ Art und Weise, wie die Gang nach Auffassung von Washington Konflikte bereinigen sollte, d.h. in Faustkämpfen und Mann gegen Mann, wurde verdrängt durch die zunehmende Bewaffnung der Crips: Zunächst mit Hieb- und Stichwaffen, ab Mitte der Siebziger dann auch mit Schusswaffen, insbesondere Schrotflinten oder selbstgebauten Pistolen. Washington selbst saß ab 1973 aufgrund Diebstahls zweiten Grades im Gefängnis und konnte auf die Entwicklung wenig bis keinen Einfluss nehmen. Tookie Williams dagegen gilt als einer der Befürworter dieser Bewaffnung und Radikalisierung der Crips.

Die zunehmend blutigeren Auseinandersetzungen aufgrund des Einsatzes von Schusswaffen und das generell inzwischen massenhafte Auftreten von Crip-Gangs im gesamten Bereich von South Central Los Angeles veranlasste schließlich rivalisierende Gangs, die fraktioniert und in der Minderheit waren, sich zusammenzuschließen. Federführend waren die „Piru Boys“, die sich in Compton blutige Auseinandersetzungen mit den dort ansässigen „Compton Crips“ lieferten. In einem Treffen mehrerer Gangs in der Piru Street 1972 wurde schließlich die „Blood-Alliance“ gebildet. Da die Crips zu ihrer Identifikation blaue Hals- bzw. Kopftücher trugen, wählten die Bloods die Farbe Rot als Erkennungsmerkmal aus.[3] Diese Identifikation durch spezielle Farben, speziell Rot und Blau, hat sich bis heute erhalten. Außenstehenden in vielen Gang-dominierten Stadtteilen von US-Großstädten ist es dringend abzuraten, derartige Kleidungsstücke zu tragen, um nicht irrtümlich zur Zielscheibe von Gang-Rivalitäten zu werden.

Nachdem Raymond Washington Ende der 1970er Jahre wieder auf freiem Fuß war, bemerkte er, wie drastisch sich die Crips gewandelt hatten, und versuchte offenbar, die Entwicklung entsprechend seinen Auffassungen zu beeinflussen. Am 9. August 1979 wurde Washington aus einem Auto heraus mit einer Schrotflinte erschossen. Die Umstände der Tat lassen darauf schließen, dass Washington seine Mörder kannte. Nach Darstellung von Freunden Washingtons und Beobachtern der Crip-Gangs ist es sehr wahrscheinlich, dass die Täter bzw. die Hintermänner, die bis heute nicht gefasst worden sind, aus den Führungskreisen einer oder mehrerer Crip-Gangs stammten und sich durch Washingtons Ansichten bedroht fühlten oder zumindest gestört sahen.

Bereits einige Monate zuvor wurde Tookie Williams wegen vierfachen Mordes verhaftet. In der Folgezeit etablierten sich neue Crip- und Blood-Gangs, und die Gewalt nahm während der 1980er Jahre massiv zu. Mitverantwortlich dafür war auch die Vermarktung von Crack, das von den verschiedenen Gangs an den Mann gebracht werden sollte. Dadurch kam es zu noch intensiveren Auseinandersetzungen unter den rivalisierenden Gangs. Insbesondere unter verschiedenen Crip-Gangs existieren zum großen Teil bis heute intensive Feindschaften, weswegen eine klare Unterteilung zwischen Bloods und Crips sowie die Wahrnehmung der Crips als einheitlicher Block nicht mehr möglich ist.

Bloods sind untereinander in wesentlich geringerem Maße in gewaltsame Auseinandersetzungen verwickelt, allerdings zeigen sie traditionell gegenüber Crips zum Teil ein erhebliches Maß an Gewaltbereitschaft, und es waren im Wesentlichen Blood-Gangs, die sich in den 1980er Jahren automatische Waffen und selbst Sturmgewehre wie das AK-47 verschafften. Generell hat die Bewaffnung der Gangs während der 1980er und 1990er Jahre völlig neue Qualitäten erreicht, und die vormals recht einfachen Flinten und Revolver wurden durch eine ganze Bandbreite an halb- und vollautomatischen, z. T. sehr teuren Handfeuerwaffen abgelöst.

Obwohl es zwischenzeitlich verschiedene Abkommen zwischen Bloods und Crips (bekannt jenes aus dem Jahr 1992 als Reaktion auf die L.A.-Unruhen, initiiert durch verschiedene Watts-Gangs) sowie auch zwischen einzelnen Gangs gab, um die grassierende Gewalt einzugrenzen, flammen bis heute immer wieder Konflikte auf, und ein Ende der Gewalt ist nicht absehbar, obwohl die Zahl der Todesopfer insbesondere seit Anfang der 1990er Jahre bedeutend zurückgegangen ist. Ein weiteres Spannungsfeld eröffnet sich seit den 1990er Jahren auch durch Etablierung weiterer ethno-zentrierter Banden, insbesondere aus dem hispanischen Umfeld, zumal South Los Angeles in weiten Teilen inzwischen von Hispanics bewohnt wird und die afro-amerikanische Bevölkerungsgruppe hier zunehmend zur Minderheit wird.

Erkennungszeichen[Bearbeiten]

„Blood“-Handzeichen

Erkennungszeichen der Bloods ist die Farbe Rot. Häufig tragen sie Sportbekleidung in dieser Farbe. Beliebt sind insbesondere so genannte „Starter Jackets“ (Jacken der Firma Starter Clothing Line). Beliebte Sportteams sind die San Francisco 49ers, die Philadelphia Phillies, die Chicago Bulls und die Boston Red Sox. Sie tragen außerdem Kleidung der Dallas Cowboys, deren Logo einen fünfzackigen Stern enthält. Zu den am häufigsten benutzen Symbolen der Bloods zählen die Fünf, der fünfzackige Stern und die fünfzackige Krone, sowie der Bulle und die Bulldogge. Einige Gangmitglieder tragen drei mit einer Zigarette eingebrannte Punkte auf der rechten Schulter. Bloods vermeiden den (für die Crips stehenden) Buchstaben C oder ersetzen diesen durch ein CK (steht für Crip-Killer).

Handzeichen der Crips

Typisch für die Crips ist die Farbe Blau, die oft mit einem Bandana zur Schau gestellt wird. Das Tragen von Sportbekleidung und Tennisschuhen kommt häufig vor. Als Sporttrikots dienen hier die der San Diego Chargers aufgrund der hellblauen Farbe. Beliebte Marken sind Adidas, Nike, Dickies und British Knights. Sie vermeiden die Buchstabenkombination CK und ersetzen diese durch ein CC. Das B wird durch ein BK ersetzt. BK steht dabei für „blood killer“.

Bloods grüßen einander mit dem Wort „Blood“ oder mit einem Handzeichen für B. Crips dagegen bezeichnen andere Gangmitglieder oft als „Cuzz“.

Darstellung in der Literatur[Bearbeiten]

In ihrer später als Fälschung enttarnten angeblichen Autobiographie „Love and Consequences“[4] beschreibt Margaret Seltzer (Pseudonym Margaret B. Jones) ihr angebliches Leben als Mitglied der Bloods.

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gangsta King: Raymond Lee Washington.(NBC-basierte Dokumentation über die Evolution von Crips und Bloods im Allgemeinen und das Leben Washingtons im Speziellen)
  • Malcom Klein: The American Street Gang: Its Nature, Prevalence and Control. Oxford University Press, 1995
  • Kody Scott: Monster Kody. Ich war ein Street Gang Fighter. Heyne 1994, ISBN 3-453-07500-5
  • Bodo Mrozek: Blut und Respekt: Amerikas schmutziger Hinterhof. Reportage in Lettre International Nr. 93 (Juni 2011), S. 100-104. Onlineversion

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Malcolm W. Klein, Soziologe, in „Gangsta King: Raymond Lee Washington“ (Dokumentation, 2003)
  2. Das Jahr 1971/1972 wird gelegentlich als Gründungsjahr der Crips angesehen. Diese Darstellung ist allerdings aufgrund von Aussagen sowohl von Gründungsmitgliedern als auch Wissenschaftlern und Beamten nicht haltbar, siehe Weblinks/Literatur. Auch war Tookie Williams kein Gründungsmitglied der Crips, allerdings war er ein frühes Mitglied und hatte bedeutenden Einfluss auf die weitere Entwicklung der Crips. Die Bezeichnungen Westside/Westcoast und Eastside/Eastcoast beziehen sich auf die Lage der Gangterritorien zu der Harbor Freeway/Interstate 110, welche auf der Nord-Süd-Achse durch Los Angeles führt.
  3. Die Farben haben keine tiefere Bedeutung, sondern dienen rein zur Unterscheidung. Als die Crips begannen, blaue Tücher zu tragen, und aufgrund der begrenzten Auswahl in vielen Geschäften, in denen Gang-Mitglieder ihre Accessoires zur damaligen Zeit kauften, war die Farbe Rot einfach die logische Wahl (Darstellung von Kevin McBride, ehem. Ganganalytiker des LAPD, in Gangsta King, Dokumentation)
  4. Margaret B. Jones. „Love and Consequences: A Memoir of Hope and Survival“. 2008. Riverhead
  5. Colors – Farben der Gewalt