Schloss Elmau

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Schloss Elmau von Nordosten (von der Elmauer Alm aus) gesehen
Schloss Elmau, Zufahrt und Eingangsseite von Osten

Schloss Elmau ist ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude aus dem Jahr 1914/16 oberhalb der Ortschaft Klais im Wettersteingebirge (Oberbayern). Es liegt auf 1.008 Meter Höhe am Fuß des Wettersteinkamms.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor 1900[Bearbeiten]

Erstmals wurde der Name Elmau im Jahre 1395 urkundlich erwähnt. Das Wort – die Bezeichnung der Aue – „bedeutete ursprünglich Wasser, wurde aber später als Begriff für eine feuchte Wiese oder Insel verstanden, die von trinkbarem Wasser umflossen ist. Die Herkunft der ersten Silbe Elm ist unklar, könnte auf Alm oder Alpe zurückgehen, einen Weideplatz auf einem Berg. Die urzeitliche, von einem Gletscher und Meer geformte Topographie mit ihren Moränen und Buckelwiesen, auf denen Schloss Elmau steht, ist 60 Millionen Jahre alter Meeresgrund.“ Die Aue (der sogenannte Drüsselgraben, der eingebettet zwischen dem Wamberg im Norden und der Wettersteinwand im Süden liegt) steht unter Naturschutz, „vor allem wegen der vielen geschützten Blumen wie der Enziane, die im Frühjahr die Huckel und Hügel mit einem blauen Teppich überziehen.“[1]

Ab 1542 wurde Elmau mit Einödhöfen, einer Sägemühle und einem Gasthaus besiedelt. Als sich die Bewirtschaftung nicht mehr lohnte, verkauften die Bauern ihren Besitz an zwei Verehrerinnen König Ludwigs II., der im Gasthaus eine Wohnung hielt, wo er immer dann zu übernachten pflegte, wenn er sich alljährlich zu seinem Geburts- und Namenstag am 25. August für einige Tage auf das von ihm erbaute Königshaus am Schachen begab. (Das Schloss ist über einen Fahrweg von Schloss Elmau – heute als Königsweg bezeichnet – zu erreichen, auf dem sich der König mit Pferdekutsche oder -schlitten hinauffahren ließ.) Nach dem Tod des Märchenkönigs im Jahre 1886 verlor das Anwesen dann gänzlich seine Bedeutung.

Nach 1900[Bearbeiten]

Das heute unter Denkmalschutz stehende Schloss Elmau wurde von 1914 bis 1916 von dem Schriftsteller, Philosophen und Theologen Johannes Müller mit finanzieller Unterstützung von Elsa Gräfin Waldersee für seine Leser, Seminarteilnehmer und Anhänger erbaut, nachdem das zuvor dafür genutzte Schloss Mainberg für diese nicht mehr genug Platz bot. Architekt war Müllers Schwager Carlo Sattler. Gedacht war das Schloss als ein Refugium kulturprotestantischer deutscher Innerlichkeit und gemeinschaftlichen Lebens. Zu den engsten Freunden und Gästen von Johannes Müller zählten damals unter anderem Prinz Max von Baden und Adolf von Harnack, einer der bis heute in Deutschland politisch und theologisch wirkungsmächtigsten Intellektuellen und Theologen des 20. Jahrhunderts.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Schloss Elmau 1941 als Fronterholungsheim an die Wehrmacht verpachtet. Nach Kriegsende 1945 wurde Johannes Müller in einem Entnazifizierungsverfahren aufgrund seiner „Verherrlichung von Hitler in Wort und Schrift“, als Hauptschuldiger verurteilt. Schloss Elmau wurde beschlagnahmt und diente kurze Zeit als Lazarett der US Armee.

Bis 1951 wurde das Schloss vom Staatskommissar der Bayerischen Regierung für rassisch, religiös und politisch Verfolgte, Philipp Auerbach, als Erholungsheim für TB-Kranke, Displaced Persons und Überlebende des Holocaust geführt. Nach der Verhaftung Auerbachs wegen ihm vorgeworfener Unregelmäßigkeiten in einer anderen Angelegenheit wurde Schloss Elmau ab 1951 treuhänderisch von zwei Kindern Johannes Müllers, Bernhard Müller und Sieglinde Mesirca, vom bayerischen Staat gepachtet und als Hotel betrieben. Nach Abschluss des Revisionsverfahrens gegen das Urteil der Spruchkammer gegen Johannes Müller wurden die beiden zu je 50 % Eigentümer von Schloss Elmau.

Seit Ende der 1950er Jahre zählten unter anderem Johannes Rau und Loriot zu den Stammgästen.

Der Südflügel nach dem Großbrand

Neuere Ausrichtung[Bearbeiten]

Ab 1997 wurde Schloss Elmau von Dietmar Müller-Elmau renoviert und als Spa & Cultural Hideaway für Individualisten neu eröffnet. Mittlerweile ist es ein Luxury Spa & Cultural Hideaway und Mitglied der Hotelallianz The Leading Hotels of the World. Aus diesem Grunde sind Restaurants und die anderen Einrichtungen der Anlage grundsätzlich nur für Hausgäste zugänglich.

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Schoss Elmau – insbesondere der vom Nationalsozialismus geprägten – führte dazu, dass Schloss Elmau zu einem kulturellem Zentrum, zum Tagungs- und Vortragsort hinsichtlich deutscher Ideen- und Kulturgeschichte, Theologie und Philosophie sowie der problematischen Verschränkung von Religion und Politik in weltpolitischen Fragen geworden ist.

Brand[Bearbeiten]

Im August 2005 zerstörten ein Großbrand und in dessen Folge große Mengen von Löschwasser zwei Flügel und zwei Drittel aller Zimmer des Schlosses. Der Wiederaufbau des Schlosses sowie des Badehauses erfolgte von April 2006 bis Juni 2007 nach Plänen von Dietmar Müller-Elmau, Christoph Sattler, André Behncke und dem Architekturbüro dblb aus München. Das orientalische Hammām wurde nach gemeinsamen Plänen des Schlossherrn und Ahmet Irdiligil aus Bodrum im Juli 2008 fertiggestellt.

G7-Gipfel 2015[Bearbeiten]

Der G7-Gipfel 2015 soll am 4./5. Juni 2015 auf Schloss Elmau stattfinden.[2] Erste vorbereitende Arbeiten in der Umgebung des Hotels werden bereits durchgeführt.[3] Straßen werden asphaltiert, mit Straßengräben versehen, Hubschrauberlandeplätze angelegt, ein Breitband-Internetzugang hergestellt. Der Sicherheitsaufwand und die Kosten dürften sich im Rahmen des vorangegangenen G8-Gipfels in Heiligendamm 2007 bewegen.[4]

Musik in Schloss Elmau[Bearbeiten]

Vom frühesten Anfang an spielte die Musik – vor allem die Klassische Musik – eine zentrale Rolle im kulturellen Angebot des 1916 eröffneten Schloss Elmau. Bereits Johannes Müller hatte in seinen Schriften und Vorträgen wiederholt die Bedeutung der Musik für das menschliche Wohlbefinden betont:

„Die Musik ist die Lebensfülle und Wirkenskraft, die uns allein die Unendlichkeit und den unvorstellbaren Schaffensüberfluss der Gottheit erfahren lässt und infolgedessen herzbewegend und sinnerfüllend in die Tiefe unserer Seele dringt. Sie gibt uns eine Ahnung von der himmlischen Sphärenmusik in reiner Harmonie. Darum ist die Musik auch ein Erwecker unendlicher Sehnsucht und unfassbarer Rührung der Seele in uns, in der wir den Hauch der Gottheit verspüren.“
„Die Kunst bringt uns ein Aufatmen der Seele in der metaphysischen Sphäre, die ihre Heimat ist. Sie versetzt uns in den himmlischen Rhythmus des Lebens. Sie hebt uns aus den Eitelkeiten der Vergänglichkeit empor und weckt das in uns, was wir eigentlich sind. Von hier aus verstehe ich die ungeheure Bedeutung, welche die Musik in den vergangenen hundert Jahren in Europa gewonnen hat. Sie ist die einzige unmittelbare Wirkung von Gott aus auf die im Materialismus der Anschauungen und des Lebens verschütteten und schier erstickten Seelen.“[5]

Noch vor dem tänzerischen Engagement, das sich in etlichen Tanzabenden widerspiegelte, wurde vor allem das musikalische in regelmäßigen Konzerten gepflegt. Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung des Schlosses im Jahre 1916 wurden pro Jahr mehr als einhundert Konzerte veranstaltet, vom Klavier- über Lieder- und Kammermusikabende bis hin zu gelegentlichen Orchesterkonzerten und Oratorienaufführungen. Neben Elmauer „Hausmusikern“ wie dem Pianisten Otto Ludwig wurden immer mehr und immer bedeutendere externe Künstler zu Konzerten eingeladen. Unter den Musikern, die bereits sehr früh in Schloss Elmau auftraten und hier über mehrere Jahrzehnte lang immer wieder zu Gast waren, sind die Pianisten Wilhelm Kempff (ab 1929), Detlef Kraus (ab 1944) und Elly Ney, der Violoncellist Ludwig Hoelscher oder der Bariton Hermann Prey zu nennen.

International wurde Elmau dann ab dem Januar des Jahres 1959, als der deutsch-britische Dirigent Hans Oppenheim,[6] der später auch in Glyndebourne dirigieren sollte, die ersten Englisch-Deutschen Musiktage auf Schloss Elmau initiierte, bei welchen der britische Komponist und Pianist Benjamin Britten, der Tenor Peter Pears und der Gitarrist und Lautenist Julian Bream in mehreren Konzerten zu erleben waren – unter anderem auch mit Kompositionen Brittens sowie mit Franz Schuberts Schöner Müllerin.[7] Diese Englisch-Deutschen Musiktage wurden mehrere Jahre lang – jeweils im Januar – wiederholt, wobei auch Pears und Bream mehrmals wiederkehrten. (Zu der zehnten, dann als Britisch-Deutsche Musiktage benannten Musikwoche im Januar 1969 kam dann auch Britten wieder nach Oberbayern.) Wenn auch diese Musiktage die jährlich ein- oder auch mehrfach in Schloss Elmau stattfindenden Kammermusikwochen nicht begründeten, so verfestigten sie jene jedoch. Mehr und mehr machte sich Schloss Elmau als Aufführungsort vorzugsweise von Kammermusik einen Namen.

Im August 1960 trat erstmals das Londoner Amadeus-Quartett mit einer Serie von Kammerkonzerten in Schloss Elmau auf; in den nachfolgenden Jahren kamen die Musiker immer wieder mit mehreren Konzertabenden nach Elmau (anfangs noch nicht, später dann aber stets in ihrer Originalbesetzung). Bei den Musiktagen im Januar 1963 trat hier erstmals der Geiger Yehudi Menuhin auf, der Elmau ebenfalls für lange Jahre verbunden bleiben sollte. Später spielten und sangen hier neben vielen anderen das Stuttgarter Melos Quartett, die Pianisten Alfred Brendel und Friedrich Gulda, der Geiger Gidon Kremer (ab 1980) oder der Bariton Thomas Quasthoff. Nahezu alle renommierten Musiker sind – ein- oder auch mehrmals – mit Auftritten in Schloss Elmau dokumentiert.

Heute werden in Schloss Elmau jährlich mehr als zweihundert musikalische Veranstaltungen durchgeführt. Neben der Klassischen Musik und Kammermusik hat sich dabei in den vergangenen Jahren auch immer mehr der Jazz eine feste Position gesichert. Klassik und Jazz sind in Einzelkonzerten wie auch in Konzertreihen (Liedwoche @ Schloss Elmau, Verbier Festival @ Schloss Elmau, European Jazztival, Jazz Classica, Swing Week usw.) vertreten. Neben den musikalischen Konzerten finden auch regelmäßig literarische Veranstaltungen und Symposien statt.

Elmauer Alm[Bearbeiten]

Die Elmauer Alm wurde 1924 als Almwirtschaft erbaut und zu Beginn der 1950er Jahre zur Gästebewirtung ausgebaut; sie gehört zu Schloss Elmau. Sie liegt etwa 30 Gehminuten von diesem entfernt auf 1.203 Höhenmetern auf einem Bergrücken. Bei Wanderern ist sie als Einkehr- und Etappenziel zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald wegen ihres ausgezeichneten Rundblicks sehr beliebt, der von der Zugspitze im Westen über die Alp- und Dreitorspitze, das Wetterstein- und Karwendelgebirge bis hin zur Soierngruppe im Osten reicht. Bei idealen Witterungsbedingungen mit guter Fernsicht reicht der Blick sogar bis weit ins Tiroler Land hinein.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schloss Elmau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dietmar Müller-Elmau: Die Geschichte von Schloss Elmau, Elmau, o. J., S. 3 und auf der Website des Schlosses
  2. br.de: Bayern wird G8-Gipfel 2015 ausrichten
  3. Beleg für Planungen auf einer privaten Internetseite, abgerufen am 3. September 2014
  4. Annett Meiritz: Millionen für Merkels Traumschloss. spiegel.de, 5. September 2014, abgerufen am 5. September 2014
  5. Johannes Müller in seinem Aphorismenband Werden was wir sind; abgedruckt im Programmheft der 12. Britisch-Deutschen Musiktage vom 10. bis 17. Januar 1970, Elmau, 1970 S. 3
  6. Nach Sieglinde Mesircas Geleitwort im Programmheft der zehnten Britisch-Deutschen Musiktage vom 6. bis 13. Januar 1969, Elmau, 1969, S. 3
  7. Abendprogramme der ersten Englisch-Deutschen Musiktage vom 6. bis 14. Januar 1959, Elmau, 1959

47.46191666666711.186097222222Koordinaten: 47° 27′ 43″ N, 11° 11′ 10″ O