Leinpfad

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Treidelnde Zugtiere am Finowkanal
Treidelschiff am Binger Mäuseturm, Federzeichnung von Wenzel Hollar 1636

Als Leinpfad oder Treidelpfad, Bomätscherpfad (Sachsen), Treppelweg (Österreich[1]) oder Reckweg (Schweiz[2]) wird ein Weg unmittelbar am Flussufer bezeichnet, der angelegt wurde, damit Menschen und Zugtiere (zum Beispiel Pferde) hölzerne Frachtschiffe flussaufwärts ziehen konnten. Auch am Ufer von Kanälen finden sich solche Wege. Den Vorgang nannte man treideln. Die Schiffe waren über ein Tauwerk mit den auf den Leinpfaden gehenden Treidelpferden und Treidlern verbunden.

Die Treidelschifffahrt ging erst nach dem Erscheinen von maschinengetriebenen Schiffen und Schleppern zu Ende. Bis in die 1980er Jahre war das Betreten der ehemaligen Leinpfade nur auf eigene Gefahr gestattet. Sie unterliegen bis heute der Verwaltung der Wasser- und Schifffahrtsämter (WSA). Aus den meisten der Leinpfade sind mittlerweile Uferpromenaden, Rad- und Wanderwege oder Betriebswege der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung geworden.

Erhaltene Leinpfade[Bearbeiten]

Deutschland/Österreich[Bearbeiten]

Treidelschiff vor Bonn und Siebengebirge, Kupferstich von 1852
Leinpfad vor der Silhouette von Düsseldorf, Gemälde von Wilhelm Schreuer
Leinpfad am Rhein in Höhe der kurfürstlichen Burg in Eltville mit Schild des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen
Treppelweg in Hainburg an der Donau

In Deutschland ist der Leinpfad am Rhein von Basel bis in die Niederlande fast vollständig erhalten. Er wird als Freizeitweg von Fußgängern und Fahrradfahrern genutzt.

Auch an der Ruhr zwischen Duisburg und Witten ist der Leinpfad ebenfalls beinahe gänzlich vorhanden. Auf der Ruhr wurden ab 1780 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Ruhraaken getreidelt. Er bildet über etwa 75 km einen Abschnitt der Kaiser-Route und des Ruhrtalradweges. Der Leinpfad unterhalb des Isenbergs, das Lippe-Treidlerdorf Krudenburg und weitere Teile gehören zur Route der Industriekultur.

Entlang der Donau ist der Treppelweg über weite Strecken von Bayern bis nach Rumänien an beiden Ufern erhalten und als der Donauradweg bis Budapest ausgebaut.

Entlang des Wiener Neustädter Kanals in Niederösterreich ist der Treppelweg ebenfalls als Radweg ausgebaut.

Auch entlang Salzach, Inn und Traun finden sich Treidelwege, die auf die große Zeit des florierenden Salzhandels aus Hall in Tirol, Bad Reichenhall, Hallein und dem Salzkammergut zurückgehen.

An einem Weserbogen bei Dölme (Bevern) findet sich ein historischer Treidelpfad.

In Hamburg-Winterhude ist die Straße Leinpfad, heute eine feine Adresse, nach einem Treidelpfad an der Alster benannt.

In Brandenburg ist der Treidelweg entlang des Finowkanals als Radweg ausgebaut.

Im Saarland ist entlang der Saar der Leinpfad zu einem Radweg umgestaltet worden. Dieser führt vom französischen Saargemünd aus auf der linken Saarseite durch Saarbrücken bis nach Völklingen.

In Hessen sind im Rheingau zwischen Rüdesheim am Rhein und Walluf Teile des Leinpfades erhalten, die als Fuß- und Radweg genutzt werden. An dem zwischen Frankfurt am Main und Offenbach am Main gelegenen Mainbogen führt der Fechenheimer Leinpfad mehrere Kilometer entlang des rechten Mainufers.[3]

Treidelpfad entlang des Lot

Dänemark[Bearbeiten]

In Jütland (Dänemark) ist der Treidelpfad von Randers nach Silkeborg als Wanderweg eröffnet und gekennzeichnet. Die Broschüre "Traekstien Randers – Silkeborg" (Der Leinpfad von Randers nach Silkeborg) ist in der Touristinformation erhältlich.

Frankreich[Bearbeiten]

Bei Bouziès ist die Felswand auf dem Südufer des Flusses Lot zu einem Treidelpfad (chemin de halage) ausgehöhlt worden. Auch die Ufer der Seine, der Eure, der Dordogne sowie der Loire und ihres großen Nebenflusses Mayenne sind von derartigen Wegen gesäumt.

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten]

Mitte des 18. Jahrhunderts entstand in England das Bedürfnis nach Transportmöglichkeiten großer Gütermengen zwischen den Städten. 1761 wurde der erste Kanal für Narrowboate eingeweiht, die mit 2 Pferden von einem Boots- und einem Pferdeführer getreidelt wurden. Das Kanalnetz wurde umfangreich ausgebaut, bis ab ca. 1850 die Eisenbahn den Narrowbooten den Rang ablief. Die Treidelpfade werden heute als Wander- und Fahrradwege genutzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Towpaths – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Treppelweg von „trippeln“ im Sinne von kleine Schritte machen
  2. Reckweg von „sich recken“ im Sinne von sich anstrengen
  3. Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Die GrünGürtel Freizeitkarte. 7. Auflage, 2011