Waltenhofen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Waltenhofen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Waltenhofen
Waltenhofen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Waltenhofen hervorgehoben
47.66666666666710.3722Koordinaten: 47° 40′ N, 10° 18′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Oberallgäu
Höhe: 722 m ü. NHN
Fläche: 59,82 km²
Einwohner: 8900 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 149 Einwohner je km²
Postleitzahl: 87448
Vorwahlen: 08303 (OT Hegge: 0831)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: OA
Gemeindeschlüssel: 09 7 80 143
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 4
87448 Waltenhofen
Webpräsenz: www.waltenhofen.de
Bürgermeister: Eckhard Harscher (Wir für Waltenhofen)
Lage der Gemeinde Waltenhofen im Landkreis Oberallgäu
Österreich Baden-Württemberg Landkreis Lindau (Bodensee) Kempten (Allgäu) Landkreis Unterallgäu Landkreis Ostallgäu Kempter Wald Wildpoldsried Wiggensbach Wertach Weitnau Waltenhofen Sulzberg (Oberallgäu) Sonthofen Rettenberg Ofterschwang Oberstdorf Oberstaufen Obermaiselstein Oy-Mittelberg Missen-Wilhams Lauben (Oberallgäu) Immenstadt im Allgäu Bad Hindelang Haldenwang (Allgäu) Fischen im Allgäu Durach Dietmannsried Burgberg im Allgäu Buchenberg Bolsterlang Blaichach Betzigau Balderschwang AltusriedKarte
Über dieses Bild

Waltenhofen ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Oberallgäu in Bayern. Die Gemeinde liegt rund sieben Kilometer südlich von Kempten (Allgäu).

Geographie[Bearbeiten]

Ausdehnung des Gemeindegebietes[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet besteht aus den Gemarkungen Waltenhofen, Martinszell i. Allgäu, Memhölz und Niedersonthofen.

Zu Waltenhofen gehören unter anderem die Ortsteile Hegge, Lanzen, Martinszell, Memhölz, Niedersonthofen, Oberdorf und Rauns.

Wappen der Ortsteile

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Westlich von Waltenhofen liegt das seit 1959 ausgewiesene NaturschutzgebietRohrbachtobel im Wirlinger Forst“.

Geschichte[Bearbeiten]

  • Waltenhofen: Auf dem Schloßbühl in Waltenhofen stand einst die Burg des Ortsgeschlechts, das urkundlich nicht nachweisbar ist. Später saßen hier die Herren von Horben zu Waltenhofen. Ihren Besitz mit dem Burgstall und Ort Waltenhofen kauften 1367 die Herren von Rauns-Fischen, die bis zu ihrem Aussterben 1450 Ortsherren blieben. 1465 kauft Hans von Werdenstein das Erbe des Hans von Rauns zu Waltenhofen, St. Veit und Rauns. Waltenhofen gehörte später zum Fürststift Kempten. Seit der Säkularisation und dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.
  • Hegge: Nördlich vom Ortsteil Waltenhofen liegt der Industrieort Hegge, der früher zu dem Gebiet des Stiftes Kempten gehörte. Die älteste bis jetzt aufgefundene Urkunde über Hegge datiert von 1543.
  • Martinszell: In der Mitte zwischen Kempten und Immenstadt liegt Martinszell. Hier wurde im späten 15. Jahrhundert Matthias Waibel geboren, der zur Zeit der Bauernkriege als Vikar in Kempten die Thesen Martin Luthers verbreitete und 1525 als Märtyrer starb. Im selben Jahr, am 25. Oktober 1525, wurde im dortigen Pfarrhaus der "Martinszeller Vertrag" zwischen der Bauernschaft und Fürstabt Sebastian von Breitenstein geschlossen. 1430 erhielt Martinszell die Niedergerichtsbarkeit, 1485 wurde das Dorf von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben.
  • Memhölz ist eine sehr alte Pfarrei, die schon um 1200 einen Pfarrer hatte. In Memhölz befindet sich das Haus der Familie der Schönstattbewegung.

Niedersonthofen[Bearbeiten]

Kirchle von Linsen mit Niedersonthofener See

Niedersonthofen kam erst im Jahr 1975 als Ortsteil zu Waltenhofen. Geschichtlich gehörte Niedersonthofen bis 1804 zur reichsunmittelbaren Grafschaft Königsegg-Rothenfels und war so eher nach Immenstadt orientiert, im Gegensatz zu Waltenhofen, das dem Fürststift Kempten angehörte. Niedersonthofen liegt am Niedersonthofener See, der in alter Zeit wesentlich größer war, so dass die erst 1952 wiederentdeckte Burg Niedersonthofen als Wasserburg ausgelegt war.

Das kleine zu Niedersonthofen gehörige Dorf Linsen hat eine 1319 erwähnte Burg von der am Ort nur noch der Burghügel mit Gedenktafel künden. Die sehenswerte Kapelle wird auf die 2.Hälfte des 15. Jhd. datiert (Rudolf und Heinrich von Montfort stiften 1439 ein Benefizium nach Linsen).

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Memhölz eingegliedert.[2] Am 1. Januar 1976 kam Niedersonthofen hinzu. Martinszell im Allgäu folgte am 1. April 1976.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1961: 6782 Einwohner[3]
  • 1970: 8031 Einwohner[3]
  • 1987: 7969 Einwohner
  • 2000: 8800 Einwohner
  • 2011: 8942 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister war bis 12. April 2006 Robert Wegscheider (CSU). Sein Nachfolger in diesem Amt heißt Eckhard Harscher (Wir für Waltenhofen).[4]

Der Gemeinderat zählt 20 Mitglieder, die sich nach der Kommunalwahlen in Bayern 2008 auf folgende Parteien und Wählervereinigungen verteilen:[5]

Die Aberkennung des Mandats eines CSU-Bewerbers nach der Kommunalwahl 2008 sorgte für Schlagzeilen. Der Bewerber, der 2006 als Bürgermeister kandidiert und 43,3% der Stimmen erhalten hatte, soll seinen Lebensmittelpunkt in einer anderen Gemeinde gehabt haben, wodurch er für den Waltenhofener Gemeinderat nicht wählbar war. Er hatte jedoch die höchste Stimmenzahl aller Bewerber erreicht.[6]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 41, im produzierenden Gewerbe 961 und im Bereich Handel und Verkehr 276 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 303 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2813. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 1 Betrieb, im Bauhauptgewerbe 16 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 196 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 3948 ha.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergärten: 325 Kindergartenplätze mit 289 Kindern
  • Drei Volksschulen mit 38 Lehrern und 720 Schülern

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Martinszell befindet sich an der Bayerischen Allgäubahn von München nach Lindau und wird vom Personenverkehr der Deutschen Bahn bedient. Es gibt durchgehende Verbindungen nach Oberstdorf, Memmingen, Ulm, München, Nürnberg, Augsburg und Lindau.

Der Bahnhof Waltenhofen wurde 1984 stillgelegt.[7]

Waltenhofen liegt an der „Anschlussstelle Waltenhofen“ am Übergang der A980 zur B12.

Bauwerke[Bearbeiten]

Katholische Kirche von Rauns[Bearbeiten]

Südöstlich von Waltenhofen steht die Kirche von Rauns. Sie ist den Heiligen Cosmas und Damian geweiht. Um 1250 erbaut von den Herren von Rauns gehörte sie seit 1464 denen von Werdenstein. 1548 kam sie in den Besitz der evangelischen Reichsstadt Kempten und wurde deshalb zwinglianisch. Schon 1548 wurde die Kirche vom Stift Kempten erworben und mit der Pfarrei Waltenhofen vereinigt. 1808 überließ sie der bayerische Staat den 26 Bauern von Rauns. Die Kirche war seit 1936 Eigentum der Gemeinde Waltenhofen und wurde 1962 wieder der Pfarrei St. Martin übereignet. Die Heiligenfiguren, darunter eine Figur des Heiligen Veit, stammen aus dem 13. bis 15. Jahrhundert; manche werden J. Syrlin dem Jüngeren zugeschrieben. Der Aufbau der Altäre entstand um 1700.

Katholische Kirche von Hegge[Bearbeiten]

Zirka dreißig Minuten zu Fuß oder drei Minuten mit dem Auto von dem Pfarrdorf Waltenhofen entfernt liegt Hegge, früher Heggin. Erst in den 1920er Jahren wurde dort eine Kirche in romanischen Stil gebaut. Das Mauerwerk besteht aus sichtbarem Grüntenstein. Der Innenraum ist gestaltet in Neugotik, Jugendstil und Moderne.

Evangelische Kirche von Waltenhofen[Bearbeiten]

Die neue evangelisch-lutherische Kirche von Waltenhofen wurde im Oktober 2000 eingeweiht. Vorher fanden die Gottesdienste im Heggener Pfarrhaus oder in einer Notkirche in Rauns statt. Das neue Gemeindezentrum an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße wurde nach einem ökologisch sehr ambitionierten Konzept errichtet. Viel Anerkennung findet auch das schlichte tiefrote Triptychon im Altarraum.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Matthias Waibel (Ende 15. Jahrhundert–1525), Reformator und Märtyrer
  • Herta Huber (* 1926), deutsche Schriftstellerin, wohnhaft im Ortsteil Martinszell
  • Ludwig Martin (1909–2010), deutscher Jurist, Generalbundesanwalt von 1963 bis 1974
  • Karl Nold (* 28. Januar 1903; † 27. November 2008), katholischer Priester, Ehrendekan, Ehrenbürger von Waltenhofen, Initiator und Erbauer der kath. Kirche in Hegge[8]
  • Adi Sprinkart (1953–2013), Biolandwirt und Landtagsabgeordneter der Grünen, geboren und gestorben im Weiler Gopprechts

Literatur[Bearbeiten]

  • "Waltenhofen gestern und heute", Chronik von Waltenhofen von Dr. Erich Knoll, 2005, PVB 2006.11767

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Waltenhofen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 496.
  3. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 795.
  4. Wahlergebnis Bürgermeisterwahl 2006
  5. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2008, Gemeinderatsmitglieder
  6. Mike Szymanski: Abrechnung in Waltenhofen, Süddeutsche Zeitung, 10. Mai 2008
  7. http://www.kbs970.de/streckenportrait.html
  8. Zum Tod von Karl Nold Allgäuer Zeitung vom 3. Dezember 2008, abgerufen 13. Juni 2011