Bad Hindelang

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Bad Hindelang
Bad Hindelang
Deutschlandkarte, Position des Marktes Bad Hindelang hervorgehoben
47.50527777777810.369444444444825Koordinaten: 47° 30′ N, 10° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Oberallgäu
Höhe: 825 m ü. NHN
Fläche: 159,41 km²
Einwohner: 4863 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 31 Einwohner je km²
Postleitzahl: 87541
Vorwahl: 08324
Kfz-Kennzeichen: OA
Gemeindeschlüssel: 09 7 80 123
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktstraße 9
87541 Bad Hindelang
Webpräsenz: marktgemeinde.badhindelang.de
Bürgermeister: Adalbert Martin (CSU / FWgem. / FWsch. / Bl.Pl.Wsch.)
Lage des Marktes Bad Hindelang im Landkreis Oberallgäu
Österreich Baden-Württemberg Landkreis Lindau (Bodensee) Kempten (Allgäu) Landkreis Unterallgäu Landkreis Ostallgäu Kempter Wald Wildpoldsried Wiggensbach Wertach Weitnau Waltenhofen Sulzberg (Oberallgäu) Sonthofen Rettenberg Ofterschwang Oberstdorf Oberstaufen Obermaiselstein Oy-Mittelberg Missen-Wilhams Lauben (Oberallgäu) Immenstadt im Allgäu Bad Hindelang Haldenwang (Allgäu) Fischen im Allgäu Durach Dietmannsried Burgberg im Allgäu Buchenberg Bolsterlang Blaichach Betzigau Balderschwang AltusriedKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Bad Hindelang ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Oberallgäu.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort ist heilklimatischer Kurort und Kneippheilbad seit 2001. Er liegt im Ostrachtal am nördlichen Rand der Kalkalpen an der historischen Salzstraße, welche heute als Bundesstraße 308 über Oberjoch nach Österreich führt. Der Oberjochpass gilt mit 107 Kurven als die kurvenreichste Straße Deutschlands.

Mehr als 80 % des Gemeindegebiets sind Landschafts- oder sogar Naturschutzgebiet.

Ortsteile[Bearbeiten]

Der Markt besteht aus den folgenden Ortsteilen:

Das Gemeindegebiet erstreckt sich in einer Höhenlage von 780 m (Ostrachbrücke bei Reckenberg) bis auf 2593 m (Hochvogel).

Geschichte[Bearbeiten]

Sicher ist, dass 1540 die Grafen Montfort den Saumpfad über das Joch als Straße ausbauen ließen. Jahrhundertelang wurde auf dieser Route Salz aus Tirol in Richtung Bodensee transportiert. 1150 wird ein Oggoz von Hundilanc genannt. Das Rittergeschlecht von Hundilanc wird in den folgenden Jahren bis 1402 in verschiedenen Urkunden erwähnt. 1377 wird Hindelang der Pfarrei Sonthofen zugewiesen, bevor es 1435 zur eigenen Pfarrei erhoben wird. Bereits 1429 verlieh der Augsburger Bischof dem Ort das Marktrecht. 1529 gründeten die Fugger einen Stutenhof im Tal. Nach den Rittern von Heimenhofen und den Grafen von Montfort waren die Fürstbischöfe von Augsburg Besitzer des Gebietes.

Hindelang um 1900

Im hinteren Ostrachtal wurde im 16. Jahrhundert Eisenerz gefördert und es entstanden Hammerschmieden, in denen tausende von Hellebarden und Spießen unter anderem für die Heere Kaiser Maximilians hergestellt wurden. Während des Dreißigjährigen Krieges fielen fast 1000 Personen, das war die Hälfte der damaligen Bewohner, der Pest zum Opfer. 1796 verwehrten kaiserliche Truppen am Jochpass erfolgreich den napoleonischen Truppen den Übergang nach Tirol.

Offizielles Logo

Bei der Säkularisation im Jahre 1803 fiel Hindelang an das Königreich Bayern. 1823 kam der Salztransport über das Joch zum Erliegen. In den Jahren 1895–1898 wurde die neue Jochpass-Straße gebaut. 1900 verlieh Prinzregent Luitpold dem Ortsteil Oberdorf den Titel „Bad“. 1905 wurde die Kraftpost-Linie eröffnet, die Hindelang mit dem Bahnhof Sonthofen verband. 1924 verwüstete ein Hochwasser des Wildbachs den Ortsteil Bad Oberdorf. In den 30er Jahren wurde die neue Jochpassstraße saniert (zu erkennen an dem an einer Steinwand neben der Straße eingemeißelten Ritterkreuz im oberen Drittel der Strecke, Richtung Oberjoch). Sie diente später Wehrmachtsverbänden als Marschroute zur Front in Italien und Österreich.

1965 wurde Hindelang das Prädikat „Heilklimatischer und Kneippkurort“ verliehen. 2002 schließlich wurde Hindelang zu „Bad Hindelang“.

2011 erhielt Bad Hindelang das Qualitätssiegel für Allergikerfreundlichkeit von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF)[2]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Unterjoch, die am 4. Januar 1867 aus Teilen der Gemeinde Hindelang gebildet worden war, wieder eingegliedert.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2008 wuchs Bad Hindelang um 197 Einwohner bzw. um ca. 4%. Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1995 2000 2005 2008 2012
Einwohner 2.329 2.641 4.153 5.606 4.956 4.806 4.648 4.979 4.840 4.892 4.915 4.863

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Rathaus in Bad Hindelang

Der Gemeinderat, der aus der Kommunalwahl vom 2. März 2008 hervorging, setzt sich aus folgenden Parteien und Gruppierungen zusammen:

Partei / Liste Sitze
Freie Wählerschaft Hindelang 4
Freie Wählerschaft Bad Oberdorf 3
Freier Wählerblock Vorderhindelang 2
Christlich-Soziale Union (CSU) 2
Parteilose Wählerschaft Hinterstein/ Bruck 2
Bürgerliche Parteilose Wählerschaft Unterjoch 1
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 1
Wählergemeinschaft Oberjoch 1

Zusätzliches Mitglied des Gemeinderates ist der Bürgermeister der Gemeinde.

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1900–1919: Josef Anton Blanz
  • 1920–1933: Michael Haas
  • 1933–1939: Anton Schmid
  • 1939–1945: Karl Blanz
  • 1945–1947: Max Zillibiller, CSU

Galerie[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kirche Unserer lieben Frau im Ostrachtal und St. Jodokus
  • Evangelische Kirche
  • Heimatmuseum in der Oberen Mühle im Ortsteil Bad Oberdorf
  • Friedenshistorisches Museum im Ortsteil Bad Oberdorf
  • Kutschenmuseum Hinterstein
  • Rathaus - ehemaliges Jagdschloss: erbaut 1660 vom Augsburger Fürstbischof Sigismund Franz, Erzherzog von Tirol, als Jagdschloss. Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Augsburg bis 1805. Nach der Säkularisation ging das Schloss in Staatsbesitz über, diente dann einige Jahre in privatem Besitz als Gasthaus ("zum Hasen") und Schulhaus, bis es schließlich zum Rathaus des Marktes ausgebaut wurde. Sehenswert ist die ehemalige Hauskapelle der Fürstbischöfe mit frühbarocken Gewölbestukkaturen und einem grünglasierten Rokoko-Kachelofen.
  • Der ehemalige Stutenhof der Fugger ging später in den Besitz des Salzfaktors über.
  • Dreikugelhaus, ehemaliger Amts- und Wohnsitz des Salzfaktors.
  • Hammerschmieden im Ostrachtal - Nachdem die Grafen von Montfort Anfang des 16. Jahrhunderts die Bergwerksregalien verliehen bekommen hatten, eröffneten sie mehrere Erzgruben im Hintersteiner Tal im heutigen Gemeindegebiet von Bad Hindelang. In der Schmelzhütte zwischen Hinterstein und Oberdorf wurde das gewonnene Erz verhüttet. Es entstand eine beachtliche „Rüstungsindustrie“: Aus Aufzeichnungen in Innsbruck geht hervor, dass z. B. in den Jahren 1520–1524 nahezu 20.000 Landsknecht-Spieße aus den Hindelanger Waffenschmieden für die Heere Kaiser Maximilians geliefert wurden. Drei dieser alten Hammerschmieden existieren heute noch. Heute werden hier friedlichere Gerätschaften produziert, u. a. schmiedeeiserne Bratpfannen.
  • Das seit 1999 jährlich veranstaltete Internationale Jochpassrennen-Memorial ist ein beliebtes historisches Bergrennen für Oldtimer- und Youngtimerfahrzeuge.
  • Der Hindelanger Erlebnis-Weihnachtsmarkt lockt jährlich etwa 60.000 Besucher an.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Bad Hindelang

Bergwanderwege[Bearbeiten]

Der Schleierfall oberhalb des Vaterlandsweges

Panorama[Bearbeiten]

Blick in das Ostrachtal nach Norden

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Kunst[Bearbeiten]

  • Die Künstlerbrüder Franz Xaver Eberhard (1767–1836) und Konrad Eberhard (1768–1859) aus Hindelang haben in Hindelang und im weiteren Umkreis zahlreiche bildhauerische Arbeiten hinterlassen.
  • Richard Mahn (* 1866 Leipzig, † 1951 Hindelang), Kunstmaler, Graphiker, Radierer und Illustrator. Er kaufte 1901 ein Haus in Bad Oberdorf. Nach dem Ersten Weltkrieg verlegte er seinen Wohnsitz von München nach Bad Oberdorf und lebte dort bis zu seinem Tod 1951.
  • Fritz von Kamptz (* 16. Februar 1866 Glogau, † 15. Februar 1938 Hindelang), Kunstmaler, lebte von 1932 bis zu seinem Tod in Hindelang. Sein Christusbild machte ihn berühmt.
  • Charley Peklo (* 23. August 1880 Taus, † 6. November 1959 Immenstadt), Kunstmaler, lebte nach dem Zweiten Weltkrieg in Hindelang.
  • Walter Jacob (* 21. Oktober 1893 Altenburg/Thüringen, † 13. Juli 1964 Hindelang), lebte als Kunstmaler nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tod in Hindelang; er zählte zur zweiten Generation des Expressionismus in Deutschland.
  • Sepp Rist (1900–1980), geb. in Hindelang, war ein Filmschauspieler, der in zahlreichen Bergfilmen und Heimatfilmen mitwirkte.
  • Maria Antonie (Toni) Gaßner-Wechs (1900–1956) und ihr Mann Josef Gaßner (1898–1954) verfassten zahlreiche Gedichte und Texte sowie mehrere Bühnenstücke, großenteils in der alemannischen Mundart des Ostrachtales.
  • Maria Blanz (1912–1995), Kunstmalerin in Hindelang. Studium 1939 an einer privaten Kunstschule in München, daran anschließend Studium an der Kunstakademie von 1943 bis 1946. Nach der Rückkehr in die Heimat malte sie Landschaften in Öl und Aquarell. Ebenso Porträts, Blumen-, Tierbilder und Stillleben. (aus Ulrich Scholl, Aus der Geschichte des Ostrachtales, 1986, Hindelang)
  • Christian Modersohn (* 13. Oktober 1916), Sohn von Otto Modersohn, Kunstmaler, wuchs in Hindelang auf und lebte bis 1957 in Gailenberg.
  • Kilian Lipp (* 1953 im Ortsteil Vorderhindelang), Maler, ist als freischaffender Künstler in Gailenberg tätig.
  • Willi Tannheimer (* 1940 im Ortsteil Hinterstein), Bildhauer, ist als freischaffender Künstler in Hinterstein/ Bruck tätig.
  • Hubert Blanz (* 21. Februar 1969), freischaffender Künstler, lebt in Wien [4]
  • Christoph Finkel (* 1971), freischaffender Holzbildhauer und Trainer des Nationalkaders im Bouldern
  • Aurélie Blanz (* 1973), freischaffende Künstlerin, lebt in Frankreich [5]
  • Ulrich Lipp (* 10. August 1957 in Vorderhindelang), freischaffender Kunstmaler, jüngster Bruder von Kilian Lipp, Veranstalter von Kreativitätstrainings- und Kunstseminaren

Musik[Bearbeiten]

  • Karl Hafner (1894–1971) vertonte mehr als 300 Mundartgedichte des Ehepaares Gaßner sowie von Eugenie Scholl-Rohrmoser. Sie sind zu wahren Volksliedern geworden und werden heute in vielen Allgäuer Orten gesungen. 1960 ernannte ihn die Gemeinde zum Ehrenbürger.
  • Michael Bredl (1916–1999) war ab 1957 Lehrer an der Volksschule Hindelang. Die Volksmusik erfuhr von ihm wichtige Impulse. Das Alphornblasen wurde von ihm im Allgäu wiederbelebt.

andere[Bearbeiten]

  • Kurfürst Clemens Wenzeslaus (1739–1812), Fürstbischof von Augsburg, nahm gerne im Schloss in Hindelang seinen Sommeraufenthalt.
  • Pamela Behr, (* 1956), ist eine ehemalige Alpinskirennläuferin
  • Philipp Neri Chrismann (* 1751 in Hindelang, † 1810 Hedingen bei Sigmaringen), bedeutender Fundamentaltheologe des Franziskaner-Ordens.
  • Prinzregent Luitpold von Bayern (1821–1912) kam während mehr als fünfzig Jahren ins Ostrachtal zur Jagd.
  • Die Grafen Fugger erwarben 1529 größeren Besitz im Ostrachtal und begründeten hier eine Pferdezucht (Stutenhof).
  • Thomas Wechs (1893–1970) hat im Bistum Augsburg zahlreiche moderne Kirchenbauten erstellt, so auch die Kirche Unserer lieben Frau im Ostrachtal und St. Jodokus in seinem Geburtsort Bad Oberdorf. Nach ihm ist ein Architekturpreis benannt.
  • Hans-Peter Lanig, geb. 1935, und seine Schwester Evi waren in den 1950er Jahren berühmte Skiläufer. Hans-Peter gewann bei den Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley die Silbermedaille.
  • Anton Morent (1924–2006), Busunternehmer, Mentor des Tourismus im Oberallgäu und Träger des Bundesverdienstkreuzes.
  • Horst Zuse (* 1945), Professor und Sohn des Computerpioniers Konrad Zuse, wurde hier geboren.
  • Harry Voigtsberger (* 1950), Politiker (SPD), Wirtschaftsminister des Landes Nordrhein-Westfalen.
  • Dieter Fersch (* 1946), Skirennläufer
  • Klaus Hulek (* 1952), Mathematiker

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Hindelang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Hindelang – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Bad Hindelang erhält das Qualitätssiegel für Allergikerfreundlichenkeit
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 571.
  4. Hubert Blanz bei kultur-oa.de
  5. Kurzportrait über Aurélie Blanz bei www.kultur-oa.de von Gunther le Maire