Werner Spies

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Werner Spies (* 1. April 1937 in Tübingen) ist ein deutscher Kunsthistoriker, Romanist, Journalist, Kunstvermittler und Museumsdirektor. Er publizierte zahlreiche Monographien zur Kunst des 20. Jahrhunderts, betreute Ausstellungen zum Surrealismus und den Künstlern Max Ernst und Pablo Picasso und ist Kunstkritiker bei der FAZ. Der international renommierte Kunstwissenschaftler hat maßgeblich dazu beigetragen, daß sich die Klassische Moderne in Deutschland durchsetzen konnte. Als Kunstvermittler versteht er, das Werk bedeutender Künstler der Moderne in Monographien einem großen Publikum anschaulich nahezubringen, darunter das Werk von Max Ernst oder Pablo Picasso.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Werner Spies besuchte als Sohn eines Rottenburger Volkschuldirektors die Volksschule in Rottenburg am Neckar; ab dem Jahr 1952 das Albertus-Magnus-Gymnasium in Rottweil. Als Abiturient gibt er als Berufswunsch Kulturschriftsteller an.

In den Jahren 1956-1958 war er Volontär bei der in Rottweil erscheinenden Zeitung „Schwarzwälder Volksfreund“. Im Jahr 1958 arbeitete er als Redakteur für das Feuilleton der Stuttgarter Zeitung.

Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Romanistik in Wien, Tübingen und Paris und promovierte bzw. habilitierte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bei dem Kunsthistoriker und Rektor der Kunstakademie Düsseldorf Eduard Trier.

In Paris lernte er nach dem Zweiten Weltkrieg als Literaturagent und Lektor zahlreiche französische Autoren wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute, Michel Butor, Alain Robbe-Grillet, Claude Simon, Marguerite Duras, Francis Ponge, Robert Pinget und Monique Wittig kennen. In kürzester Zeit war er in der Pariser Literaturszene akzeptiert. Seit 1960 in Paris wohnhaft, ließ er sich dort im Jahr 1962 nieder und arbeitete als Kulturkorrespondent für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er beeinflusste „… mit seinem prägnanten Argumentationsstil eine ganze Generation von Kunsthistorikern[1]“.

Für den Süddeutschen Rundfunk gab er bei ihm bekannten und befreundeten Schriftstellern eigens für den Hörfunk erstellte Prosatexte in Auftrag, denn die bisherigen Hörfunkbearbeitungen missfielen ihm. In dieser Zusammenarbeit entstand beispielsweise das erste Hörspiel Samuel Becketts für den deutschen Rundfunk.

Als Übersetzer übertrug Werner Spies Werke von Alain Robbe-Grillet, Marguerite Duras, Francis Ponge und Jean Tardieu. Die Begegnungen mit Daniel-Henry Kahnweiler und Pablo Picasso wirkten sich entscheidend auf sein weiteres Leben aus. Mit Max Ernst, den er im Jahr 1966 kennenlernte, verband ihn bis zu dessen Tod im Jahr 1976 eine tiefe Freundschaft. Werner Spies beschloss sein Studium mit einer Dissertation über die Collagen von Max Ernst.

[Bearbeiten] Lehre, Kuratorenamt und Herausgeberschaft

In den Jahren 1975 bis 2002 hatte Werner Spies den Lehrstuhl für Kunst des 20. Jahrhunderts an der Kunstakademie Düsseldorf inne.

Von 1997 bis zum Jahr 2000 war er als erster Deutscher Direktor des Centre Beaubourg, dem heutigen Centre Georges Pompidou in Paris und war dort verantwortlich für die Neugestaltung des Musee National d`Art Moderne und für die Präsentation der Sammlungen. Seine Ernennung zum Museumsdirektor führte zu einem großen Medienecho, da eine solche Position im französischen Museumswesen eigentlich Karrierediplomaten vorbehalten ist.

Für das Centre Georges Pompidou organisierte er die Ausstellungen „Max Ernst, sculptures, maisons, paysages“ im Jahr 1998, „Picasso sculpteur“ im Jahr 2000 und „La Révolution surréaliste“ im Jahr 2002, die anschließend in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf gezeigt wurde. Werner Spies ist Vorsitzender des Stiftungsrates und des Kuratoriums der „Stiftung Max Ernst“ in Brühl und verantwortlich für das am 4. September 2005 in Brühl eröffnete Max-Ernst-Museum.

Im Auftrag von Max Ernst und der „Menil Foundation“ in Houston/Texas betreute er gemeinsam mit Sigrid und Günter Metken als Herausgeber den Oeuvrekatalog von Max Ernst. Die Künstler Pablo Picasso und der Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler beauftragten ihn den Oeuvrekatalog der Skulpturen Picassos zu erstellen. Im Jahr 1968 war Werner Spies Mitglied der Jury der 4. documenta. Als Kommissar der „Ausstellung Max Ernst“ im Grand Palais in Paris war er im Jahr 1975 tätig, im Jahr 1978 kuratierte er seine erste eigene Ausstellung „Paris-Berlin 1900-1933“ im Centre Beaubourg, dem heutigen Centre Georges Pompidou. Er organisierte zahlreiche Ausstellungen, so über den deutschen Künstler Josef Albers, über Max Ernst und zu den Skulpturen, Aquarellen, Pastellen und Zeichnungen von Picasso. Weitere Picasso-Ausstellungen fanden zu den Themen „Die Zeit nach Guernica“ oder ”Picasso – die Welt der Kinder“ statt. Die Retrospektive zu Max Ernst im Metropolitan Museum of Art in New York des Jahres 2005 betreute er ebenfalls. Im Jahr 2006 ist Werner Spies für die Ausstellung „Picasso- Malen gegen die Zeit- 200 Bilder, Skulpturen, Zeichnungen“ in der Albertina in Wien zuständig; diese Ausstellung wird anschließend in der „Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen“ in Düsseldorf gezeigt.

Werner Spies hat zahlreiche bedeutende Aufsätze in der FAZ publiziert, und dies seit über 40 Jahren. Einige davon erschienen zwischen September 1998 und Oktober 2004, leicht überarbeitet unter dem Titel "Duchamp starb in seinem Badezimmer an einem Lachanfall - Portraits (Edition Akzente), hrsg. von Michael Krüger), Carl Hanser Verlag, München/Wien 2005.

Werner Spies war mit Max Ernst eng befreundet und zählt zu den Wenigen, die Pablo Picasso persönlich kannten.

Werner Spies ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

[Bearbeiten] Ehrungen

Werner Spies bekam zahlreiche Preise verliehen; so den „Johann-Heinrich-Merck-Preis“ der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die „Wilhelm Hausenstein-Ehrung“ der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und den „Premio internazionale arte et letterature Sergio Polillo“, der in Bergamo verliehen wird. Im Jahr 2001 wurde ihm die Goethe-Medaille verliehen, im Jahr 2003 erhielt er den „Elsie-Kuhn-Leitz-Preis“ der deutsch-französischen Gesellschaften und den Preis der Art Cologne.

Die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin wurde Werner Spies im Mai des Jahres 2003 verliehen, im Februar 2005 folgte der Ehrendoktor der Universität Tübingen.

Zudem trägt Werner Spies noch die Titel eines „Commandeur des Arts et des Lettres“ und eines „Commandeur de l’Ordre national du Mérite“; er ist Offizier der französischen Ehrenlegion und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes sowie des Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Er wird Laudator des Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2008.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Ehrendoktorwürde für Werner Spies

[Bearbeiten] Werke (Auswahl)

  • Der literarische Geschmack im Ausgang des 19. Jahrhunderts im Spiegel der deutschen Zeitschriften, (Bonn, Philosophische Fakultät, Dissertation vom 3. Juni 1953), o. O. 1953
  • Pour Daniel-Henry Kahnweiler. Festschrift für Daniel-Henry Kahnweiler, hrsg. zusammen mit Michel Leiris, Stuttgart 1965
  • Mein imaginäres Museum/Jean Tardieu, aus dem Französischen übersetzt von Gerhard M. Neumann und Werner Spies; mit einem Nachwort versehen von Werner Spies, Frankfurt am Main 1965
  • Max Ernst: Frottagen, EA Stuttgart 1968
  • Pablo Picasso-Traum und Lüge Francos, Frankfurt 1968
  • Vasarely, EA Stuttgart 1969 ISBN 3-7701-0538-9
  • Albers, (= Kunst heute; Band 15), Stuttgart 1970 ISBN 3-7757-0007-2
  • Rudolf Hoflehner, Krieauer Kreaturen, Wien, München 1971 ISBN 3-7031-0193-8
  • Pablo Picasso: Das plastische Werk, EA Stuttgart 1971 ISBN 3-7757-0012-9
  • Victor Vasarely, EA Köln 1971
  • Die Rückkehr der Schönen Gärtnerin: Max Ernst 1950 - 1970, EA Köln 1971 ISBN 3-7701-0543-5
  • Max Ernst, Collagen: Inventar und Widerspruch, Köln 1974 ISBN 3-7701-0652-0
  • Max Ernst Oeuvrekatalog, sechs Bände, zusammen mit Sigrid und Günter Metken, 1975-1976
  • Max Ernst: Vox Angelica, Basel 1975
  • Max Ernst, Tokyo 1977
  • als Herausgeber: Max Ernst: Bücher und Grafiken; eine Ausstellung des Institutes für Auslandsbeziehungen, Stuttgart 1977
  • Christo, the Running Fence. 25. November 1977 - 8. Januar 1978, Kestner-Gesellschaft, Hannover, EA Stuttgart 1977 ISBN 3-7757-0121-4
  • Max Klinger: 1857 - 1920; l'oeuvre gravé ; exposition au Centre Culturel Allemand, Goethe-Inst. Paris du 10 mars au 29 avril 1977, Stuttgart 1977
  • Aggressivität und Erhebung, in: Max Ernst Retrospektive 1979, in Zusammenarbeit mit Thomas W. Gaehtgens, Eduard Trier und Günter Metken, München, Berlin 1979
  • Max Ernst: Frottagen, Collagen, Zeichnungen, Zürich, Frankfurt, München 1978
  • Das Auge am Tatort, 80 Begegnungen mit Kunst und Künstlern, München 1979 ISBN 3-7913-0484-4
  • Pablo Picasso: eine Ausstellung zum 100. Geburtstag; Werke aus der Sammlung Marina Picasso; Katalog, München 1981 ISBN 3-7913-0523-9
  • Max Ernst - Loplop: die Selbstdarstellung des Künstlers, München 1982 ISBN 3-7913-0546-8
  • Picasso, das plastische Werk. Katalog zur Ausstellung „Picasso, Plastiken“; Nationalgalerie Berlin, Staatliche Museen Preussischer Kulturbesitz, 7.10. - 27.11.1983; Kunsthalle Düsseldorf, 11.12.1983 - 29.1.1984; in Zusammenarbeit mit Christine Piot, Stuttgart 1983
  • Christo: Surrounded Islands, EA Köln 1984
  • Max Ernst - les collages. Inventaire et contradictions, Paris 1984
  • Picasso: Pastelle, Zeichnungen, Aquarelle; Kunsthalle Tübingen, 5. April - 25. Mai 1986; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 6. Juni - 27. Juli 1986; Stuttgart 1986 ISBN 3-7757-0213-X
  • Fernando Botero: Bilder, Zeichnungen, Skulpturen; anlässlich der Ausstellung Fernando Botero - Bilder, Zeichnungen, Skulpturen in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München, 4. Juli - 7. September 1986; in der Kunsthalle Bremen, 11. Januar - 1. März 1987 und in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, 12. März 1987 - 10. Mai 1987; München 1986 ISBN 3-7913-0774-6
  • Cars: die letzten Bilder/Andy Warhol, Stuttgart 1988 ISBN 3-7757-0249-0
  • Kontinent Picasso: ausgewählte Aufsätze aus 2 Jahrzehnten, München 1988 ISBN 3-7913-0891-2
  • Die Welt der Collage, Tübingen, Bern, Düsseldorf 1988
  • Rosarot vor Miami: Ausflüge zu Kunst und Künstlern unseres Jahrhunderts, München 1989 ISBN 3-7913-1017-8
  • Pablo Picasso - der Zeichner: 300 Zeichnungen und Graphiken 1893 - 1972, hrsg. von Jean Jouvet, Essays von Werner Spies, Zürich 1989 ISBN 3-257-21747-1
  • Max Ernst- The Invention of the Surrealist Universe, New York, London, 1990
  • Dressierte Malerei - entrückte Utopie: zur französischen Kunst des 19. Jahrhunderts, Stuttgart 1990 ISBN 3-7757-0289-X
  • Max Ernst: Retrospektive zum 100. Geburtstag; anlässlich der Ausstellung „Max Ernst - Retrospektive zum 100. Geburtstag“ in der Tate Gallery, London (13. Februar - 21. April 1991) ... sowie dem Musée Nationale d'Art Moderne, Centre Georges Pompidou, Paris (28. November 1991 - 27. Januar 1992)]; hrsg. und mit einer Einführung von Werner Spies; mit Beiträgen von Karin von Maur, München 1991 ISBN 3-7913-1122-0
  • Picasso, die Zeit nach Guernica: 1937 - 1973; anlässlich der von Heiner Bastian und Werner Spies organisierten Ausstellung „Picasso - Die Zeit nach Guernica 1937 - 1973“ in der Nationalgalerie Berlin, der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München und der Hamburger Kunsthalle, Dezember 1992 - August 1993, Stuttgart 1993 ISBN 3-7757-0384-5
  • An Open-ended Oeuvre in Dada and the Dawn of Surrealism; The Museum of Modern Art, New York, The Menil Collection, Houston, The Art Institute of Chicago 1993
  • Picasso - die Welt der Kinder, München 1994 ISBN 3-7913-1346-0
  • Schnitt durch die Welt: Aufsätze zu Kunst und Literatur, Stuttgart 1995 ISBN 3-89322-732-6
  • Pablo Picasso: Wege zur Skulptur; die Carnets Paris und Dinard von 1928; anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg (29.1. - 2.4.1995) und in der Hamburger Kunsthalle (16.6. - 13.8.1995); München, New York 1995 ISBN 3-7913-1436-X
  • Max Ernst-Skulpturen, Häuser, Landschaften; Centre Georges Pompidou 1998, Düsseldorf Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen 1995
  • Passion and Eroticism: The Late Graphic Works by Pablo Picasso; From the Piero Crommelynck Collection; Tokyo 1997
  • „Die Dauer des Blitzes“, in: Max Ernst, Die Retrospektive, Nationalgalerie Berlin 1999, Haus der Kunst, München
  • Kunstgeschichten: von Bildern und Künstlern im 20. Jahrhundert, Köln 1998 ISBN 3-7701-4703-0
  • Modes d’emploi, Paris 1998
  • Un musée du XXIe siècle. XXe/MNAM/COLLECTIONS - Une histoire matérielle, Centre Pompidou 2000
  • Picasso-sculpteur, Centre Georges Pompidou 2000
  • La Révolution surréaliste, Centre Georges Pompidou 2002
  • Picasso beim Stierkampf, Köln 2002
  • Surrealismus, Kanon einer Bewegung, Köln 2003
  • Marcel Duchamp starb in seinem Badezimmer an einem Lachanfall. Portraits (Edition Akzente), hrsg. von Michael Krüger), Carl Hanser Verlag, München/Wien 2005, ISBN 3-446-20581-0 (mit zahlreichen bedeutenden Aufsätze in der FAZ, erschienen zwischen September 1998 und Oktober 2004)
  • Max Ernst: Leben und Werk, 2005
  • Anselm Kiefer, 2005
  • Picasso- Malen gegen die Zeit, 2006
  • Werner Spies und C. Sylvia Weber: Liebe auf den ersten Blick. Hundert Neuerwerbungen der Sammlung Würth. Museum Würth, Künzelsau 2007, ISBN 978-3-89929-111-7
  • Werner Spies, Max Ernst · Bilder und Skulpturen in der Sammlung Würth, Künzelsau 2008, ISBN 978-3-89929-132-2
  • Werner Spies, Max Ernst in der Sammlung Würth · Grafik und Bücher, Künzelsau 2008, ISBN 978-3-89929-131-5 (Neuauflage)

[Bearbeiten] Sekundärliteratur

[Bearbeiten] Weblinks

  • SWR-Fernsehen 2005: Werner Spies zu Gast bei Markus Brock im Kulturcafé (Bildergalerie)

http://www.swr.de/kulturcafe/archiv/2005/08/27/beitrag1.html?navigid=193

Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen