Wiener Rathaus

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Wiener Rathaus
Christkindlmarkt am Wiener Rathaus (Dezember 2008)
Der Festsaal

Das Wiener Rathaus am Friedrich-Schmidt-Platz im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt wurde von 1872 bis 1883 nach Entwürfen des Architekten Friedrich von Schmidt errichtet. Es beherbergt die Amtsräume des Wiener Bürgermeisters sowie des Gemeinderates. Die Gemeinderäte tagen ebenfalls in der Funktion des Landtages.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte und Gestaltung

Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Fläche und Einwohnerzahl Wiens durch die Eingemeindung zahlreicher Vorstädte erheblich anstieg, wurde das Alte Rathaus in der Wipplingerstraße bald zu klein. Es kam 1868 zu einer Ausschreibung für den Bau eines neuen Rathauses, aus der der deutsche Architekt Friedrich von Schmidt als Sieger hervorging.

Als Standort stand ursprünglich ein Areal gegenüber dem Stadtpark zur Diskussion, schließlich wurde aber ein Teil des Josefstädter Glacis gewählt, das im 19. Jahrhundert als Paradeplatz diente und dem Kaiser nur nach Interventionen des Bürgermeisters Cajetan Felder 1870 abgerungen werden konnte. In diesem langwierigen Streit zwischen Stadt und Monarchie um die Kosten des Ringstraßenprojekts nahm das Rathaus einen prominenten Platz ein.

Das Wiener Rathaus wurde von 1872 bis 1883 errichtet und ist eines von vielen historistischen Bauwerken, die zu dieser Zeit entlang der durch die Schleifung der Wiener Stadtmauer geschaffenen Ringstraße entstanden sind. Die Rathausfassade ist ein herausragendes Beispiel für einen Profanbau der Neugotik. Das Äußere, vor allem der 105 Meter hohe Turm, ist von der Tradition flämischer Rathäuser der Gotik inspiriert, um äußerlich an die mittelalterliche Tradition städtischer Freiheit anzuknüpfen. Der Grundriss mit sieben Höfen folgt eher der Konzeption barocker Paläste. Die Zuordnung des Gesamtgebäudes zur Neugotik ist daher mit Vorsicht zu verwenden und wurde von Schmidt selbst auch abgelehnt.

Bei einer Grundfläche von 19.592 m² weist das Rathaus eine Gesamtfläche von 113.000 m² auf. Das Gebäude ist 152 Meter lang und 127 Meter breit, wobei die 1.575 Räume 2.035 Fenster haben. Die Baukosten betrugen etwa 14 Millionen Gulden.

Der Festsaal des Rathauses mit Statuen bedeutender Persönlichkeiten Wiens ist mit einer Länge von 71 Metern und einer Breite von 20 Metern einer der größten Säle an der Wiener Ringstraße. Der Saal und die angrenzenden Räume werden unter anderem für Ausstellungen, Konzerte und Bälle genutzt, insgesamt finden im Rathaus jährlich rund 800 Veranstaltungen statt. Der Life Ball, Europas größte Aids-Benefiz-Veranstaltung, wird in einer Vielzahl von Räumen im Rathaus gefeiert.

Seit 1927 befindet sich die Rathauswache im Rathaus. Zu ihren Aufgaben zählen heute neben standardmäßigen Brandschutzaufgaben der Betrieb der Wiener Katastrophenleitzentrale sowie die Ausstellung von Notpässen.

Im Untergeschoss des Rathauses befindet sich der unter Denkmalschutz stehende Wiener Rathauskeller. Die Räumlichkeiten des hier untergebrachten Restaurationsbetriebes umfassen über 3.500 m², sind mit historischen Wandmalereien und Dekoren versehen und können auch für Veranstaltungen und Feste genutzt werden. Umfassende Renovierungen erfolgten 1952[1] und zuletzt 2005, als der gesamte Bereich für rund 6 Millionen Euro grundrenoviert wurde und die historischen Wandmalereien und Holzarbeiten unter der Leitung des österreichischen Bundesdenkmalamtes restauriert wurden.

Auf der Spitze des Turms steht der Rathausmann, eine 3,5 Meter hohe eiserne Gestalt in Form eines Standartenträgers in Rüstung. Sie wurde von Alexander Nehr nach einem Modell von Franz Gastell gestaltet, Vorbild war angeblich die Prunkrüstung Kaiser Maximilians I.

Auf dem Friedrich-Schmidt-Platz hinter dem Rathaus befindet sich das Denkmal für Friedrich von Schmidt, das von Edmund Hofmann von Aspernburg und Julius Deininger geschaffen und am 28. Mai 1896 enthüllt wurde.[2]

[Bearbeiten] Rathausplatz und Rathauspark

Einer der beiden Brunnen im Rathauspark

Der Rest des ehemaligen Josefstädter Glacis vor dem Rathaus wird zum Teil von einem Vorplatz, dem Rathausplatz eingenommen. Der Großteil des Areals vor dem Rathaus und gegenüber dem 1888 fertiggestellten Burgtheater wurde durch den Gartenkünstler Rudolph Siebeck als Rathauspark gestaltet. Die Parkanlage wurde im Juni 1873 – zeitgleich mit der Grundsteinlegung für das Rathaus – fertiggestellt und hat eine Gesamtfläche von rund 40.000 m².

Heute wird der Rathausplatz häufig für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Seit 1991 findet alljährlich im Juli und August das Film Festival auf dem Wiener Rathausplatz statt, bei dem bei freiem Eintritt Filmaufzeichnungen mit Schwerpunkt Klassische Musik gezeigt werden. In der Vorweihnachtszeit hat der traditionelle Christkindlmarkt geöffnet, von Mitte Jänner bis Anfang März befindet sich hier mit dem Wiener Eistraum ein mobiler Eislaufplatz. Die Wiener Festwochen werden üblicherweise auf dem Rathausplatz eröffnet, darüber hinaus fanden und finden auch unregelmäßige Veranstaltungen statt, unter anderem gastierte hier André Heller mit seiner Show Begnadete Körper.

[Bearbeiten] Denkmäler

Jener Teil des Rathausplatzes, der von der Ringstraße zum Rathaus führt und den Rathauspark in zwei Hälften teilt, wird zu beiden Seiten von insgesamt acht Marmorstatuen von Persönlichkeiten der österreichischen Geschichte gesäumt. Diese Statuen standen ursprünglich im Bereich des heutigen Karlsplatzes auf der 1854 eröffneten Elisabethbrücke über den Wienfluss, wo sie am 19. November 1867 enthüllt wurden. Als die Brücke im Zuge der Flussregulierung 1897 abgerissen wurde, übersiedelten die Statuen zwischenzeitlich zur nahe gelegenen Stadtbahnstation Karlsplatz. Danach war eine Aufstellung im Arkadenhof des Rathauses geplant, man entschied sich aber schließlich für ihren heutigen Standort. Die Statuen stellen die folgenden Persönlichkeiten dar:

Dargestellte Persönlichkeit Bildhauer
Heinrich II. Jasomirgott Franz Melnitzky
Leopold VI. Johann Preleuthner
Rudolf IV. Josef Gasser
Niklas Graf Salm Mathias Purkartshofer
Rüdiger Graf Starhemberg Johann Baptist Feßler
Johann Bernhard Fischer von Erlach Josef Cesar
Leopold Karl von Kollonitsch Vinzenz Pilz
Joseph von Sonnenfels Hanns Gasser

Während der NS-Herrschaft wurde die Joseph von Sonnenfels zeigende Statue durch eine andere, Christoph Willibald Gluck darstellende ersetzt, letztere steht heute bei der Karlskirche.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Wien im Rückblick, Mai 1952 - Rathauskeller wie vor 60 Jahren
  2. viennatouristguide.at | Friedrich Schmidt Denkmal

[Bearbeiten] Literatur

  • Felix Czeike: Das Wiener Rathaus. Zsolnay, Wien 1972.

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Rathaus – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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