Wyhl am Kaiserstuhl

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl
Wyhl am Kaiserstuhl
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl hervorgehoben
48.1655555555567.6488888888889175Koordinaten: 48° 10′ N, 7° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Emmendingen
Höhe: 175 m ü. NHN
Fläche: 16,95 km²
Einwohner: 3532 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 208 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79369
Vorwahl: 07642
Kfz-Kennzeichen: EM
Gemeindeschlüssel: 08 3 16 051
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 10
79369 Wyhl am Kaiserstuhl
Webpräsenz: www.wyhl.de
Bürgermeister: Joachim Ruth
Lage der Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen
Frankreich Ortenaukreis Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Freiburg im Breisgau Schwarzwald-Baar-Kreis Bahlingen am Kaiserstuhl Biederbach Biederbach Biederbach Denzlingen Elzach Emmendingen Endingen am Kaiserstuhl Forchheim (Kaiserstuhl) Freiamt (Schwarzwald) Gutach im Breisgau Herbolzheim Kenzingen Malterdingen Malterdingen Reute (Breisgau) Rheinhausen (Breisgau) Riegel am Kaiserstuhl Sasbach am Kaiserstuhl Sexau Simonswald Teningen Vörstetten Waldkirch Weisweil Winden im Elztal Wyhl am KaiserstuhlKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl (Aussprache: [vi:l]) liegt im Landkreis Emmendingen (Baden-Württemberg). Überregional bekannt wurde der Ort Wyhl in den 1970er Jahren durch den Widerstand gegen das dort geplante Kernkraftwerk.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Dorf Wyhl liegt in der Oberrheinebene am nordwestlichen Rand des Kaiserstuhls und hat im Westen den Rhein als natürliche Grenze zu Frankreich. Die Kreisstadt Emmendingen ist etwa 19 km östlich, die Stadt Freiburg im Breisgau 32 km südöstlich gelegen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden von Wyhl sind (vom Norden im Uhrzeigersinn): Weisweil, Forchheim, die Stadt Endingen am Kaiserstuhl, Sasbach am Kaiserstuhl sowie Mackenheim im französischen Elsass.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl gehören das Dorf Wyhl, das Gehöft Wyhler Mühle und der Wohnplatz Kiesgrube Albert Schweizer. Im Gemeindegebiet liegen der Burgstall der Burg Schafgießen und die abgegangene Ortschaft Wöllingen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Luftbild von Wyhl am Kaiserstuhl

Schon aus der Zeit um 50 v. Chr. finden sich Spuren einer keltoromanischen Siedlung. Die Struktur der Gemeinde war früher hauptsächlich durch die Landwirtschaft geprägt. Später spielten Zigarrenfabriken eine größere Rolle.

Kernkraftwerk Wyhl[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kernkraftwerk Wyhl

Überregional bekannt wurde Wyhl in den 1970er Jahren durch die Auseinandersetzung um den Bau des Kernkraftwerks Wyhl; der Konflikt in Wyhl gilt als Wendepunkt der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung. Nachdem der seit 1969 geplante, ursprünglich vorgesehene Standort Breisach auf Grund von Protesten aufgegeben wurde, wurde im Juli 1973 Wyhl als Standort für ein Kraftwerk am Kaiserstuhl genannt. Daraufhin entstanden zahlreiche Bürgerinitiativen, die sich 1974 zu einem Internationalen Komitee zusammenschlossen. Demonstrationen (Sternfahrten aus dem Dreiländereck) und Platzbesetzungen fanden statt. Das Projekt wurde nach einiger Zeit eingestellt: In der Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichts Freiburg 1977 wurde zwar nach wie vor von seiner Ungefährlichkeit ausgegangen, der Bau jedoch als zurzeit politisch nicht durchsetzbar bezeichnet. Dieses Urteil wurde allerdings vom Verwaltungsgerichtshof Mannheim 1982 wieder aufgehoben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1970: 2689
  • 1987: 2863
  • 2005: 3667
  • 2007: 3703
Rathaus Wyhl

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[3]
Wbt.: 54,8 % (2004: 61,4 %)
 %
50
40
30
20
10
0
41,3 %
39,3 %
19,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-6,7 %p
+3,8 %p
+2,9 %p

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgender Verteilung der 12 Sitze im Gemeinderat:

CDU 41,3 % 5 Sitze (–1)
FWV 39,3 % 5 Sitze (+1)
SPD 19,4 % 2 Sitze (±0)

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In gespaltenem Schild; vorn in Rot eine gestürzte goldene Pfugschar, hinten in Blau ein pfahlweis gestelltes silbernes Senseneisen.“

Das älteste nachweisbare Gerichtssiegel von Wyhl und dem im 18. Jahrhundert abgegangenen Wöllingen an einer Urkunde von 1609 zeigt bereits die Pflugschar, jedoch abwärts gekehrt, und das Senseneisen. Seit dem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts belegten Siegel zeigen alle Stempel dann das Wappenbild in der heute noch gebräuchlichen Form. Lediglich das mit 1840 datierte Gemeindewappen im Türsturz an der Mühle bringt die Wappenfelder vertauscht. Im Jahre 1905 wurden anlässlich der Neuzeichnung des Siegels durch das Generallandesarchiv auch die Farben des Wappens festgelegt, wobei die Tingierung des hinteren Feldes entsprechend der des Wappens der Stadt Endingen gewählt wurde. Die Ortsherrschaft lag seit 1413 als österreichisches Pfand und später Lehen ganz oder zur Hälfte bei der Stadt. Die Farben im vorderen Feld können als die badischen angesehen werden.[4]

Die Flagge ist gelb-rot gestreift.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Wyhl verfügt über eine Hauptschule mit Werkrealschule und eine Grundschule.

Kultur[Bearbeiten]

In Wyhl gibt es ein Heimatmuseum, einen Musikverein, einen Kirchenchor, eine Chorgemeinschaft sowie rund 30 weitere Vereine.

Religion[Bearbeiten]

Die katholische Kirche St. Blasius bildet mit dem Pfarrhaus ein barockes, später umgeformtes Ensemble. Die Kirche besitzt noch ihre barocken Altäre mit Gemälden von Johann Pfunner und Skulpturen von Matthias Faller, das Pfarrhaus Rokoko-Stuck.

Sport[Bearbeiten]

In Wyhl gibt es eine Fußballmannschaft, die in der Verbandsliga spielt, und eine Kunstturnmannschaft in der Landes- und Bezirksliga.

Der SC Wyhl stieg in der Saison 2009/2010 erstmals in der Vereinsgeschichte in die Landesliga auf. In der Saison 2012/2013 schaffte der Verein den Aufstieg in die Verbandsliga.


Sagen und Legenden[Bearbeiten]

Baroner Kritzli
Das „Baroner Kritzli“ in Wyhl

Die Geschichte eines tragischen Jagdunfalles: Die Jagd im Rheinwald war wegen des Wildreichtums früher sehr begehrt. Noch im 19. Jahrhundert pflegte der Adel des Kaiserstuhls hier zu jagen. Die Herren von Girardi waren im Sommer die Jagdherren und auch beliebte Gastgeber für die jagdfreudigen Herren der Nachbarschaft. Auf solch einer Jagd soll es zum tragischen Unfall gekommen sein, der schließlich zur Erstellung des „Baroner-Kritzli“ geführt hat. Folgendes hat sich ereignet:

Die Herren von Girardi hatten die Edlen der Nachbarschaft zur Treibjagd eingeladen. Unter diesen Gästen soll auch ein junger „Herr“ mit seinem Stiefvater gewesen sein, zwischen denen ein heimlicher Groll war, wie das so zu geschehen pflegt, wenn die Mutter mit großen Kindern noch freit.

Am 14. Juli 1873 zogen die Herren zur Treibjagd aus. Keiner dachte an diesem wunderschönen Tag an etwas Böses und mit Hussa und Jagdhornschall ging es los. Schüsse krachten und mit Halali feierte man jede erlegte Sau.

Des einen Stiefvater aber hatte einen schweren Stand, immer wenn er glaubte einen stattlichen Eber zu erlegen, entwischte dieser ihm. Die übrige Jagdgesellschaft konnte ihn am Abend nur noch aus der Ferne vernehmen. Da hörte er ein Knacken und Brechen und ein zorniges Grunzen, das immer näher auf ihn zuzukommen schien. Jetzt galt´s! Zwischen Busch und Stamm sah er etwas Fleckiges, Graues und schon krachte auch sein schnell gezielter Schuss.

Aber zu seinem Entsetzen hörte er statt des Röchelns eines getroffenen Ebers einen menschlichen Klagelaut! Er eilte zur Abschussstelle und fand statt des Ebers seinen eigenen Stiefsohn, von seiner Kugel getroffen, sterbend am Boden.

Zur Erinnerung an jenen tragischen Unfall errichtete die Herrschaft das vom Volksmund genannte „Baroner Kritzli“ an der Stelle wo jener junge Baron sein Leben aushauchte. Auf dem Kreuz stehen die mahnenden Worte:

„Wachet und betet, denn ihr wisst nicht, wann es Zeit ist“

Am 18. Dezember 1909 wurde das von Jugendlichen beschädigte Kreuz vom Schmied Wilhelm Fränzle wieder zusammengeschraubt, worüber die Inschrift auf der Rückseite Auskunft gab. Später wurde es gestohlen. Danach wurde ein schmiedeeisernes Kreuz, das der früheren Form stilgerecht entsprach, vom hiesigen Naturpfleger Meinrad Schwörer gefertigt und am 19. März 1956 am gleichen Ort neu aufgestellt. Und wieder wurde das Kreuz gestohlen und um 1983 von Manfred Burkhard neu gefertigt. Der beschädigte Steinsockel wurde vom Maurer Werner Öschger restauriert. Und so ist das Baroner Kritzli heute noch ein beliebtes Ausflugsziel der Wyhler Bevölkerung.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jari Pekka Cuypers, Wolfgang Hippe: Die Geschichte von der Wyhlmaus und anderen Menschen. Ö-Comic Nr.1. Essen 1978. ISBN 3-88203-034-8
  • Hans-Helmut Wüstenhagen: Bürger gegen Kernkraftwerke: Wyhl - der Anfang? Rowohlt, 1975, ISBN 3-499-11949-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wyhl am Kaiserstuhl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 238
  3. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Kommunalwahlen_2009/GTabelle.asp?G=GE316051
  4. Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg Band 3 Regierungsbezirk Freiburg, Seite 128, Herausgeber: Landesarchivdirektion Baden-Württemberg 1989 ISBN 3-8062-0803-4
  5. „Wyhl am Kaiserstuhl einst und jetzt“ von Fritz Späth. Erschienen 1963. 2. Auflage 1984. Verlag: Emil Wild KG, Endingen/Kaiserstuhl