Bahlingen am Kaiserstuhl

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bahlingen am Kaiserstuhl
Bahlingen am Kaiserstuhl
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bahlingen am Kaiserstuhl hervorgehoben
48.1219444444447.7366666666667217Koordinaten: 48° 7′ N, 7° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Emmendingen
Höhe: 217 m ü. NHN
Fläche: 12,66 km²
Einwohner: 3972 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 314 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79353
Vorwahl: 07663
Kfz-Kennzeichen: EM
Gemeindeschlüssel: 08 3 16 002
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Webergäßle 2
79353 Bahlingen am Kaiserstuhl
Webpräsenz: www.bahlingen.de
Bürgermeister: Harald Lotis
Lage der Gemeinde Bahlingen am Kaiserstuhl im Landkreis Emmendingen
Frankreich Ortenaukreis Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald Freiburg im Breisgau Schwarzwald-Baar-Kreis Bahlingen am Kaiserstuhl Biederbach Biederbach Biederbach Denzlingen Elzach Emmendingen Endingen am Kaiserstuhl Forchheim (Kaiserstuhl) Freiamt (Schwarzwald) Gutach im Breisgau Herbolzheim Kenzingen Malterdingen Malterdingen Reute (Breisgau) Rheinhausen (Breisgau) Riegel am Kaiserstuhl Sasbach am Kaiserstuhl Sexau Simonswald Teningen Vörstetten Waldkirch Weisweil Winden im Elztal Wyhl am KaiserstuhlKarte
Über dieses Bild
Luftbild von Bahlingen
Bahlingen mit Bergkirche

Bahlingen am Kaiserstuhl ist eine Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Emmendingen in Deutschland. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Kreisstadt Balingen im Zollernalbkreis.

Geografie[Bearbeiten]

Bahlingen liegt am Nordostrand des Mittelgebirges Kaiserstuhl an der Alten Dreisam und befindet sich etwa 20 km nord-nordwestlich von Freiburg im Breisgau.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden von Bahlingen sind Endingen am Kaiserstuhl, Riegel am Kaiserstuhl und Teningen mit Nimburg im Landkreis Emmendingen sowie Eichstetten und Vogtsburg im Kaiserstuhl im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören das Dorf Bahlingen und der Wohnplatz Silberbrunnen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich vermutlich von „Baldinga“ ab, was etwa „bei den Leuten des Baldo“ bedeutet. Die erste urkundliche Erwähnung des Orts stammt aus dem Jahr 762. Als alemannische Sippensiedlung ist der Ort aber wohl schon im 3. bis 5. Jahrhundert entstanden. Seit 1415 gehörte Bahlingen zur Markgrafschaft Baden und wurde somit in der Reformation protestantisch. Im Dreißigjährigen Krieg und noch einmal in den Kriegen Ludwigs XIV. wurde der Ort fast völlig zerstört. Die beiden Weltkriege überstand der Ort weitgehend unbeschädigt.

Zwischen 1770 und 1776 war Bahlingen neben Teningen und Dietlingen eines der Musterdörfer in der Markgrafschaft Baden, in dem das ökonomische System des Physiokratismus eingeführt wurde. Es war der weltweit einzig bekannte Versuch der Einführung dieser Wirtschaftstheorie, zu dessen Anhängern in Deutschland der Nationalökonom Johann August Schlettwein gehörte, der Markgraf Karl Friedrich von diesem System überzeugt haben soll. Die zentrale These des Physiokratismus, der in Frankreich entworfen wurde, lautet, dass die Landwirtschaft die einzige Quelle des Reichtums sei und die Wertschöpfung nur in diesem Wirtschaftssektor erfolge. In Dietlingen begann der Versuch 1770 und wurde nach einer Modifikation (1795) im Jahre 1801 definitiv abgebrochen. In Bahlingen und Teningen begann der Versuch, bei dem unter anderem die sogenannte "Einsteuer" (impôt unique) eingeführt wurde, 1771 und wurde bereits 1776 wieder beendet.[3]

Am 1. September 1996 erhielt die Gemeinde offiziell den Zusatz am Kaiserstuhl.[4]

Politik[Bearbeiten]

Bahlingen gehört dem Gemeindeverwaltungsverband „Nördlicher Kaiserstuhl“ mit Sitz in Endingen an; weitere Mitgliedsgemeinden sind die Stadt Endingen und die Gemeinden Forchheim (Kaiserstuhl), Riegel, Sasbach am Kaiserstuhl und Wyhl am Kaiserstuhl.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgende Ergebnis:[5]

Freie Aktive Bürger (FAB) 43,7 % + 13,9 6 Sitze + 2
CDU 34,5 % + 7,5 5 Sitze + 1
Neue Liste 21,8 % + 2,9 3 Sitze ± 0

Die Differenzzahlen beziehen sich auf das Ergebnis der Kommunalwahl 2004.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In gespaltenen Schild; vorn in Gold ein roter Schrägbalken, hinten in Blau ein silbernes Winzermesser mit schwarzem Griff über einer gestürzten silbernen Pflugschar.“

Der Ort gehörte seit dem 14.Jh. zur Markgrafschaft Hachberg, die 1415 an die Markgrafen von Baden verkauft wurde. Weinbau wird hier seit alters her betrieben. 1482 wurde eine Verkaufsurkunde mit dem Bahlinger Gerichtssiegel versehen, das im halbrunden, gespaltenen Schild vorn den badischen Schrägbalken, hinten ein nach rechts auswärts gekehrtes Rebmesser zeigt. Dieses Siegel wurde bis zur Beschaffung eines neuen Siegels im Jahre 1665 benutzt, der ebenso wie ein zwischen der zweiten Hälfte des 18. und dem ersten Viertel des 19.Jh. verwendeter Stempel bereits mit dem bis heute beibehaltenen Wappen versehen ist. Die Wappenfarben wurden nach dem Vorschlag des Generallandesarchivs von 1906 von der Gemeinde im Jahre 1913 festgelegt.[6]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bahlingen unterhält seit 1996 Partnerschaften nach Frankreich. Mit den Gemeinden Bischwihr, Holtzwihr, Riedwihr und Wickerschwihr im benachbarten Elsass fühlt man sich seit dieser Zeit verbunden. Es finden immer wieder regelmäßige Besuche und gemeinsame Veranstaltungen statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bahlingen war lange Zeit durch die Landwirtschaft und den Weinbau geprägt. In den letzten 100 Jahren erlebte der Ort einen Modernisierungsschub. Bahlingen wurde 1896 durch die Kaiserstuhlbahn an das Eisenbahnnetz (in Riegel an die Rheintalbahn) angeschlossen; in den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur stetig ausgebaut. 1967 entstand ein neues Schulhaus, 1984 wurde die Silberberghalle fertiggestellt. Seit den 1970er Jahren haben sich zunehmend Industrie, Handel und Gewerbe niedergelassen, die heute etwa 1000 Arbeitsplätze bieten. Ein Schwerpunkt liegt hier im Bereich Werkzeugbau und Formenbau, auch international agierende Unternehmen wie die Otto Männer Holding AG sind vertreten. Zudem wurden zahlreiche neue Gewerbe- und Wohngebiete erschlossen.

Weinbau[Bearbeiten]

Der Weinbau am Kaiserstuhl reicht bis zu den Römern zurück. Derzeit werden in Bahlingen etwa 280 Hektar bewirtschaftet. Die Weintrauben werden durch Weingüter sowie die Genossenschaft „Die Winzer vom Silberberg“ angebaut und vermarktet. Die in Bahlingen angebauten Rebsorten sind Müller-Thurgau, Spätburgunder, Weißburgunder und Ruländer.

Die Winzergenossenschaft Bahlingen übertrug am 19. Dezember 1962 die Verarbeitung der Ernte im Werklohnverhältnis auf die Zentralkellerei Badischer Winzergenossenschaften in Breisach. Die Bahlinger Winzergenossenschaft hat rund 450 Mitglieder, die Weintrauben auf 140 Hektar Fläche anbauen.[7]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahlingen am Kaiserstuhl liegt an der Kaiserstuhlbahn. Diese wird derzeit von der SWEG betrieben, in den kommenden Jahren neu ausgeschrieben und bis 2018 elektrifiziert werden.
Über den Autobahnanschluss der Bundesautobahn 5, Abfahrt 59 (Riegel) aus Karlsruhe oder von der Abfahrt 60 (Teningen) aus Basel kommend, erreicht man Bahlingen jeweils nach rund 5 Kilometern auf gut ausgebauten Land- und Kreisstraßen. Die Kreisstadt Emmendingen ist ca. 10 km entfernt, Freiburg im Breisgau ca. 18 km, Straßburg in Frankreich ca. 70 km und Basel in der Schweiz ca. 90 km.
Die gute Verkehrsanbindung hat zur Ansiedlung vieler namhafter Unternehmen im neu geschaffenen Gewerbegebiet am östlichen Ortseingang geführt. Auch wohnen hier viele Pendler, die täglich zur Arbeit in die nahe gelegenen Städte und Gemeinden fahren. Hierzu nutzen sie häufig die öffentlichen Verkehrsmittel wie die Kaiserstuhlbahn oder Busse, aber auch mit dem Fahrrad sind viele Ziele schnell erreichbar.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Rathaus
  • Die Bergkirche mit Glasfenstern von Valentin Peter Feuerstein überragt an prominenter Stelle das Dorf.
  • Das Rathaus mit reichem Fachwerk stammt aus dem 17. Jahrhundert.
  • Einige historische Fachwerkhäuser prägen das Ortsbild.

Sport[Bearbeiten]

Die 1. Fußball-Mannschaft des Bahlinger Sportclubs spielt mit dem Trainer Alexander Hassenstein in der laufenden Saison 2012/13 in der Oberliga Baden-Württemberg.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Hoselipsfest – alle zwei Jahre, erstmals im Jahr 1977 findet in Bahlingen das Hoselipfest statt. Der Name Hoselips rührt von einer kleinen Holzfigur, die seit je den Bahlinger Winzern Glück bringt.
  • AXA-Kaiserstuhl-Cup – mit einer Mischung von internationalen Teams (u. a. Roter Stern Belgrad, Saloniki), nationalen Teams (Borussia Dortmund, 1.FC Nürnberg, 1.FC Kaiserslautern, SC Freiburg) und mit regionalen Teams (FC Emmendingen, TSG Hoffenheim, FC Teningen) sowie dem Team des Bahlinger SC wird jedes Jahr der AXA-Kaiserstuhl Cup veranstaltet. Für Bahlinger Fußballfans ist es das Sport-Event des Jahres.
  • Pfingstmontag – alljährliches Mühlenfest zum Deutschen Mühlentag in der Adler Mühle.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Mit der Gemeinde verbunden[Bearbeiten]

  • Michael Schwarze (* 1939) arbeitet als freier Bildhauer seit 1989 in Bahlingen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 233
  3. Hans Werner Holub: Eine Einführung in die Geschichte des ökonomischen Denkens, Band 3. Lit Verlag, Wien 2006, ISBN 3-8258-9230-1, S. 92ff (Google Books).
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996
  5. Badische Zeitung 8. Juni 2009
  6. Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg Band 3 Regierungsbezirk Freiburg Seite 34 Herausgeber: Landesarchivdirektion Baden-Württemberg 1989 ISBN 3-8062-0803-4
  7. Heike Scheiding-Brode: Bahlinger Silberberg. 75 Jahre Winzer vom Silberberg, 1935 - 2010. Festschrift von ca. 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahlingen am Kaiserstuhl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien