Bahnhof Bebra

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Bebra
Bahnhof Bebra mit Inselgebäude
Bahnhof Bebra mit Inselgebäude
Daten
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bauform Inselbahnhof
Bahnsteiggleise 5 (3, 5, 8–10)
Abkürzung FB
IBNR 8000029
Preisklasse 3
Eröffnung 29. August 1848
Lage
Land Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 58′ 9″ N, 9° 47′ 52″ OKoordinaten: 50° 58′ 9″ N, 9° 47′ 52″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Hessen
i16i16i18

Der Bahnhof Bebra ist ein Knotenbahnhof im deutschen Personen- und Güterverkehrsnetz in der nordhessischen Stadt Bebra. Er ist Knotenpunkt mehrerer Eisenbahnstrecken sowie Halt einzelner Intercity-Züge der Mitte-Deutschland-Verbindung zwischen Düsseldorf und Leipzig/Dresden. Der Bahnhof befindet sich im Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV). Er wurde 1848 eröffnet und bekam schnell eine Schlüsselrolle als wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Dadurch entwickelte sich Bebra zur klassischen Eisenbahnerstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge und Zeit bis 1939[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bebra erhielt am 29. August 1848 mit Inbetriebnahme des ersten Abschnitts der Bahnstrecke Bebra–Baunatal-Guntershausen bis Guxhagen Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz. Am 25. September erfolgte die Verlängerung der Strecke bis nach Gerstungen. Am gleichen Tag wurde die Bahnstrecke Halle–Bebra von Halle aus kommend nach Bebra verlängert, wodurch die Stadt zum Knotenpunkt beider Strecken wurde.

1866 folgte der erste Abschnitt der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn in Richtung Bad Hersfeld, 1875 die Strecke Richtung Göttingen. Beide Streckenabschnitte gehören zur Bahnstrecke Frankfurt–Göttingen.

Der Bahnhof erhielt 1869 sein heutiges Empfangsgebäude in Insellage. Auf Grund seiner Bedeutung als Knotenpunkt erfuhr das Gelände bis zur Jahrhundertwende mehrere Erweiterungen. Bis 1906 kam parallel zum Personenbahnhof ein Rangierbahnhof hinzu.

1914 wurde die Berliner Kurve als Verbindung zwischen den Strecken von Frankfurt und von Halle gebaut. Damit entfiel der zuvor notwendige Fahrtrichtungswechsel in Bebra. 1924 wurde der Bahnhof im Westen um den Vorbahnhof Bebra U (Umladebahnhof) erweitert.

Kriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges gab es am 4. Dezember 1944 einen Luftangriff auf den Rangierbahnhof Bebra. Der Bahnhof wurde kaum getroffen, aber auf die Stadt fielen zahlreiche Bomben und es gab 64 Tote zu beklagen.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampflokomotive der Baureihe 01.5 in Bebra (1972)

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich der Verkehr im Raum Bebra mehr in Nord-Süd-Richtung, da der Verkehr in Richtung Osten durch die nahe gelegene innerdeutsche Grenze weitgehend unterbrochen war. Bebra wurde Grenzbahnhof für Interzonenzüge in die DDR, Transitzüge und Militärzüge der Westmächte nach West-Berlin. In Bebra wurden die Züge von der Deutschen Bundesbahn an die Deutsche Reichsbahn mit Lokwechsel übergeben. Bis und ab Bebra wurden die Personenzüge von der DR in der Regel mit Dampfloks der DR-Baureihe 01.5 bespannt. Ab dem Sommerfahrplan 1973 wurden die Dampfloks aus dem Dienst vor den Interzonenzügen zurückgezogen und der Lokwechsel nach Gerstungen verlegt. Die „Berliner Kurve“ wurde während der deutschen Teilung nicht genutzt, blieb aber betriebsfähig.

Auf der Nord-Süd-Strecke hielten in Bebra bis zur Eröffnung der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg und Inbetriebnahme des ICE 1991 viele hochwertige Reisezüge, so der TEE „Blauer Enzian“ und jeder IC zwischen München und Hamburg. Bebra diente damit als Umsteigebahnhof für das vom IC-Netz bis zur Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke nicht bediente Kassel.

Die historisch bedeutsamen Regierungssonderzüge von Willy Brandt zum Gipfeltreffen nach Erfurt und von Willi Stoph nach Kassel 1970 wurden im Bahnhof Bebra abgefertigt.

Der Bahnhof Bebra wurde im Jahr 1963 mit Oberleitungen für den elektrischen Zugbetrieb ausgerüstet.[1]

Wiedervereinigung und Jahrtausendwende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Güterzug und Cantus-Bahn am Bebraer Bahnhof

Bis 1995 wurde die „Berliner Kurve“ in Verbindung mit der Elektrifizierung des Abschnittes Neudietendorf – Bebra grundlegend saniert und wieder in Betrieb genommen. Seither erreichen die Fernzüge der Relation Dresden – Frankfurt am Main den Bahnhof Bebra nicht mehr, sondern passieren die Stadt südöstlich.

Dafür wurde die direkte Einfahrt aus Richtung Gerstungen in den Rangierbahnhof aufgegeben. Seitdem müssen Güterzüge zwischen Rangierbahnhof und Thüringer Strecke im Westteil des Personenbahnhofes oder in Bebra U umsetzen. Der Rangierbahnhof wurde 2009 als Zugbildungsbahnhof aufgegeben. Seitdem ist er nur noch Satellit.

Bebra ist heute Halt der unregelmäßig verkehrenden Intercity-Linie 50 auf der Mitte-Deutschland-Verbindung sowie mehrerer Nahverkehrslinien im NVV nach Kassel, Eisenach, Fulda und Göttingen. Der Rangierbahnhof ist darüber hinaus eines von 13 Frachtzentren der Deutschen Bahn AG (DB).

Südlich liegt das Werra-Fulda-Kalirevier, eines der größten Kaliabbau­gebiete der Welt. Über den Bahnhof Bebra wird der Ganzzugverkehr zu den Häfen sowie die Zuführung von Leerwagen abgewickelt. Außerdem wird bei einem Großteil der Bebra passierenden Güterzüge das Lokpersonal gewechselt. Auch wenn hier heute keine Lokomotiven mehr beheimatet sind, existieren noch eine ganze Reihe Arbeitsplätze bei der Eisenbahn in Bebra, sie ist somit Eisenbahnerstadt.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof wurde ab Frühsommer 2012 völlig umgebaut und modernisiert.[2] Hierbei wurden die Bahnsteige der Gleise 3, 5 und 8 komplett erneuert und barrierefrei. Der Bahnsteig der Gleise 1 und 2 wurde aufgelassen, da er nach der Modernisierung des Bebraer Bahnhofs nicht mehr notwendig war.

Aufgrund fehlender Fahrdienstleiter drohte die Bundesnetzagentur 2013 ein Zwangsgeld von 100.000 Euro an.[3]

Das örtliche Empfangsgebäude wurde an die Stadt verkauft und nach umfangreicher denkmalgerechter Sanierung am 10. November 2021 wieder eröffnet, es beherbergt eine Ausstellung über die Geschichte des Bahnhofs.[4]

Bahnbetriebswerk Bebra[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1890 entstand auf der östlichen Gleisseite das Bahnbetriebswerk Bebra P sowie auf der westlichen Gleisseite das Bahnbetriebswerk Bebra G mit jeweils zwei Lokschuppen und Drehscheiben.

Das Bw Bebra war in den 1950er Jahren das Bahnbetriebswerk der Bundesbahn, bei dem die Schnellzugdampfloks der Baureihe 01.10 die höchsten Laufleistungen aufwiesen. Bebraer Lokomotiven fuhren bis Hamburg-Altona oder Bremen im Norden und Treuchtlingen sowie zeitweise München im Süden. Die in Bebra beheimatete 01 1056 fuhr im Juli 1956 28.889 Kilometer, die höchste dokumentierte Monatslaufleistung einer Dampflok in Deutschland.[5] Auch die Neubau-Dampfloks der DB-Baureihe 10 waren nach Auslieferung durch die Firma Krupp zunächst in Bebra beheimatet.

Nach der Aufnahme des elektrischen Betriebes zum Sommerfahrplan im Mai 1963 wurden viele Dampfloks umbeheimatet. Bereits im Herbst 1962 gab Bebra die beiden Loks der Baureihe 10, diverse 01.10 und einige ölgefeuerte Loks der Baureihe 44 nach Kassel ab. Anfang 1968 wurden die letzten drei 44er abgezogen.[6] Bis 1973 wurde das Bw allerdings noch von den vor Interzonenzügen eingesetzten Dampfloks der DR angefahren und genutzt, in der Regel Schnellzugloks der Baureihe 01.5.

In Bebra beheimatete Lokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baureihe 01.07.1959 31.12.1962 31.12.1963 31.12.1966
01.10 20 18 0 0
10 2 0 0 0
44 35 47 15 8
50 14 18 12 0
5525 9 2 0 0
562 12 10 10 0
898 1 0 0 0
Summe 93 95 34 8

1968 erfolgte die Schließung des Betriebswerks Bebra G zu Gunsten einer Erweiterung des Rangierbahnhofs.

Der Lokschuppen 1 des Betriebswerkes Bebra P war bis zur Auflösung des Betriebshofes 1997 inklusive der modernisierten Drehscheibe noch in Betrieb.

Für den Erhalt des im Jahr 1995 stillgelegten Lokschuppen 2 mit der Segmentdrehscheibe setzte sich der Verein „Die Dampfmacher Bebra e.V.“ ein.[7] Der Verein – mittlerweile insolvent – unterstützte in den letzten Jahren mehrfach große Dampfloktreffen in Bebra, die die vergangene Zeit wieder aufleben ließen. Besondere Attraktionen waren dabei stets Parallelfahrten auf der Nord-Süd-Strecke in Richtung Göttingen.

Der Lokschuppen 2 wurde im Jahr 2015 zunächst statisch-konstruktiv gesichert und erhielt unter anderem ein neues Dach. Mit Hilfe verschiedener Förderprogramme (Stadtumbau in Hessen, Nationale Denkmäler des Städtebaus u. a.) wurde der Lokschuppen 2 und das ehemalige Kesselhaus mit Schornstein bis 2019 saniert und revitalisiert, der Lokschuppen 2 dient seit Juli 2019 als Eventlocation. Alle Gebäude befinden sich mittlerweile im Eigentum der Stadt Bebra bzw. des Tochterunternehmens Stadtentwicklung Bebra GmbH.

Stellwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Betrieb wird heute von den Stellwerken Bpf im Norden des Rangierbahnhofes und Brf im Süden des Rangierbahnhofes gesteuert.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linie Verlauf Takt Betreiber
IC 51 KölnEssenBochumDortmund – Kassel – Bebra – Eisenach – Erfurt – Weimar – Leipzig DB Fernverkehr
Kassel-WilhelmshöheBebraEisenach – Erfurt – WeimarJena WestJena-GöschwitzGera Hbf
RE5 Kassel Hbf – Kassel-Wilhelmshöhe – Melsungen – Rotenburg an der Fulda – Bebra – Bad Hersfeld
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
60 min (wochentags)
120 min (Wochenende)
cantus
RMV-RE5 Kinzigtalbahn:
Frankfurt (Main) Hbf – Frankfurt (Main) Süd – Hanau Hbf – Bad Soden-Salmünster – Schlüchtern – Fulda – Hünfeld – Bad Hersfeld – Bebra
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
einzelne Züge DB Regio Mitte
RE50 Kinzigtalbahn:
Frankfurt (Main) Hbf – Frankfurt (Main) Süd – Offenbach (Main) Hbf – Hanau Hbf – Langenselbold – Gelnhausen – Wächtersbach – Bad Soden-Salmünster – Steinau (Straße) – Schlüchtern – Flieden – Neuhof (Kr Fulda) – Fulda – Hünfeld – Bad Hersfeld – Bebra
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
einzelne Züge DB Regio Mitte
RB5 Kassel Hbf – Kassel-Wilhelmshöhe – Guxhagen – Melsungen – Malsfeld – Malsfeld-Beiseförth – Altmorschen – Heinebach – Rotenburg an der Fulda – Rotenburg-Lispenhausen – Bebra – Ludwigsau-Friedlos – Bad Hersfeld – Haunetal-Neukirchen – Burghaun – Hünfeld – Fulda
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
60 min cantus
RB6 Eisenach – Eisenach West – Eisenach Opelwerk – Hörschel – Herleshausen – Gerstungen – Wildeck-Obersuhl – Wildeck-Bosserode – Wildeck-Hönebach – Ronshausen – Bebra
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
60 min (wochentags)
120 min (Wochenende)
cantus
RB87 Göttingen – Friedland (Han) – Eichenberg – Bad Sooden-Allendorf – Eschwege-Niederhone – Eschwege – Eschwege-Niederhone – Wehretal-Reichensachsen – Sontra – Bebra
(fährt im Abschnitt Göttingen – Eichenberg mit RB83 vereinigt)
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2021
60 min cantus

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Florian Dürr: Bahnknoten in exponierter Lage. In: eisenbahn-magazin. Nr. 10, 2021, S. 48–52 und Beilage.
  • Peter Kehm: Bahnhof Bebra. Die Geschichte eines Eisenbahnknotens in der Mitte Deutschlands . DGEG Medien GmbH, Hövelhof 2019, ISBN 978-3-946594-14-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnhof Bebra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Preuß: Gebremster Fortschritt – Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke. In: Lokmagazin. 3, Verlag Geramond, 2011.
  2. Hessisches Wirtschaftsministerium: RuFV für Bf BEebra@1@2Vorlage:Toter Link/www.wirtschaft.hessen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. So ein Desaster darf sich die Bahn nicht erlauben. In: Der Tagesspiegel. Nr. 21797, 2. September 2013, S. 13 (tagesspiegel.de – ähnliche Version).
  4. Zeitstrahl : Bebra Museum. Abgerufen am 31. Mai 2022.
  5. Jürgen-Ulrich Ebel: Die Baureihe 01.10. Band 1, EK-Verlag, Freiburg 2010.
  6. Lutz Münzer: Die Dampfloks des Bw Bebra. In: Lokmagazin. 7, Verlag Geramond, 2010.
  7. Die Dampfmacher Bebra e.V.: Erhaltung des Lokschuppens.