Barry Callebaut

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Barry Callebaut AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0009002962
Gründung 1996
Sitz Zürich, SchweizSchweiz Schweiz
Leitung Antoine de Saint-Affrique
(CEO)
Patrick De Maeseneire
(Chairman of the Board)
Mitarbeiterzahl ca. 12.000 (2018/2019)[1]
Umsatz 7,3 Mrd. CHF (2018/2019)[1]
Branche Nahrungsmittel
Website www.barry-callebaut.com

Schokoladenriegel mit Aufschrift Callebaut

Barry Callebaut AG [bari kalebau̯t] ist einer der grössten Schokoladenproduzenten der Welt.[2]

Das Unternehmen stellt Schokolade, Kakaoprodukte, Füllungen, Glasuren und Dekorationen für die zwei Kundensegmente Industrie und gewerbliche Kunden (Konditoreien und Gastronomie) her. Die 61 (2017: 55[3]) Produktionsstätten liegen in Europa, Afrika, Amerika und Asien in über 40 (2017: >30[4]) Ländern[5] und beliefern 143 Länder.[6] Zu den bekanntesten Marken des Konzerns gehören Callebaut, Cacao Barry und Carma.

Barry Callebaut beschäftigt mehr als 12.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2019/2020, das am 31. August 2020 endete, einen Umsatz von 6,9 Milliarden Schweizer Franken.[6] Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Zürich und ist an der SIX Swiss Exchange kotiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen Callebaut wurde 1850[7] von Eugène Callebaut als Brauerei im belgischen Wieze gegründet. Sein Enkel, Octaaf Callebaut, begann 1911 mit der Produktion von Schokoriegeln, 1920 folgte die Herstellung von Kuvertüre.[8] Cacao Barry war ein französisches Schokoladenunternehmen, das seinen Sitz zuletzt in Zürich hatte.

Im Jahr 1996 fusionierten beide zu einem neuen Unternehmen mit dem Namen Barry Callebaut.[9]

Nach dem Zusammenschluss 1996 wuchs das Unternehmen durch geografische Expansion in strategische Wachstumsmärkte, durch Outsourcing-Verträge, Innovationen und Akquisitionen. Seit 1998 ist Barry Callebaut an der SIX Swiss Exchange kotiert.[10]

  • 1998 Übernahme des Markennamens «Van Houten» von der Van-Houten-Schokoladenfabrik, Niederlande[10]
  • 1999 Akquisition der Carma AG, Schweiz
  • 2002 Akquisition der Stollwerck-Gruppe, Deutschland
  • 2003 Akquisition des niederländischen Konzerns Graverboom B. V. (einschliesslich Luijckx B. V.)
  • 2003 Akquisition der Brach’s Confections Holding Inc., USA
  • 2004 Akquisition des Vending-Mix-Geschäfts (Automatenmischungen) der AM Foods, Schweden
  • 2005 Eröffnung einer Schokoladenfabrik in Kalifornien, USA
  • 2007 Eröffnung einer Schokoladenfabrik in Tschechow, Russland
  • 2007 Veräusserung des Zuckerwaren-Geschäfts von Brach’s
  • 2007 Akquisition einer Kakaofabrik in Pennsylvania, USA
  • 2008 Eröffnung einer Schokoladenfabrik in Suzhou, China
  • 2008 Unterzeichnung der Übernahme von Schokolade-Produktionskapazitäten von Morinaga, Japan
  • 2008 Eröffnung eines Verkaufsbüros und einer Chocolate Academy in Mumbai, Indien
  • 2008 Übernahme eines 60-%-Anteils an KLK Cocoa in Malaysia
  • 2008 Verkauf des afrikanischen Verbrauchergeschäfts
  • 2008 Eröffnung von vier Chocolate Academies in Suzhou, China; Zundert, Niederlande; Tschechow, Russland und Chicago, USA
  • 2008 Eröffnung einer Spezialitätenfabrik für tiefgekühlte Backwaren und Desserts in Alicante, Spanien
  • 2009 Eröffnung einer Schokoladenfabrik in Monterrey, Mexiko
  • 2009 Verkauf des Verbrauchergeschäfts Van Houten Singapore an Hershey
  • 2009 Akquisition des dänischen Herstellers von Vending-Mix-Produkten Eurogran
  • 2009 Akquisition des spanischen Schokoladenherstellers Chocovic
  • 2010 Eröffnung einer Schokoladenfabrik in Extrema, Brasilien
  • 2010 Unterzeichnung einer langfristigen strategischen Partnerschaftsvereinbarung mit Kraft Foods, Inc.
  • 2011 Akquisition der Restbeteiligung von 40 % an Barry Callebaut Malaysia Sdn Bhd, vormals KLK Cocoa
  • 2011 Ausbau der bestehenden Liefer- und Innovationspartnerschaft mit Hershey
  • 2011 Unterzeichnung eines langfristigen Outsourcing-Vertrags mit Chocolates Turín, Mexiko
  • 2011 Verkauf der Stollwerck-Gruppe (Schokoladen für den europäischen Lebensmitteleinzelhandel) an Baronie (Belgien)[11]
  • 2011 Joint Venture mit P. T. Comextras Majora und Gründung von P. T. Barry Callebaut Comextras Indonesia
  • 2012 Akquisition von la Morella nuts, Spanien
  • 2012 Akquisition des US-Lebensmittelherstellers Mona Lisa Food Products
  • 2012 Lancierung der «Cocoa Horizons»-Initiative auf Basis des strategischen Pfeilers „Nachhaltiger Kakao“
  • 2012 Erwerb des Standorts Chatham von Batory Industries Company in Ontario, Kanada
  • 2012 Unterzeichnung langfristiger Outsourcing-/Partnerschaftsvereinbarungen mit Unilever, Grupo Bimbo, Mexiko und Morinage, Japan
  • 2013 Akquisition von Delfi Cocoa mit Hauptsitz in Singapur
  • 2017 Vorstellung der eigens entwickelten Kuvertüre „Ruby“, die als neuer Schokoladentyp vermarktet wird
  • 2021 (geplant) Eröffnung einer Schokoladenfabrik in Novi Sad, Serbien[12]

Eigentümerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen gehört zum 31. August 2020 zu 40,1 % der Jacobs Holding AG mit Sitz in Zürich, zu 5 % Renata Jacobs, und zu 3,1 % BlackRock.[6]

Nach Abschluss des Verkaufs im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens, das im April 2021 bekannt gegeben wurde, wird die Jacobs Holding 1,65 Millionen Aktien von Barry Callebaut halten, was 30,1 % entspricht.[13]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schokoladenindustrie, darunter auch Barry Callebaut,[14] unterzeichnete im September 2001 das sogenannte Harkin-Engel-Protokoll. Dieses Protokoll beinhaltet Massnahmen, die bis 2008[15] zur Beendigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit bzw. -sklaverei in der Kakaoindustrie führen sollten.[16] Eine Reportage der ARD kam 2010 zu dem Schluss, dass grosse Firmen wie Mars Incorporated, aber auch Barry Callebaut oder Nestlé nach wie vor Kindersklaverei «zumindest dulden».[14] Eine Evaluation der Tulane-Universität stellte 2011 fest, dass von den sechs im Harkin-Engel-Protokoll genannten Massnahmen keine einzige vollständig umgesetzt wurde.[17]

Gemäss Geschäftsbericht strebt das Unternehmen an, "Kinderarbeit aus der Lieferkette zu verbannen".[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Barry Callebaut (Hrsg.): Annual Report 2018/19. Zürich 4. November 2019, S. 4 (englisch, barry-callebaut.com [PDF; 4,5 MB; abgerufen am 2. September 2020] geändert am 5. November 2019).
  2. Anita Greil: A Growing Taste for Chocolate. (13,6 MB) In: wsj.com. Wall Street Journal, 10. Januar 2011, abgerufen am 8. November 2017 (amerikanisches Englisch, Artikelanfang).
  3. Barry Callebaut Group: Annual Report 2016/17. (PDF; 13,3 MB) In: barry-callebaut.com. Barry Callebaut Group, 6. November 2017, S. 4, 7, archiviert vom Original am 22. Dezember 2017; abgerufen am 20. Dezember 2017 (englisch).
  4. Unternehmensprofil (Memento vom 19. Mai 2017 im Internet Archive). In: barry-callebaut.com, abgerufen am 25. April 2017.
  5. Unternehmensprofil Barry Callebaut. In: barry-callebaut.com, abgerufen am 5. März 2020.
  6. a b c d Barry Callebaut Annual Report 2019/2020 - Notes to the Consolidated Financial Statements. Abgerufen am 28. April 2021 (englisch).
  7. Barry Callebaut. Company history. (Nicht mehr online verfügbar.) In: barry-callebaut.com. Archiviert vom Original am 28. Juni 2006; abgerufen am 18. Dezember 2018 (englisch): „Callebaut – 1850 – Established in Belgium as a malt brewery and dairy company“
  8. Unsere Geschichte. callebaut.com; abgerufen am 13. Juli 2017.
  9. Unternehmensprofil. (Memento vom 15. November 2013 im Webarchiv archive.today) barry-callebaut.com; abgerufen am 13. Juli 2017.
  10. a b Company history (Memento vom 9. Juni 2014 im Webarchiv archive.today). In: barry-callebaut.com, abgerufen am 13. Juli 2017 (englisch).
  11. (cms/tno/rcv/sda): Barry Callebaut verkauft Alprose nach Belgien. In: Handelszeitung. 11. Juli 2011, abgerufen am 25. April 2017.
  12. Driving ‘smart growth’ through greater customer proximity. In: barry-callebaut.com, 18. April 2019, abgerufen am 5. März 2020.
  13. Jacobs Holding verkauft Anteil an Barry Callebaut. Abgerufen am 28. April 2021.
  14. a b Miki Mistrati: Schmutzige Schokolade. In: Das Erste, Reportage und Dokumentationen. ARD, 6. Oktober 2010, abgerufen am 1. September 2020 (im Auftrag des NDR; 43:23 Minuten, Stelle: Min. 40:02–41:30).
  15. Miki Mistrati: Schmutzige Schokolade. In: Das Erste, Reportage und Dokumentationen. ARD, 6. Oktober 2010, abgerufen am 1. September 2020 (Min. 05:21).
  16. Harkin Engel Protocol (Memento vom 20. Dezember 2012 im Webarchiv archive.today). In: cocoainitiative.org, abgerufen am 25. April (englisch).
  17. Tulane University – Payson Center for International Development and Technology Transfer: Oversight of Public and Private Initiatives to Eliminate the Worst Forms of Child Labor in the Cocoa Sector in Cote d’Ivoire and Ghana. (PDF; 3,2 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: dol.gov. U.S. Department of Labor, 31. März 2011, S. 9, archiviert vom Original am 10. Oktober 2016; abgerufen am 18. Dezember 2018 (amerikanisches Englisch).