Bruttig-Fankel

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Bruttig-Fankel
Bruttig-Fankel
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Bruttig-Fankel hervorgehoben
Koordinaten: 50° 8′ N, 7° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Cochem-Zell
Verbandsgemeinde: Cochem
Höhe: 85 m ü. NHN
Fläche: 14,38 km2
Einwohner: 1106 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 77 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56814
Vorwahl: 02671
Kfz-Kennzeichen: COC, ZEL
Gemeindeschlüssel: 07 1 35 017
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Ravenéstraße 61
56812 Cochem
Webpräsenz: www.bruttig-fankel.de
Ortsbürgermeister: Rainer Welches
Lage der Ortsgemeinde Bruttig-Fankel im Landkreis Cochem-Zell
Kalenborn (bei Kaisersesch)Eppenberg (Eifel)Laubach (Eifel)LeienkaulMüllenbach (bei Mayen)HaurothUrmersbachMasburgDüngenheimKaiserseschLandkernIllerichEulgemHambuchGamlenZettingenKaifenheimBrachtendorfUlmen (Eifel)AlflenAuderathFilz (Eifel)WollmerathSchmittBüchel (Eifel)Wagenhausen (Eifel)GillenbeurenGevenichWeiler (bei Ulmen)LutzerathBad BertrichUrschmittKlidingBeuren (Eifel)MoselkernMüden (Mosel)Treis-KardenLützLiegRoesMöntenichForst (Eifel)DünfusBrohlBinningen (Eifel)WirfusBriedenKailPommern (Mosel)BriedelAltlayPeterswald-LöffelscheidHaserichSosbergForst (Hunsrück)AltstrimmigReidenhausenMittelstrimmigBlankenrathPanzweilerWalhausenSchauren (bei Blankenrath)TelligHesweilerLiesenichMoritzheimGrenderichZell (Mosel)NeefBullaySankt AldegundAlf (Mosel)PünderichGreimersburgKlottenFaidDohrBremmBruttig-FankelSenheimNehren (Mosel)Ediger-EllerMesenichValwigErnst (Mosel)Beilstein (Mosel)Ellenz-PoltersdorfBriedernCochemLandkreis VulkaneifelLandkreis Bernkastel-WittlichLandkreis Mayen-KoblenzRhein-Hunsrück-KreisKarte
Über dieses Bild
Bruttig-Fankel an der Mosel; Ortsteil Fankel mit Moselschleuse
„Am Moselufer“, Ortsteil Bruttig
Kirche, Ortsteil Bruttig

Bruttig-Fankel ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Cochem an. Bruttig-Fankel ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt an der Mosel (Flusskilometer 57–59; Untermosel) und besteht aus den Ortsteilen Bruttig und Fankel.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 716 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 43 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monate ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,8-mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren mäßig. An 46 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Zeugnisse der Besiedlung in der näheren Umgebung des Ortes sind die sehr gut erhaltenen Hügelgräber auf dem Bruttig-Fankeler Berg entlang des sogenannten Rennweges, einer alten Verbindungsstraße zwischen den zwei Gabel-Endpunkten der keltisch/römischen Fernstraße von der Mosel über den Hunsrück zur Nahe, heute als Keltenweg Nahe–Mosel touristisch beworben und vermarktet, über die heute der „Archäologische Wanderweg Bruttig-Fankel“ verläuft. Nach Auskunft des Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz in Koblenz stammen diese Gräber teilweise noch aus der Bronzezeit.

Der Ort Bruttig-Fankel hat sowohl keltisch-römische als auch merowingisch-fränkische Ursprünge, wobei der Ortsteil Bruttig wohl der ältere ist. Die erste urkundliche Erwähnung als „Pruteca im Mayengau“ stammt vom 4. Juni 898 in einer Schenkungsurkunde des lothringischen Königs Zwentibold zu Gunsten des reichsunmittelbaren, freiadligen Frauenstifts in Essen. Neben zahlreichen Besitzungen im Raum Köln und Bergheim übertrug der König dem Stift in Essen: … in pago magnensi in villa pruteca terra arabilis cum curtile et vineis … (Übers. etwa: … im Mayengau, im Dorfe Bruttig einen Hof mit zugehöriger pflügbarer Erde und Weinbergen). Diese Urkunde belegt, dass der Ort mindestens 1100 Jahre alt ist, wahrscheinlich aber sogar wesentlich älter, da bereits ein Hof mit Weinbergen bestand. Ein weiterer Hinweis darauf, dass der Ort bereits eine keltische Siedlung war, ergibt sich aus dem Namen „Bruttig“ selbst. Sprachforscher leiten den heutigen Namen ab vom keltischen „Bruti-acum“ (d. h.: „Wohnung des Brut“) über das lateinische „Proteca“ (898 n. Chr.), „Prodecha“ (1250 n. Chr.) zum heutigen „Pruttig/Bruttig“.

Der Ortsteil Fankel wurde um das Jahr 1100 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name ist abgeleitet vom keltischen „fank“, für sumpfiges Gelände. Die Besitzverhältnisse regelten sich im Mittelalter in Bruttig wie in Fankel durch mehrere sogenannte Weistümer. Zu Zeiten der französischen Besatzung ab dem Jahr 1794 wurden beide Ortsteile der Mairie Beilstein zugeordnet, welche zum Kanton Zell gehörte. Die Verwaltung lag allerdings beim Kanton Treis des Département de Rhin-et-Moselle und ab 1816 nach der Zuordnung zum Königreich Preußen beim Kreis Cochem. Seit 1946 sind beide Orte Teil des Landes Rheinland-Pfalz.

Im Zuge der rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform erfolgte am 7. Juni 1969 die Zusammenlegung der bis dahin eigenständigen Gemeinden Bruttig und Fankel zur neuen Ortsgemeinde Bruttig-Fankel.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Bruttig-Fankel besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das neue Wappen der Ortsgemeinde Bruttig-Fankel basiert auf einem Beschluss des Gemeinderats vom 16. Januar 1973.

Wappen von Bruttig-Fankel
Blasonierung: „Ein gespaltener Wappenschild, rechts auf silbernem Hintergrund ein roter Schlüssel mit Vierpaß-Griff und nach links gerichtetem Bart mit Kreuzeinschnitt, überdeckt von einem grünen Wellenbalken; links eine goldene Lilie auf grünem Feld.“[5]
Wappenbegründung: Das Wappen stellt eine Zusammenführung der Symbolik der beiden alten Gemeindewappen der Ortsteile Bruttig und Fankel dar.

Der Wappenentwurf stammt von Alfons Friedrichs aus Zell.[6]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Overijse in Belgien wird seit 1958 eine Partnerschaft gepflegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schuncksches Haus von 1656 (beachtliche Innenausstattung)
  • Alte Rathäuser von Bruttig (von 1619) und Fankel (16. Jahrhundert)
  • Kirche St. Margaretha in Bruttig (1845) und Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Fankel (1385)
  • Christophorushaus und Fachwerkhäuser in der Brunnenstraße (ältestes zusammenhängendes Fachwerkensemble im Moselraum)
  • Ehemalige Synagoge in der Mühlenbachstraße im Ortsteil Bruttig
  • zahlreiche Fachwerkhäuser in den alten Ortskernen von Bruttig und Fankel
  • Kreuzkapelle (18. Jahrhundert)

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Bruttig-Fankel

Der Bahndamm in Bruttig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemauerter Bahndamm in Bruttig
Die größte der 12 Brücken

Quer durch den Ortsteil Bruttig verläuft ein bis zu zehn Meter hoher Bahndamm. Im nördlichen Teil wirkt er mit seinen gemauerten Wänden fast wie eine Stadtmauer, im südlichen Teil liegt er zwischen den Häusern. Mit insgesamt zwölf Brücken führt er über die ihn querenden Straßen und Gassen. Der Damm ist ein Relikt einer während des Ersten Weltkrieges als strategische Eisenbahn geplanten Bahnstrecke entlang des rechten Moselufers von Bullay nach Koblenz. Gebaut wurden aber, mit Unterbrechungen, lediglich der 2565 Meter lange Treiser Tunnel zwischen Bruttig und Treis sowie die aus den genannten Orten zu ihm hinführenden Bahndämme. Die Bauarbeiten wurden 1924 endgültig eingestellt, in Betrieb ging die Strecke nie. Im Tunnel wurden 1944, im Rahmen eines Programmes zur Verlagerung der Produktion kriegswichtiger Güter in geschützte Untergrundanlagen, elektronische Bauteile produziert. Hierbei wurden auch KZ-Häftlinge eingesetzt, welche in Lagern auf den Bahndämmen zu beiden Seiten des Tunnels untergebracht waren. 1946 wurde der Tunnel auf Anordnung der französischen Besatzungsbehörden durch mehrere Sprengungen zerstört. Noch heute lässt sich die Trasse gut bis zum ehemaligen Südportal des Tunnels verfolgen. Auf großen Teilen ihrer Fläche, auch innerorts, wurde noch bis vor einigen Jahren Wein angebaut. Vor dem Portal sind die Überreste zweier Betonbauten aus dem Jahre 1944 erkennbar. An das Konzentrationslager erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruttiger Winzerfest am zweiten Wochenende im August
  • Fankeler Weinfest am dritten Wochenende im Juli
  • Bruttiger Kirmes am ersten Sonntag nach dem 20. Juli
  • Fankeler Kirmes am ersten Sonntag nach dem 15. August
  • Pfingstfest
  • FZM-Gib-Gas-Turnier immer drei Wochen nach Pfingsten
  • Weingelage

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fallhöhe der Staustufe Fankel beträgt 7 m
Staustufe Fankel: Bau einer zweiten Schleusenkammer 2009

Weinbau und Tourismus prägen den Ort und gehören untrennbar zusammen. Im Ortsteil Bruttig wird jährlich am zweiten Wochenende im August das große Winzerfest gefeiert. Bekannte Steilhang-Weinlagen sind Pfarrgarten, Götterlay, Rathausberg, Layenberg und Rosenberg. Es wird überwiegend Riesling angebaut, darüber hinaus aber auch Elbling und diverse andere (auch rote) Rebsorten.

In Fankel befindet sich neben der Staustufe Fankel auch die Zentralwarte der RWE Power AG, von der aus die Wasserkraftwerke der deutschen Moselstaustufen gesteuert werden.

Bekannte Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friderichs, Alfons: Wappenbuch des Kreises Cochem-Zell. Zell 2001. ISBN 3-00-008064-3
  • Friderichs, Alfons: Persönlichkeiten des Kreises Cochem-Zell. Trier 2004. ISBN 3-89890-084-3
  • Friderichs, Alfons: Urkunden und Regesten der Städte, Gemeinden, Burgen, Klöster Mühlen und Höfe im Kreis Cochem-Zell bis 1900. Trier 2010. ISBN 978-3-89890-125-3
  • Heimes, Ernst: Ich habe immer nur den Zaun gesehen. Suche nach dem KZ-Außenlager Cochem. Fölbach; 4. Aufl.; Koblenz 1999. ISBN 3-923532-39-3
  • Schommers, Reinhold: Gemeinde Bruttig-Fankel an der Mosel. Rheinische Kunststätten Nr. 371; Verlag des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz; 1. Aufl.; Köln 1992. ISBN 3-88094-675-2
  • Theisen, Horst / Weidenbach, Markus: Familienbuch Bruttig-Frankel von 1500–1899. Cardamina-Verlag Breuel, Plaidt 2007 (Deutsche Ortssippenbücher: Reihe A; 424)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bruttig-Fankel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006. (Memento vom 26. Dezember 2011 im Internet Archive), S. 173 (PDF; 2,6 MB).
    00Hinweis: Es liegt ein aktuelles Verzeichnis vor, das aber den Abschnitt „Gebietsänderungen – Territoriale Verwaltungsreform“ nicht mehr abdeckt.
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  5. Festschrift 1100 Jahre Bruttig; Gemeinde Bruttig-Fankel; 1998
  6. Alfons Friderichs: Wappenbuch des Kreises Cochem-Zell. S. 36–37.
  7. Heimatjahrbuch Cochem-Zell 2010, S. 130 ff
  8. Bibliographie
  9. Allgemeine Deutsche Biographie
  10. Heimatjahrbuch Cochem-Zell 2011, S. 138 ff.