Cicero (Zeitschrift)

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Cicero
Namenslogo
Beschreibung politisches Magazin
Sprache Deutsch
Verlag Res Publica Verlags GmbH (Deutschland)
Hauptsitz Berlin
Erstausgabe April 2004
Erscheinungsweise monatlich
Verkaufte Auflage 62.951 Exemplare
(IVW 4/2019)
Verbreitete Auflage 64.748 Exemplare
(IVW 4/2019)
Reichweite 0,51[1] Mio. Leser
Chefredakteur Christoph Schwennicke, Alexander Marguier
Herausgeber Christoph Schwennicke, Alexander Marguier
Weblink cicero.de
ISSN (Print)

Cicero – Magazin für politische Kultur ist ein in Deutschland monatlich erscheinendes politisches Magazin mit konservativer Ausrichtung.[2] Es wird in Berlin von der Res Publica Verlags GmbH produziert. Es wurde von Wolfram Weimer 2004 gegründet und von ihm bis 2010 herausgegeben. Seit Mai 2012 ist Christoph Schwennicke Chefredakteur, welcher das Magazin seit Mai 2016 auch herausgibt, zusammen mit dem Co-Chefredakteur Alexander Marguier.[3] Die verkaufte Auflage beträgt 62.951 Exemplare, ein Minus von 4,9 Prozent seit 2005.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr 2004 wurde vom Journalisten Wolfram Weimer das Magazin für politische Kultur mit dem Ziel gegründet, ein Pendant zu den großen US-Magazinen The New Yorker und The Atlantic in deutscher Sprache zu etablieren. Cicero sollte zugleich das erste Politikmagazin aus Berlin werden. Finanziert wurde das Projekt vom Ringier-Verlag, der in der Schweiz die Boulevardzeitung Blick und weitere Publikationen herausgibt.

Seit Mai 2016 erscheint Cicero im Res Publica Verlag, der im Rahmen eines Management-Buy-Outs gegründet wurde.[5]

Mitarbeiter und Ressorts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolfram Weimer war Gründer von Cicero und bis zum 31. Januar 2010 dessen Chefredakteur. Am 1. Februar 2010 übernahm der bisherige Zeit-Herausgeber und SPD-Politiker Michael Naumann den Chefredakteursposten beim Cicero. Im Mai 2012 wurde er von Christoph Schwennicke abgelöst.[6] Im Rahmen eines Management-Buy-Outs wurde der Titel zum 1. Mai 2016 von Schwennicke und Alexander Marguier übernommen.[3]

Alexander Marguier ist ebenfalls Chefredakteur, vorher war er Ressortchef „Gesellschaft“ bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Das Wirtschaftsressort wird geleitet von Bastian Brauns, Ressortchef Kultur ist Alexander Kissler. Verantwortlich für das Resort Berliner Republik ist Moritz Gathmann.[7] Die Online-Redaktion leitet Bastian Brauns[8]. Viola Schmieskors leitet die Art Direktion. Zuständig für die Bildredaktion ist Antje Berghäuser.

Neben bekannten Gastautoren (die Titelgeschichte der Erstausgabe verfasste der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, in der zweiten Ausgabe stammte sie von Martin Walser) arbeitet ein fester Kreis von Journalisten regelmäßig für den Cicero, darunter Maxim Biller, Wolfram Eilenberger, Wladimir Kaminer und Klaus Harpprecht. Eine Zeitlang gab es eine Kolumne des deutschen Oscar-Gewinners Florian Henckel von Donnersmarck.

Layout[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Kunst auf dem Cover und einem langen Editorial, das den Autoren gewidmet ist, schließen sich die vier Ressorts Weltbühne (Außenpolitik), Berliner Republik (Innenpolitik), Kapital (Wirtschaft), Salon (Gesellschaft, Kultur) an. Das Magazin verwendet einen Rot-Ton als Hausfarbe und großformatige Fotos und Karikaturen.

Bisher erschienen folgende spezielle Ausgaben des Cicero:

  • 2006 erschien die Cicero Double-Edition mit einer am Kiosk erhältlichen Schwarzweiß-Ausgabe sowie einer kostenfrei anforderbaren, zweiten farbigen Ausgabe. Beide Ausgaben waren redaktionell völlig unterschiedliche, aber miteinander verschränkte Hefte.
  • 2007 erschien eine Cicero-Ausgabe mit 160.000 individualisierten Covern sowie weltweit erstmals 160.000 verschiedenen BMW-Anzeigen.
  • 2008/2009 erschien eine Cicero-XXL-Ausgabe in doppelter Größe (ca. 28 × 40 cm). Wie die Double Edition von 2006 wurde auch die XXL-Ausgabe zum üblichen Preis verkauft.
  • 2012 erschien eine Cicero-Tatort-Ausgabe, deren Cover die Tatort-Kommissare des jeweils nächstgelegenen Tatort-Schauplatzes zeigte. Insgesamt gab es 20 verschiedene Tatort-Cover.
  • 2019 erschien die November-Ausgabe von Cicero mit vier unterschiedlichen Covern zu möglichen Kanzlerkandidaten der CDU (Markus Söder, Armin Laschet, Friedrich Merz und Jens Spahn neben Annegret Kramp-Karrenbauer).

Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl sich seit der Gründung des Focus (1993) kein neues politisches Magazin auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt halten konnte und mit dem TransAtlantik bereits ein ähnlich gelagerter Versuch in den 1980ern gescheitert war, konnte Cicero sich auf dem Markt mit einer verkauften Auflage von gegenwärtig 62.951 Exemplaren etablieren.[9] Die verkaufte Auflage ist seit 2005 um 4,9 Prozent gesunken.[10] Der Rückgang der Verkaufszahlen im Jahr 2016 geht auf die Verringerung der Lesezirkel und Bordexemplare nach dem Verlagswechsel zurück. Der Anteil der Abonnements an der verkauften Auflage liegt bei 43,8 Prozent.

Entwicklung der verkauften Auflage[11]
Entwicklung der Abonnentenzahlen[12]

Politische Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die redaktionelle Linie von Cicero wird als bürgerlich und liberal-konservativ beschrieben. Besonders in ihrer Frühphase wurde die Zeitschrift auch mit Attributen wie „modern-konservativ“ oder „Magazin der Öko-Konservativen“ belegt. Als der SPD-Politiker Michael Naumann 2010 den Posten des Chefredakteurs übernahm, warf ihm Alexander Görlach von The European vor, das Blatt nach links zu rücken.[13] Dies bestritt Naumann und behauptete, die Kategorien „links“ und „rechts“ hätten in der aktuellen politischen Landschaft keine Bedeutung mehr.[14] Christoph Schwennicke erklärte, als er 2012 Chefredakteur wurde, Cicero solle „sein wie Joachim Gauck […] links, liberal und konservativ“.[15] Noch im Dezember 2014 kritisierte die Titelgeschichte die Abschottung Europas und eine „Das Boot ist voll“-Mentalität und porträtierte Geflüchtete.[16]

Seit der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 bezog das Magazin jedoch – früher und deutlicher als andere Medien – eine klar kritische Haltung zur Politik Angela Merkels.[17] Daraufhin konstatierten u. a. die taz,[16] die Publizistin Liane Bednarz[17] und das vom Deutschen Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestufte[18] antifaschistische Magazin Der Rechte Rand [19] einen Rechtsruck von Cicero. Als Beispiele wurden die Behauptungen einer „Invasion der Machtlosen aus fernen Kulturen“, einer „Staatsdoktrin Willkommenskultur“, „linksideologischen Willkommens-Medien“ und den „sich selbst gleichschaltenden“ öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder die „Umstrukturierung der Bevölkerung Deutschlands“ durch die Flüchtlinge angeführt. Äußerungen Peter Sloterdijks über einen „Souveränitätsverzicht“ der Bundesregierung und eine „Überrollung Deutschlands“ durch Geflüchtete seien im Interview ohne kritische Nachfragen hingenommen worden. Michael Kraske, ein freier Autor von Cicero, warf der Chefredaktion Zensur vor, weil sie einen kritischen Text über Thilo Sarrazin ablehnte. Als radikale Kraft in der Cicero-Redaktion identifizierte die taz-Redakteurin Anne Fromm den Leiter des Kulturressorts Alexander Kissler: er schreibe „oft an der Grenze zum Rechtspopulismus“, verteidige Sarrazin und Akif Pirinçci.[16]

Nach eigener Darstellung fühlt sich Cicero redaktionell als Debattenmagazin einem pluralistischen Ansatz verpflichtet. Für ihre Verdienste um die publizistische Debattenkultur wurden Alexander Marguier und Christoph Schwennicke von der Jury der renommierten LeadAwards 2019 zu den Blattmachern des Jahres 2019 (Bronze) gewählt. Die beiden Cicero-Macher, heißt es in der Begründung, „spitzen wie wenige andere Themen zu, scheuen nicht vor provokanten Thesen zurück, beziehen unmissverständlich Stellung und stoßen dadurch immer wieder Diskussionen an. Selbst wenn sie dabei anecken und ihre Haltung manchmal umstritten ist, bleiben sie damit immer debattenfähig und offen für Gegenargumente.“[20]

In einem Beitrag für die Branchenseite Übermedien bezeichnet Arno Frank Cicero in seinem Beitrag „Für ganz links zu rechts, für ganz rechts zu mittig“ als „den SUV unter den Meinungsmagazinen“. Eine Tendenz sei „erkennbar, Ideologie eher nicht“.[21]

Stefan Winterbauer wies hingegen im Branchendienst Meedia im September 2016 den Vorwurf rechtsextremer Hetze gegen Cicero ebenfalls zurück: Zwar fänden sich lange Artikel, die die Flüchtlingspolitik Merkels kritisierten, aber auch Beiträge über „liberale Muslime“ und einen „Vorzeige-Flüchtling“.[17] In der Fachzeitschrift Journalist beschrieb Catalina Schröder im April 2017 ihren Eindruck, im Cicero werde „AfD-Gedankengut so elegant verpackt, dass es beim ersten Hinhören gutbürgerlich klingt“.[22]

Durchsuchung (Cicero-Affäre)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2005 ließ die Staatsanwaltschaft Potsdam die Redaktionsräume des Magazins durchsuchen. Anlass war der Artikel Der gefährlichste Mann der Welt[23] im April-Heft, in dem der Journalist Bruno Schirra den jordanischen Terroristen Abu Musab az-Zarqawi porträtiert und dabei Informationen aus Verschlusssachen des Bundeskriminalamtes zitiert hatte. Es handelte sich um einen ausführlichen Auswertungsbericht vom 6. September 2004 mit 125 Seiten und 392 Fußnoten. Die deutsche Presse kritisierte die Durchsuchung als Angriff auf den unabhängigen Journalismus, wobei Parallelen zur Spiegel-Affäre von 1962 gezogen wurden. Cicero-Chefredakteur Weimer und Schirra wurde Beihilfe zum Geheimnisverrat vorgeworfen. FDP, Die Grünen und DieLinkspartei.PDS erwogen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss dazu. Im Oktober 2005 fand darum eine Sondersitzung des Bundestagsinnenausschusses statt, bei der der politisch verantwortliche Bundesinnenminister Otto Schily in nichtöffentlicher Sitzung zu Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung beziehen sollte, die wegen Verdachts des Geheimnisverrates initiierte Durchsuchung bei Cicero sei unverhältnismäßig gewesen.

Am 21. und 22. November 2006 verhandelte der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichtes in der Angelegenheit und urteilte am 27. Februar 2007, die Durchsuchung habe einen erheblichen Eingriff in die Pressefreiheit dargestellt. Sie sei daher verfassungswidrig gewesen (Cicero-Urteil, Az: 1 BvR 538/06). Dem Urteil zufolge reicht der bloße Verdacht, dass ein Journalist Beihilfe zum Geheimnisverrat geleistet haben könnte, nicht aus, um die Räume einer Redaktion zu durchsuchen. Für einen solchen Eingriff in die Pressefreiheit müssten vielmehr konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass ein Geheimnisträger die Veröffentlichung geschützter Informationen bewirken wollte. Erst dann könne ein Journalist wegen Beihilfe verfolgt werden. Zudem seien Durchsuchungen dann unzulässig, wenn sie allein dazu dienten, die Identität eines Informanten zu ermitteln; dies sei bei Cicero der Fall gewesen. Die Entscheidung des Verfassungsgerichts wurde von Kommentatoren als wichtiger Beitrag zum Schutz der Pressefreiheit in Deutschland gewertet. Von anderen Kommentatoren wurde jedoch auch Kritik an dieser Sichtweise geübt.[24]

Die Vorgänge erfuhren in den Medien breite Aufmerksamkeit als Cicero-Affäre.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] In: Website von AWA.
  2. Cicero, Monatszeitschrift. In: eurotopics.net - Der tägliche Blick in Europas Presse. Abgerufen am 10. Januar 2019.
  3. a b Björn Czieslik: Ringier verkauft “Cicero” und “Monopol”, auf turi2.de vom 17. Feb. 2016
  4. laut IVW (Details auf ivw.eu)
  5. Das Damoklesschwert nicht mehr zu spüren ist sehr befreiend. horizont.net, 19. Februar 2016.
  6. Christoph Schwennicke wird neuer Chefredakteur von Cicero. In: Cicero. 7. Februar 2012.
  7. [2] In: cicero.de.
  8. [3] In: cicero.de.
  9. laut IVW, viertes Quartal 2019 (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  10. laut IVW, (Details auf ivw.eu)
  11. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  12. laut IVW, jeweils viertes Quartal (Details auf ivw.eu)
  13. "Cicero": "Schluss mit wertkonservativem Anstrich"? In: Pro – Christliches Medienmagazin, 21. April 2010.
  14. “Vorwurf des Links-Rucks war haltlos”. In: Meedia, 30. Dezember 2010.
  15. Catalina Schröder: Welterklärer mit Rechtsdrall. In: Journalist, Nr. 4/2017, S. 53.
  16. a b c Anne Fromm: Rechtsruck beim Magazin „Cicero“ – Ein neuer Ton. In: taz, 2. Juli 2016.
  17. a b c Stefan Winterbauer: Cicero nach der Trennung von Ringier: ermutigende Zahlen und hässliche Vorwürfe. In: Meedia, 28. September 2016.
  18. Bundestagsdrucksache 14/2483. (PDF; 373 kB) S. 5 f.
  19. Charles Paresse: »Cicero«. In: der rechte rand, Ausgabe 172, Mai 2018.
  20. Jurybegründung der LeadAcademy 2019 [4] Abgerufen zuletzt am 13. Januar 2020.
  21. Arno Frank: Für ganz links zu rechts, für ganz rechts zu mittig In: Übermedien. Abgerufen zuletzt am 13. Januar 2020.
  22. Catalina Schröder: Welterklärer mit Rechtsdrall. In: Journalist, Nr. 4/2017, S. 54.
  23. Bruno Schirra: Der Text, der die Cicero-Affäre auslöste. In: Cicero. 30. April 2014.
  24. Robert Leicht: Es gibt keinen Fall „Cicero“. In: Die Zeit. 6. Oktober 2005.