Kaiserswerth

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel behandelt den Düsseldorfer Stadtteil. Für die tschechische Gemeinde siehe Císařov.
Wappen der Landeshauptstadt Düsseldorf
Kaiserswerth

Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf
Kaiserswerth.png
Lage im Stadtgebiet
Basisdaten [1]
Geograph. Lage   51° 18′ N, 6° 44′ OKoordinaten: 51° 18′ N, 6° 44′ O
Fläche   4,71 km²
Einwohner   7.680 (Stand 31. Dezember 2013)
Bevölkerungsdichte   1.631 Einwohner je km²
Eingemeindet   1. August 1929
Stadtbezirk   Stadtbezirk 5
Stadtteilnummer   053
Verkehrsanbindung
Bundesstraße   B8
Stadtbahn   U 79
Buslinie   728 749 751 760
Nachtverkehr   809

Kaiserswerth ist ein am Rhein gelegener Stadtteil Düsseldorfs, der zum Stadtbezirk 5 gehört. Die frühere Reichsstadt wurde 1929 eingemeindet.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheinufer

Direkt am Rheinstrom und auf halbem Wege zwischen Düsseldorf und Duisburg liegt die ehemalige Reichsstadt Kaiserswerth. Der Rhein macht hier einen flachen Bogen, so dass der Fluss gut 13 Kilometer überblickt werden kann. Das 4,71 km² große Kaiserswerth liegt etwa 8 km vom Stadtzentrum Düsseldorfs entfernt und hat 7.897 Einwohner (Stand 31. Oktober 2007). Nach der Besiedlungszeit ist Kaiserswerth der älteste urkundlich nachweisbare Stadtteil von Düsseldorf. Zusammen mit den Stadtteilen Angermund, Kalkum, Lohausen, Stockum und Wittlaer bildet Kaiserswerth heute den Düsseldorfer Stadtbezirk 5. Der Stadtteil gilt als „gehobene“ Wohnlage.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keyserswerd, um 1630
Keyserswerdt, 1646

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kaiserswerther Menhir

Das älteste noch erhaltene Denkmal in Kaiserswerth und in Düsseldorf insgesamt ist, von einigen Bodenfunden abgesehen, der Kaiserswerther Menhir aus der Zeit von 2000 bis 1500 v. Chr.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückansicht der Suitbertus-Basilika vom Rheinufer aus gesehen

Zwischen 695 und 700 gründete der Mönch Suitbert ein Benediktinerkloster auf einer dem Rhein vorgelagerten Insel, einem Werth, dem späteren Kaiserswerth, das jedoch 88 Jahre später wieder zerstört wurde.[2][3] Diese Rheininsel, auf der der Fronhof Rinthausen lag, war dem angelsächsischen Suibertus vom fränkischen Hausmeier Pippin dem Mittleren geschenkt worden.[4][5] Der angeführte Königshof wurde später schrittweise zu einer befestigten Burg umgebaut.[Anm. 1][6] Zudem war dies einer der ältesten Rheinübergänge, mit gutem Überblick über den Rhein. Für eine Festung war und ist dies eine günstige strategische Lage.

1045 wurde die im Mittelalter weit bekannte Kaiserpfalz in Kaiserswerth von dem salischen Kaiser Heinrich III. gegründet. Beim „Staatsstreich von Kaiserswerth“ im Jahr 1062 entführte der Kölner Erzbischof Anno II. von Köln den noch minderjährigen deutschen König Heinrich IV. aus dieser Kaiserpfalz.[7] Durch diesen Königsraub erlangte Anno bis zur Volljährigkeit von Heinrich IV. die Regentschaft über das Heilige Römische Reich.

1078 wurde nahe dem Kaiserswerther Menhir die Kirche St. Georg errichtet (1689 zerstört).

Im Jahre 1145 wurde Kaiserswerth Reichsstadt, als König Konrad III. die Einwohner unter seinen Schutz nahm.[8][Anm. 2]

1174 verlegte Kaiser Friedrich Barbarossa den Rheinzoll von Tiel (Holland) nach Kaiserswerth. Er baute eine neue Kaiserpfalz als mächtige Zollfestung. Diese mittelalterlichen Kaiserpfalzen waren kein ständiger Wohnsitz des Kaisers, sondern wurden von ihm auf seinen Reisen durch das Reich besucht. Er regierte das Reich „vom Pferd aus“. Die heutigen Mauerreste stammen von dieser staufischen Pfalz ab. Dass die Pfalz im Jahr 1189 noch nicht vollendet war, belegt ein Brief, den Friedrich Barbarossa auf seinem zweiten Kreuzzug aus Philippopolis an seinen Sohn Heinrich schrieb und ihm auftrug, für die Fertigstellung und Bewachung der Bauten in Kaiserswerth und Nimwegen zu sorgen.[9]

In einer Urkunde von 1193 wurde dem Stift Kaiserswerth von Kaiser Heinrich VI. sowohl die Immunität wie auch der Reichsforst Aap und die Berechtigung die Waldgrafen für viele Gemarkungen zwischen der Ruhr und der Düssel zu ernennen, bestätigt. Neben vielen weiteren wurden auch die Gemarkungen Ratingen, Stockum, Flingern und Derendorf angeführt. Damit wurden Pfründe bestätigt, die bereits Pippin der Mittlere an das Stift vergeben hatte.[10]

Im staufisch-welfischen Thronstreit hielt Kaiser Otto IV. hier hochrangige Gefangene fest. Zu deren Befreiung belagerte Graf Adolf III. von Berg die Pfalz mehrmals zwischen 1213 und 1215. Gegen Ende des 11. und Anfang des 12. Jahrhundert begann der alte Rheinarm, die Fieth, zu verlanden. Zur Erstürmung der Befestigung konnte deshalb ein Damm errichtet werden. Hierdurch wurde einer der beiden Rheinarme umgelenkt und fiel trocken. Damit verlor auch die Festung Kaiserswerth ihre Insellage und konnte eingenommen werden.

1237 wurde die erweiterten Basilika St. Suitbertus neu geweiht. Deren Kirchturm ließ schon 1243 der Burggraf aus strategischen Gründen wieder abtragen. Zwischen 1247 und 1249 belagerte König Wilhelm von Holland Kaiserswerth. Nach der Schwächung des deutschen Kaisertums wurde Kaiserswerth dann 1273 durch König Rudolf I. an den Kölner Erzbischof verpfändet. Diese Verpfändung galt aber nur für die Kaiserpfalz und die Stadt. Der Rheinzoll war ausdrücklich nicht in der Verpfändung enthalten. [11]

Es folgten weitere Verpfändungen durch König Adolf von Nassau 1293 und König Albrecht I. 1298. Grund dieser Verpfändungen waren die Erstattung der Wahl- und Krönungskosten, die der jeweilige Erzbischof von Köln für die neuen Könige übernommen hatte.[12] Letztere Verpfändung von 1298 für den Besitz der Burg in Kaiserswerth wurde vom deutschen König Albrecht I. in einer Urkunde vom 28. „Erndmonat“ an Kurköln bestätigt.[13] Durch Zahlung von 36.000 Mark wäre König Albert berechtigt gewesen die Verpfändung von 1298, die neben den die Orten Kaiserswerth, Sinzig und Dortmund auch den Rheinzoll in Kaiserswerth beinhaltete, wieder auszulösen.[14] Der Burggraf in Kaiserswerth zu dieser Zeit (1298), Edelherr Ludwig von Sonneberg, war anfangs nicht bereit freiwillig Kaiserswerth mit der Zollstätte an den Erzbischof Wigbold von Köln zu übergeben. König Albert fordert deshalb 1298 schriftlich die Grafen von Berg, Geldern, Mark, Jülich und Kleve auf, den Erzbischof bei der Übernahme von Kaiserswerth zu unterstützen.[15] Der Burggraf übergab daraufhin Kaiserswerth an den Erzbischof.

Es folgten weitere Verpfändungen des Rheinzolls von Kaiserswerth an die Grafen von Berg und von Kleve. 1397 kam es zu einem Streit um eine Rente für die Grafen von Berg aus dem Zoll von Kaiserswerth. Dieser Streit führte zur Schlacht von Kleverhamm, den die Grafen von Mark und Kleve gewannen. 1424 verkaufte Herzog Adolf von Kleve-Mark die Zollstätte für 100.000 Gulden an Erzbischof Dietrich von Köln. Der Kölner Kurfürst baute nun Kaiserswerth zu einer mächtigen Festung aus, die im 16. Jahrhundert zu einer moderne Schutzanlage mit fünf Bastionen ausgebaut wurde. Nachdem der Rheinarm zwischen Stadt und rechtes Festland weitgehend verlandete, war Anfang des 14. Jahrhunderts ein Stadtgraben angelegt worden. Dieser wurde nun nicht mehr benötigt und das Gelände wurde 1575 aufgeteilt und verpachtet.[16]

Seit 1424 gehörte Kaiserswerth mit dem Rheinzoll, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, bis 1772 zum Kurfürstentum Köln.

Stadt Kaiserswerth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Erhebung von Kaiserswerth zu einer Stadt gibt es, wie beispielsweise mit 1288 für Düsseldorf, kein genaues einzelnes Datum. Die Kriterien für eine Stadt im Mittelalter waren: Selbstverwaltungsrecht, Freiheitsrechte für die Bürger, Handels- und/oder Gewerbetätigkeit über den Nahbereich hinaus und eine Befestigung. Für diese Kriterien gab es für Kaiserswerth diverse Daten. Die bereits für 1145 von König Konrad III. erfolgte Bestätigung der Zollfreiheit für alle Orte, die diese aufsuchten, betraf dem König unterstehenden Leuten und auch den Personen des Stifts mit den Händlern. Allerdings wurde zu diesem Zeitpunkt in der Bestätigung noch in der Rechtsstellung zwischen den Leuten des Königs und den des Stiftes mit den Händlern unterschieden.[17] Da es aber zudem eine Bestätigung war, muss die ursprüngliche Zusage älteren Datums sein. Es wird vermutet, dass diese von König Heinrich V., Regierungszeit 1106-1125, oder möglicherweise auch noch früher erteilt wurde. Um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert wurde den Bewohnern von Kaiserswerth erste Selbstverwaltungsrechte zugestanden, die von König Friedrich II. 1219 und 1220 durch zwei Mandate für die Bildung eines Zwölfergremiums, für die Beurkundung von Kauf- und Handelsgeschäften und der Wahl eines Marktmeisters, erweitert wurden. 1279 kann erstmals ein Rat nachgewiesen werden, der aber seit mindestens einige Jahrzehnte vorher erstmals gebildet worden war. Durch diese Ernennung eines Rates dürfte die „Stadtwerdung“ erfolgt gewesen sein.[17] Von einem ersten Rathaus an der Pisterstraße berichtet eine Quelle von 1418. Vermutlich war dieses jedoch schon im späten 14. Jahrhundert errichtet worden.[16]

Die erste „Blütezeit“ der Stadt ging Ende des 13. Jahrhunderts aber bereits zu Ende, da zu dieser Zeit viele Verpfändungen des Rheinzolls an unterschiedliche Erwerber erfolgte. Dieser Zoll war, wie bereits angeführt, als Reichszoll von Kaiser Barbarossa zu Beginn der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts nach Kaiserswerth verlegt worden. Durch die Verpfändungen wurden die Bindungen für die Pfandzeiten zum Reich gelockert, da die Pfandgeber durch ihre eigene politischen Einflüsse, die Bedingungen in der Reichsstadt veränderten. Dies dürfte aber für Handel und Wandel nicht von Vorteil gewesen sein. Allerdings erlangten die Kaiserswerther in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts noch einige zusätzliche Privilegien. 1348 erhielten sie von Graf Gerhard von Berg spezielle Zollbefreiungen für die Grafschaft Berg. Graf Wilhelm II. von Berg bestätigte 1361 die erlangten bürgerlichen Freiheiten. Diese waren auch im Pfandvertrag von 1424 enthalten, als Kaiserswerth von Kurköln wieder durch Pfand, und nun aber für längere Zeit, erworben wurde. 1431 erteilte Herzog Adolf von Jülich-Berg Zollbefreiungen im Bereich des berger Amtes Angermund. Durch die Machtübernahme der Kölner Erzbischöfe war aber Kaiserswerth nun eine rechtsrheinische Enklave von Kurköln, wodurch die Bedingungen für den Handel erneut nicht günstig waren. 1532 wurde für die Stadt Kaiserswerth nur ein Steueraufkommen von 150 Goldgulden erreicht. Man lag im Zollaufkommen an letzter Stelle der kurkölner Städte und damit noch unter dem von Zons.[18]

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Truchsessischen Krieges belagerten 1586 Söldnertruppen die Stadt. Erneut wurde Kaiserswerth während des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1636 belagert.

1591 wurde der spätere Barockdichter Friedrich Spee von Langenfeld, der als Jesuit zu einem der wichtigsten Gegner der Hexenverfolgung seiner Zeit werden sollte, als Sohn eines adligen Beamten in Kaiserswerth geboren.

Im Jahre 1654 wurde auf Druck des Kölner Erzbischofs ein Kapuzinerkloster gegründet.

1656 beschädigte eine Pulverexplosion das Pfalzgebäude erheblich. 1689 wurden die Festung und die Kirche im Krieg gegen die französischen Truppen von Ludwig XIV. schwer beschädigt. Ein kaiserliches Heer belagerte Kaiserswerth und eroberte es zurück. Die Stadt wurde hierbei schwer beschädigt. Die Kirche des Heiligen St. Georg wurde zerstört.

Belagerung von Kaiserwerth (1702)
Hausfassaden auf der südlichen Seite des Suitbertus-Stiftsplatzes

Zu schwersten Zerstörungen kam es 1702 im Spanischen Erbfolgekrieg.[19] Die Festung wurde abermals von französischen Truppen besetzt. Nach zweimonatiger Belagerung, in deren Verlauf die Festung fast völlig zerstört wurde, eroberten die verbündeten Reichstruppen Hollands und Preußens Kaiserswerth unter Kurfürst Johann Wilhelm II. wieder zurück. Durch die Kämpfe wurde die Stadt bis auf wenige Häuser vollkommen zerstört und die Pfalz von den Siegern gesprengt.[20] Bis 1711 dienten die Trümmer als Steinbruch zum Wiederaufbau der Stadt. Seitdem ist die Pfalz eine Ruine. Erst 1717 war die Stiftskirche wieder aufgebaut.

1762/1772 kam Kaiserswerth durch ein Urteil des Reichskammergerichts an die Kurpfalz. Diese hob das Niederlassungsverbot für evangelische Christen auf. Hierauf gründeten evangelische Unternehmer aus Krefeld mehrere Textilfabriken. Hierdurch verbesserte sich nicht nur die wirtschaftliche Situation des Ortes, sondern es kam auch zur Neugründung einer lutherischen (1777) Gemeinde und einer reformierten (1778), die zwischen 1790 und 1811 eine Pfarrkirche mit Pfarrhaus und Schule errichtete. Nach zwei schweren Überschwemmungen 1784 und 1795 (die so genannten „Eiswasserfluthen“) wurde 1794–1799 durch die Anlage der Kaiserpfalz der Hochwasserdamm gelegt.

Im 19. Jahrhundert war Kaiserswerth durch die von Theodor Fliedner gegründete Diakonissen-Anstalt berühmt geworden, in der u. a. 1849 Florence Nightingale ausgebildet wurde. Das Klinikum Florence Nightingale ist heute Düsseldorfs größtes Krankenhaus, wenn man von der Universitätsklinik, am anderen Ende der Stadt, absieht.

In den Jahren 1899–1908 wurden die Mauerreste der Kaiserpfalz erstmals restauriert. Weitere Instandsetzungen der Kaiserpfalz wurden in den Jahren 1967–1974 und 1998–2001 durchgeführt.

Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wuchs Kaiserswerth zu einer umfangreichen Lazarettstadt. Von 1933 bis 1945 wurde die Pfalz zu einer nationalsozialistischen Gedenkstätte. Vom September 1944 bis zum Kriegsende befand sich die Luftschutz-Warnzentrale für das Rhein- und Münsterland (Luftgaukommando VI / Münster) im Hochbunker und unter der Brücke, welche vom Klemensplatz zum Kaiserswerther Markt führt.

1929 wurde die Stadt Kaiserswerth von Düsseldorf eingemeindet, womit die Geschichte Kaiserswerths als eigenständige Kommune endete. Kaiserswerth gehört heute zu den Stadtteilen Düsseldorfs mit der höchsten Kaufkraft.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Gold ein doppelköpfiger rotbezungter schwarzer Adler, belegt mit einem Brustschild, darin ein schwarzes Kreuz auf silbernem Grund.

Beschreibung: Kaiser Friedrich Barbarossa ließ 1174 die Kaiserpfalz bauen, worum sich die Stadt entwickelte. Heute steht nur noch eine Ruine der ehemaligen Zollfestung. Aus diesem Grunde findet man den Reichsadler als Hauptbestandteil im Wappen. Der Adler ist bereits seit dem 13. Jahrhundert auf dem Siegel der ehemaligen Stadt zu sehen. Das Brustschild zeigt das kurkölnische Kreuz des Kurfürstentums Köln, zu dem die Stadt von 1424 bis 1762 gehörte.[21]

Juden in Kaiserswerth[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Geschichte der Juden in Kaiserswerth ist nur wenig bekannt.[22] Man weiß jedoch, dass es um 1900 Juden in wichtigen Funktionen, angesehenen Berufen und auch als Gebäudeeigentümer gab. Das Handbuch des Erzbistums Köln von 1905 verzeichnet für den Kaiserswerther Pfarrbezirk 22 „Israeliten“.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde der Gebetsraum im alten Zollhaus aufgegeben. In der Folge soll es einen Gebetsraum in einem Anbau zum alten Rathaus gegeben haben. Dieser wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört. An dieser Stelle befindet sich heute ein Kaufhaus.

Deutlichstes Zeichen früheren jüdischen Lebens in Kaiserswerth ist der kleine, etwas versteckt gelegene, aber gepflegte jüdische Friedhof (erstmals erwähnt 1760[23]). Die Grabsteine lassen erkennen, dass bereits vor 1933 viele jüdische Bürger Kaiserswerth verlassen haben. Die Ursachen sind unbekannt. Das Handbuch des Erzbistums Köln von 1933 verzeichnet für den Kaiserswerther Pfarrbezirk 10 „Israeliten“.

Daneben existieren einige wenige Stolpersteine am Kaiserswerther Markt und der Alten Landstraße.

Über das Gelände der Kaiserswerther Diakonie führt die Geschwister-Aufricht-Straße, welche an zwei von den Nazis verfolgte Diakonissen jüdischer Herkunft erinnert: Erna und Johanne Aufricht. Erna Aufricht wurde 1944 im KZ Auschwitz ermordet, ihre Schwester überlebte das KZ Theresienstadt.[24][25]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrswege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U79 in der Haltestelle Klemensplatz

Die Stadtbahnlinie U79 (ehem. D-Bahn) der Rheinbahn AG und der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG verbindet Kaiserswerth mit Düsseldorf und Duisburg-Meiderich. Ferner gibt es Busverbindungen nach Ratingen, Mettmann und zum Düsseldorfer Flughafen. Die zentrale Haltestelle in Kaiserswerth heißt Klemensplatz.

Kaiserswerth wird von Nord nach Süd von der vielbefahrenen Bundesstraße 8 durchschnitten, die als wichtigste Straße Duisburg und den Stadtteil Wittlaer mit der Innenstadt verbindet. Als schnelle Anbindung in die Innenstadt steht auch die Schnellstraße B8n zur Verfügung.

Über den Rhein existiert eine Fährverbindung zum Meerbuscher Ortsteil Langst-Kierst für Fahrzeuge und Fußgänger.

Des Weiteren existiert ein Schiffsanleger, der von Ausflugsschiffen von und zur Altstadt benutzt wird. Die Schiffslinie stellt gleichzeitig eine weitere Verbindung nach Meerbusch dar (Anlegestelle Mönchenwerth, Ortsteil Büderich) und dem dort unmittelbar angrenzenden Stadtteil Düsseldorf-Lörick.

Bildung und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundschule Kaiserswerth

Kaiserswerth besitzt fünf Schulen:

  • Grundschule Kaiserswerth Städtische Gemeinschaftsgrundschule mit Montessori-Zweig seit 30. August 1982 im Westflügel des Alten Lyzeums von 1914 auf der Bastion an der Fliednerstraße 32, mit (2009) 315 Schülern, 12 Klassen und 16 Lehrern

sowie vier private Schulen, die auch viele Schüler aus anderen Düsseldorfer Stadtteilen, Duisburg, Ratingen und Meerbusch anziehen:

Ein besonderer Fall ist das zur Kaiserswerther Diakonie gehörende Theodor-Fliedner-Internat, das seit 1954 existiert. Die bis zu 85 Schüler wohnen und leben auf einem 9000 m² großen Gelände. Das Internat besitzt selbst keine Schule, vielmehr besuchen die Schüler umliegende Schulen, mit denen das Internat kooperiert.[26]

Hochschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Oktober 2011 wurde die Fliedner Fachhochschule Düsseldorf, ein Tochterunternehmen der Kaiserswerther Diakonie, feierlich eröffnet. Seit dem Wintersemester 2011/12 können dort Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Gesundheit, Ausbildung und Soziales belegt werden.[27]

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kaiserswerth gibt es auch einen Standort der Stadtbüchereien Düsseldorf. Dieser ist für den gesamten Düsseldorfer Norden zuständig. Es existieren etwa 25.500 Medien, einschließlich einer Kinder- und Jugendbibliothek.

In den Räumen finden regelmäßige Ausstellungen von Düsseldorfer Künstlern statt. Daneben veranstaltet der Standort u. a.

  • Autorenlesungen
  • Multimedia-Vorführungen
  • Theater und Kabarett
  • Einführungen für Schulklassen und Gruppen

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Museen befinden sich in Kaiserswerth:

Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SGV-Weg „X17“ Kaiserswerth–Werdohl
  • SGV-Weg „D“ Kaiserswerth–Benrath

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Kaiserswerth in Verbindung stehende Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Irmingard Achter: Düsseldorf-Kaiserswerth. 3., verb. Auflage Köln 1994, ISBN 3-88094-779-1.
  • Anke Degode: Kaiserswerth. Ein Spaziergang von 1900–1923. Düsseldorf 1995.
  • Anke Degode: Der Kaiserswerther Maler Wilhelm Degode. Düsseldorf 2001, ISBN 3-935221-09-6.
  • Anke Degode: Kaiserswerth … seine Kaiserpfalz. Düsseldorf 2009.
  • Karl Heck: Geschichte von Kaiserswerth. 3., umgearb. Auflage Düsseldorf 1936.
  • Sönke Lorenz: Kaiserswerth im Mittelalter. Genese, Struktur und Organisation königlicher Herrschaft am Niederrhein. Droste, Düsseldorf 1993.
  • Christoph Mulitze: Kaiserswerth – Perle am Rhein. Gaasterland Verlag, Düsseldorf 2005, ISBN 3-935873-08-5.
  • Edmund Spohr: Kayserswerth, 1300 Jahre, Heilige, Kaiser, Reformer. Herausgegeben im Auftrag der Landeshauptstadt Düsseldorf von Christa-Maria Zimmermann und Hans Stöcker. Kulturamt, 2. durchgesehene Auflage, Düsseldorf 1981, ISBN 3-7998-0005-0.
  • Jürgen Fischer: Kaiserswerth - Historie, Legenden, Impressionen. Kinofilm und DVD, Deutschland 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaiserswerth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieser Königshof wird als Präbende erwähnt, die als Frohnhof bereits von Pippin dem Stift Kaiserswerth geschenkt wurde. Weiterhin gehörten zur Schenkung auch die Waldgrafschaften für das umfangreiche Waldgebiet von Saarn/Linforf bis nach Flingern.
  2. Für die Aussage ob 1145 Kaiserswerth tatsächlich schon eine Stadt war, sind nähere Angaben im nachfolgenden Kapitel „Stadt Kaiserswerth“ angeführt. Vermutlich unterstand das Kloster und der spätere Stift spätestens ab Ende des 9. Jahrhunderts dem direkten Schutz des Reiches. König Ludwig der Jüngere nahm, 877 urkundlich nachweisbar, den Stift in seinen Schutz und verlieh ihm Immunität. Dieser Schutz und Immunität wurden von weiteren Königen der Karolinger 888 (Arnolf von Kärnten), 904 und 910 (Ludwig das Kind) bestätigt. Die gleichen Bedingungen dürften später auch für die Kaiserpfalz mit der kleinen Ortschaft weitgehend bis zur Machtübernahme ab 1424 durch den Kölner Erzbischof gegolten haben.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Amt für Statistik und Wahlen der Landeshauptstadt Düsseldorf: Statistiken für den Stadtteil 053 – Kaiserswerth
  2. Weidenhaupt, Hugo: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf, Triltsch-Verlag, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7998-0000-X, S. 243
  3. Friedrich Tamms: Düsseldorf, ja das ist unsere Stadt, Econ-Verlag, Düsseldorf 1966, S. 32.
  4. Averdunk, Heinrich. In: Geschichte der Stadt Düsseldorf. 1894, S. [52]44. Onlinefassung
  5. Weidenhaupt, Hugo: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf, Triltsch-Verlag, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7998-0000-X, S. 15
  6. In einer Urkunde, die von Kaiser Heinrich VI. 1193 ausgestellt wurde, wird diese Schenkung angeführt → Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 540, 1858, Teil 4, S. [395]377. Online-Ausgabe 2009[1]
  7. Weidenhaupt, Hugo: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf, Triltsch-Verlag, Düsseldorf 1979, ISBN 3-7998-0000-X, S. 19
  8. E. Wisplinghoff: Mittelalter und frühe Neuzeit. Von den ersten schriftlichen Nachrichten bis zum Ende des Jülich-Klevischen Erbstreits (ca. 700–1614). In H. Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. (Bd. 1) Schwann/Patmos, Düsseldorf 1988.
  9. Peter Eschbach: Zur Baugeschichte der Hohenstaufenpfalz Kaiserswerth. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsvereins. Achtzehnter Band, Düsseldorf 1903, S. 159 (online)
  10. Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 540, 1840, Teil 1, S. [393]377. Online-Ausgabe 2009[2]
  11. Lacomblet, Theodor Joseph: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Köln, Urkunde Nr. 636. Band 2, 1846, S. [421]373.Digitalisierte Ausgabe ULB Bonn
  12. Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 994, 1853, Teil 2, 1201–1300, S. [624]586.
  13. Christoph Jakob Kremers, in: Akademische Beiträge zur gülisch- bergischen Geschichte, 1781, Bd. 3, Urkunde CCVI, S. [443]224.
  14. Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 997, 1853, Teil 2, 1201–1300, S. [625]587.
  15. Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheines und des Erzstiftes Cöln, Urkunde 1008, 1853, Teil 2, 1201–1300, S. [631]593.
  16. a b Wisplinghoff, Erich. In: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. In: Kapitel II. Die Stadt. 1990, 2. Auflage, Schwann 1988 Patmos Verlag, Herausgeber: Hugo Weidenhaupt, S. 324. ISBN 3-491-34221-X
  17. a b Wisplinghoff, Erich. In: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. In: Kapitel II. Die Stadt. 1990, 2. Auflage, Schwann 1988 Patmos Verlag, Herausgeber: Hugo Weidenhaupt, S. 320. ISBN 3-491-34221-X
  18. Wisplinghoff, Erich. In: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. In: Kapitel II. Die Stadt. 1990, 2. Auflage, Schwann 1988 Patmos Verlag, Herausgeber: Hugo Weidenhaupt, S. 322. ISBN 3-491-34221-X
  19. Stadt Düsseldorf Bezirksgeschichte
  20. Augenzeugenbericht: Kein Stein war auf dem anderen geblieben – Die Zerstörung Kaiserswerths im Jahre 1702 (Memento vom 31. Mai 2002 im Internet Archive)
  21. http://www.ngw.nl/int/dld/k/kaisersw.htm
  22. Heinrich Sövegjarto: Spuren jüdischen Lebens in Kaiserswerth. In: NORD•BOTE, 1. August 2008. Herausgeber: Dietmar Oelsner, Düsseldorf.
  23. Stadt Düsseldorf: Der Friedhofswegweiser – Diesseits und Jenseits. Mammut-Verlag, Leipzig. 1. Auflage, 2002. Ohne ISBN
  24. Zeitleiste: Die Kaiserswerther Diakonie – eine Geschichte in Daten Auf: kaiserswerther-diakonie.de
  25. Bernhard Wiebel: Der doppelte 20. Juli 1942 oder ein Stück Theologie von Kaiserswerth. in: Kaiserswerther Mitteilungen Nr. 4/1981
  26. Seiten des Theodor-Fliedner-Internats Auf: kaiserswerther-diakonie.de
  27. Homepage der Fliedner Fachhochschule
  28. Siehe Website des Museums Kaiserswerth – Heimat- und Bürgerverein Kaiserswerth e. V.
  29. Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Der weite Weg zur professionellen Pflege. (Das Pflegemuseum in Düsseldorf-Kaiserswerth) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 1, Norddeutschland. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2015, S. 129-131.
  30. Siehe Website des museums kunst palast: Kunstarchiv Kaiserswerth