Himberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Himberg
Wappen Österreichkarte
Wappen von Himberg
Himberg (Österreich)
Himberg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Bruck an der Leitha
Kfz-Kennzeichen: BL (seit 2017; alt: WU)
Fläche: 47,61 km²
Koordinaten: 48° 5′ N, 16° 26′ OKoordinaten: 48° 4′ 53″ N, 16° 26′ 16″ O
Höhe: 172 m ü. A.
Einwohner: 7.415 (1. Jän. 2017)
Bevölkerungsdichte: 156 Einw. pro km²
Postleitzahl: 2325
Vorwahl: 02235, 02234 (Velm)
Gemeindekennziffer: 3 07 32
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 38
2325 Himberg
Website: www.gemeinde-himberg.at
Politik
Bürgermeister: Erich Klein (SPÖ)
Gemeinderat: (2015)
(29 Mitglieder)
15
7
4
3
15 
Insgesamt 29 Sitze
Lage der Marktgemeinde Himberg im Bezirk Bruck an der Leitha
Au am LeithabergeBad Deutsch-AltenburgBergBruck an der LeithaEbergassingEnzersdorf an der FischaEnzersdorf an der FischaFischamendGöttlesbrunn-ArbesthalGötzendorf an der LeithaGramatneusiedlHainburg an der DonauHaslau-Maria EllendHimbergHof am LeithabergeHöfleinHundsheimKlein-NeusiedlLanzendorfLeopoldsdorfMannersdorf am LeithagebirgeMaria-LanzendorfMoosbrunnPetronell-CarnuntumPrellenkirchenRauchenwarthRohrauScharndorfSchwadorfSchwechatSommereinTrautmannsdorf an der LeithaWolfsthalZwölfaxingLage der Gemeinde Himberg im Bezirk Bruck an der Leitha (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Luftaufnahme Himbergs
Luftaufnahme Himbergs
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Himberg ist eine Marktgemeinde im Wiener Becken mit 7415 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Bezirk Bruck an der Leitha in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Himberg liegt wenige Kilometer südlich von Wien im Industrieviertel in Niederösterreich. Die Gemeinde wird vom Kalten Gang durchflossen.

Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 47,63 Quadratkilometer. Knapp sechs Prozent der Fläche sind bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst die Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2017[1]):

  • Himberg (Markt; 5.414)
  • Velm (Dorf; 1.262)
  • Gutenhof (Dorf; 43)
  • Pellendorf (Dorf; 696)
  • Fasanensee (Dorf)[2]

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Gutenhof, Himberg, Pellendorf und Velm.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Lanzendorf




Münchendorf (Bez. Mödling) Nachbargemeinden Rauchenwarth

Ebergassing

Trumau (Bez. Baden) Moosbrunn Gramatneusiedl

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia. Die ersten Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Himbergs stammten von den Germanen und Römern. Die Region erlangte durch die römischen Legionslager Vindobona, Alanova und Carnuntum an Bedeutung.

Der Name Himberg taucht erstmals um 1100 im Zusammenhang mit der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 gegen die Ungarn auf, als die Region an die Babenberger Markgrafen ging.

Einem Gefolgsmann der Babenberger, nämlich Marquardus de Hintperg, verdankt die Gemeinde ihren Namen. Später wandelte sich die Schreibweise von Hintberg über Himperch in Himberg. Der Babenberger Herzog Friedrich II. der Streitbare erwarb 1243 Himberg samt Burg und allen dazugehörigen Besitztümern.

1312–15 war Himberg Schauplatz der Inquisition. Im Auftrag des Passauer Bischofs Bernhard von Prambach wurden hier im Rahmen einer überregionalen Ketzerverfolgung zwei Waldenser auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Gegen 1320 wurde Himberg zur eigenständigen Pfarre erhoben und 1365 erhielt Himberg das Marktrecht, was seine große Bedeutung im Mittelalter unterstreicht.

Der Einfall der Türken im Zuge der Belagerung Wiens 1529 und 1683 zerstörte nicht nur die Burg, sondern führte auch zu schweren Schäden am Ort. Als Entschädigung für die in den Türkenkriegen erlittenen Schäden bestätigt König Ferdinand, der spätere Kaiser Ferdinand I., seinen Untertanen zu Himberg mit Dekret vom 10. August 1533 die Marktfreiheit und gewährt zusätzlich diesem Ort das Mautprivilegium. Danach konnte jeden Freitag ein Wochenmarkt und zu St. Laurenz ein Ochsenmarkt abgehalten sowie während des ganzen Jahres ungarischer (heute burgenländischer) Wein ausgeschenkt und Mautgebühren eingehoben werden.

1749 erkaufte sich die wohlhabende Bürgerschicht Himberg aus dem landesfürstlichen Besitz um den Betrag von 40.100 Gulden frei. Himberg wurde damit freier Markt.

Himberg um das Jahr 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Gutenhof (oben rechts) in: Münchendorf und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Im 19. Jahrhundert begann die Ansiedlung von unterschiedlichen Betrieben in Himberg. Auch die Eröffnung der Ostbahnlinie Wien-Bruck unterstützte die wirtschaftliche Entwicklung des Raumes um Himberg.

Das landwirtschaftliche Gut Gutenhof (um 1790 auf einige Jahrzehnte eine Spanische Schäferei) war bis 1833 Eigentum der Herrschaft Velm, danach bewirtschaftete es Eduard Ritter von Troll († 11. Jänner 1870 in Gutenhof; Alter: 69), ab 1837 k.k. Truchsess, der ab 1869 mit der Gemeinde Wien in Verhandlungen stand, dieser die Liegenschaft zugunsten einer Nutzung als Wiener Zentralfriedhof zu verkaufen,[3] und der nach dem (nicht zuletzt durch Höhe und Umfang seiner Forderungen bedingten) Scheitern des Vorhabens freiwillig aus dem Leben schied.[4]

1872 kam Gutenhof in den Besitz von Franz von Hopfen (1825–1901), der Teile davon für zehn Jahre dem k.k. Ackerbauministerium zu Lehrzwecken überließ. Im Rahmen der Wiener Weltausstellung 1873 war Gutenhof ein Ausstellungsort, an dem agrarische Erzeugnisse sowie Versuchsergebnisse öffentlich präsentiert wurden (Schwerpunkte: Dampfpflug, Kunstdünger, Wasserzufuhr).[5] Ab 1896 war das Mayr-Melnhof’sche Gutenhof einer der ersten Landwirtschaftsbetriebe Österreichs, in dem (die durch den Kalten Gang gewonnene) Elektrizität weitestgehend nutzbar gemacht wurde.[6]

In Velm wurde 1919 für die Börtel- und Strickgarnfabrik die allererste Kaplan-Turbine installiert, die hier bis 1955 ihren Dienst versah und heute im Technischen Museum ausgestellt ist.[7]

Während der nationalsozialistischen Herrschaft erfolgte mit 15. Oktober 1938 die Eingemeindung nach Groß-Wien, worin Himberg bis 31. August 1954 als Teil des 23. Gemeindebezirkes von Wien verblieb. Am 1. September 1954 erlangte Himberg, wie die meisten sogenannten ehemaligen Randgemeinden, wieder die volle Selbständigkeit und wurde gleichzeitig um das Gebiet der Katastralgemeinde Gutenhof erweitert.

Mit 1. Jänner 1971 erfolgte die freiwillige Zusammenlegung der Gemeinde Himberg und Velm und mit 1. Jänner 1972 die von der Niederösterreichischen Landesregierung angeordnete zwangsweise Vereinigung mit der Gemeinde Pellendorf.

Von 1954 bis zu dessen Auflösung am 1. Jänner 2017 war Himberg Teil des Bezirks Wien-Umgebung.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 5423 Einwohner. 1991 hatte die Marktgemeinde 5173 Einwohner, 1981 4981 und im Jahr 1971 4614 Einwohner.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl
 %
60
50
40
30
20
10
0
51,10 %
(-5,81 %p)
22,89 %
(-3,42 %p)
14,35 %
(+6,12 %p)
10,19 %
(+4,13 %p)
1,47 %
(-1,02 %p)
2010

2015


Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Marktgemeinde ist Erich Klein, Amtsleiter Ing. Wolfgang Pohsl.

Im Marktgemeinderat gibt es nach der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 bei insgesamt 29 Sitzen folgende Mandatsverteilung:

Andere Parteien haben keine Sitze.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Himberg

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 260, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 65. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2486. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 47,04 Prozent.

Der Bahnhof Himberg liegt an der Ostbahn.

Bei Velm liegt das Münchendorfer Seenland mit seinen Badeteichen.[8]

Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Polizeiinspektion Himberg befindet sich in der Wiener Straße 20a, sie ist somit als einziger Posten für alle drei Ortsteile der Gemeinde zuständig.

Des Weiteren befindet sich in allen drei Ortsteilen Himbergs jeweils eine Freiwillige Feuerwehr. Sie arbeiten größtenteils unabhängig voneinander. Spezielle Veranstaltungen werden aber weitestgehend gemeinsam abgehalten. Die Feuerwehr Himberg hat ihr Feuerwehrhaus in der Gutenhoferstraße 32, auf der fünf Feuerwehrfahrzeuge und um die 60 aktive Feuerwehrmänner stationiert sind. Im Jahr 2014 wurden von der Feuerwehr Himberg rund 250 Einsätze absolviert. Die Freiwillige Feuerwehr Pellendorf ist in der Lanzendorferstraße 21 situiert. Auf ihr sind fünf Fahrzeuge stationiert, wovon zwei ehemalige Fahrzeuge der Feuerwehr Himberg sind. Der Mannschaftsstand beträgt rund 50 Mitglieder. Die Wettkampfgruppe die in der Feuerwehr Pellendorf besteht, wurde im Juli 2015 Landessieger im Wettkuppeln. Die Feuerwehr Velm befindet sich in der Velmerstraße 24. Im Feuerwehrhaus sind vier Feuerwehrfahrzeuge stationiert.

Die Rettungsstelle Himberg ist eine Zweigstelle des Roten Kreuzes Schwechat. Auf ihr ist ein Rettungswagen stationiert. Zusammen mit dem Roten Kreuz Schwechat, decken Sie fast den gesamten Bezirk Wien-Umgebung südlich von Wien ab.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südwestansicht der ehemaligen Burgkirche
Eine um 1130 errichtete Kirche, die ursprünglich Teil einer im 16. Jahrhundert zerstörten Burganlage war. Um 1230 wurde südseitig eine Kapelle angebaut und um 1400 erweitert, wobei dabei wohl der Anbau des südlichen Seitenschiffes gemeint ist. Ungefähr Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgte die Errichtung des frühgotischen Chores und in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts der Ausbau des markant vorgestellten Westturmes. Nachdem die Kirche bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung beschädigt wurde, erfolgte im Zuge der Instandsetzung eine Erhöhung und Einwölbung des Langhauses. Die Sakristei ist im barocken Stil und wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts nordseitig angebaut. Im Zuge des II. Weltkrieges wurde die Kirche schwer beschädigt und 1951/52 wieder aufgebaut,[9]
  • Evangelisch-lutherische Lukaskirche:
Der schlichte Bau unter Satteldach mit seitlich angestelltem Fassadenturm wurde 1961 nach Plänen von Rudolf Angelides erbaut.[10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Marktgemeinde:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vectigal. Die Kayserliche Mauth zu Himberg betreffend. (ddto Wien, 29. April 1712.) (tit. fict.). S.l., s.a. – Volltext online.
  • Josef Past: Chronik der Marktgemeinde Himberg. Ein historisches Lesebuch 1120 bis 1994. Verlag der Marktgemeinde Himberg, Himberg 1994, OBV.
  • Martin Windischhofer: Die Waldenser in Österreich. Aufbruch, Verfolgung und Wandel der frühen Bewegung bis 1315. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 2006, OBV, S. 111.
  • Johann Bernsteiner; Peter Schuh: Damals war’s in Himberg. Ein Buch über die Jahre 1960–2010 in Himberg. Eigenverlag der Autoren, Himberg 2011, ISBN 978-3-200-02324-6.
  • Johann Bernsteiner, Peter Schuh: Von Hintperg zu Himberg, Velm und Pellendorf. Ein Buch über die Marktgemeinde Himberg. Eigenverlag der Autoren, Himberg 2013, ISBN 978-3-200-03209-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Himberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Bevölkerung am 1. Jänner 2017 nach Ortschaften
  2. 4. Teil: Gemeinden – Niederösterreich – 195. Himberg. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH (Verlag Österreich), Wien 2002–, ZDB-ID 2126440-5.
  3. Wien, 10. Juli. (…) Städtische Angelegenheiten. In: Local-Anzeiger der „Presse“, Nr. 190/1869 (XXII. Jahrgang), 11. Juli 1869, S. 1 (unpaginiert), Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/apr.
  4. Lokale Rundschau. (…) Ein Opfer der Friedhoffrage. In: Morgen-Post, Nr. 13/1869 (XX. Jahrgang), 14. Jänner 1870, S. 3 (unpaginiert), unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/mop.
  5. Die Felderbewässerung, Dungresultate und Dampfpflügung in Gutenhof, als Weltausstellungsgegenstand. In: Wiener Weltausstellungs-Zeitung. Central-Organ für die Weltausstellung im Jahre 1873, Nr. 144/1873 (III. Jahrgang), 6. Mai 1873, S. 2 (unpaginiert). (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wwz;
    Wilhelm Ritter v(on) HammIn Gutenhof. In: Internationale Ausstellungs-Zeitung. Beilage der Neuen Freien Presse, Nr. 3258/1873, 18. September 1873, S. 3 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/iaz.
  6. Verkehr und Industrie. Electricität im Landwirthschaftsbetrieb. In: Vorarlberger Landes-Zeitung, Nr. 272/1897 (XXXIV. Jahrgang), 27. November 1897, S. 2 (unpaginiert), Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vlz.
  7. Der Ingenieur und Erfinder Viktor Kaplan. Zum 140. Geburtstag. Feature von Ilse Huber. orf.at, Hörbild, gesendet 26. November 2016, 9.05–9.59 Uhr. – 7 Tage nachhörbar.
  8. Begriff geprägt in Johann Richter: Münchendorfer Seenland. In: Petrus Kaserer (Hrsg.): Chronik Münchendorf: 4300 vor Christus bis 2004 nach Christus. Eigenverlag der Gemeinde Münchendorf, Münchendorf 2004, S. 82 ff.
  9. Dehio Niederösterreich südlich der Donau 2003, Teil 1: Himberg: Pfarrkirche hl. Georg. Verlag Berger, Horn/Wien 2003, S. 795f
  10. Marietta Mayrhofer-Krammel: Evangelische Kirchenbauten in Österreich nach 1945; Universität Wien, Diplomarbeit 2012 (Online)