Lindenau (Oberlausitz)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lindenau
Lindenau (Oberlausitz)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lindenau hervorgehoben
Koordinaten: 51° 24′ N, 13° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberspreewald-Lausitz
Amt: Ortrand
Höhe: 96 m ü. NHN
Fläche: 11,17 km2
Einwohner: 741 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner je km2
Postleitzahl: 01945
Vorwahl: 035755
Kfz-Kennzeichen: OSL, CA, SFB
Gemeindeschlüssel: 12 0 66 188
Adresse der Amtsverwaltung: Altmarkt 10
01990 Ortrand
Webpräsenz: www.lindenau-ol.de
Bürgermeister: Jürgen Bruntsch (CDU)
Lage der Gemeinde Lindenau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
SachsenCottbusLandkreis Dahme-SpreewaldLandkreis Elbe-ElsterLandkreis Spree-NeißeLandkreis Teltow-FlämingAltdöbernBronkowCalauFrauendorf (Amt Ortrand)GroßkmehlenGroßräschenGrünewaldGutebornHermsdorf (bei Ruhland)HohenbockaKroppenLauchhammerLindenau (Oberlausitz)Lübbenau/SpreewaldLuckaitztalNeupetershainNeu-SeelandOrtrandRuhlandSchipkauSchwarzbach (Lausitz)SchwarzheideSenftenbergTettau (Brandenburg)Vetschau/SpreewaldKarte
Über dieses Bild

Lindenau ist eine Gemeinde im südbrandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Sie gehört zum Amt Ortrand.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lindenau ist die westlichste Gemeinde der Oberlausitz an der Grenze zum Schraden. Sie liegt am Kalmusteich, westlich des Ortes fließt die Pulsnitz. Nördlich liegt die Gemeinde Tettau und im Nordosten die Gemeinde Frauendorf. Im Südosten grenzt Lindenau an die Stadt Ortrand mit Burkersdorf. Südlich liegt die Gemeinde Großkmehlen mit dem Gemeindeteil Frauwalde. Im Westen grenzt Lindenau an die Gemeinden Großthiemig und Schraden, die bereits zum Landkreis Elbe-Elster gehören.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lindenau verfügt über keine Ortsteile, bewohnten Gemeindeteile oder Wohnplätze.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lindenau in einer Karte aus dem Jahr 1922

Der Ort Lindenau ist vermutlich um 1200 entstanden. In dieser Zeit wurde die Gegend zwischen Schwarzer Elster und Pulsnitz entwässert und das Dorf Lindenau gegründet. Im Jahr 1346 tauchte Lindenau in einem ersten Schriftstück als selbstständiges Pfarramt auf. 1392 gehörte Lindenau zum Gau Milzemie. Es ist wahrscheinlich, dass Gut und Dorf im von den Rittern von Lindenau, die zum Adel der damaligen Mark Meißen zählten, als Straßendorf gegründet wurden. Die Anlage des Dorfes, die auf eine germanische Niederlassung hinweist, unterstützt diese Annahme. Als Wappen und Siegel diente ein Baum (Linde). Der Ortsname entwickelte sich von Lindenaw 1495 über Lyndenaw 1498 und 1551 zu Lindenau.

Durch den Wiener Kongress 1815 kam Lindenau, das bis dahin zum Kurfürstentum und späteren Königreich Sachsen gehörte, an das Königreich Preußen. Durch die Reform der regionalen Verwaltung in Preußen gelangte Lindenau an die Provinz Schlesien und gehörte hier zum Landkreis Hoyerswerda. Lindenau war somit der westlichste Ort Schlesiens. Im Jahr 1881 vernichtete ein Großbrand das alte Lindenau, das aus schilfbedeckten Häusern bestanden hatte. Bauernhäuser aus Stein und im ländlichen Jugendstil der Jahrhundertwende prägten danach den Dorfkern.

Durch das Auffinden von Braunkohle bei Lauchhammer ab 1900, die damit verbundene Industrialisierung und die Ansiedlung von Familien aus den ehemaligen deutschen Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze nach 1945 stieg die Einwohnerzahl auf fast das Doppelte. Im Jahr 1952 kam Lindenau an den neugegründeten Kreis Senftenberg im DDR-Bezirk Cottbus.

Am 19. Mai 1974 wurden Lindenau und Frauendorf nach Tettau eingegliedert. Am 6. Mai 1990 wurde Lindenau wieder aus Tettau ausgegliedert und eigenständige Gemeinde.[3] Seit 1992 gehörte es zum Amt Ortrand.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 450
1890 480
1910 600
1925 663
1933 670
1939 690
1946 867
1950 909
Jahr Einwohner
1964 1 015
1971 1 032
1981 876
1985 880
1989 888
1990 887
1991 864
1992 889
1993 895
1994 889
Jahr Einwohner
1995 873
1996 853
1997 826
1998 819
1999 816
2000 800
2001 789
2002 792
2003 775
2004 783
Jahr Einwohner
2005 773
2006 757
2007 757
2008 752
2009 749
2010 729
2011 709
2012 726
2013 747
2014 740
Jahr Einwohner
2015 741
2016 741

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[4][5] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Lindenau besteht aus 10 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[6]

  • Freie Wählergruppe Lindenau 6 Sitze
  • CDU 4 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998–2008: Manfred Grafe[7]
  • seit 2008: Jürgen Bruntsch (CDU)[8]

Bruntsch wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 ohne Gegenkandidat mit 79,0 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren[9] gewählt.[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 2. März 2000 genehmigt.

Blasonierung: „Unter blauem Zinnenschildhaupt in Gold eine blaue Wellenleiste überdeckt von dem Stamm einer bewurzelten schwarzen Linde mit grünen Blättern.“[11]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Lindenau (1988)

Schloss Lindenau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Schloss Lindenau

Das Lindenauer Schloss liegt am westlichen Ortsrand der Gemeinde (Platz der Einheit). Es ist auf der Eingangsseite im Renaissancestil errichtet, die Parkseite präsentiert sich als dreiflügelige Barockanlage. Es verfügt über ein Torhaus mit Mansardwalmdach und Dachreiter sowie über eine Schloss- und Dorfkirche. Ein Wassergraben umgibt das Gebäude. Auf dem Schloßturm sitzt eine barocke Haube.

Das Schloss wurde 1584 von Loth Gotthard von Minckwitz (1611–1678) [12] vermutlich auf den Fundamenten einer alten Wasserburg errichtet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erfolgte 1690 der Bau des Torhauses, das dem Schloss den Charakter einer Burg verlieh. Der Barockgarten wurde ab 1736 von Familie von Gersdorff angelegt. Bereits 1744 erwarb der sächsische Minister Heinrich Graf von Brühl das Schloss. Im Jahr 1833 verkauften dessen Nachkommen das Gebäude an Rochus Ernst zu Lynar (gräfliche Linie), durch Heirat kam das Schloss 1917 an die Fürsten zu Lynar. 1920 wurde das Schloss um zwei neobarocke Seitenflügel erweitert.

1945 wurde die Fürstenfamilie enteignet. Das Gebäude diente anschließend der Lehrerausbildung, 1953 bis 1998 wurde es als Kinderheim genutzt.[13] Das Schloss Lindenau wurde 1998 an das Berliner Seniorenheimbetreiber-Unternehmen ProCuro GmbH verkauft, die beabsichtigte Einrichtung einer Seniorenresidenz im Schloss ließ sich jedoch nicht realisieren, das Gebäude stand seitdem leer. Bereits 2008 hatte der Eigentümer den baldigen Beginn von Restaurierungsarbeiten am Schloss angekündigt mit dem Ziel, die für die Nutzung als Kinderheim ausgeführten baulichen Veränderungen zu entfernen und den Urzustand wiederherzustellen.[14] An die Schlossanlage schließt sich ein 23 Hektar großer englischer Landschaftspark an, der in seinen wesentlichen Grundzügen um 1881 entstand.

Schlosskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schlosskirche Lindenau

Die Lindenauer Schlosskirche ist ein in seiner heutigen Form weitgehend im 17. Jahrhunderts entstandenes Bauwerk, das sich im Bereich des örtlichen Schlosses östlich des ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Torhauses befindet. Sie ist damit die westlichste Kirche auf dem Gebiet der Oberlausitz. Umfangreiche Restaurationsarbeiten an der Kirche fanden im Jahre 1908 statt. In ihrem Inneren finden sich unter anderem eine aus dem Jahre 1635 stammende Kanzel sowie eine Orgel, die vom Meißner Orgelbauer Friedrich Wilhelm Pfützner geschaffen wurde.[15][16][17][18]

Schloss und Park gehören wie die Kirche zu den Baudenkmalen in Lindenau. Die Bodendenkmale des Ortes sind in der Liste der Bodendenkmale in Lindenau (Oberlausitz) aufgeführt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lindenau besaß ein voll erschlossenes Gewerbegebiet, das per Ende 2010 zu einem Solarpark mit einer Leistung von 2.700 kWp umgebaut wurde.

Verkehr

Die Gemeinde liegt an der Kreisstraße K 6607 zwischen Lauchhammer und Ortrand. Östlich des Ortes verläuft die Bundesautobahn 13 Berlin–Dresden, die über die Anschlussstelle Ortrand erreicht werden kann.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lindenau ist eng mit dem in Mückenberg (heute Lauchhammer-West) geborenen Maler Walter Besig (1869–1950) verbunden. Der als „Schradenmaler“ bekannt gewordene Besig lebte bis zu seinem Tod in Lindenau. Anlässlich seines 50. Todestages wurde vom Heimatverein Lindenau ein Gedenkstein errichtet. Besig ist auf dem Lindenauer Friedhof begraben. Seine Grabstätte befindet sich heute auf der örtlichen Denkmalliste.[18]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luise Grundmann, Dietrich Hanspach (Verf.): Der Schraden. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Elsterwerda, Lauchhammer, Hirschfeld und Ortrand. Hrsg.: Institut für Länderkunde Leipzig und der Sächsischen Akad. der Wissenschaften zu Leipzig. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2005, ISBN 3-412-10900-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2016 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Lindenau
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. S. 18–21
  5. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  6. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  7. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Oberspreewald-Lausitz
  8. Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 10
  9. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  10. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  11. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  12. Familie von Minckwitz: Loth Gotthard. Abgerufen im 21. Oktober 2010.
  13. Darstellung auf bernievancastle.de
  14. Sascha Klein: Verwaiste Schönheiten in der Lausitz. In: Lausitzer Rundschau. 30. Juli 2008. (Online-Artikel)
  15. Annette Siemer: „Das Paradies vor der Haustür“ auf www.lr-online.de, 22. Juli 2006
  16. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Brandenburg. 2. Auflage. 2012, ISBN 978-3-422-03123-4, S. 965.
  17. Luise Grundmann, Dietrich Hanspach (Verf.): Der Schraden. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Elsterwerda, Lauchhammer, Hirschfeld und Ortrand. Hrsg.: Institut für Länderkunde Leipzig und der Sächsischen Akad. der Wissenschaften zu Leipzig. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2005, ISBN 3-412-10900-2, S. 199–203.
  18. a b Datenbank des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, abgerufen am 21. Oktober 2017.