Michel Abdollahi

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Michel Abdollahi (2006)

Michel Abdollahi (persisch میشل عبداللهی; auch Mosche Feigenbaum und Arte; * 20. April 1981 in Teheran, Iran) ist ein iranisch-deutscher Conférencier, Performance-Künstler, Maler, Journalist und Literat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abdollahi wurde in Teheran geboren und siedelte 1986 nach Hamburg über, wo er im Stadtteil Eidelstedt aufwuchs. Er studierte Rechtswissenschaften und im Zweitstudium Islamwissenschaften und Iranistik an der Universität Hamburg. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Hamburger Landesfachausschusses für Integration und war langjährig in der Hamburger Senatskanzlei tätig. Als Literat widmet sich Abdollahi dem Verfassen eigener Texte, der Übersetzung, Erläuterung und Förderung klassischer persischer Dichtung.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2000 ist er in der deutschsprachigen Poetry Slam Szene aktiv und gilt hier als Koryphäe.[1][2] Beim 5. German International Poetry Slam (GIPS) belegte er mit seinem „Team Hamburg“ den 2. Platz[3].

2005 gründete er gemeinsam mit seinem Schulfreund Jan-Oliver Lange die Veranstaltungsreihe „Kampf der Künste“, die sich zu einer der größten unabhängigen Kulturinstitutionen Hamburgs entwickelt hat. Neben Poetry Slams und weiteren Bühnenliteraturformaten umfasst das Programm auch die Bereiche Film, Gesang und Theater. Abdollahi ist dabei Stammmoderator vieler der regelmäßigen Formate und moderierte bis 2016 mit dem Bunker Slam im Szeneclub Uebel & Gefährlich den größten Poetry Slam Europas[4]. Seit 2007 ist er mit diversen Gastspielen am Deutschen Schauspielhaus, dem Thalia Theater und dem Ernst Deutsch Theater ansässig[5]. Seine Veranstaltungsreihe „Lautsprecher“ wurde mehrfach als „Hamburgs derzeit kreativstes Kulturprojekt“ [6] ausgezeichnet und für die Spielzeiten 2011/2012 und 2012/2013 verlängert. In der Vergangenheit moderierte Abdollahi mit der ADC-Gala (2010, 2011, 2013) [7][8] und dem Deutschen Radiopreis Ramses (2012)[9] die zwei beherrschenden Preisverleihungen der deutschen Werbebranche. 2011 folgte die Einladung zur Moderation des Sommerfestes des Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue[10].

Sein Moderationsstil ist gekennzeichnet durch Schlagfertigkeit, einen trockenen Humor, emotionale Nähe zu seiner Heimat und klassisches hanseatisches Understatement. Als Moderator und Journalist ist er zudem neben dem Unterhaltungsbereich ein stark gefragter Gast auf Veranstaltungen in der Wirtschaft und der Politik.

2016 wurde bekannt, dass er als Nachfolger von John Neumeier und Joop van den Ende mit dem Gustaf-Gründgens-Preis ausgezeichnet wird[11]. In der Begründung der Jury heißt es: „Als Conférencier und Mitinitiator des Poetry-Slam-Labels ‚Kampf der Künste‘ hat Michel Abdollahi mit seinem Wirken die Bühnen erobert und generationenübergreifend ein Publikum für eine neue darstellende Kunstform begeistert.“

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis Ende 2007 moderierte Abdollahi den ersten Poetry Slam im Fernsehen auf dem Kultursender lettra[12]. Von 2012 bis 2013 war er mit der Fernsehsendung „Zwischenräume“ auf dem Hamburger Lokalsender Tide vertreten, mit der er 2013 den Hamburger Fernsehpreis Fink gewann[13].

Seit 2014 ist Abdollahi als Außenreporter für das Kulturjournal im NDR tätig. Seine kurzen Beiträge erreichen immer wieder große Beachtung in sozialen Medien und in der Presse. Sein Beitrag über Nipster ist der bis heute meistgeteilte Magazinbeitrag des NDR.[14] Seine Aktion „Ich bin Muslim. Was wollen Sie wissen?“[15] fand internationale Beachtung und wurde als Vorbild in der aktuellen Islamdebatte kopiert.[16] Am 13. Januar 2016 erhielt er für seine Reportage „Im Nazidorf“ (Panorama – Die Reporter / NDR) und für seine Straßenaktionen im Kulturjournal den Deutschen Fernsehpreis, den er symbolisch mit den Kolleginnen Dunja Hayali und Anja Reschke teilte.

Am 9. September 2016 wurde die Pilotfolge seiner Talkshow "Käpt'ns Dinner" im NDR ausgestrahlt. Erster Gast war der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit. Kurz darauf brachte Abdollahi zum 55-jährigen Bestehen das Politmagazin Panorama auf die Bühne des Deutschen Schauspielhauses. Der Abend wurde kurz darauf ebenfalls als Pilotfolge "Panorama – Die Show" im NDR gezeigt. Die Sendung wurde für den Grimme-Preis nominiert[17]. Der NDR hat bereits angekündigt, die Formate 2017 fortzusetzen[18].

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbstbildnis im Sturm mit großem Hut (MS Paint, 2005)

Abdollahi malt seit den späten 1990ern unter dem Pseudonym "Arte" abstrakte Bilder. In den Anfängen bediente er sich vermehrt der Tusche. Die über 40 Bilder enthaltene Sammlung "Lichtung e. V." von 1998 gilt als verschollen. Einige Bilder dieser Reihe, darunter "Alone" und "Together", wurden 2013 wieder angefertigt. Seit Anfang der 2000er bedient sich Abdollahi fast ausschließlich des Programms Microsoft Paint. Dabei persifliert er immer wieder den Kunstmarkt, indem er eigene abstrakte Malereien, die er in kurzer Zeit mit dem Computer erstellt, im Kunstbetrieb bewirbt und dabei nicht ohne Erfolg bleibt.[19]

Der Schwamm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Installation "DER SCHWAMM" vor und während des Brandes

Am 7. Oktober 2016 installierte Abdollahi auf den Marco-Polo-Terrassen der Hamburger Hafencity einen überdimensionalen Haushaltsschwamm aus Originalmaterial[20]. Die 4 × 2 Meter große und ca. 500 Kilogramm schwere Kunstinstallation "Der Schwamm" sollte laut Künstler ein Symbol gegen Hass und Rassismus sein und alles Negative aufsaugen. Am 23. Oktober 2016 wurde das Kunstwerk Opfer eines Brandanschlags und verbrannte restlos[21]. Die Polizei prüft, ob ein politisches Motiv dahintersteckt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen[22]. Im Juli 2017 installierte Abdollahi vor der City-Galerie Augsburg ein gleichartiges Kunstwerk. Dies geschah im Rahmen mehrerer Kunstinstallationen zum Augsburger Friedensfest 2017[23]. In kurzer Zeit wurde das Kunstwerk durch spielende Kinder schwer beschädigt. Diese hatten große Teile aus dem Schwamm herausgerissen und die Teile auf dem Platz verteilt[24]. In einer Reaktion auf diese Geschehnisse kritisierte Abdollahi unter anderem das Verhalten der Eltern der spielenden Kinder[25].

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit seiner Gründung engagiert sich Abdollahi bei „Der Hamburger Weg“[26], unter der Schirmherrschaft von Ole von Beust, zusammen mit dem HSV und dem VfB Stuttgart als Vorstandsvorsitzender im mehrfach von der Bundesregierung und dem DFB prämierten Projekt „Zweikampfverhalten“ gegen Gewalt im Jugendfußball [27] und verwirklicht parallel dazu Theaterstücke als Antigewalttraining für Jugendliche (vorwiegend) mit Migrationshintergrund, u. a. »Romeo vs. Romeo in Julias Reich« (Uraufführung 2011 auf Kampnagel).

Die Jugendarbeit wird von Abdollahi auch im Ausland weitergeführt. So folgt er regelmäßig Einladungen des Goethe-Instituts sowie von NGOs und Stiftungen und referiert auf Literaturreisen zu den Themen Kultur, Veranstaltungsmanagement und Integration, u. a. Gastvorträge in Kairo (Ain-Shams-Universität), Mexiko-Stadt (UNAM), San Francisco (Berkeley) und Tunis (Université de la Manouba). Im Mai 2010 vertrat er die Bundesrepublik auf der 28. Internationalen Buchmesse von Tunis[28]. Ende 2010 initiierte er mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung die erste regelmäßige Poetry-Slam-Reihe in Mazedonien und im Kosovo[29].

2016 war Abdollahi Mitorganisator und Moderator des Zukunftsforums des Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue zum Thema "#DE2036 – Wie soll es aussehen, dieses Land? Deutschland in 20 Jahren" [30][31].

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Poetry Slam 2001 (Hörbuch, Hrsg. Hoffmann und Campe Verlag Hamburg)
  • 100 poets against the war/Gedichte gegen den Krieg (Online Publikation)
  • Poetry Slam 2002/2003 (Anthologie, Hrsg. Uebel/Pospiech, Rotbuch Verlag)
  • Poetry Slam 2003/2004 (Anthologie, Hrsg. Uebel/Pospiech, Rotbuch Verlag)
  • Poetry Slam 2004/2005 (Anthologie, Hrsg. Uebel/Pospiech, Rotbuch Verlag)
  • Sex ist eigentlich nicht so mein Ding (Anthologie, Hrsg. Moldenhauer/Uebel, Eichborn Verlag)
  • Auf Augenhöhe oder eine Nasenlänge voraus?: Stimmen zur Gleichberechtigung von Frau und Mann (Hrsg. Franziska von Aspern, Militzke Verlag)
  • Bunt und kühl (Kaleb Erdmann, David Friedrich, Thomas Spitzer, ConBrio Verlag)
  • Die Zeit 23/2017: Euer Ernst?

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dichterwettstreit. In: Hamburger Abendblatt.
  2. Das Kosmodrom von Eidelstedt. In: TAZ.
  3. Michel Abdollahi Biographie. In: litscout.
  4. http://www.bunkerslam.com/
  5. Michel Abdollahi Biographie. In: litscout.
  6. Spielplan. In: Deutsches Schauspielhaus Hamburg.
  7. http://www.adc.de/festival/adc-gipfel-2010/awards-show.html
  8. ADC-Preisverleihung: Nicht mehr ganz so "abgefuckt". In: WerWoWas.
  9. RMS News. In: RMS.
  10. http://www.sommerfest-bundespraesident.de/
  11. http://www.zeit.de/hamburg/aktuell/2016-09/23/auszeichnungen-moderator-michel-abdollahi-erhaelt-gustaf-gruendgens-preis-23141002
  12. lettra.tv. In: Goldkanal.
  13. FINK Fernsehpreis 2013. In: tide.
  14. Nadia Pantel: "Ich bin Muslim. Was wollen Sie wissen?". In: Süddeutsche Zeitung.
  15. "Ich bin Muslim. Was wollen Sie wissen?". In: Stern.
  16. A German Muslim Asks His Compatriots: 'What Do You Want To Know?'. In: NPR.
  17. http://www.grimme-preis.de/53-grimme-preis-2017/nominierungen/n/d/panorama-die-show-ndr/
  18. http://www.dwdl.de/interviews/58154/beckmann_innovation_faellt_nicht_vom_himmel/
  19. Michel Abdollahi: So werden Sie reich mit Kunst!. In: NDR.
  20. http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/hafencity/article208486103/Brandstifter-zerstoeren-Abdollahis-Kunstwerk-Der-Schwamm.html
  21. https://www.welt.de/regionales/hamburg/article159024644/Symbol-gegen-Hass-abgebrannt-Staatsschutz-ermittelt.html
  22. http://www.zeit.de/hamburg/aktuell/2016-10/25/kunst-kunstwerk-der-schwamm-abgebrannt-staatsschutz-ermittelt-25104003
  23. "Was sollen der Schwamm vor der City-Galerie und die Foto-Fassade?". In: Augsburger Allgemeine.
  24. "Kinder zerpflücken Schwamm: Künstler kritisiert die Eltern". In: Augsburger Allgemeine.
  25. https://www.facebook.com/michel.abdollahi/posts/1492656367468496:0
  26. Der Hamburger Weg Startseite. In: Hamburger Weg.
  27. Zweikampfverhalten-Team. In: Zweikampfverhalten e. V..
  28. Michel Abdollahi-Biograife. In: Abdollahi.
  29. Bosch-Stiftung- Performing Arts. In: Robert Bosch-Stiftung.
  30. http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2016/10/161013-Zukunftsforum.html
  31. http://www.deutschlandfunk.de/zukunftsforum-mit-joachim-gauck-junger-blick-auf-deutschland.1773.de.html?dram:article_id=368538