Musikjahr 1717

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

◄◄1713171417151716Musikjahr 1717 | 1718 | 1719 | 1720 | 1721 |  | ►►
Weitere Ereignisse

Musikjahr 1717
GeorgIvonGroßbritannienGeorgFriedrichHaendel

Der Maler Edouard Jean Conrad Hamman hat die Uraufführung der Wassermusik von Georg Friedrich Händel am 17. Juli auf Leinwand verewigt. Zu sehen sind König Georg I. von Großbritannien gemeinsam mit Händel (links, mit ausgestrecktem rechten Arm) auf einer Bootsfahrt auf der Themse, während die Musiker im Hintergrund spielen.

Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Sebastian Bach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach ist in Weimar bis Anfang Dezember als Hoforganist und Kammermusiker am Hof von Herzog Wilhelm Ernst tätig.
  • Während seiner Amtszeit in Weimar in den Jahren 1712 bis 1717 komponiert Johann Sebastian Bach eine Sammlung choralgebundener Orgelstücke (Choralvorspiele), bekannt als das Orgelbüchlein (BWV 599–644).
  • Aufgrund seines ausgezeichneten Rufs als Orgelgutachter wird Bach zur Begutachtung der Orgel in der Leipziger Paulinerkirche (Scheibe-Orgel) hinzugezogen.
  • 5. August: Nachdem der bisherige Hofkapellmeister Augustin Reinhard Stricker seinen Posten in Köthen verlassen hat, unterschreibt Bach den Vertrag als dessen Amtsnachfolger, ohne jedoch vorher um seine Entlassung in Weimar gebeten zu haben. Er nimmt bei der Unterzeichnung des Vertrages eine Gebühr von 50 Talern entgegen. Insgesamt liegt sein Jahreseinkommen in der Funktion des Kapellmeisters bei 400 Talern. Hinzu kommt ein Mietzuschuss von zwölf Talern.
  • 7. August: Bach wird in Köthen zum Kapellmeister und Director derer Cammer-Musiquen ernannt.
  • 6. November: Als Bach in Weimar nachträglich um seine Entlassung bittet, erhält er seine Demission nicht, sondern wird wegen seiner „Halßstarrigen Bezeugung“ in der Landrichterstube in Haft genommen.
  • 2. Dezember: Bach wird aus der Haft und in Ungnade aus dem Weimarer Dienstverhältnis entlassen.

Georg Friedrich Händel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Friedrich Händel, der seit Oktober 1712 in London lebt und 1716 mit König Georg I. nach Deutschland reist, kehrt spätestens im Sommer nach Großbritannien zurück.
  • Nach seiner Rückkehr tritt er im Sommer als Hauskomponist in die Dienste des Earl of Carnarvon, des späteren Duke of Chandos. Hier versammelt sich ein progressiver Literatenkreis, dem auch John Gay und Alexander Pope angehören. Händels Werke, die er für die Herzogsresidenz Cannons in Edgware komponiert, werden die zwölf Chandos Anthems sowie die erste Fassung von Esther und die völlig neue englische Fassung von Acis and Galatea (Text: John Gay) umfassen. In Cannons vollendet Händel wahrscheinlich auch die 1720 im Selbstverlag veröffentlichten Suites de Pièces pour le Clavecin (1. Sammlung), die unter anderem die bekannten Variationen enthalten, denen man später den Namen The Harmonious Blacksmith („Der harmonische Grobschmied“) geben wird. Außerdem beginnt er während seines Aufenthalts mit der Komposition des Chandos Te Deum.
  • 17. Juli: Auf einer Lustfahrt des britischen Königs Georg I. auf der Themse wird die zweite Suite der Wassermusik (Water Musick, HWV 348, 349 und 350) von Georg Friedrich Händel erstmals aufgeführt, die er im Auftrag des Königs komponiert hatte. Der König ist von der Musik so begeistert, dass er einige Teile mehrfach spielen lässt. Die Aufführung der beiden anderen Suiten lässt sich nicht genau datieren.

Alessandro Scarlatti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alessandro Scarlatti, der in Neapel als Kapellmeister der Cappella Reale tätig war, hält sich ab dem Jahr 1717 (bis 1722) überwiegend in Rom auf. Hier wird er die Reihe seiner Opern mit mehreren Werken für das Teatro Capranica abschließen.

Domenico Scarlatti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Domenico Scarlatti ist in Rom seit 1709 bei der im Exil lebenden und im Palazzo Zuccari wohnenden polnischen Königin Maria Casimira Sobieska angestellt, für deren Privatbühne er im Laufe der Jahre sechs Opern, sowie mindestens eine Kantate und ein Oratorium komponiert.
  • Seit 1713 ist Scarlatti außerdem maestro di capella an der Capella Giulia des Vatikan.
  • 28. Januar: In einem merkwürdigen Dokument lässt sich Domenico Scarlatti offiziell Unabhängigkeit von seinem Vater Alessandro Scarlatti zusichern, der anscheinend allzu dominant seine Karriere und sein Leben steuern will.

Georg Philipp Telemann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antonio Vivaldi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antonio Vivaldi ist musikalischer Leiter (maestro de’ concerti) des Orchesters des Ospedale della Pietà (eines von vier Heimen in Venedig für Waisenmädchen). Das Orchester erlangt bald einen für die damalige Zeit legendären Ruf und lockt zahlreiche Italienreisende an.

Weitere biografische Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der gefeierte Kastrat Gaetano Berenstadt besucht erstmals London, wo er in der Wiederaufnahme von Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo die Rolle des mit der bösen Zauberin Armida paktierenden Argante übernimmt. Für seine Wiederaufnahme des Rinaldo hat Händel die ursprünglich, wie üblich für Bösewichte, für den Bass Giuseppe Maria Boschi geschriebene Rolle für Berenstadt ins Altfach transponiert und diverse Arien neu komponiert. Dass Kastraten in den Rollen des Bösewichts auftreten ist eher ungewöhnlich in der Barockoper, aber Berenstadt bleibt, wohl ob seiner gigantischen Gestalt, auf böse Charaktere abonniert. Des Weiteren spielt Berenstadt in dieser ersten Spielzeit in London
  • Als der Sohn des Kurfürsten August des Starken und spätere Kurfürst Friedrich August von Sachsen anlässlich seiner Grand Tour in Venedig weilt und dort die Musik von Antonio Lotti hört, nimmt er Verhandlungen mit ihm und dessen Frau Santa Stella auf, um sie an den Hof nach Dresden zu berufen, wo er die Absicht hat, eine italienische Oper zu gründen. Lotti und seine Frau zusammen erhalten eine Gage von 9975 Talern. Damit sind sie ähnlich hoch bezahlt wie später Primadonna Faustina Bordoni und ihr Mann Johann Adolph Hasse als Sächsischer Hofkapellmeister. Sein Debüt in Dresden gibt Lotti am 25. Oktober mit der Oper Giove in Argo.
  • Johann Georg Pisendel ist in Italien und verbringt in Venedig auf Kosten seines Fürsten ein Jahr bei Antonio Vivaldi, mit dem ihn bald eine herzliche Freundschaft verbindet. Vivaldi wird ihm vier Sonaten, fünf Konzerte und eine Sinfonia widmen. Diese entstehen vermutlich zwischen 1717 und 1720 und tragen die Widmung „fatte p. Mr. Pisendel“.
  • Ab 2017 ist der italienische Kastrat Senesino am Dresdner Hof angestellt.
  • Der deutsche Komponist und Organist Johann Gotthilf Ziegler heiratet am 4. Mai Anna Elisabeth Krüger. Aus der Ehe werden fünf Kinder hervorgehen, darunter die Tochter Johanna Charlotte Ziegler (1725–1782), die als anakreontische Dichterin hervor tritt.
  • Domenico Zipoli beginnt im April gemeinsam mit 52 anderen Jesuitenmissionaren seine Reise nach Südamerika, wo er drei Monate später ankommt und sich bei Córdoba niederlässt. Neben der Fortführung seines Theologie- und Philosophiestudiums widmet er sich auch weiterhin der Musik. Seine Kompositionen werden unter den Missionsmitgliedern große Berühmtheit erlangen. Zeitgenössische Kopien finden sich in vielen Bibliotheken Lateinamerikas.

Eröffnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antonio Vivaldi – L’incoronazione di Dario – Titelseite des Librettos

Uraufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühnenwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reinhard Keiser – Die großmütige Tomyris – Titelseite des Librettos
Oper[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Februar: Das Singspiel in fünf Akten Die durch Verstellung und Großmuth über die Grausamkeit siegende Liebe oder Julia von Reinhard Keiser auf das Libretto von Johann Joachim Hoë wird erstmals am Theater am Gänsemarkt in Hamburg aufgeführt.
  • 4. April: Die Oper Tito Manlio von Attilio Ariosti (das Libretto stammt evtl. von Nicola Francesco Haym) hat ihre Uraufführung am King’s Theatre in London.
  • Juli: Das Singspiel in drei Akten Die großmütige Tomyris von Reinhard Keiser wird am Theater am Gänsemarkt in Hamburg uraufgeführt. Das Libretto stammt von Johann Joachim Hoë nach dem italienischen Libretto L'amor di figlio non conosciuto von Domenico Lalli.
  • 25. Oktober: Die Oper Giove in Argo von Antonio Lotti auf das Libretto von Antonio Maria Lucchini wird in Dresden uraufgeführt.
  • 4. November: Die Uraufführung der Oper Der die Festung Siebenbürgisch-Weißenburg erobernde und über die Dacier triumphirende Kayser Trajanus von Reinhard Keiser erfolgt am Theater am Gänsemarkt in Hamburg. Auch hier stammt das Libretto von Johann Joachim Hoë.
  • 11. Dezember: Das Dramma per musica Lucio Papirio von Francesco Feo und Giuseppe Maria Orlandini auf das Libretto von Antonio Salvi wird in Neapel uraufgeführt.
  • 28. Dezember: Auch das Singspiel in drei Akten Das bey seiner Ruh und Gebuhrt eines Printzen Frolockende Lycien unter der Regierung des Königs Jobates und Bellerophon von Reinhard Keiser auf das Libretto von Johann Joachim Hoë wird am Theater am Gänsemarkt in Hamburg uraufgeführt.
  • Antonio Maria Bononcini – La conquista del vello d'oro
  • Antonio Vivaldi
    • Penelope la Casta
    • L'Incoronazione di Dario

Musikalische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cellomusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach[1]
    • Cellosuite Nr. 1 (BWV 1007, komponiert 1717–23)
    • Cellosuite Nr. 2 (BWV 1008, komponiert 1717–23)
    • Cellosuite Nr. 3 (BWV 1009, komponiert 1717–23)
    • Cellosuite Nr. 4 (BWV 1010, komponiert 1717–23)
    • Cellosuite Nr. 5 (BWV 1011, komponiert 1717–23)
    • Cellosuite Nr. 6 (BWV 1012, komponiert 1717–23)

Cembalomusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • François CouperinPièces de clavecin, 2. Buch (1716/1717)
  • Georg Friedrich Händel[2]
    • Fuge Nr. 2 in G-Dur (HWV 606, komponiert 1711–18)
    • Fuge Nr. 5 in a-moll (HWV 609, komponiert 1711–18)

Instrumentalmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giuseppe Matteo Alberti – Concerto für 3 Violinen, Viola und B. c. (in: VI Concerti a 5 stromenti, Amsterdam, um 1717)
  • Johann Sebastian Bach[1]
    • Suite e-Moll (BWV 996, komponiert 1707–17)
    • Suite a-Moll (BWV 1013, komponiert 1707–23?)
  • Willem de Fesch – Op. 2: Mehrere Concerti und Concerti grossi (Roger/Amsterdam)
  • Georg Friedrich Händel[2]Wassermusik (Water Musick, HWV 348, 349 und 350)
  • Antonio Vivaldi – 12 Violin- und Oboenkonzerte op. 7

Kammermusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach[1]
    • Präludium und Fuge (BWV 894, komponiert 1715–25)
    • Toccata fis-Moll (BWV 910, komponiert 1713–17)
    • Toccata e-Moll (BWV 914, komponiert 1708–17)
    • Toccata g-Moll (BWV 915, komponiert 1708–17)
    • Violinsonate e-Moll (BWV 1023, komponiert 1714–17)
  • Georg Friedrich Händel[2]
    • Triosonate B-Dur (HWV 388, komponiert 1717–22)
    • Triosonate g-Moll (HWV 390a, komponiert 1717–22)
    • Triosonate g-Moll (HWV 390b, komponiert 1717–22)
  • Johann MatthesonDer brauchbare Virtuoso. Zwölf Sonaten für Violine oder Traversflöte und Basso continuo (Druck Hamburg 1720)

Kirchenmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach[1] – Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn (BWV 996, komponiert 1707–17?)
  • Georg Friedrich Händel[2] – Chandos Te Deum in B-Dur (HWV 281, komponiert 1717–18, Uraufführung in der St. Lawrence’s Church, Cannons)

Lautenmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach[1] – Suite e-Moll (BWV 996, komponiert 1707–17)

Violinmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach[1]
    • Violinsonate h-Moll (BWV 1014, komponiert 1717–23)
    • Violinsonate A-Dur (BWV 1015, komponiert 1717–23)
    • Violinsonate E-Dur (BWV 1016, komponiert 1717–23)
    • Violinsonate c-Moll (BWV 1017, komponiert 1717–23)
    • Violinsonate f-Moll (BWV 1018, komponiert 1717–23)
    • Violinsonate G-Dur (BWV 1019, komponiert 1717–23)
    • Violinsonate G-Dur (BWV 1019a, komponiert 1717–23)
    • Violinsonate e-Moll (BWV 1023, komponiert 1714–17)

Orgelmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Sebastian Bach[1]
    • Präludium und Fuge (BWV 534, komponiert 1712–17?)
    • Präludium und Fuge (BWV 546, komponiert 1716–30?)

Violinmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vokalmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Choreografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John WeaverThe Loves of Mars and Venus (unbekannter Komponist)
Orgel von Gottfried Silbermann in der Jakobikirche in Freiberg

Instrumentenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Mattheson – Das beschützte Orchestre (Hamburg)
  • Alessandro Scarlatti – Discorso sopra un caso particolare di arte

Geboren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gestorben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Musik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Musik

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Musik 1717 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Opernlibretti 1717 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Johann Sebastian Bach – Werke sortiert nach Entstehungszeit. In: Klassika.info. Abgerufen am 23. Oktober 2018.
  2. a b c d Georg Friedrich Händel – Werke sortiert nach Entstehungszeit. In: Klassik.info. Abgerufen am 23. Oktober 2018.