Namur

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Namur (Begriffsklärung) aufgeführt.
Namur
Wapen van Namen (stad).svg Flag of Namur.svg
Namur (Namur)
Namur
Namur
Staat: Belgien
Region: Wallonien
Provinz: Namur
Bezirk: Namur
Koordinaten: 50° 28′ N, 4° 52′ OKoordinaten: 50° 28′ N, 4° 52′ O
Fläche: 175,69 km²
Einwohner: 110.632 (1. Jan. 2016)
Bevölkerungsdichte: 630 Einwohner je km²
Postleitzahl: 5000, 5001, 5002, 5003, 5004, 5020, 5021, 5022, 5024, 5100, 5101
Vorwahl: 081
Bürgermeister: Maxime Prévot (CDH)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Hôtel de Ville
Rue de Fer
5000 Namur
Website: www.ville.namur.be
lblelslh

Namur oder auch Namür[1] (französisch Namur [namyʁ]; niederländisch Namen, wallonisch Nameur) ist eine Stadt in Belgien mit 110.632 fast ausschließlich französischsprachigen Einwohnern. Namur ist Hauptstadt der Wallonischen Region und der Provinz Namur, römisch-katholischer Bischofssitz und mit der Universität von Namur eine Universitätsstadt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namur liegt an der Einmündung der Sambre in die Maas, etwa 65 Kilometer südöstlich der belgischen Hauptstadt Brüssel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitadelle, Wallonisches Parlament und die Maas

Die in vorchristlicher Zeit von den Kelten errichtete Siedlung wurde im 7. Jahrhundert erstmals erwähnt. Die Merowinger erbauten dort eine erste Festung. Im 10. Jahrhundert wurde Namur eine Grafschaft. Die Grafen von Namur erhielten allerdings nur das Nordufer der Maas als Lehen, das Südufer unterstand dem Bischof von Lüttich; dementsprechend entwickelte sich der Stadtkern nur an einem Ufer, am anderen die Ortschaft Jambes.

Die Eroberung von Namur 1695.

1262 fiel Namur an die Grafschaft Flandern, 1421 erwarb Philipp der Gute von Burgund die Stadt.

Im 17. Jahrhundert wurde die Festung[2] der nunmehr zu den Spanischen Niederlanden gehörenden Stadt angesichts der aggressiven Expansionspolitik des französischen Königs Ludwig XIV. (Devolutionskrieg 1667–1668) verstärkt. 1692 eroberte und annektierte Frankreich die Stadt. Die Zitadelle wurde von Vauban ausgebaut, dennoch gelang es Wilhelm von Oranien im Pfälzer Erbfolgekrieg nur drei Jahre später (1695), Namur für die Alliierten zurückzuerobern.

1709 wurde die Herrschaft der Niederländer über die Festung bestätigt, im Frieden von Utrecht wurde allerdings auch die habsburgische Herrschaft über die nunmehr Österreichischen Niederlande bestätigt. So ergab sich die paradoxe Situation, dass die Zitadelle von den Niederländern, die Stadt jedoch von den Österreichern kontrolliert wurde.

1794 wurde Namur von den französischen Revolutionstruppen eingenommen und wie die gesamten linksrheinischen Niederlande annektiert. Von 1795 bis 1814 war Namur Verwaltungssitz (chef-lieu) für das französische Département Sambre-et-Meuse. Mit dem Wiener Kongress wurde die Stadt Teil des Vereinigten Königreiches der Niederlande, nach der Belgischen Revolution 1830 des Königreichs Belgien.

Das belgische Militär baute um die Stadt einen Ring von neun Festungen, wie es ihn auch um Lüttich gab. Beauftragt wurde der belgischen General Henri Alexis Brialmont. Die Stadt galt als uneinnehmbar, bis um 1890 die Brisanzgranate erfunden wurde: Man füllte die Granaten nun mit Pikrinsäure bzw. später TNP oder TNT, was ihre Sprengkraft vervielfachte. Gemauerte Festungen konnten nun zerschossen werden; nur sehr dicker, besonders harter Beton konnte den Geschossen widerstehen.

NAMUR: L'Ecluse de la Sambre (Postkarte 1914)

Im Ersten Weltkrieg war Namur eines der Hauptangriffsziele der deutschen Streitkräfte. Die Forts wurden mit schwerer Artillerie beschossen und zerstört, Namur selbst fiel nach nur drei Tagen.

Auch im Zweiten Weltkrieg erlitt Namur schwere Zerstörungen. Es lag beim deutschen Westfeldzug 1940[3], beim alliierten Vormarsch im Herbst 1944, bei der deutschen Ardennenoffensive ab dem 16. Dezember 1944 und bei der Gegenoffensive der US-Truppen an der Frontlinie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich Belgien schrittweise zu einem Bundesstaat mit drei Regionen. Namur wurde Sitz der wallonischen Regionsbehörden.

Bei einer Gebietsreform 1977 wurden zahlreiche Gemeinden der Umgebung eingemeindet, wozu auch Marche-Les-Dames zählt, das sich 8 km flußaufwärts am linken Maasufer befindet. Dort starb König Albert I. am 17. Februar 1934 bei einem Klettersturz.

Bevölkerungswachstum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute leben in Namur rund 110.000 Menschen. Das Bevölkerungswachstum liegt mit 0,2 Prozent unter dem belgischen Durchschnitt von 0,6 Prozent.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namur ist ein bedeutendes Industriezentrum. Vor allem metallverarbeitende Betriebe und der Maschinenbau sind hier angesiedelt, aber auch Unternehmen der Porzellan- und Lederindustrie, zudem eine Brauerei.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt besitzt eine Anbindung an das Thalysnetz (von Lüttich nach Paris Gare du Nord), sowie Verbindungen nach Brüssel, Luxemburg, Lille und Dinant, sowie an die Athus-Meuse-Linie. Am Bahnhof Namur fahren täglich etwa 360 Züge.

Hafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen von Namur (französisch Port autonome de Namur) liegt mitten in dem dichtesten schiffbaren Netz der Welt, dem großen Rhein-Maas-Schelde-Mosel-Becken (20.000 Kilometer).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Belgien. Baedeker, Ostfildern, 3. Auflage 1998, ISBN 3-87504-417-7, S. 317–322 (Baedeker-Allianz-Reiseführer).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diese Schreibung findet sich zuweilen in deutschsprachigen Zeitungen innerhalb Belgiens. Siehe beispielsweise hier
  2. Historische Karte als Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  3. Karl-Heinz Frieser: Blitzkrieg-Legende: Der Westfeldzug 1940 (4. Auflage 2012; 2. Aufl. 1996) eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Namur – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien