Nederlandse Publieke Omroep

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Logo des NPO

Der Nederlandse Publieke Omroep (NPO) ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den Niederlanden mit Sitz in Hilversum. Er betreibt die Fernsehsender NPO 1, NPO 2, NPO 3, die Hörfunksender NPO Radio 1, NPO Radio 2, NPO 3FM, NPO Radio 4, NPO Radio 5, FunX sowie den Auslandsfernsehsender BVN in Kooperation mit VRT.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten 85 Jahre (1923–2008)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nederlandse Publieke Omroep (Niederlande)
Hilversum
Hilversum
Huizen
Huizen
Kootwijk
Kootwijk
Lopik
Lopik
Frühe Senderstandorte

Vorläufer des öffentlichen Rundfunks in den Niederlanden waren die Sendungen des Ingenieurs Hanso Idzerda über die Station PCGG aus Den Haag (1919–24), Radio Bloemendaal (ab 1924) sowie die Sendungen des Radiogeräte-Herstellers Nederlandsche Seintoestellen Fabriek (NSF) aus Hilversum (ab 1923), bald in Zumsammenarbeit mit dem Hilversumsche Draadlooze Omroep (HDO). HDO wird 1926 zu einer Stiftung, aus der 1927 die Allgemeine Radio-Vereinigung AVRO hervorgeht. Sie teilt sich die Sendezeit mit den übrigen Radio-Vereinigungen, insbesondere der protestantischen NCRV (gegründet 1924), dem katholischen KRO (1925) und der VARA der Arbeiterschaft (1925). 1927 bekommen die konfessionellen Vereinigungen NCRV und KRO ihren eigenen Sender in Huizen; AVRO und VARA teilen sich Hilversum. Der Sendezeitbeschluss von 1930[1] sieht für jede der vier großen Vereinigungen einen Zeitanteil von 20 % vor. 1935 übernimmt die Nozema den Betrieb der Sendeanlagen (ab 1937 betreibt sie einen eigenen Versuchssender in Jaarsveld). Ebenfalls 1935 ersetzt der Langwellensender Kootwijk den Sender Huizen; Kootwijk wird in der Folge meist als „Hilversum I“ bezeichnet, während Hilversum („Hilversum II“) sich auf die Mittelwelle beschränkt. Daneben gibt es die beiden Kurzwellensender PCJJ (ab 1927 in Fremdsprachen, aus Hilversum, ab 1937 als PCJ aus Huizen) und PHOHI (ab 1929 in Niederländisch für Niederländisch-Indien, aus Huizen).

Bei dem deutschen Überfall auf die Niederlande zerstören die zurückweichenden niederländischen Truppen 1940 den MW-Sender Hilversum und die Kurzwellenanlage in Huizen; die Studios in Hilversum und der LW-Sender Kootwijk bleiben aber intakt. Während Kootwijk bald als deutscher Europa-Sender „Friesland“ (zusammen mit „Bremen“) für Propagandazwecke mit Fremdsprachen belegt wird, verbreitet der seit 1938 im Bau befindliche und nun fertiggestellte MW-Sender Lopik niederländische Programme unter Aufsicht einer deutschen Rundfunkbetreuungsstelle (RBS), ab 1941 als neu organisierter Nederlandsche Omroep (NO). Der Kurzwellensender PCJ in Huizen wird von der deutschen Besatzungsmacht wiederhergestellt; dazu kommt ein Kurzwellensender PCV in Kootwijk. Aufgrund der Beschlagnahme von Radiogeräten ab Mai 1943 gewinnt für die Inlandsversorgung der Drahtfunk an Bedeutung.

Die niederländische Exilregierung in London betreibt 1940–45 über Anlagen der BBC Radio Oranje und 1944–46 durch die niederländische Militär-Behörde im befreiten Eindhoven Radio Herrijzend Nederland. Der Plan, dieses und die alten Sende-Vereinigungen durch einen einzigen nationalen Sender zu ersetzen (Stiftung Radio Nederland in den Overgangstijd, RNIO), scheitert 1947. Stattdessen schließen sich die bisherigen Vereinigungen zur Niederländischen Radio-Union (Nederlandse Radio Unie, NRU) zusammen, die nun auch regionale Sender betreibt; nur der Auslandsdienst geht getrennt auf die Stiftung Radio Nederland Wereldomroep (RNW) über. 1951 beginnen die Sende-Vereinigungen mit Fernsehsendungen (Nederlandse Televisie Stichting, NTS); 1969 fusionieren NRU und NTS zur Niederländischen Rundfunk-Stiftung (Nederlandse Omroep Stichting, NOS), die für Koordination und Technik verantwortlich ist. Als neue landesweite Programme entstehen im Fernsehen Nederland 2 (1964) und Nederland 3 (1988), im Hörfunk Hilversum 3 (1965), Hilversum 4 (1975) und Hilversum 5 (1983). Neue AM-Sendeanlagen sind der Mittelwellensender Flevoland (1980) und der Kurzwellensender Flevo (1985).

1995 wird die Niederländische Programm-Stiftung (Nederlandse Programma Stichting, NPS) mit kulturellen, informativen, Minderheiten- und Jugendprogrammen von der NOS abgespalten; 2010 geht die NPS in NTR auf. 1997 kommt das Archiv des öffentlichen Rundfunks zum Institut für Bild und Ton. 2000 wird der Rundfunkbeitrag abgeschafft. 2002 entsteht der Publieke Omroep als neue Dachorganisation mit Leitungsaufgaben, während die NOS als Zulieferer insbesondere für Nachrichten verbleibt. 2007 wird der Publieke Omroep in NPO (Nederlandse Publieke Omroep) umbenannt.[2] 2008 tritt das neue Mediengesetz in Kraft,[3] das im zweiten Hauptteil Bestimmungen für die landesweiten Dienste (NPO, Sende-Vereinigungen, NOS, NTR), regionale und lokale Dienste sowie den Wereldomroep enthält.

Neuere Entwicklungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 2000er Jahren wurde der niederländische öffentliche Rundfunk mehreren Reformen unterzogen, da die Berechtigung eines öffentlichen Rundfunks in den Niederlanden für die Zukunft regelmäßig in Frage gestellt wurde. Am 19. August 2014 bekamen alle Radio- und Fernsehsender der NPO mit Ausnahme von FunX den Zusatz NPO im Namen. Zuvor präsentierten sich die Sender sehr uneinheitlich. Diese Umbenennungen fanden aus Gründen der Wiedererkennbarkeit, Einheitlichkeit und der deutlichen Zuordnung zum öffentlichen Rundfunk statt.[4]

Zum 31. Dezember 2015 wurden die 2.42-Omroepen aufgehoben. Die Konfessionellen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender (2.42-Omroepen) waren Organisationen ohne Mitglieder. Ihr Bestehen wurde durch den Artikel 2.42 des Niederländischen Mediengesetzes geregelt, wodurch auch der Name zustande kam. Seit 2016 beteiligen sich diese innerhalb der Rundfunkvereine.[5]

Die Zahl der Rundfunkvereine soll grundsätzlich und dauerhaft reduziert werden. Geplant ist eine Anzahl von sechs Vereinen mit Mitgliedern.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von 1999 bis 2007
Fahne mit altem Logo
Logo von 2007 bis 2013

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der niederländische öffentlich-rechtliche Rundfunk ist in seinem Aufbau im Vergleich zu anderen Ländern einmalig.

Die Sender werden, ähnlich wie das Erste Deutsche Fernsehen, durch verschiedene Rundfunkgesellschaften beliefert. So produziert der Publieke Omroep nicht selbst, sondern strahlt die Sendungen der Rundfunkgesellschaften aus. Im Gegensatz zu den deutschen Rundfunkanstalten sind diese nicht regionale Anstalten, sondern Gesellschaften, die eine bestimmte Bevölkerungsgruppe repräsentieren und eine bestimmte Grundtendenz haben. Sie sind oft in die Rechtsform eines Vereins oder einer Stiftung gefasst. So repräsentieren manche Sender religiöse Gemeinschaften, andere vertreten beispielsweise gewerkschaftliche Ziele.

Rundfunkgesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haupt-Rundfunkgesellschaften sind allesamt Vereine mit Mitgliedern, die einen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Von der Mitgliederzahl hängt ab, wie viel Geld eine einzelne Rundfunkgesellschaft vom niederländischen Staat und aus den gesamten Werbeeinnahmen des Publieke Omroep erhält.

Der Status der Rundfunkgesellschaften richtet sich nach der Mitgliederzahl: Mehr als 300.000 (A-Status), 150.000 bis 300.000 (B-Status), mindestens 50.000 (Interessenten-Rundfunkvereinigung).

Des Weiteren gibt es Stiftungen für das Rahmenprogramm mit einem Informations- bzw. Bildungsauftrag: NOS und NTR. Dieser Auftragsrundfunk (Taakomroep) hat keine Mitglieder und seine Aufgaben sind gesetzlich festgelegt. Während die NOS die Bereitstellung von Nachrichten, Sport, Veranstaltungsberichterstattungen und allgemeinen Informationen als gesetzlichen Auftrag hat, sind die Schwerpunkte der NTR die Bereiche Information, Bildung und Kultur. Innerhalb dieser Sendezeiten strahlen Socutera (Stichting ter bevordering van Sociale en Culturele doeleinden door Televisie en Radio) und PP (Zendtijd voor Politieke Partijen) ihre Sendungen aus.

Rundfunk Status Ausrichtung
AVROTROS A Allgemein, liberal und Unterhaltung
BNN-VARA A linksliberal, Junge/Jugendliche
KRO-NCRV (+ RKK + BOS) A christlich
EO (+ IKON, ZvK, JO) B protestantisch
VPRO B progressiv
MAX B Senioren/50+
HUMAN Interessenten humanistisch
WNL Interessenten konservativ, Aktuelles
PowNed Interessenten Junge, sozialkritisch
NOS (+ Omrop Fryslân, PP & Socutera) Auftragsrundfunk Allgemein, Nachrichten, Sport
NTR (+ OHM & SZM) Auftragsrundfunk Bildung und Kultur
Ster übrige Werbung

Regionale Rundfunkanstalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisher unabhängig vom landesweiten System, aber in Kooperation, produzieren regionale Rundfunkanstalten regionale Programme.

Name Gebiet
RTV Oost Provinz Overijssel
RTV Noord Provinz Groningen
Omrop Fryslân Provinz Friesland
RTV Drenthe Provinz Drente
Omroep Gelderland Provinz Gelderland
Omroep Flevoland Provinz Flevoland
RTV Utrecht Provinz Utrecht
Omroep Brabant Provinz Nordbrabant
Omroep Zeeland Provinz Zeeland
RTV Rijnmond Region Rijnmond
RTV West Provinz Südholland
RTV Noord-Holland Provinz Nordholland
L1 Provinz Limburg

Sender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehsender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Themensender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • NPO 101
  • NPO Best
  • NPO Cultura
  • NPO Doc
  • NPO Nieuws
  • NPO Politiek / NPO Sport
  • NPO Zapp Xtra

Hörfunksender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Digitale Hörfunksender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 3VOOR12
  • BNN.FM
  • Kinderwebradio
  • AVRO Klassiek
  • Musica Religiosa
  • NPO Soul & Jazz
  • Orgelradio
  • Ongekend talent
  • Sterren
  • XNoizz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zendtijdbesluit auf Wikisource
  2. Nieuwe naam voor Publieke Omroep: NPO. NPO, 4. April 2007
  3. Mediawet 2008 (Stb. 2008, 583)
  4. Medien: Niederländische Fernseh- und Radioprogramme umbenannt. NiederlandeNet, 19. August 2014
  5. Das Mediensystem der Niederlande. NiederlandeNet, Juni 2015