Norcia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Norcia
Wappen
Norcia (Italien)
Norcia
Staat Italien
Region Umbrien
Provinz Perugia (PG)
Koordinaten 42° 48′ N, 13° 6′ OKoordinaten: 42° 47′ 32″ N, 13° 5′ 34″ O
Höhe 604 m s.l.m.
Fläche 274 km²
Einwohner 4.981 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte 18 Einw./km²
Postleitzahl 06024
Vorwahl 0743
ISTAT-Nummer 054035
Volksbezeichnung Nursini
Schutzpatron Sankt Benedikt (21. März)
Website Norcia
Panorama von Norcia
Panorama von Norcia

Norcia (lateinisch Nursia) ist eine italienische Gemeinde mit 4981 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) in der Provinz Perugia in Umbrien und ist Mitglied der Vereinigung I borghi più belli d’Italia[2] (Die schönsten Orte Italiens).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Sibyllinischen Berge“ hinter dem Ortsteil Castelluccio

Norcia liegt an der Grenze zu den Marken, am Fuße der „Sibillynischen Berge“. Die Gemeinde liegt 154 km nordöstlich der Hauptstadt Rom, 95 km südöstlich der Provinz- und Regionalhauptstadt Perugia sowie 83 km westlich der Adriatischen Küste bei Porto d’Ascoli. Das weitläufige Gemeindegebiet erstreckt sich vom Tal des Nera bis zum Cima Del Redentore (2448 m) im Massiv des Monte Vettore, der die höchste Erhebung Umbriens darstellt. Ein großer Teil von Norcia gehört zum Nationalpark Monti Sibillini.

Norcia ist Mitglied in der Comunità Montana Valnerina

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norcia wird durch die Staatsstraße SS 685 delle Tre Valli Umbre erschlossen, die von Spoleto kommend, hinter Norcia über die Forca Canapine (1541 m) im Trontotal die Via Salaria erreicht. Der nächste Bahnhof ist in 41 km Entfernung der von Spoleto, seit 1968 die Bahnstrecke nach Spoleto stillgelegt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piazza San Benedetto (Platz des Hl. Benedikt)

Die Ursprünge des Ortes gehen auf die Zeit der Sabiner zurück. Norcia wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Römern erobert und erhielt 268 v. Chr. römisches Bürgerrecht.

Im Jahr 572 wurde Norcia von den Langobarden, deren Zentrum sich im nahen Spoleto befand, zerstört. Ihnen folgten Byzantiner und Sarazenen, so dass Norcia 890 verlassen war. Erst langsam entwickelte sich danach wieder das bürgerliche Leben, bis sich Norcia um 1200 als Kommune konstituierte. Es entwickelte sich zu einem regionalen Zentrum und Handelsplatz. Gleichzeitig wurde die heute noch erhaltene Stadtmauer errichtet.

1484 kam die Stadt nach heftigem Widerstand unter die Regierung des Heiligen Stuhls, unter der es blieb, bis sich am 18. September 1860 in einer Volksabstimmung eine große Mehrheit der Nursini für den Beitritt zum Königreich Italien aussprach.

Am 24. August 2016 begann eine Erdbebenserie in Mittelitalien. Das Beben vom 24. August hatte in Norcia eine Stärke von 6,2 MW[3]; weitere Beben gab es am 3. September, am 20. September und am 26. Oktober, bei dem ein großer Teil der Kirche San Salvatore zusammengebrochen ist. Am 30. Oktober 2016 um 07:41 Uhr mit einem Erdstoß von 6,5MW ist die Basilika von San Benedetto eingestürzt und andere Gebäude wurden schwer beschädigt.[4]

Basilika San Benedetto, eingestürzt am 30. Oktober 2016 (Aufnahme von 2006)

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001
Einwohner 9.204 9.994 9.584 10.754 8.225 7.977 5.458 4.726 4.872

Quelle: ISTAT

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicola Alemanno (rechte Bürgerliste) wurde im Juni 2004 zum Bürgermeister gewählt. Nachdem Anfang 2008 neun der 16 Gemeinderäte zurückgetreten waren, wurde die Stadtregierung durch ein Dekret des Staatspräsidenten aufgelöst und am 7. Mai 2008 Giancarlo de Filippis als kommissarischer Bürgermeister bis zur nächsten Kommunalwahl im Juni 2009 eingesetzt.[5]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eng verbunden sind Norcia und Ottobeuren auch durch die Benediktinerklöster in den beiden Kommunen. Das Leben in diesen Gemeinschaften ist auf das Leben des heiligen Benedikt ausgerichtet, dessen Herkunftsort Nursia (Norcia) gewesen sein soll. Seit 1959 bestehen Kontakte zwischen Ordensbrüdern aus beiden Klöstern.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert gelten vor allem die Gebäude um die Piazza San Benedetto als bedeutend: die Basilika San Benedetto[4], errichtet um 1200, das Rathaus (um 1300)[6] und ein festungsartiger Stadtpalast,[7] erbaut im 16. Jahrhundert nach einem Entwurf von Vignola.

Dazu gehören auch die sich dort befindlichen Kirchen Santa Maria Argentea[8] die Kirche des heiligen Franziskus aus dem 14. Jahrhundert und die Chiesa di Sant’Agostino[9] zu den sehenswerten Kirchenbauten der Stadt.[10] Hier befindet sich ebenfalls die städtische Bibliothek. Das Erdbeben von 2016 führte zu starken Zerstörungen.[11]

Wirtschaft, Tourismus, landestypische Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Norcia ist über Italien hinaus für seine Schwarzen Trüffel und Schweine-Würste bekannt. Die haltbaren Würste aus Norcia wurden früher von fliegenden Händlern in ganz Mittelitalien verkauft. Daher werden noch heute Feinkostläden in Italien als Norcineria bezeichnet.

Eine weitere Spezialität sind die Linsen aus Castelluccio di Norcia, die als IGP (Produkt mit geschützter Herkunftsbezeichnung) geführt werden.

Für die Wirtschaft der Stadt spielt der Tourismus eine wichtige Rolle.

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 480 sollen hier der heilige Benedikt, Gründer des Benediktiner-Ordens, und seine Zwillingsschwester Scholastika geboren worden sein.

Panorama der „Sibyllinischen Berge“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sibyllinische Berge – Landschaft nördlich von Norcia. Karsttal Piani di Castelluccio
mit dem gleichnamigen Dorf Castellucio di Norcia hinten und dem Monte Vettore rechts im Osten der landwirtschaftlichen Ebene (eventuell erst sichtbar mit Schieber unterhalb des Panoramas)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Norcia – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2016.
  2. I borghi più belli d’Italia. Borghipiubelliditalia.it; abgerufen am 13. August 2017 (italienisch).
  3. Geo Forschungszentrum Potsdam
  4. a b FAZ.net
  5. www.valnerinaonline.it
  6. Il Palazzo Comunale in italienisch
  7. La Castellina in italienisch
  8. La Concattedrale in italienisch
  9. Chiesa di Sant’Agostino in italienisch
  10. Il Complesso Monumentale San Francesco in italienisch
  11. www.katholisch.de Erdbeben-zerstört-benedikt-stadt-norcia
  12. Gundolf Keil: Reguardati, Benedetto. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1226 f.