Schloss Braunsbach


Schloss Braunsbach ist ein historischer Profanbau mit Evangelischer Bonifatiuskirche in Braunsbach in der Region Hohenlohe im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde Braunsbach gehörte bis Ende 2024 zum Kirchenbezirk Schwäbisch Hall und gehört seit 1. Januar 2025 zum neuen Kirchenbezirk Schwäbisch Hall-Gaildorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Schlossanlage aus dem 16. Jahrhundert hat einen fast viereckigen Grundriss und wurde anstelle einer mittelalterlichen Burg erbaut. Bis dahin waren die Ortsherren limpurgische und hohenlohische Lehensleute verschiedener Geschlechter. Albrecht von Crailsheim zu Morstein erbte im Jahr 1549 das Schloss Braunsbach und veranlasste 1556 die ersten Baumaßnahmen am Schloss. Aufgrund der Teilung der Morsteiner Linie im Jahr 1567 wurde das Schloss Braunsbach zum Herrschaftssitz des bereits genannten Albrecht von Crailsheim, der das Schloss repräsentativ erweitern ließ. Anfang des 17. Jahrhunderts waren die Baumaßnahmen abgeschlossen. Aus dieser Bauphase stammt der Rundturm, der den südlichen Flügel mit dem ebenfalls neu errichteten Westflügel verbindet. Der Westflügel wurde unter Wolf von Crailsheim beendet, mit dessen Tod im Jahr 1637 die Linie Morstein-Braunsbach ausstarb. Der Westflügel stürzte 1847 ein und wurde anschließend um ein Stockwerk niedriger wieder aufgebaut.
Schlosskirche St. Bonifatius
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Schlossanlage ist auf der südwestlichen Seite die evangelische Kirche St. Bonifatius[1] vorgelagert. Diese besitzt noch romanische Mauerreste im Chor und im Turmuntergeschoss. 1607 wurde die kleine Schlosskapelle durch einen zweiten Chor und die Erweiterung des Kirchenschiffs nach Westen und Süden zur Pfarrkirche ausgebaut.[2] Das Kirchenschiff wurde durch seinen nahezu quadratischen Grundriss, die Ausrichtung des Gestühls und der West- und Nordempore auf die Kanzel an der Südwand einem reformatorischen Querkirchenkonzept angenähert.[3] So kam es auch zu der selten anzutreffenden Komposition zweier nebeneinander liegender Chöre, die aber beide jeweils zu klein für die evangelische Abendmahlspraxis waren, sodass ein 1866 an den Staat verkauftes Flügelretabel vom Anfang des 16. Jahrhunderts mit dem Kirchenpatron Bonifatius im Schrein (heute im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart [Inv. Nr. 864] befindlich)[4] mitten vor die beiden Chorbögen platziert wurde. Über dem 1607 südlich angefügten Chor wurde eine Herrschaftsempore eingebaut. Außerdem wurde der Turm wegen des breiter und höher gewordenen Schiffs erhöht.[5]
Ausstattung
Altar: Der 1866 verkaufte Flügelaltar wurde durch den vorhandenen Renaissance-Altar unbekannter Herkunft aus der Zeit um 1600 ersetzt. Er besteht aus verschiedenen, ursprünglich nicht zusammengehörenden Teilen.[6] Der Mittelteil in einer Gesamthöhe von ungefähr fünf Meter zeigt Konfessionsbilder, welche die beiden evangelischen Sakramente Taufe und Abendmahl thematisieren.[7]
Kanzel: Der achteckige Kanzelkorb vom Anfang des 17. Jahrhunderts steht auf einer Fächerkonsole. Seine schmalen Seitenwände sind durch Rundbogen mit kannelierten Pilastern gegliedert, die Füllungen ornamental bemalt mit Masken und Muscheln.
Taufstein: Der Taufstein in Kelchform auf achtkantigem Schaft stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist mit Fruchtgebinde, Quasten, Masken, Puttenköpfe und vier Wappenschilde verziert.
Emporen: Die Bilder an der Emporenbrüstung sind wahrscheinlich eine barocke Stiftung, die erst später in der erweiterten Kirche angebracht wurden. u sehen sind die vier großen Propheten, dann Moses. Es folgen die vier Evangelisten, die zwölf Apostel und Johannes der Täufer. In der Mitte der Westempore fällt in der halbrunden Auskragung die Figur des Jakobus. d. Ä. auf. Seine Darstellung mit Pilgerstab, Muschel und Trinkflasche verweist auf die mittelalterlichen Wallfahrten nach Santiago de Compostela.
Epitaph: Im Inneren befindet sich aus der Zeit nach 1594 das Grabmal der Patronatsfamilie Albrecht von Crailsheim und Ehefrau Anna von Crailsheim-Hornberg. Das Schloss Braunsbach geht auf ihn zurück. Sein Neffe Wolfgang von Crailsheim hat ihm und seiner Frau das Steindenkmal gewidmet. Es stammt aus der Meisterwerkstatt Sem Schlör aus Schwäbisch Hall.
Orgel: Die erste Orgel von 1611 stammte von Hans Scheffer aus Heilbronn mit dem gegenwärtigen Barockprospekt von 1737. Es erhielt 1791/94 von Georg Ludwig Metzler aus Steinbach ein neues und erweitertes Orgelwerk, das 1954 renoviert und erweitert wurde.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Georg Himmelheber (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des ehemaligen Oberamts Künzelsau; Hg. vom Staatlichen Amt für Denkmalpflege; Stuttgart 1962 - Reprint als Sonderausgabe für den Hohenlohekreis; Frankfurt am Main 1983, S. 102–106.
- ↑ Herta Beutter, Armin Panther (Hrsg.): Impressionen aus Hohenlohe. Ansichten aus Schwäbisch Hall und seiner Umgebung von Johann Friedrich Reik (1836–1904). (Anlässlich der Ausstellung „Impressionen aus Hohenlohe. Ansichten aus Schwäbisch Hall und seiner Umgebung von Johann Friedrich Reik (1836–1904)“ vom 3. Juli bis 26. September 1999 im Hällisch-Fränkischen Museum in Schwäbisch Hall. Schwarz-weiß-Photogr. von Roland Bauer). Umschau/Braus, Heidelberg 1999, ISBN 3-8295-6322-1, S. 132 f.
- ↑ Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche - Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 246, 275 - ISBN 978-3-95505-592-9.
- ↑ Flügelretabel aus der Pfarrkirche St. Bonifatius in Braunsbach. In: Sammlung Online. Landesmuseum Württemberg, abgerufen am 11. April 2024.
- ↑ Website der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Braunsbach
- ↑ Georg Himmelheber (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des ehemaligen Oberamts Künzelsau. Reprint, Frankfurt am Main 1983, S. 104 f.
- ↑ Wolfgang Schöllkopf: Evangelisch im Bild - Das Konfessionsbild in der Evangelischen Kirche Peter und Paul in Ulm-Jungingen von 1711 als Beispiel protestantischer Bildkultur. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte Bd. 114; Stuttgart 2014. S. 70–84 - siehe auch: Schöllkopf, Wolfgang: Konfessionsbild. In: Württembergische Kirchengeschichte Online, 2018 (Permalink)
Koordinaten: 49° 11′ 55,6″ N, 9° 47′ 38,9″ O
