Südlink

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Karte der Leitungsvorhaben in Deutschland nach dem Bundesbedarfplangesetz (BBPlG 2013)

Südlink (Eigenschreibweise: SuedLink) ist die Bezeichnung eines von den Übertragungsnetzbetreibern TenneT TSO und TransnetBW geplanten Korridors zum Bau von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Leitungen (HGÜ) im Rahmen des Netzentwicklungsplans (NEP) der Bundesrepublik Deutschland. Sie sollen unter anderem die vorrangig im Norden der Bundesrepublik aus Windenergie gewonnene elektrische Energie in die südlichen Regionen von Deutschland bringen.

Übertragungssysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geplanter Verlauf einer der beiden Trassen, Stand Anfang 2014

Unter dem Namen Südlink sind im Netzentwicklungsplan 2014 fünf HGÜ-Verbindungen mit einer Übertragungskapazität von 10 Gigawatt zusammengefasst. Zwei dieser Verbindungen wurden 2013 in den Bundesbedarfsplan aufgenommen, der vom Bundesrat und Bundestag 2013 genehmigt wurde. Drei weitere Verbindungen können laut Netzentwicklungsplan mit Fertigstellungsziel 2024/2034 hinzukommen[1], darüber wird in zukünftigen Netzentwicklungsplänen entschieden.[2]

HGÜ-Verbindungen im Südlink[1]
Nr. Maßnahme Nennleistung Planung Status
C05 BrunsbüttelGroßgartach 2 GW Vorhaben 3 des Bundesbedarfplans[3] Vorbereitung Antrag auf Bundesfachplanung[3], bestätigt 09/2015[2]
C05a Brunsbüttel – Großgartach 2 GW erforderlich in 2 von 4 Szenarios[1]
C06mod Wilster – Raum Grafenrheinfeld 2 GW Vorhaben 4 des Bundesbedarfplans[3] Antrag auf Bundesfachplanung[3], bestätigt 09/2015[2]
C06WDL Kreis Segeberg – Raum Wendlingen 2 GW erforderlich in 3 von 4 Szenarios[1] nicht bestätigt[2]
C08 Heide – Raitersaich 2 GW erforderlich in 2 von 4 Szenarios[1]

Die Planung betrifft zum einen das im Bundesbedarfsplan genannte Übertragungssystem von Wilster (60 km nordwestlich von Hamburg) nach Grafenrheinfeld bei Schweinfurt. Am nördlichen Ende liegt das Kernkraftwerk Brokdorf, das nach dem derzeit gültigen Atomgesetz spätestens Ende 2021Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren stillgelegt werden muss. Hier ist auch weiterhin der Bau einer Stromtrasse nach Norwegen mit dem Namen NORD.LINK geplant. Am südlichen Ende der Stromtrasse liegt das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld, das an das Höchstspannungsnetz und das Stromnetz des Europäischen Verbundsystemnetzes angeschlossen ist, aber 2015 stillgelegt wurde. [4]

Zum anderen betrifft es das im Bundesbedarfsplan genannte Übertragungssystem von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg,[5] die im NEP 2014 2. Entwurf Teil 2 genannten drei Übertragungssysteme von Heide nach Raitersaich in Bayern, Kreis Segeberg nach Raum Wendlingen und ein zweites Übertragungssystem von Brunsbüttel nach Großgartach. Alle fünf Übertragungssysteme bedeuten bei der geplanten technischen Lösung, bei der maximal zwei Übertragungssysteme auf einem Mast liegen, den Bau von drei Leitungstrassen.

Das vorhandene Umspannwerk bei Wilster

Die Leitungstrassen des Südlink sollen größtenteils als Erdkabel mit Gleichspannung betrieben werden.[5] Die Energieübertragung mittels Gleichstrom, statt wie üblich als Dreiphasenwechselstrom, ist bei der Übertragung über Längen ab etwa 750 km aufwärts von Vorteil, da ab diesen Entfernungen die geringeren Übertragungsverluste entlang der Leitungen die Verluste in den zusätzlich nötigen Stromrichterstationen kompensieren. Nachteilig ist, dass bei HGÜ-Übertragungssysteme ein Betrieb als Maschennetz mit vielen Ein- und Ausspeisepunkten schwerer zu realisieren ist als mit Wechselstrom. Durch technologischen Fortschritt ist die Realisierung von vermaschten HGÜ-Netzen jedoch inzwischen deutlich praktikabler geworden. Langfristig werden derartige HGÜ-Netze als wichtiger Faktor zukünftiger intelligenter Stromnetze mit hohem Anteil an Wind- und Solarenergie gesehen.[6][7]

Trassenplanung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Februar 2014 schlugen die beiden Betreiberfirmen einen Verlaufsplan für die Trasse von Wilster nach Grafenrheinfeld vor. Die Leitungstrasse führt dabei von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern.[8] Die geplanten Kosten liegen dabei nach Aussage des Geschäftsführers von Tennet im unteren einstelligen Milliardenbereich.[9] Am 26. September 2014 veröffentlichte Tennet mögliche Trassenvarianten zur Südlink.

Am 12. Dezember 2014 wurde von Tennet der Antrag auf Bundesfachplanung bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Da das Genehmigungsverfahren mehrere Bundesländer betrifft, wird es gemäß Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz (NABEG) nicht von den Behörden der betroffenen Länder durchgeführt, sondern von der Bundesnetzagentur als verantwortlicher Regulierungsbehörde.[5]

Am 17. Februar 2015 veröffentlichte die Bundesnetzagentur nach sorgfältiger Prüfung eine Stellungnahme zum Antrag, in der der Antrag stark kritisiert wird und eine umfassende Überarbeitung verlangt wird. Bemängelt wird unter anderem, dass der Antrag nicht ausreichend konkretisiert sei, Umweltauswirkungen und raumordnerische Konflikte würden für die betroffenen Regionen nicht deutlich genug, es sei nicht erkennbar und unabhängig nachvollziehbar, aufgrund welcher Belange Korridore für das Verfahren vorgeschlagen oder verworfen würden, auch die Vorgehensweise bei der Prüfung von Trassenkorridoren und -alternativen sei zum Teil nicht vergleichbar. Die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde sehe sich nicht in der Lage, das Verfahren auf Basis dieses Antrages mit Antragskonferenzen fortzusetzen.[10] Medienberichte sprachen von einer „fachlichen Ohrfeige“ für Tennet.[11]

Im Mai 2015 forderte Wirtschaftsministerin Aigner, dass die Trasse statt durch Bayern durch Südhessen und Baden-Württemberg verlaufen solle und nur die letzten Kilometer bis zum Endpunkt Gundremmingen durch Bayern. Dieser Vorschlag stieß auf starke Kritik sowohl von Politikern aus Hessen und Baden-Württemberg als auch von Umweltverbänden, die die Trassen grundsätzlich ablehnen und stattdessen eine Dezentrale Stromerzeugung mit Windenergie und Solarenergie für sinnvoller halten. Zudem wurden Vorwürfe laut, dass die bayerische Regierung nach dem Nimby- bzw. Sankt-Florian-Prinzip agiere. Hintergrund dieses Meinungswandels der CSU-Regierung von der grundsätzlichen Ablehnung beider Trassen hin zu einer Verlegung der Trassen ist nach Angaben der Süddeutschen Zeitung, dass eine mögliche Verhinderung der beiden Trassen als unwahrscheinlich gilt.[12][13]

Am 2. Juli 2015 wurde als Ergebnis des vorangegangenen Energiegipfels bekannt gegeben, dass die politischen Vorgaben für die Gleichstromtrassen geändert werden sollen. Zukünftig solle Erdverkabelung Vorrang vor Freileitungen haben, um eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen. Durch diese Vorgabe wurde eine vollständige Neubewertung der geplanten Trassenführungen notwendig - mit erheblichen Auswirkungen auf Zeit- und Kostenplanungen.[14][15][16]

Die geplante Übertragungstrasse sollte ursprünglich 2016 in Bau gehen und 2022 fertiggestellt werden.[17]

Am 27. September 2016 veröffentliche Tennet neue Vorschläge für Trassenkorridore.[18] Am 7. März 2017 wurde der vorläufige Vorzugskorridor veröffentlicht; in den Folgewochen wurden die Anträge auf Bundesfachplanung für die Vorhaben 3 (Brunsbüttel – Großgartach) und 4 (Wilster – Grafenrheinfeld) des Bundesbedarfsplangesetzes abschnittsweise bei der Bundesnetzagentur eingereicht.[19] Die Antragskonferenzen sind für Mai bis Juli 2017 terminiert.[20]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strohballen mit Protestplakat einer Bürgerinitiative auf einer Wiese bei Garbsen

In den betroffenen Regionen gibt es zahlreiche Einwände und Proteste gegen die Trassenführung und das Verfahren. Zahlreiche Bürgerinitiativen protestieren gegen der Verlauf der Trasse und das Verfahren.[21]

Als im Februar 2015 bekannt wird, dass das Bundeswirtschaftsministerium für das Gebiet von Bundesminister Sigmar Gabriels Wahlkreis eine Sondergenehmigung prüft, um dort die Leitung mit einem Erdkabel verlegen zu lassen, wird eine mögliche politische Einflussnahme auf das Verfahren kritisiert.[22]

Tennet-Geschäftsführer Hartman kritisierte 2014, dass die bayerische CSU-Landesregierung nach massiven Protesten von Anwohnern gegen eine der drei geplanten Haupttrassen ein Moratorium forderte.[9][23] Durch die Verzögerung der Weiterleitung der verstärkt in den Offshore-Windparks im Norden gewonnenen elektrischen Energie zum Süden werden die Investitionen in die Energiewende zunehmend in Frage gestellt.[24]

Hamelner Erklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über 20 Landkreise und Regionen aus den Bundesländern Niedersachsen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern unterzeichneten gemeinsam die „Hamelner Erklärung“.[25] Darin wird eine neue Planung der Stromtrasse gefordert: Nicht nur der Vorschlag des Betreibers Tennet müsse geprüft werden, sondern alle denkbaren Korridore. Auch beschleunigte Verfahren müssten rechtsstaatlichen Grundsätzen, guter fachlicher Praxis und dem Gebot der Willkürfreiheit folgen. Die Wahl des besten Korridors müsse transparent und Schritt für Schritt nachvollziehbar sein, alle Alternativen müssten mit gleicher Prüfungstiefe untersucht werden. Viele der in der Hamelner Erklärung angeführten Kritikpunkte finden sich auch in der Zurückweisung des Antrages auf Bundesfachplanung der Bundesnetzagentur vom Februar 2015 wieder.[10]

Im März 2015 präsentierten die Unterzeichner der Hamelner Erklärung zwei fachliche und rechtliche Bewertungen.[26] Darin wird kritisiert, dass der bisherige Antrag auf Bundesfachplanung scheinbar für nur Vorhaben 4 gestellt werde, gleichzeitig aber die Realisierung von Vorhaben 3 in denselben Masten angenommen werde. Eine solche Verbindung der Vorhaben erfordere auch eine gemeinsame Beurteilung und Beantragung. Wesentliche Eigenschaften wie die endgültige Übertragungskapazität seien im Antrag nicht definiert; unter diesen Voraussetzungen sei eine fachliche Prüfung und Beurteilung des Antrages nicht möglich. Darüber hinaus sei der Antrag fachlich und methodisch mangelhaft, es fehlten Angaben zur Technologie, zu den Emissionen; Kriterien würden willkürlich nach Bedarf verändert.[26]

Im Juli 2015 wurde im Rahmen des "Energiegipfels" der Koalition im Kanzleramt beschlossen, dass die Planungen zum Südlink neu anzugehen seien mit der Maßgabe, dass die Trassenplanung nun einen eindeutigen Erdkabelvorrang zu berücksichtigen habe. Im Juni 2016 wurde aus diesem Anlass eine "Erdkabelkonferenz" in Kassel mit Experten zum Bodenschutz durchgeführt.[27]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorhaben, Projektbeschreibung und Planungsstand

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e NEP 2014 2. Entwurf Teil 2, Projektsteckbriefe Zubaunetz, Seite 254
  2. a b c d Bundesnetzagentur: Bedarfsermittlung 2024, Bestätigung Netzentwicklungsplan Strom (Zieljahr 2024), 4. September 2015
  3. a b c d Status der Vorhaben auf netzausbau.de
  4. Noch vier Jahre für Grafenrheinfeld – „Main-Post“-Artikel vom 7. Juni 2011
  5. a b c Projektbeschreibung Südlink. TenneT TSO GmbH, 5. Februar 2014, abgerufen am 5. Februar 2014.
  6. S. LeBlond et al.: Design of protection schemes for multi-terminal HVDC systems. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews. Band 56, 2016, S. 965–974, doi:10.1016/j.rser.2015.12.025.
  7. S. Bianchi et al.: Control of multi-terminal HVDC networks towards wind power integration: A review. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews. Band 55, 2016, S. 1055–1068, doi:10.1016/j.rser.2015.11.024.
  8. Südlink: Vorschlag Trassenkorridor – abgerufen am 12. Februar 2014
  9. a b Betreiber präsentieren Pläne für längste Stromtrasse Deutschlands. Spiegel Online, abgerufen 7. Februar 2014
  10. a b Erläuterungen der Bundesnetzagentur zum Überarbeitungsbedarf vom 17. Februar 2015
  11. Osthessen News vom 19. Februar 2015
  12. Alle gegen Aigners Trassenvorschlag. In: Süddeutsche Zeitung, 20. Mai 2015, abgerufen am 22. Mai 2015
  13. Hochspannung an der Landesgrenze . In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2015, abgerufen am 22. Mai 2015
  14. Gabriel: Energiewende ist großen Schritt weiter. BMWI Pressemitteilung vom 2. Juli 2015
  15. http://www.tennet.eu/de/news-presse/article/tennet-stellt-weichen-fuer-erdkabel-bei-suedlink.html Pressemitteilung 28. Juli 2015, TenneT stellt Weichen für Erdkabel bei SuedLink
  16. „Suedlink“-Kritiker begrüßen Erdverkabelung. NDR.de 2. Juli 2015
  17. Tagesschau: Von Wilster nach Grafenrheinfeld (Memento vom 11. Februar 2014 im Internet Archive) – Ausgabe vom 5. Februar 2014
  18. Tennet: Übersichtskarte Vorschläge für Erdkabel-Korridore
  19. BBPlG, Vorhaben 3 auf netzausbau.de, BBPlG, Vorhaben 4 auf netzausbau.de
  20. Südlink auf netzausbau-niedersachsen.de
  21. Liste der Bürgerinitiativen gegen Südlink
  22. Erdkabel vor allem für Gabriels Wahlkreis? Neue Osnabrücker Zeitung, 5. Februar 2015
  23. Alexander Smoltczyk: Schlagader der Nation. In: Der Spiegel. Nr. 22, 26. Mai 2014, ISSN 0038-7452, S. 52–57.
  24. Windkraft versickert in den Stromnetzen · Leitungsbau hinkt Errichtung der Offshore-Parks hinterher · Bayerische Blockadepolitik verzögert „Südlink“. In: Täglicher Hafenbericht vom 15. September 2015, Sonderbeilage Offshore, S. 3
  25. Landkreise fordern neue Suedlink-Planung (Memento vom 21. Februar 2015 im Internet Archive). NDR.de, 12. Dezember 2014
  26. a b SuedLink: Die Landkreise der „Hamelner Erklärung“ halten Antragskonferenzen noch in diesem Jahr für höchst unwahrscheinlich.
  27. Ergebnisse der Erdkabelkonferenz