Warum betrübst du dich, mein Herz

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Bachkantate
Bachhand.jpg
Warum betrübst du dich, mein Herz
BWV: 138
Anlass: 15. Sonntag nach Trinitatis
Entstehungsjahr: 1723
Entstehungsort: Leipzig
Gattung: Kantate
Solo: S,A,T,B
Chor: S,A,T,B
Instr: Oboe d’amore; Str; BC
Text
unbekannt
Liste der Bachkantaten

Warum betrübst du dich, mein Herz (BWV 138) ist eine geistliche Kantate von Johann Sebastian Bach. Er komponierte sie 1723 in Leipzig für den 15. Sonntag nach Trinitatis und führte sie dort am 5. September 1723 zum ersten Mal auf. Die Kantate enthält Elemente einer Choralkantate, entstand jedoch ein Jahr früher als Bachs zweiter Kantatenjahrgang, der aus Choralkantaten besteht.

Entstehung und Worte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bach schrieb die Kantate in seinem ersten Jahr in Leipzig für den 15. Sonntag nach Trinitatis und führte sie am 5. September 1723 auf. Die vorgeschriebenen Lesungen sind Gal 5,6-10 LUT und Mt 6,24-34 LUT, die Aufforderung aus der Bergpredigt, nicht kleingläubig zu sorgen. Melodie und Text des Chorals (Nürnberg 1561), der dem Evangelium nahesteht, wurden Hans Sachs zugeschrieben, doch scheint dies wenig wahrscheinlich, nach Albert Fischers Kirchenliederlexikon (1878).[1] Anders als in späteren Choralkantaten beruht der Kantatentext nicht auf dem vollständigen Choraltext. Lediglich die ersten drei von 14 Strophen werden für drei Sätze der Kantate verwendet und kontrastiert durch freie Dichtung. Der unbekannte Dichter stellt dem Choralthema Gottvertrauen die ängstlichen Fragen Einzelner gegenüber, betont durch den Gegensatz von metrischem Vers im Choral und freiem Metrum in den zahlreichen Rezitativen. Ein Wendepunkt von Zweifel zu Vertrauen wird in der einzigen Arie der Kantate erreicht.[2]

Besetzung und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kantate ist gesetzt für vier Solisten, Sopran, Alt, Tenor und Bass, vierstimmigen Chor, zwei Oboen d’amore, zwei Violinen, Viola und Basso continuo.[2]

  1. Choral + Rezitativ (Alt): Warum betrübst du dich, mein Herz
  2. Rezitativ (Bass): Ich bin veracht’
  3. Choral + Rezitativ (Sopran, Alt): Er kann und will dich lassen nicht
  4. Rezitativ (Tenor): Ach süßer Trost
  5. Aria (Bass, Violine): Auf Gott steht meine Zuversicht
  6. Rezitativ (Alt): Ei nun! So will ich auch recht sanfte ruhn
  7. Choral: Weil du mein Gott und Vater bist

Die Zählung der Sätze folgt Alfred Dürr, andere zählen das Bass-Rezitativ nicht als Satz.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bach entspricht dem ungewöhnlichen Text in den beiden Sätzen, die Choral und Rezitativ enthalten. Für beide gilt: in jeder Verszeile 1 bis 3 eröffnen die Violinen, dann setzen die Oboen ein, Oboe I mit der Choralmelodie, Oboe II mit Seufzermotiven, dann singt der Tenor den Choraltext als Arioso, endlich der Chor Text und Melodie im vierstimmigen Satz; daran schließt sich das Rezitativ der fragenden Einzelstimme an (Alt im ersten Satz, Sopran im zweiten), von Streichern begleitet. Nachdem die drei Zeilen so behandelt sind, folgen die Zeilen 4 und 5 im ersten Satz vierstimmig. Im zweiten Satz werden die Zeilen 4 und 5 zunächst in einem imitatorischen Chorsatz über die Melodie von Zeile 4 durchgeführt, dann leitet ein Secco-Rezitativ zu einer Wiederholung der beiden Zeilen, diesmal vierstimmig wie im ersten Satz.

Die einzige Arie steht im tänzerischen 6/8-Takt und wird dominiert von Figurationen der ersten Violine. Die dritte Strophe des Chorals als vierstimmiger Chor beendet die Kantate.[2]

Bach benutzte die Arie als Vorlage für das Gratias seiner Messe G-Dur, BWV 236.

Einspielungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chorale Melodies used in Bach's Vocal Works Warum betrübst du dich, mein Herz (englisch) bach-cantatas. 2006. Abgerufen am 6. September 2010.
  2. a b c Alfred Dürr: Die Kantaten von Johann Sebastian Bach, Bärenreiter, 1971.
  3. John Eliot Gardiner: Cantatas for the Fifteenth Sunday after Trinity Unser Lieben Frauen, Bremen (englisch) monteverdiproductions.co.uk. 2000. Abgerufen am 6. September 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]