Zarah – Wilde Jahre

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Seriendaten
Originaltitel Zarah – Wilde Jahre
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr 2017
Produktions-
unternehmen
Bantry Bay Productions
Länge ca. 45 Minuten
Episoden 6 in 1 Staffel
Ausstrahlungs-
turnus
wöchentlich donnerstags
Genre Dramedy
Regie Richard Huber
Drehbuch Eva und Volker A. Zahn
Produktion Jan Kromschröder,
Eva Holtmann
Musik René Dohmen, Joachim Dürbeck
Kamera Robert Berghoff
Erstausstrahlung 7. September 2017 auf ZDF
Besetzung

Zarah – Wilde Jahre ist eine in Hamburg spielende deutsche Fernsehserie über eine engagierte und eigenwillige Journalistin, die in den frühen 1970er Jahren für die Emanzipation der Frau und gegen die patriarchalen Strukturen eines mächtigen Printmagazins – teilweise mit harten Bandagen – kämpft. Nachdem die ersten beiden Folgen zur Hauptsendezeit im ZDF gesendet wurden, wurde die Ausstrahlung der Folgesendungen zur gleichen Sendezeit nach ZDFneo verschoben, im Nachtprogramm des ZDF findet am gleichen Sendetag eine Wiederholung der jeweiligen Episode statt.[1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drehort für die Redaktion der Relevant war ein ehemaliges Bankgebäude an der Hamburger Zollenbrücke.

Schauplatz der Serie ist die Welt der Printmedien der 1970er Jahre: Zarah spielt im Jahr 1973, als Feminismus und der große Journalismus noch sehr entfernte Welten darstellten. „Wir haben abgetrieben!“ lautete der von Alice Schwarzer initiierte Titel des Stern am 6. Juni 1971, auf dem 374 zum Teil prominente Frauen erklärten, abgetrieben zu haben – worauf damals eine Zuchthaus-Strafe stand. Am 8. Dezember 1977 erschien z. B. im Stern die Titelgeschichte von Ingrid Kolb Deutsche Chefs – Ferkel im Betrieb, in der Kolb acht Frauen über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu Wort kommen ließ. Der Text löste Empörung aus und führte zu zahlreichen wütenden Leserbriefen, Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn bezeichnete den Text als „lächerlich primitiv“.[2] Neben Schwarzer und Kolb nannte Produzent Jan Kromschröder auch Wibke Bruhns und Peggy Parnass als Vorbilder für das Profil der Protagonistin Zarah Wolf.[3]

Die Dreharbeiten fanden im Frühjahr 2017 in und um Hamburg statt, Drehort für die Redaktion der Relevant war ein 1870 erbautes ehemaliges Bankgebäude () an der Zollenbrücke.[3]

Auf Kritik stieß der Sendeplatz der Serie: Nach dem der Pilotfilm zur Hauptsendezeit im ZDF in Anschluss an „eine durchschnittliche Feelgood-Serie“ gesendet worden war, folgte die zweite Episode wegen einer Sendung zur Bundestagswahl 2017 erst nach zwei Wochen. Die weiteren Folgen wurden dann zwar ebenfalls um 21 Uhr, allerdings auf ZDFneo ausgestrahlt, im Nachtprogramm des ZDF folgte am selben Abend eine Wiederholung. Dass sich die von Kritikern gelobte Serie so zu „einem bitteren Flop“ entwickelte, war nach Ansicht von Hans Hoff „in Mainz … zu großen Teilen selbst zu verantworten“, „liefe sie bei Netflix, würde sie längst als der neue heiße Scheiß durch die sozialen Netzwerke wabern und hundertfach empfohlen werden, aber sie läuft nun mal beim ZDF“.[4] Auch rtv vertrat die Ansicht, der Sender mache „mit der neuen historischen Journalistenserie ‚Zarah‘ fast alles richtig – bis auf den Sendeplatz“.[5]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1973, die bekannte Publizistin Zarah Wolf will bei Relevant, dem auflagenstärksten Wochenmagazin, etwas bewegen, will politische Frauenthemen lancieren, mehr Feminismus wagen und in der muffeligen Herren-Redaktion mal etwas durchlüften. Sie sieht sich einer breiten Front unverbesserlicher Machos und Ignoranten gegenüber, aber sie hat einfach die zeitgemäßeren Argumente – und sieht besser aus.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Zarah – Wilde Jahre“ wurde in den Rezensionen vielfach als „deutsche Antwort“ auf die über Amazon Video ausgestrahlte US-Serie Good Girls Revolt bezeichnet,[2][6][7] allerdings mit weniger „Glamour und 70er-Jahre-Charme, denn die Büros bei ‚Zarah‘ sehen ganz schön piefig aus“.[8]

„Was ‚Zarah‘ … aktuell macht, ist der gründliche Blick in die Eingeweide einer Illustrierten, die vorgibt, fortschrittlich zu sein, und gleichzeitig die Würde der Frau mit Füßen tritt. Die Frage nach der Doppelmoral und jene nach dem Selbstverständnis der Medien weisen vom goldenen Zeitalter des analogen Print-Journalismus direkt in die Gegenwart eines mit allen Mitteln ums Überleben kämpfenden Gewerbes. Die Kritik am zynischen Medienapparat ist hier oft ähnlich wie bei Helmut DietlsKir Royal‘ in harmlosem Gesellschaftsgeplauder verpackt und dabei übrigens nicht weniger scharf formuliert. Diesseits und jenseits der Frage nach Gleichberechtigung gäbe es für eine zweite Staffel allerlei kritische Anknüpfungspunkte.“

Claudia Schwartz: Neue Zürcher Zeitung[9]

„In manchen Szenen entsteht … der Eindruck, als ob die Autoren und der Regisseur Richard Huber (warum eigentlich keine Frau?) nicht genau wissen, worum genau es bei Feminismus eigentlich geht, und das Thema nutzen, um Klischees abzubilden und sich lustig zu machen – Latzhosen und Vagina-Erkundungen inklusive. Komplett missraten ist die erste Folge dennoch nicht. Es gibt eine ganze Reihe von Erzählsträngen und Charakteren, die neugierig machen. In den weiteren Folgen nimmt die Qualität dann auch zu, …“

Sven Sakowitz: die tageszeitung[10]

„Das Tempo ist hoch, die Dramaturgie gut durchdacht. … Ein Vergleich mit ‚Mad Men‘ verbietet sich …, denn dafür ist die Handlung des Drehbuchs … zu aufgedreht, zu comedygetrieben (eine müde Karikatur ist etwa der Rockstar Tom Stroker in der Auftaktepisode) und vor allem zu retro-engagiert. … Trotz dieser Einwände handelt es sich um einen weiteren erfreulichen Versuch, anderes Fernsehen zu machen, das sich von ZDF-Serien wie ‚Der Bergdoktor‘ oder ‚Bettys Diagnose‘ kategorial unterscheidet. Und man verzeiht ja auch gern manche kleine Plumpheit, wenn das Gesamtergebnis derart flott, gutgelaunt und stylish daherkommt.“

„In der neuen ZDF-Serie ‚Zarah‘ kämpft eine Journalistin für Gleichberechtigung. Das könnte brandaktuell sein – der Sender verlegt die Geschichte aber vorsichtshalber weit in die Vergangenheit. … ‚Zarah‘ will unterhaltsam sein, wie man es im ZDF donnerstags um 21 Uhr eben ist, nicht politisch oder relevant, und niemand hat behauptet, dass es sich um eine Doku handelt. Aber eine sechsteilige Geschichte über Feminismus und Machogehabe zu erzählen, und dann auch da, wo es wirklich nicht nötig ist, jedes dämliche Geschlechtsstereotyp zu bedienen, das schafft eben auch nicht jeder.“

Katharina Riehl: Süddeutsche Zeitung[2]

„Mit ‚Zarah‘ ist dem ZDF eine Hommage an die Zeit des großen Journalismus gelungen, die zugleich eine Demontage ist. Magazine bestimmten damals, worüber die Republik sprach. Blattmacher waren Fürsten; von Cognac und Zigaretten auf Betriebstemperatur gebracht, drehten sie das große Rad. Frauen waren Staffage.“

Alexander Kühn: Der Spiegel[6]

„Das ist beste Fernsehunterhaltung – realitätsnah, wahrhaftig & pointiert erfunden zugleich, das ist klug, gewitzt, cool, sexy, hat ein stimmiges Tempo ... & eine hinreißende Hauptdarstellerin. … ‚Zarah – Wilde Jahre‘ besitzt für hiesige Verhältnisse ein ungewöhnliches Konzept: eine Primetime-Serie als historisches Drama, das ein Stück weit auch deutsche Emanzipations- und Mediengeschichte schreibt. Der Serie liegt ein gut recherchiertes Drehbuch zugrunde, bei dem man auch im Detail erkennen kann, dass hier ehemalige Journalisten am Werke waren. Die ‚Relevant‘-Mitarbeiter besitzen bei aller – vermeintlich klischeehaften – Überspitzung einen wahrhaftigen Kern, und einige entpuppen sich im Laufe der Handlung als vielschichtiger, als auf den ersten Blick angenommen. Die Besetzung kommt bis in die kleinsten Rollen ohne Schwachpunkte aus.“

Rainer Tittelbach: Tittelbach.tv[12]

„‚Zarah‘ ist nicht so sehr eine Serie über eine bestimmte Zeit, als vielmehr eine Serie über zeitlose Themen, die in einer ganz bestimmten Zeit angesiedelt ist – einer Zeit, in der diese Themen besondere Bedeutung haben: Es geht um Auflehnung und Aufbruch, um Werte wie Mut und Integrität. ‚Zarah‘ ist damit eines der wenigen deutschen Period Dramas, das sich nicht mit dem Abfilmen einer pittoresk ausstaffierten Vergangenheit begnügt, vor der Banalitäten abgespult werden, sondern das seine erzählte Zeit als Ausgangspunkt nimmt, nicht nur, um über eine noch nicht lang zurückliegende Vergangenheit zu reflektieren, sondern aktuell allgegenwärtige Themen aufzugreifen: politische wie soziale wie höchstpersönliche, universelle. Und das alles noch dazu sehr klug erzählt, nah an den Figuren, intellektuell scharfsinnig wie emotional ergreifend, toll gespielt und mit sehr hohem Production Value sowieso. Eine großartige Bereicherung der deutschen Serienlandschaft.“

Julian Miller: quotenmeter.de[13]

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rolle Schauspieler Hauptrolle
(Staffel)
Anmerkungen (mit Handlungshinweisen)
Zarah Wolf Claudia Eisinger 1.01–1.06 die bekannte Publizistin will bei „Relevant“, dem auflagenstärksten Wochenmagazin, etwas bewegen
Hans-Peter Kerckow Torben Liebrecht 1.01–1.06 Chefredakteur bei „Relevant“, gegen dessen Willen Zarah Wolf als seine Stellvertreterin eingestellt wurde
Jenny Olsen Svenja Jung 1.01–1.06 Praktikantin Jenny „Big Daddy“ Olsen und Verlegertochter, die sich in Zarah Wolf verliebt
Frederik Olsen Uwe Preuss 1.01–1.06 Verleger des „Relevant“
Georg Hartwig Ole Puppe 1.01–1.06 Kultur-Chef des „Relevant“
Wolfgang Schaffelgerber Jörn Hentschel 1.01–1.06 Politik-Chef des „Relevant“
Karin Simonis Milena Dreißig 1.01–1.06 Redakteurin „Frauen, Mode, Lebensart“ bei „Relevant“
Brigitte Jansen Theresa Underberg 1.01–1.06 Chef-Sekretärin von Kerckow
Rudolf Mensing Martin Horn 1.01–1.06 Chef vom Dienst des „Relevant“
Tom Balkow Leon Ullrich 1.01–1.06 Leiter der Grafik des „Relevant“
Bella Hausmann Katharina Heyer 1.03 im Pariser Exil lebende Diva, die deutschen Zeitungen seit Jahren kein Interview mehr gegeben hat

Episoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Titel Erstausstrahlung ZDFneo ZDF ZDFmediathek
Marktanteil gesamt 14–49 Jahre Marktanteil gesamt 14–49 Jahre
1.01 Titel & Titten 7. September 2017 7,5 % (2,12 Mio.) 4,6 % (410.000)[14] 24. August 2017
1.02 Deutschlands grausamste Emanze 21. September 2017 5,7 % (1,64 Mio.) 4,3 % (410.000)[15] 7. September 2017
1.03 Ich hab auf sein Grab gepinkelt 28. September 2017 1,4 % (400.000) 0,3 % (30.000) 8,4 % (0,45 Mio.) [16] 14. September 2017
1.04 Ein Festival der Liebe 5. Oktober 2017 0,7 % (210.000) 0,3 %[17] 5,7 % (0,37 Mio) 21. September 2017
1.05 Ballern und bumsen 12. Oktober 2017 1,1 % (320.000) 0,5 % 7,2 % (0,33 Mio.) [18] 28. September 2017
1.06 Papi ist der Beste! 19. Oktober 2017 0,7 % (210.000) 0,9 % 0000 (0,24 Mio.)[19] 5. Oktober 2017

Episode 1 und 2 wurden jeweils um 21 Uhr im ZDF ausgestrahlt, die folgenden Episoden liefen zur gleichen Sendezeit auf ZDFneo und wurden jeweils am selben Abend um 0:45 Uhr (Episode 6 um 0:12 Uhr) im Nachtprogramm des ZDF wiederholt. Jeweils zwei Wochen vor dem Sendetermin standen die Folgen zum Abruf über die ZDFmediathek bereit.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joachim Huber: Journalisten sind keine TV-Lieblinge. In: Tagesspiegel. 26. September 2017
  2. a b c Katharina Riehl: Jedes dämliche Geschlechtsstereotyp bedient In: Süddeutsche Zeitung. 1. September 2017.
  3. a b Hanna Grabbe: Bild der Frau. In: Die Zeit, 5. Juli 2017
  4. Hans Hoff: „Zarah“ im ZDF: Ein vermeidbarer Fehlschlag. In: dwdl.de. 8. Oktober 2017
  5. Csaba Lázár: Starke Vorstellung. In: rtv. abgerufen am 13. Oktober 2017
  6. a b Alexander Kühn: Bringt mir einen Männerarsch! In: Der Spiegel. 7. September 2017.
  7. Jennifer Wilton: Gab’s das nicht schon bei Amazon? In: Die Welt, 7. September 2017
  8. Sarah Stendel: Die Macho-Welt der 70er - ausgerechnet im ZDF. In: Stern. 31. August 2017
  9. Claudia Schwartz: Vorne der nackte Busen und weit hinten „Feminismus für Doofe“. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. September 2017.
  10. Sven Sakowitz: Im Kampf gegen die Macker. In: die tageszeitung. 7. September 2017.
  11. Oliver Jungen: Die Stellvertreterin. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 7. September 2017.
  12. Volker Bergmeister: Serie „Zarah – Wilde Jahre“ In: Tittelbach.tv. Abgerufen am 7. September 2017.
  13. Julian Miller: „Zarah“. In: quotenmeter.de. 6. September 2017
  14. Jens Schröder: ZDF-Neulinge: Solider Start für „Das Pubertier“, miserabler für Journalisten-Serie „Zarah – Wilde Jahre“. In: Meedia. 8. September 2017
  15. Robert Meyer: „Pubertier“ und „Zarah“ mit empfindlichen Verlusten. In: Meedia. 22. September 2017
  16. Timo Niemeier: „Pubertier“ verliert weiter, „Zarah“ bei ZDFneo schwach. In: DWDL.de. 29. September 2017
  17. Timo Niemeier: „Dr. Bruckner“ ist bei RTLplus noch kein Straßenfeger. In: DWDL.de. 6. Oktober 2017
  18. Manuel Weis: Neue ZDF-Serien: „Pubertier“ endet schwach. In: quotenmeter.de. 13. Oktober 2017
  19. Uwe Mantel: „Usedom-Krimi“ im Ersten knackt die 6-Millionen-Marke. In: dwdl.de. 20. Oktober 2017