Autoreisezug

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Autoreisezug von München nach Dortmund in Ingolstadt

Ein Autoreisezug ist ein für längere Reisestrecken von Eisenbahngesellschaften zusammengestellter Zug. Neben Personen werden in speziellen Autoreisezugwagen die Fahrzeuge der mitreisenden Passagiere transportiert.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Einsatzbereiche

Autoreisezüge werden für den Transport von Bahnreisenden und ihren Fahrzeugen über längere Strecken eingesetzt. Transportmöglichkeiten sind für diverse Fahrzeugtypen (Motorrad bis Wohnmobil) vorhanden. In der Regel verfügen die Züge zusätzlich zu den normalen Reisezugwagen über Liege-, Schlaf- und Speisewagen. Autoreisezüge verbinden die Metropolen Europas mit beliebten Ferienregionen. Auch in den USA werden Autoreisezüge betrieben. International werden diese Züge meist Auto-Train genannt. Durch wenige Zwischenstops wird eine hohe Reisegeschwindigkeit erreicht. Es gibt auch normale Reisezüge, die in einem bestimmten Abschnitt Autotransportwagen mitführen. Je nach Betreiber und Strecke ergeben sich Besonderheiten der Einsatzbereiche; beispielsweise Kurzstrecken für Tunneltransporte[1] [2]. Im Gegensatz zur Autoverladung bleiben die Reisenden nicht in ihren Fahrzeugen sitzen.

[Bearbeiten] Geschichte

In Deutschland wurden Autoreisezüge zum 1. April 1930 als Auto-Gepäck-Verkehr von der Deutschen Reichsbahn eingeführt. Dabei wurde das Auto aufgegeben und in einem separaten Zug zum Zielbahnhof befördert. In den 1940er Jahren wurden Pläne für doppelstöckige, geschlossene Autotransportwagen entwickelt, die im fortgeschreitenden Zweiten Weltkrieg nicht mehr umgesetzt wurden.[3]

1956 griff die damalige Deutsche Bundesbahn das Konzept des Autoreisezuges auf und baute dazu spezielle, doppelstöckige, geschlossene Autotransportwagen. Am 25. Juni 1956 wurde die erste ARZ-Verbindung zwischen Hamburg und Chiasso angeboten und viermal pro Woche bedient. 1956 wurden dabei 930 Autos befördert.[3]

Bis 1973 wurde die Zahl der Autozugrelationen auf 163 Verbindungen gesteigert. Im Jahr der ersten Ölkrise (1973) wurde mit 185.500 transportierten Fahrzeugen ein Höchstwert erreicht.[3]

Seit 1996 betreibt die Deutsche Bahn diese Züge unter der Bezeichnung Autozug. In den Jahren 2007 und 2008 hat die Bahn in Deutschland ihr Angebot an Verbindungen sehr stark ausgedünnt. 2009 wurden nochmals weitere Verbindungen aufgegeben.

[Bearbeiten] Internationale Angebote

In Europa besteht das dichteste Netz für Autoreisezüge. Zusätzlich werden weltweit weitere Züge angeboten. International besteht ein Trend zur Privatisierung der Eisenbahngesellschaften. Teilweise wurden vor diesem Hintergrund Autoreisezüge eingestellt.

  • Australien: Motorail, Autoreisezüge auf drei Achsen: Indian Pacific, The Ghan, The Overland
  • Belgien: auto-train Betrieb 2003 eingestellt
  • Canada: Auto Train Betrieb eingestellt
  • Chile: AutoTren / Transporte de automóviles
  • Eurotunnel: What do you drive?
  • Finnland: CarTrain
  • Frankreich: AutoTrain (umfangreiches Netz)
  • Griechenland: Agenturbetrieb
  • Großbritannien: Motorail (Betrieb von 1955 bis 2005)
  • Italien: Travelling with car on board (Viaggiare con auto al seguito)
  • Niederlande: Motorail/Autotrein derzeit eingestellt, aktiv: autoslaaptrein (drei Relationen)
  • Schweiz: Autoreisezug
  • Serbien: (Jugoslawien) PREVOZ PRAĆENIH AUTOMOBILA
  • Slowakei: Autovlak
  • Tschechien: Autovlak
  • Türkei: Agenturbetrieb
  • USA: Auto Train

[Bearbeiten] Terminals

Einfahrt zum Autozug-Terminal von DB AutoZug im Bahnhof Berlin-Wannsee

Die Bahnhöfe, auf denen Verlademöglichkeiten für die Autoreisezüge bereitgehalten werden, heißen Terminalbahnhof oder Terminal.

Autozug der Deutschen Bahn betreibt nationale Terminals in folgenden Bahnhöfen: Berlin-Wannsee, Düsseldorf, Hamburg-Altona, Hildesheim, Lörrach, München-Ost und Neu Isenburg.

Internationale Terminals, die von Deutschland aus als Zielort genutzt werden können, sind:

Weitere Terminals, die in Europa betrieben werden:

[Bearbeiten] Beförderungstarife

Die Beförderungstarife lassen sich online abfragen. Die Preisgestaltung variiert stark, abhängig von Buchungstagen und Sonderangeboten. Der Fahrpreis für eine Person ist meist im Preis enthalten (Ausnahme Fahrzeugmitnahme). Der Pauschaltarif (Fahrplan 2008) der SBB (Schweiz) beträgt 40 CHF .

  • Tarifbeispiel 2008 Düsseldorf–Villach, einfache Strecke: Standard-PKW von 9 Euro (Anhang[5]: Besonderes Preisangebot „Schnellbucher-Fahrzeugmitnahme für 9,00 Euro“) bis 264 Euro

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Tunneltransporte in der Schweiz
  2. Eurotunnel nach Großbritannien
  3. a b c Thomas Siefer: Das Auto auf der Bahn – Gedanken über den Autoreisezug (ARZ). In: R. Kracke (Hrsg.): Eisenbahn auf neuen Wegen – Forschung und Innovation für den Schienenverkehr der Zukunft (Wissenschaftliche Arbeiten, Nr. 30), Institut für Verkehrswesen, Eisenbahnbau und -betrieb der Universität Hannover, Hannover, 1987.
  4. dbautozug.de: Autozug Terminals in Italien mit Verkehrsbestimmungen und Ländertipps, Zugriff am 6. Mai 2011
  5. Beförderungsbedingungen für die Benutzung von Zügen des Produktes DB Autozug (PDF-Datei)

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Transport of vehicles by rail – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen