Balje

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Dieser Artikel behandelt den Ort Balje. Für weitere Bedeutungen siehe Balje (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Balje
Balje
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Balje hervorgehoben
53.8327777777789.13527777777782Koordinaten: 53° 50′ N, 9° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Stade
Samtgemeinde: Nordkehdingen
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 58,09 km²
Einwohner: 1002 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 17 Einwohner je km²
Postleitzahl: 21730
Vorwahlen: 04752, 04753
Kfz-Kennzeichen: STD
Gemeindeschlüssel: 03 3 59 004
Gemeindegliederung: 23 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstr. 28
21730 Balje
Webpräsenz: www.nordkehdingen.de
Bürgermeister: Hermann Bösch (CDU)
Lage der Gemeinde Balje im Landkreis Stade
Balje Krummendeich Freiburg/Elbe Oederquart Wischhafen Drochtersen Großenwörden Engelschoff Hammah Düdenbüttel Himmelpforten Burweg Kranenburg Estorf Oldendorf Heinbockel Stade Deinste Fredenbeck Kutenholz Jork Buxtehude Apensen Beckdorf Sauensiek Ahlerstedt Brest Bargstedt Harsefeld Nottensdorf Bliedersdorf Horneburg Dollern Agathenburg Landkreis Stade Niedersachsen Landkreis Cuxhaven Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Harburg Hamburg Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Grünendeich Mittelnkirchen Neuenkirchen Guderhandviertel Steinkirchen Hollern-TwielenflethKarte
Über dieses Bild

Balje [ˈbaljə] ist eine niedersächsische Gemeinde im Landkreis Stade und seit 1971 Teil der Samtgemeinde Nordkehdingen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Balje befindet sich im Land Kehdingen, zwischen Oste und Elbe – die Stadt Brunsbüttel befindet sich am gegenüberliegenden Elbufer. Die Landschaft ist geprägt durch den Elbdeich, der in die Abschnitte Hörner Außendeich (direkt an der Oste-Mündung) und Baljer Außendeich untergliedert ist, östlich schließen sich der Wechtern-Außendeich und der Stellenfleth-Außendeich an.

Durch das Ortsgebiet führt die Landesstraße 111, die Freiburg/Elbe mit Neuhaus (Oste) verbindet.

Der Ort liegt an der Deutschen Fährstraße.

Geologie[Bearbeiten]

Das Kehdinger Land ist Moor- und Marsch-Gebiet und liegt zum Teil unter dem Meeresspiegel. Das Kulturland war daher früher regelmäßig überflutet. Erst umfassende Eindeichungen konnten das Gebiet am Südufer der Unterelbe dauerhaft gegen Sturmfluten sichern.

Ausdehnung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Da Balje bis heute weitgehend landwirtschaftlich geprägt ist, nehmen Ackerland, Marschwiesen und Obsthöfe einen großen Teil der Gemarkung ein. Die Ortsteile ziehen sich entsprechend an den Straßen entlang, die das Gebiet durchziehen. Wald ist im Ort kaum vorhanden.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Balje grenzt im Westen an Neuhaus (Oste) und Belum, im Süden an Geversdorf und im Osten an Oederquart und Krummendeich.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Neben dem eigentlichen Ort Balje gehören zur Gemeinde folgende Ortschaften:

  • Elbdeich
  • Hörne
  • Neuenhof
  • Altenwisch
  • Kukenbüttel
  • Mühlenwisch
  • Wisch
  • Feldhof
  • Faulenhofe
  • Außendeich
  • Wehlken
  • Baljerdorf
  • Rittershausen
  • Süderdeich-West
  • Süderdeich-Ost
  • Rosenkranz
  • Hünkenbüttel
  • Eggerkamp
  • Breitendeich
  • Wetterdeich
  • Vogelschutzgebiet Hullen
  • Eierdorf

Geschichte[Bearbeiten]

Das Wort Balje oder Balge bedeutet (schiffbare) Wasserrinne im Watt.

Das Kehdinger Land stellte ursprünglich eine Insellandschaft der Niederelbe dar, die erst um die Zeitenwende allmählich verschlickte, wobei sich drei größere Inseln herausbildeten: die Baljer Insel, die Insel Wechten und die Hamelwördener Insel. Plinius, der mit einer römischen Flotte bis zur Elbe gelangte, berichtet, die Uferanier lebten überwiegend vom Fischfang, wobei Netze aus Schilf und Sumpfbinsen gedreht wurden.

Unter den Karolingern hat vermutlich in Hamelwörden, also etwas östlich des heutigen Balje, eine Zollstation existiert. Als Schifffahrtsweg diente allerdings nicht allein die Elbe selbst, sondern auch deren zahlreiche Seitenpriele, zumal die Landwege oft schlecht passierbar waren und Brücken, Stege und (später) Schleusen dafür sorgten, dass auch auf den Wasserwegen des Marschlandes Schiffsverkehr möglich war. Im Verlauf des Mittelalters bildete sich auf der ursprünglich nur aus Schlick bestehenden amphibischen Landschaft eine typische Ufervegetation, sodass das Gebiet als Wiesen nutzbar wurde, während es sich bei dem Moor um für die menschliche Nutzung eher ungeeignetes Hochmoor handelte.

Eine stärkere Besiedelung der Moore erfolgte erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, als vor allem mittellose Tagelöhner das Gebiet als Siedlungsgebiet entdeckten, wobei sie in der Regel Land von den Marschbauern zugewiesen bekamen. Neben der landwirtschaftlichen Nutzung wurde der Abbau von Schwarztorf betrieben, der zur Produktion von Ziegeln benötigt wurde; die arbeitsintensive Gewinnung überstand allerdings die Industrialisierung nicht, da nunmehr kostengünstigere Konkurrenzprodukte aus anderen Gegenden zur Verfügung standen.

Bauernhaus an der Oste

Kirchlich unterstand die Gemeinde mit ihrer alten Kirche, die später niederbrannte, dem Bistum Bremen, dessen Landesherrschaft es auch politisch unterstand. Wie andere Bauernschaften an der Nordsee auch, genossen allerdings auch die Kehdinger Bauern immer ein gewisses Maß an Autonomie. So wurden die Grafen und Hauptleute, die das Land im Namen des Bischofs verwalteten, vom Volk gewählt, und als Appellationsgericht diente das Landgericht in Stade. 1648 kam das Gebiet mit dem Westfälischen Frieden an Schweden. 1719 fiel es an das Kurfürstentum Hannover, mit dem es 1866 preußisch wurde. Im Zweiten Weltkrieg beherbergte Balje u. a. die Stabsbatterie einer Marineflak-Abteilung zum Schutz der auf der gegenüberliegenden Elbseite bei Brunsbüttel gelegenen Kanalschleusen. Seit 1947 ist Balje Teil des Landes Niedersachsen. Ursprünglich war es eine Gemeinde im Kreis Kehdingen, der 1932 in den Landkreis Stade integriert wurde.

Herkunft des Ortsnamen[Bearbeiten]

Es ist von Balga/Balge auszugehen. Das steht für niederdeutsch balge "niedriger, sumpfiger Ort, Wasserlauf", balje, balge "Graben oder Aushöhlung, darin noch etwas Wasser übrig bleibt, wenn gleich das andere abgelaufen", niederdeutsch balge "Flußrinne, Arm eines größeren Flusses, tiefe Rinne zwischen Sandbänken an der Küste", mittelniederdeutsch balge, ballige "Vertiefung im Watt, die auch bei der Ebbe voll Wasser bleibt".

Das Wort ist nicht nur an der deutschen Nordseeküste in Namen bezeugt (Balge, Balje, Sielbalje, Baljer Loch, Ossenbalge), sondern auch in den Niederlanden, Belgien und Nordfrankreich (Bailly, a. 1061 Allodium de Balgiis; Balgooi in Gelderland, a. 1172 in pago qui Balgoie nuncupatur, und auch im dt. Binnenland: Balg, OT. von Baden-Baden; Balge, ON. bei Nienburg/Weser, um a. 1080 (K. 12./13. Jahrhundert, Adam v. Bremen) Balga; Balge, ehemaliger Hafen in Bremen, a. 1384 Iuxta Balgam.[2]).

Religionen[Bearbeiten]

Die Bewohner der Gemeinde Balje sind überwiegend evangelisch. Die Kirche befindet sich im Ortsteil Balje.

Vordeichgelände und Vogelschutzgebiet

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1987 1992 1997 2002 2007 2008 2009 2010 2011
Einwohner 1.173 1.221 1.114 1.107 1.098 1.068 1.049 1.051 1.025

(jeweils zum 31. Dezember)[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Hermann Bösch (CDU)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Balje, das am 26. April 1948 verliehen wurde, zeigt in Blau über silbernem Schildfuß mit Wellenschnitt schwebend eine goldene Glocke mit Klöppel.

Das Wappen erinnert damit an eine Sage, wonach die Baljer einst bei einer Überschwemmung die Glocken der Brunsbütteler Kirche entführt haben sollen. Daraufhin sollen die Glocken bei Westwind hinübergerufen haben: "Na Brunsbüttel!" Dies soll so lange gedauert haben, bis eines Tages die Brunsbütteler bei einer Überschwemmung des Kehdinger Landes zu Hilfe kamen, die Glocke aber den Baljern überließen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Natureum
Alter und neuer Leuchtturm im Außendeich
Mittelalterliches Dorf „Op de Horn” im Ortsteil Hörne

Museen[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

An Vereinen sind im Balje ansässig:

  • Angelverein Balje "He Tütt"
  • Baljer Schützengesellschaft 1691
  • Gemischter Chor Balje e. V.
  • Sozialverband Deutschland - Balje
  • Sport-Club Balje
  • Landjugend Balje
  • Fetenkomitäää Balje
  • FV Baljer Leuchtturm von 1904 e.V.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • St. Marien-Kirche, Backsteinbau, erbaut 1938 an der Stelle der niedergebrannten mittelalterlichen Kirche.
  • Mittelalterliches Dorf "Op de Horn", im Ortsteil Hörne: Gutsgelände mit 8 Gebäuden im mittelalterlichen Stil und einem historischen Garten.
  • 2 Leuchttürme am Ufer der Niederelbe
  • das Ostesperrwerk

Parks[Bearbeiten]

Garten des Dorfes Op de Horn

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Vordeichgelände und Vogelschutzgebiet

Verkehr[Bearbeiten]

Anbindung über die Straße Freiburg–Geversdorf–Neuhaus, dort Anschluss an die B 73. Es besteht eine Buslinie (2025) von Stade nach Itzwörden-Geversdorf. Nächster Bahnhof ist Cadenberge an der Strecke Cuxhaven-Hamburg.

Die Nordstrecke der schmalspurigen Kehdinger Kreisbahn, welche Balje mit Freiburg/Elbe und Itzwörden verband, wurde bereits 1933 stillgelegt und bis 1935 vollständig demontiert.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

An Unternehmen im Ort sind zu nennen: Zwei Bankfilialen (Kreissparkasse, Volksbank), die Gaststätte "Armer Ritter", das Hotel "Zwei Linden", eine Pension, Betriebe für Yachtausrüstungen, Baggerarbeiten, Fensterbau, Holzbau, Klärtechnik, Heizung-Elektro-Sanitärbetrieb, Stahlbau, zwei Schreinereien, ein Taxibetrieb, der Superbrain Verlag & Dienstleistung, sowie eine Reihe von Obstbauern und einen Dienstleister für landwirtschaftliche Betriebe.

Bildung[Bearbeiten]

Grundschule (Bahnhofstr.)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Prof. Dr. Hermann Schlichting (* 22. September 1907 in Balje; † 15. Juni 1982 in Göttingen) war ein deutscher Strömungsmechaniker.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Balje – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Der "Ortsnamenforscher" auf NDR 1 Niedersachsen. Recherche Jürgen Udolph
  3. LSKN-Online