Autobianchi

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Autobianchi [autoˈbi̯aŋki] war eine italienische Automobilmarke mit Sitz in Mailand und Werk in Desio, die von 1955 bis 1995 existierte. Im Jahr 2014 soll die Marke nach Medienberichten vom Mutterkonzern Fiat wiederbelebt werden. Ähnlich wie Renault mit Dacia möchte Fiat damit Fahrzeuge im Niedrigpreissegment anbieten. Geplant ist vorerst eine Limousine auf Basis des eingestellten Grande Punto, welche in Russland und Polen gebaut und zu Preisen ab 5000€ vor allem in Osteuropa angeboten werden soll.[1]

Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Mailänder Firma Bianchi, die Ende des 19. Jahrhunderts von Eduardo Bianchi gegründet worden war und seit 1905 auch Automobile produzierte, die Automobilherstellung aus finanziellen Gründen nicht alleine wieder aufnehmen. 1955 gründete Bianchi deshalb zusammen mit Fiat und Pirelli die Firma Autobianchi. Bereits im Jahr 1958, in dem der Vertrieb des ersten Autobianchi-Modells Bianchina gestartet wurde, musste Bianchi seine Firmenanteile an die Partnerunternehmen abtreten.

Bekannt wurde Autobianchi in den 1960er Jahren mit der Primula und der Giardiniera, einem Kombi auf Basis des Fiat Nuova 500.

Ab 1967 war Autobianchi eine vollständige Tochter von Fiat. Fiat benutzte die Marke Autobianchi, um die neue Technik des Frontantriebs mit Quermotor und meistens auch Heckklappe in kleinen Serien am Markt auszuprobieren, ohne den Ruf der Marke Fiat zu gefährden. Die Primula war das erste Auto aus dem Fiat-Konzern, die mit dieser Technik ausgestattet war. Außerdem wurden die Autobianchi immer etwas edler gestaltet und ausgestattet als ihre Vettern von Fiat. Sie bedienten einen Nischenmarkt und waren folglich auch teurer.

Später erschienen der A111 und der A112. Der A111 war eine dem Fiat 124 ähnliche, viertürige Mittelklasselimousine, die analog der Primula (und im Gegensatz zum Fiat 124) mit Quermotor und Frontantrieb ausgestattet war und in dieser Konzeption den Fiat 128 antizipierte. Ähnlich verhielt es sich im Falle des A112, mit dem man technisch wie konzeptionell den Fiat 127 vorwegnahm (mit dem Unterschied einer etwas kürzeren Baulänge: 323 statt 359 cm). Der A112 wurde zum erfolgreichsten Modell der Marke und erreichte eine Produktionsdauer von 17 Jahren. Carlo Abarth, Gründer des gleichnamigen Rennwagen-Herstellers in Turin, erkannte rasch die Qualitäten des Mailänders und präsentierte 1971 einen Prototyp mit 107 PS. Weil eine derart motorisierte Version die von den Produktverantwortlichen gesetzten Preisgrenzen überschritten hätte, musste sich Abarth mit zunächst 58 PS (A112 58HP) begnügen. Doch schon 1975 (mit der dritten Bauserie) durfte Abarth, in dessen Turiner Werk am Corso Marche die Motoren gebaut wurden, den A112 70HP mit 70 PS herstellen.

Zumindest außerhalb des heimischen Marktes verkörperte der A112 das letzte Modell der Marke Autobianchi. Denn nachdem Fiat – die gemeinsame Muttergesellschaft von Autobianchi und Lancia – 1975 entschied, das Autobianchi-Werk unter die Regie Lancias zu stellen, erfolgte mit Erscheinen der vierten Serie 1977 sukzessive die Umstellung auf die Marke Lancia in den meisten Exportmärkten, in Deutschland ab 1982. Aus Sicht der Konzernleitung eine logische Entscheidung, da Lancia und Autobianchi die gleiche Kundschaft bediente, aber Lancia ein typischer Stadt- oder Kleinwagen im Programm fehlte, ließ sich dieses mit dem A112 perfekt abrunden. Im Jahr 1985 präsentierte Lancia auf dem Genfer Automobilsalon als Nachfolgemodell für den A112 den Lancia Y10. Bedingt durch das gemeinsame Händlernetz von Lancia-Autobianchi in Italien verwendete Lancia auch für den Y10 Logo und Signet von Autobianchi. Doch mit Auslaufen der Y10-Produktion 1995 und Markteinführung des Nachfolgers Lancia Y stellte Lancia die Marke Autobianchi ebenfalls auch in Italien ein.


Zeitleiste der Lancia- und Autobianchi-Modelle von 1945 bis heute
Typ Lancia, bis 1969 unabhängig 1969 von Fiat gekauft, seitdem Typennummernkreis von Fiat
Autobianchi, JV zwischen Bianchi, Fiat und Pirelli ab 1967 100 % Teil des Fiat-Konzerns im Ausland als Lancia, in Italien als Autobianchi
1940er 1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er
5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3
Kleinstwagen Bianchina Giardinera
Kleinwagen A112 Y10 (156) Y (840) Ypsilon (843) Ypsilon (846)
Kompaktklasse A111 Delta I[2] (831) Delta II (836) Delta III (844)
Mittelklasse Primula Prisma (831) Dedra (835) Lybra (839)
Ardea Appia Fulvia Beta / Trevi (828) Flavia
Obere Mittelklasse Flavia 2000 Gamma (830) Thema (834 / Y9) Kappa (838) Thesis (841) Thema
Coupé / Cabrio Stellina
Fulvia Coupé/Sport Beta Coupé[1] / Spider / Montecarlo (828)
Aurelia Flaminia Gamma Coupé/GT (830) Kappa Coupé
(838)
Sportwagen Stratos
Minivan Musa (350)
Van Zeta (220) Phedra (179) Voyager

[1] auch bei Seat in Spanien gebaut
[2] auch als Saab Lancia 600 in Skandinavien verkauft

  • Unter der Marke „Autobianchi“ vertrieben
  • In Italien unter der Marke „Autobianchi“, im Ausland als „Lancia“ vertrieben
  • Lancia-Modelle, gemeinsam mit PSA entwickelt und bei SEVEL auch als Peugeot, Citroën und Fiat gebaut
  • Lancia-Modelle, aus der Kooperation mit Chrysler, als Lancia in Europa vertrieben


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fiat will Autobianchi wiederbeleben. Autohaus Online vom 5. April 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Autobianchi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien