Breil/Brigels

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Brigels ist auch der deutsche Name der Ortschaft Breilles in der Gemeinde Barberêche im Kanton Freiburg.
Breil/Brigels
Wappen von Breil/Brigels
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Surselvaw
Kreis: Disentis
BFS-Nr.: 3981i1f3f4
Postleitzahl: 7165
Koordinaten: 723842 / 18081546.7679.061280Koordinaten: 46° 46′ 1″ N, 9° 3′ 36″ O; CH1903: 723842 / 180815
Höhe: 1'280 m ü. M.
Fläche: 50.64 km²
Einwohner: 1286 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 25 Einw. pro km²
Website: www.breil.ch
Breil/Brigels

Breil/Brigels

Karte
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Breil/Brigels (rätoromanisch Breil [bʁɔɪ̯l]?/i, deutsch Brigels) ist eine politische Gemeinde im Bezirk Surselva, Kreis Cadi des schweizerischen Kantons Graubünden.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: In Rot die silberne Muttergottes mit ausgebreiteten Armen auf einer Wolke sitzend.

Das Wappen ist die Umsetzung des Gemeindesiegels und zeigt die Himmelfahrt Mariens, wohl in Anlehnung an den Namen der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt.

Geographie[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde setzt sich zusammen aus den Dorfteilen Danis-Tavanasa, Dardin-Capeder, Breil/Brigels und dem Weiler Vali auf der rechten Talseite. Breil/Brigels grenzt im Osten an Waltensburg/Vuorz, im Süden an Obersaxen, im Westen an Trun und im Norden an Linthal im Kanton Glarus.

Den auf der rechten Talseite gelegenen Weiler Cathomen (walserisch: Tomahüss) trat Breil/Brigels 2003 an Obersaxen ab.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1960 1980 2000 2010
Einwohnerzahl 827 859 1272 1212 1327 1298

Offizielle Amtssprache der Gemeinde ist Romanisch. Die surselvische Mundart wird von (Stand 2000) 88 % der Bevölkerung gesprochen, davon von 80 % als Hauptsprache. Die grosse Mehrheit ist auch heute noch katholisch. Die Reformation konnte wegen des Einflusses des Klosters Disentis nicht Fuss fassen.

Burghügel (brigilo) St.Eusebius

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname Breil/Brigels ist eine Ableitung vom keltischen Stamm *briga «Berg, Hügel, Hügelfestung» mit dem Suffix -ilos.[3]

Eine Hügelfestung stand auf dem Hügel St. Eusebius (rät. Sogn Sievi). Im Frühmittelalter gab es im Dorfteil Cuort einen Zentralhof der rätischen Viktoriden mit dazugehörigen Gütern in Danis, Dardin, Schlans und Trun. Brigels wird 765 im Stiftungstestament des Churer Bischofs Tello erstmals als Bregelo erwähnt, in dem er den Zentralhof dem Kloster Disentis vermachte. Wahrscheinlich bald nach der Schenkung errichtete das Kloster für seine Eigenleute eine Kirche mit dem Disentiser Martinspatrozinium. Die Pfarrkirche könnte aber auch mit der in der Tello-Urkunde von 765 genannten Kirche ad sanctam Mariam identisch sein. Die Pfarrkirche S. Maria und die Kapelle St. Eusebius kamen 1185 durch päpstliche Bestätigung an das Kloster Disentis.

Im 13. Jahrhundert oblag der Abtei Disentis der Schutz des Landes, die Durchführung des Hochgerichts und die Verwaltung. Die Brigelser mussten dafür den Zehnten an Korn und Obst abliefern und am Verenatag mit den Leuten von Sumvitg in Frondienst für das Kloster fischen. Die Burg Marmarola, Wohnsitz der Familie Latour in der Zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, war wahrscheinlich ein Meierturm der Abtei. 1536 zogen rund 200 sogenannte äussere Freie von Laax nach Brigels, die sich in das Hochgericht Cadi einkauften und 1542 ein eigenes Statthaltergericht bekamen. Brigels bildete zusammen mit Medel den dritten Hof in der Cadi. 1550 forderten Pestzüge 316 und 1631 130 Tote. 1738 lösten die Einwohner die Zehntrechte ab. Die Bauern von Brigels benutzten den Kistenpass um ihr Vieh auf der Limmernalp und ihre Schafe im Muttseegebiet zu sömmern sowie als Verbindung ins Glarnerland. Auf Brigelser Boden standen zwölf Kirchen und Kapellen. Im 17. bis 19. Jahrhundert war Brigels dank der Familie Latour ein politisches Zentrum der Cadi.

1870 wurde die Strasse Brigels-Waltensburg/Vuorz und 1890 die Kantonsstrasse Tavanasa-Brigels erstellt, die dem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Sommertourismus zugutekamen. 1943 ändert die Gemeinde ihren bisherigen Namen Brigels amtlich in den romanisch-deutschen Doppelnamen Breil/Brigels. Seit 1945 ist Brigels Schiessplatz der Fliegerabwehr. Seit 1946 ein Zentrum der Elektrizitätswirtschaft, die in Brigels und Tavanasa ein Ausgleichsbecken und Zentralen unterhält. 1972 begann mit dem Ausbau der Skilifte Pez d’Artgas Entwicklung zum Wintersportzentrum zusammen mit Waltensburg/Vuorz. 1990 waren 15 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 35 % in Gewerbe und Industrie und 50 % im Dienstleistungssektor (Tourismus) tätig.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevorstand[Bearbeiten]

Dieser ist die Exekutive der Gemeinde und besteht aus fünf Personen, welche vom Volk für jeweils drei Jahre gewählt werden. Derzeitiger Gemeindepräsident ist Richard Caduff.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Dieser ist das Parlament und somit die Legislative der Gemeinde. Er besteht aus dreizehn für drei Jahre vom Volk gewählten Personen. Eine Besonderheit in Breil/Brigels ist die Vorschrift, dass alle Gemeindeteile (Fraktionen) in diesem Gremium vertreten sein müssen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Kirche von Danis

In Tavanasa betreiben die Kraftwerke Vorderrhein, ein Partnerunternehmen der Nordostschweizerischen Kraftwerken (NOK) eine Schaltanlage an der Zentrale Tavanasa.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde erreicht man mit der Rhätischen Bahn und ab Tavanasa mit dem Postauto. Nächstgelegener Autobahnanschluss ist Reichenau an der A13 .

Bildung[Bearbeiten]

In der Gemeinde gibt es zwei Schulhäuser. Im Schulhaus Brigels-Dorf werden Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse unterrichtet. Das gesamte Schulangebot (Kindergarten, Primarschule, Real- und Sekundarschule) bietet das Schulhaus Danis/Tavanasa an. Im Kindergarten und von der 1. bis 3. Schulklasse werden die Kinder ausschliesslich in Romanisch, ab der 4. Klasse immer mehr auf Deutsch unterrichtet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Wallfahrtskirche Kapelle St. Eusebius (rät. Sogn Sievi) mit dem romanischen Turm steht auf dem gleichnamigen keltisch/römischen Burghügel nördlich von Brigels.
  • Die frühmittelalterliche Pfarrkirche S. Maria (Maria Himmelfahrt) wurde 1185 urkundlich im Besitz des Klosters Disentis erwähnt. 1491 wurde sie Disentis inkorporiert. Bis ins 17. Jahrhundert war sie Mutterkirche für Dardin, Danis und Schlans. Das grosse Christophorusbild an der Aussenwand stammt aus dem 14. Jahrhundert[4].
  • Die Mauerreste der Ruine Marmarola, ein Meierturm der Abtei Disentis und früher Wohnsitz der De Latour (dt. Vom Turm), stehen auf einem kleinen Hügel hinter dem Haus Sport Beat. Der Turm brannte 1496 nieder.
  • Die romanische Kapelle St. Martin (rät. Sogn Martin) war eine fürstliche Stiftung und muss im frühen Mittelalter entstanden sein. Der in der originalen Bemalung leuchtende spätgotische Flügelaltar stammt aus dem Jahre 1508[5].
  • Die Kapelle St. Jakob (rät. Sogn Giacun): Kapelle und Holzdecke wurden 1514 erbaut. Die Aussenmalereien aus dem Jahre 1515 stammen von den oberitalienischen Brüdern Soregno[6].
  • Das Haus Latour beherbergt das der Öffentlichkeit zugängliche Museum und Familienarchiv der de Latour.
  • Das Gasthaus Casa Fausta Capaul war bereits im 19. Jahrhundert in seiner Art einzig und berühmt. Arnold Escher von der Linth und Conrad Ferdinand Meyer sind hier abgestiegen.
  • Der Flab-Richt-Platz[7].
  • Das Naturschutzgebiet Scatlè, der höchstgelegene Fichtenurwald Europas, liegt nordwestlich des Dorfes am Osthang des Piz Dado zwischen 1580 und 2'015 m ü. M. und besteht seit 1911.

Kirchen und Kapellen[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Die Familie de Latour (vom Turm) zählte von 1473 bis 1900 neben den von Castelberg in Disentis und de Mont in Vella zu den bedeutendsten Familien der Surselva. Sie waren Offiziere in französischen Diensten, seit dem 15. Jahrhundert ausgebildete Juristen und Politiker des Cadi, des Grauen Bundes und des Kantons Graubünden.
  • Caspar Theodosius de Latour (1782-1855), päpstlicher General
  • Giacun Hasper Muoth (1844–1906) surselvischer Dichter und Historiograph
  • Bernard Cathomas (* 1946), Sprachwissenschaftler

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Iso Müller: Geschichte der Abtei Disentis von den Anfängen bis zur Gegenwart. 1971

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Breil/Brigels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Pro Supersaxa – Obersaxen, Jahresheft 2013, S. 2330.
  3. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hg. vom Centre de Dialectologie der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld 2005, S. 182.
  4. Katholische Pfarrkirche St. Maria
  5. Kirche St. Martin
  6. Kapelle St. Jakob
  7. Flab-Richt-Platz