Ebersbach-Musbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ebersbach-Musbach
Ebersbach-Musbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ebersbach-Musbach hervorgehoben
47.9558333333339.5802777777778580Koordinaten: 47° 57′ N, 9° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Ravensburg
Gemeindeverwal-
tungsverband:
Altshausen
Höhe: 580 m ü. NHN
Fläche: 26,86 km²
Einwohner: 1679 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88371
Vorwahl: 07584
Kfz-Kennzeichen: RV
Gemeindeschlüssel: 08 4 36 093
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 4
88371 Ebersbach-Musbach
Webpräsenz: www.ebersbach-musbach.de
Bürgermeister: Roland Haug (CDU)
Lage der Gemeinde Ebersbach-Musbach im Landkreis Ravensburg
Bayern Bodenseekreis Landkreis Biberach Landkreis Sigmaringen Achberg Aichstetten Aitrach Altshausen Amtzell Argenbühl Aulendorf Bad Waldsee Bad Wurzach Baienfurt Baindt Berg (Schussental) Bergatreute Bodnegg Boms Boms Ebenweiler Ebersbach-Musbach Eichstegen Eichstegen Fleischwangen Fronreute Grünkraut Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Guggenhausen Horgenzell Hoßkirch Isny im Allgäu Kißlegg Königseggwald Königseggwald Leutkirch im Allgäu Ravensburg Riedhausen Schlier (Gemeinde) Unterwaldhausen Vogt (Gemeinde) Waldburg (Württemberg) Wangen im Allgäu Weingarten (Württemberg) Wilhelmsdorf (Württemberg) Wolfegg Wolpertswende BodenseeKarte
Über dieses Bild

Ebersbach-Musbach ist eine oberschwäbische Gemeinde im Nordwesten des Landkreises Ravensburg in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten]

Die Atzenberger Höhe auf dem Gemeindegebiet ist Teil der Europäischen Wasserscheide (Rhein-Donau-Wasserscheide).

Ebersbach-Musbach lag ursprünglich in einer Hochmoor-Landschaft, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zur Torfgewinnung genutzt wurde. Das Landschafts- und Naturschutzgebiet „Musbacher-Booser Ried“ ist Lebensraum von seltenen Tier- und Pflanzenarten.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Ebersbach-Musbach grenzt an die Stadt Aulendorf, die Gemeinden Altshausen und Boms im Landkreis Ravensburg sowie Bad Saulgau im Landkreis Sigmaringen und die Stadt Bad Schussenried im Landkreis Biberach.

Geschichte[Bearbeiten]

Im heutigen Gemeindegebiet wurden beim Torfstechen Tonscherben, Knochen und Rinderzähne gefunden, die auf eine Besiedlung bereits in der jüngeren Steinzeit schließen lassen. 1921 wurde ein Steinbeil gefunden, das etwa 2200 v. Chr. entstanden ist. Des Weiteren fanden sich auf der Gemarkung Boos Siedlungsspuren aus der Römerzeit. Hier stand einer von insgesamt 75 in Oberschwabens nachgewiesenen römischen Gutshöfe (villae rusticae). Der Gutshof verfügte über etwa zwei bis drei kleinere Nebengebäude.[2]

Geschichte der Teilorte bis 1971[Bearbeiten]

Ebersbach[Bearbeiten]

1269 wurde Ebersbach urkundlich erstmals erwähnt, als Ulrich von Gundelfingen den Ort und das Kirchenpatronat an die nahe Kommende Altshausen des Deutschen Ordens verkaufte. Die Kommende erwarb in der Folge noch mehr Landbesitz in der unmittelbaren Umgebung. In Lichtenfeld saß der Landkomtur der Kommende, in der Parzelle Tiergarten wurde ein Lusthaus errichtet (1699 in einen Hof umgewandelt) sowie ein Tiergehege eingerichtet (1699 aufgehoben).

im Zuge der Säkularisation kam Ebersbach 1806 an das Königreich Württemberg. 1825 wurde die politische Gemeinde Ebersbach begründet. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die bis dahin zu Altshausen gehörenden Orte Arnetsreute, Lichtenfeld und Tiergarten eingemeindet; im Tausch wurden Stuben und Ober-Atzenberg an Altshausen bzw. Renhardsweiler zugeschlagen.

Musbach[Bearbeiten]

Wappen

Musbach wurde erstmals 1286 urkundlich erwähnt, als die Kommende Altshausen Höfe verkaufte. In Musbach hatten später hauptsächlich das Stift Buchau und das Kloster Baindt Grundbesitz, den sie nach und nach bis 1788 den Grafen von Königsegg verkauften. Mit der Mediatisierung kam der Ort Anfang des 19. Jahrhunderts zum Königreich Württemberg. Am 27. Juli 1842 wurde Musbach, das bis dahin zur königseggischen Residenz Aulendorf gehörte, zur selbständigen Gemeinde. Ebenfalls 1842 kam es vom württembergischen Oberamt Waldsee zum Oberamt Saulgau.

Geigelbach[Bearbeiten]

1231 bestand im Pfarrdorf Boos (damals Bohoz, Boz oder Boss geschrieben) ein Kloster der Zisterzienserinnen, dessen Konvent 1240 in das neu gestiftet Kloster Baindt verlegt wurde. 1374 wurde die Pfarrei Boos dem Kloster inkorporiert. Später ist ein „Amt Geigelbach“ der vorderösterreichischen Landvogtei Schwaben belegt, das aus Geigelbach, Boos, Ingenhard sowie den Gemeinden Altshausen und Ebisweiler bestand. 1796 wurde der Ort von französischen Truppen geplündert. 1806 gelangte das Amt Geigelbach mit der Mediatisierung zum Königreich Württemberg. Unter dem Namen des ehemaligen Amtes – Geigelbach – wurde eine politische Gemeinde gebildet, deren größter Ort das Pfarrdorf Boos war. Diese Gemeinde gehörte zum Oberamt Saulgau, dem späteren Landkreis Saulgau.

Geschichte der Gesamtgemeinde[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1967 wurde die neue Gemeinde Musbach durch Vereinigung der Gemeinden Musbach und Geigelbach gebildet. Die Gemeinde Ebersbach-Musbach entstand am 1. September 1971 durch Vereinigung der vorher selbständigen Gemeinden Ebersbach und Musbach.

Die Gemeinde ist seit 1. Januar 1972 Mitglied im Gemeindeverwaltungsverband Altshausen mit Sitz in Altshausen.

Mit der Auflösung des Landkreises Saulgau wurde Ebersbach-Musbach am 1. Januar 1973 Teil des Landkreises Ravensburg.

Religionen[Bearbeiten]

Ebersbach-Musbach ist wie ganz Oberschwaben römisch-katholisch geprägt. In der Gemeinde gibt es zwei Pfarreien, die zum Dekanat Saulgau gehören: die Pfarrei St. Michael in Ebersbach und die Pfarrei St. Valentinus in Boos.

Die evangelischen Christen der Gemeinde gehören zur Kirchengemeinde Altshausen im Kirchenbezirk Biberach.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1975: 1169 Einwohner
  • 2004: 1802 Einwohner
  • 2005: 1813 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgendem Ergebnis:

Wappen[Bearbeiten]

Wappenbeschreibung: In Silber (Weiß) ein doppelreihig von Rot und Silber (Weiß) geschachteter Schrägbalken (Zisterzienserbalken), überdeckt mit einem durchgehenden schwarzen Tatzenkreuz (Deutschordenskreuz).

Das am 30. August 1974 verliehene Gemeindewappen erinnert an die jahrhundertelange Zugehörigkeit des Gemeindegebiets zu geistlichen Grundherrschaften: das „Deutschordenskreuz“ steht für die Kommende Altshausen, zu der Ebersbach lange gehörte; der „Zisterzienserbalken“ für die Beziehungen zum Zisterzienserkloster Baindt.

Die gleichzeitig verliehene Gemeindeflagge hat die Farben Rot-Weiß (Rot-Silber).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Valentin, Boos: Die spätmittelalterliche Kirche wurde 1888 bis auf den Chor abgerissen und durch einen Neubau im Stil der Neugotik ersetzt. 1929 und 1966 wurde im Rahmen von Renovierungen die historistische Ausstattung wie vielerorts völlig entfernt. Die Kanzel ging dabei verloren, die Altäre wurden jedoch auf dem Dachboden der örtlichen Schule aufbewahrt. So konnten der neugotische Hochaltar und die beiden Seitenaltäre nach einem grundlegenden Wandel in der Bewertung neugotischer Kirchenausstattung im Rahmen einer Restaurierung 1987–1990 wieder in der Kirche aufgestellt werden. Auch der Kreuzwegzyklus von 1888 fand wieder an seinen Platz zurück. Die Kirche beherbergt außerdem ein Wandtabernakel, ein Kruzifix und eine Pietà aus dem späten 15. Jahrhundert.
  • Pfarrkirche St. Michael, Ebersbach: 1754 von Johann Caspar Bagnato erbaut, 1870 und 1927 umgebaut.
  • Pfarrscheuer, Ebersbach: ehemalige Zehntscheuer, heute Bürgermeisteramt und Veranstaltungsraum
  • Kapelle, Musbach: Glocke von 1534, Turm und Gebäude wohl wesentlich älter

Sport[Bearbeiten]

Der Sportverein Ebersbach e. V. mit den Abteilungen Fußball, Aerobic, Badminton, Basketball, Skigymnastik und Turnen ist in der Seebachhalle in Ebersbach und den umliegenden Sportanlagen beheimatet.

Der Tennisclub Ebersbach betreibt drei Tennisplätze in Ebersbach und hat 140 Mitglieder.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Buslinien verbinden Ebersbach mit Altshausen und den Kurstädten Aulendorf und Bad Buchau. Die Gemeinde gehört zum Tarifgebiet des Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbunds (bodo).

Bildung[Bearbeiten]

Die Grundschule Ebersbach hat etwa 100 Schüler. Weiterführende Schulen gibt es im nahen Altshausen und Aulendorf. In Musbach wurde 1832 eine Schule eingerichtet, die bis 1970/1971 bestand; in Boos bestand von 1833 bis 1970 eine Schule.


Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Ferdinand Hund (1704–1758), deutscher Kunstschreiner und Bildhauer des Rokoko
  • Johann Georg Neher (1788-1858); Unternehmer in Schaffhausen
  • Hugo Metzler (1868-1929), Journalist, Schriftleiter, Herausgeber und Verleger des katholischen Deutschen Volksblatts in Porto Alegre, Brasilien


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Anne Schwedt (as): Erobert: Römer siedelten in Boos. In: Schwäbische Zeitung vom 29. März 2011

Literatur[Bearbeiten]

  • Chronik des Kreises Ravensburg. Landschaft, Geschichte, Brauchtum, Kunst. Chroniken-Verlag Boxberg, Hinterzarten 1975
  • Oskar Sailer (Hrsg.): Der Kreis Ravensburg. Theiss, Stuttgart 1976, ISBN 3-8062-0145-5.
  • Doris Blübaum: Die neugotische Einrichtung der Pfarrkirche St. Valentin in Boos/Ebersbach-Musbach. In: Sakrale Kleinode aus dem Landkreis Ravensburg. (= Kleinode; Band 6). Kreissparkasse Ravensburg, Ravensburg 1999, S. 30–31

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ebersbach-Musbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien