Empfertshausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Empfertshausen
Empfertshausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Empfertshausen hervorgehoben
50.66666666666710.099722222222460Koordinaten: 50° 40′ N, 10° 6′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Oberes Feldatal
Höhe: 460 m ü. NN
Fläche: 4,87 km²
Einwohner: 642 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 132 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36452
Vorwahl: 036964
Kfz-Kennzeichen: WAK
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 023
Bürgermeister: Regina Denner (CDU)
Lage der Gemeinde Empfertshausen im Wartburgkreis
Karte

Empfertshausen ist eine Gemeinde im Wartburgkreis in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Feldatal an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Kaltennordheim hat. Empfertshausen wurde besonders als "Schnitzerdorf" bekannt.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Geografische Lage

Die Gemeinde Empfertshausen befindet sich im südlichen Teil der Thüringischen Rhön, auch Vodere Rhön genannt und gehört zum Biosphärenreservat Rhön.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden und -städte

Die Gemeinde grenzt im Norden an Brunnhartshausen und Zella/Rhön, im Osten an Diedorf (Rhön) im Süden an Klings und im Westen an Andenhausen und die hessische Stadt Tann (Rhön)[2]

[Bearbeiten] Berge

Die Landschaft um Empfertshausen wird durch die Berge und Täler der Vorderen Rhön bestimmt. Als höchster Punkt der Gemeinde gilt der Horbel (665,4 m ü. NN).[3]

[Bearbeiten] Flüsse

Der Schmerbach ist ein Quellbach der Felda, er entspringt an der Landesgrenze am Westhang des Horbel. Die Wasserführung war ausreichend, um die am Nordrand der Gemeinde befindliche Schmerbachmühle betreiben zu können.[3]

[Bearbeiten] Geschichte

Ortseingang
Die evangelische Kirche
Blick vom Gläserberg auf Zella/Rhön, Empfertshausen und Klings (v.v.n.h.)

[Bearbeiten] Mittelalter

Im Jahre 825 wurde der Ort in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda zum erstenmal genannt. Die als Orentil und Francswind genannten Schenker übergeben am 22. September 825 neben anderen Besitztümern im Ort auch 3 Leibeigene und 30 ungezähmte Pferde. [4] 1284 nennt ein Verzeichnis des Klosters Zella für den Ort Empenfrideshusen 5 Mansen, 3 Halbmansen, 2 Hufen, 2 Kühe, 13 Schweine und 20 Ziegen dem Kloster zu eigen. [5] 1317 wird der Ort als Teil der Zehnt Dermbach erwähnt. Ab 1328 befand sich der Amts- und Verwaltungssitz des fuldischen Amt Fischberg, zu dem Empfertshausen nun gerechnet wurde, im Nachbarort Klings. Die zugehörige Pfarrei für Empfertshausen befindet sich im Nachbarort Fischbach.

[Bearbeiten] Frühe Neuzeit

Wegen ihrer Teilnahme am Bauernkrieg werden die Empfertshäuser Bauern mit einer Strafe belegt, sie haben zusätzlich zu den fälligen Abgaben 15 Malter Hafer an das Kloster abzuführen. Die Reformation erreicht auch Empfertshausen, Nicolaus Dietrich wechselt 1544 als erster Pfarrer im Amt Fischberg zum evangelischen Glauben über. [6] Abt Balthasar von Dermbach begann bereits 1570 einen ersten Versuch der Rekatholisierung, hieraus entstanden bis Mitte des 18. Jahrhunderts zahlreiche soziale Spannungen und Konflikte zwischen den Orten Zella und Föhlritz als katholische Enklaven einerseits und deren Nachbarorten mit einer überwiegend protestantischer Bevölkerung. [7] Schwer wurde Empfertshausen im Dreißigjährigen Krieg mitgenommen: 1649 hatte Empfertshausen nur noch 18 Wohnhäuser und 15 Einwohner, 1631 waren es dagegen noch 54 Wohnhäuser mit (?)51 Einwohner; in Folge der Pest waren 1635 im Dorf 86 Einwohner verstorben. [5]

[Bearbeiten] 18. Jahrhundert

Als Teil der hennebergischen Erbmasse gelangte das Amt Fischberg an das Herzogtum Sachsen. 1707 erhielt Kloster Fulda das Amt Fischberg zurück und begann sofort einen Prozess der Rekatholisierung, hierbei spielten die 1718 im Nachbarort erbaute Propstei Zella und das neu geschaffene Kloster in Dermbach eine bedeutende Rolle. [8] Fürstabt Constantin von Buttlar ließ zeitgleich im Ort eine massive Kirche aus Stein erbauen, sie wurde 1719 geweiht, der Turm, eigentlich nur ein achteckiger Dachreiter aus Fachwerk, wurde erst 1776 hinzugefügt. Das Innere der Kirche misst 17,6 m in der Länge und etwa 8 m in der Breite. Im Altarraum befindet sich die Orgelempore, sie ist mit Laubsägearbeiten verziert. Kanzel, Taufgestell und Lesekanzel werden als eher schlichte Arbeit bewertet.[5] Wegen des rauhen Klimas der Rhön waren die landwirtschaftlichen Erträge gering, deshalb wurde die Viehzucht und der Anbau von Flachs bevorzugt, Empfertshausen war zunächst ein auf Weberei und Blaudruck spezialisiertes Dorf, hierzu wurden kunstvolle Druckmodel von begabten Schnitzern vor Ort hergestellt. [9] Bereits um 1780 wurde das Schnitzen als Gewerbe im Ort nachweisbar. Das heutige Ortswappen zitiert dieses Handwerk mit einem Pferd als Motiv. Um 1790 entstand eine sehr enge Zusammenarbeit mit Ruhlaer Unternehmern, welche sich mit der Herstellung von Tabakpfeifen befassten. Die Empfertshäuser lieferten zunächst nur kunsthandwerkliche Pfeifenköpfe auf Bestellung; dann auch die Schnitzerei von Peitschenstöcken, Back- und Buttermodeln sowie Krippenfiguren. Die Schnitzerei wurde so auch zum Kunstgewerbe.

[Bearbeiten] 19. Jahrhundert

Mit den territorialen Veränderungen im Ergebnis des Wiener Kongresses wurde das Dermbacher Gebiet wieder Teil des Eisenacher Oberlandes, es gelangte 1815 an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, Amtsgerichtsbezirk Kaltennordheim. Im Juli 1866 fanden im Deutschen Krieg im Feldatal schwere Gefechte zwischen preußischen und königlich bayerischen Einheiten statt, diese Ereignisse waren Teil des Mainfeldzug. Schon 1835 gründete der sehr begabte Pfeifenkopfschnitzer Valentin Bley eine eigene Werkstatt, 1875 wurden bereits 50 Schnitzerwerkstätten im Ort gezählt.[10] Im Jahr 1879 wurden, basierend auf der Volkszählung von 1875 erstmals statistische Angaben zum Ort publiziert; Empfertshausen hatte in diesem Jahr 86 Wohnhäuser mit 448 Einwohnern. Die Größe der Flur betrug 418,0 ha davon Höfe und Gärten 8,9 ha, Wiesen 141,1 ha, Ackerfläche 172,9 ha. Wald 24,4 ha, Teiche, Bäche und Flüsse 0,02 ha, auf Wege, Triften, Ödland und Obstbauplantagen entfielen 70,7 ha. Das Dorf hatte einen Viehbestand von 4 Pferden, 204 Rinder, 171 Schafe, 63 Ziegen und 9 Schweinen. Zum Dorf wurde auch die Schmerbachsmühle gezählt. [11] Der Bau der Feldabahn hatte für die Feldatal-Orte einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge. Der Besuch des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach im Jahre 1878 bewirkte die Gründung der ersten Schnitzerschule in der Rhön; sie stand unter der Leitung des Bildhauers Reinhold Giese und wurde als Berufsschule eröffnet.

[Bearbeiten] 20. Jahrhundert

Bereits 1898 erfolgte die Eröffnung der Staatlichen Schnitzschule Empfertshausen in den Räumlichkeiten der alten Dorfschule. Hier durften Gesellenprüfungen und ab 1903 auch Meisterprüfungen abgenommen werden. 1936 wurde die Schule in den Neubau in der Andenhäuser Straße verlagert. Während des Ersten Weltkrieges wird die Mehrzahl der erwerbstätigen Handwerker einberufen, 16 Einwohner fallen an der Front, der Ort gerät erneut in eine wirtschaftliche Notlage. Nach dem Krieg beginnt man auch Spielzeugfiguren zu schnitzen, um das traditionelle Sortiment zu erweitern. Anfang 1945 wurde ein Teil der Gemälde aus den Weimarer Kunstsammlungen aus der durch Luftangriffe gefährdeten Stadt auch in die Staatliche Schnitzerschule Empfertshausen verbracht. Kunstraub: Im März 1946 wählte ein sowjetischer General 22 besonders wertvolle Gemälde aus - darunter solche von großen niederländischen Meistern - die in die UdSSR verfrachtet wurden. Danach liehen sich sowjetische Dienststellen aus dem Depot Gemälde aus, andere wurden direkt gestohlen. Als die sowjetische Kommandantur 1948 aufgelöst wurde, fehlten weitere 68 Gemälde: Recherchen des Museumsdirektors Walter Scheidig.

[Bearbeiten] DDR-Zeit

Bei den Verwaltungsreformen in den Jahren 1950 und 1952 wurde der Ort Empfertshausen in den Bezirk Suhl und den neu geschaffenen Kreis Bad Salzungen aufgenommen.[8] Während der DDR-Zeit befand sich die Gemeinde im Sperrgebiet an der Grenze zur Bundesrepublik Deutschland und war somit von den Umlandbewohnern nur mit Passierschein zu erreichen. Für große Unruhe unter der Bevölkerung sorgten Gerüchte über eine im Juni 1952 vorbereitete Deportation missliebiger Personen aus der Grenzregion um Kaltennordheim, dort waren am Bahnhof ungewöhnlich viele Güterwagen eingetroffen, zahlreiche Familien verließen deshalb in Panik ihre Heimat und flüchteten über die noch offene Grenze nach Hessen, erst im November 1989 führte der Druck der Bevölkerung zur Öffnung der Grenzsperranlagen, bei Andenhausen entstand ein provisorischer Grenzübergang.[12] Im Ort wurde eine LPG eingerichtet. Die durch Agitation, später auch zwangsweise Verstaatlichung erfolgte Vereinigung der zahlreichen Handwerksbetriebe zum VEB Rhönkunst erfolgt zwischen 1953 und 1976, die etwa 660 Beschäftigten dieses Betriebes stellten neben kunsthandwerklichen Artikeln auch Kleinmöbel her, die zum Großteil in der BRD und in den scandinavischen Ländern abgesetzt wurden. 1986 wurde die geschnitzte Tafel der Gefallenen und Vermissten des II. Weltkrieges (1939 – 1945) eingeweiht.

[Bearbeiten] Gegenwart

Seit 1999 ist Empfertshausen Sitz einer Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde, die Pfarrei ist zuständig für die Orte Empfertshausen mit Andenhausen, Neidhartshausen, Brunnhartshausen sowie für die evangelischen Gläubigen in Zella, Steinberg und Föhlritz. Katholischerseits gehört das Gemeindegebiet zur Pfarrei Mariä Himmelfahrt mit Sitz in Zella/Rhön im Bistum Fulda.

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Gemeinderat

Der Gemeinderat aus Empfertshausen setzt sich aus 8 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 27. Juni 2004)

[Bearbeiten] Bürgermeister

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Regina Denner wurde am 27. Juni 2004 gewählt.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

An der Kirche

Im Ortszentrum befindet sich die Evangelische Kirche, sie wurde 1719 erbaut, die letzte Innenrestaurierung erfolgte 1984. Vor der Kirche befindet sich eine geschnitzte Tafel zum Gedenken an die Gefallenen des 2. Weltkriegs. Gegenüber der Kirche, auf dem Schulhof der Grundschule, am Eingang zum Friedhof und an weiteren markanten Plätzen wurden Holzskulpturen aufgestellt. Damit wird an die lebende Tradition des Holzschnitzerhandwerks im Ort erinnert. Die Skulpturen sind auch ein Ergebnis des jährlich stattfindenden Rhöner Holzbildhauersymposiums, welches durch den ortseigenen Musikverein der Empfertshäuser Musikanten und andere Künstler begleitet wird. Es wird von Künstlern aus dem In- und Ausland besucht. Die sanierte "Alte Schule", Hauptstraße 32, ist zum Schnitzermuseum und zur Begegnungsstätte ausgebaut worden. Tragende Säule ist der Rhöner Holzbildhauerverein. Angeboten werden neben der Ausstellung und dem Kauf von Schnitzereien auch Vorträge und Schau-Schnitz-Vorführungen. In Empfertshausen kann die gesamte Ausbildung als Holzbildhauer erfolgen. Der Ort liegt nahe dem überregional bedeutsamen Hochrhöner Wanderweg. Der Berg Horbel im Süden der Gemeinde ist ein beliebtes Wanderziel.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Gute Verkehrsanbindungen und qualifizierte Arbeitskräfte waren für Empfertshausen ausschlaggebend als nach der Wiedervereinigung Unternehmensansiedlungen vorbereitet wurden. So entstand das Gewerbegebiet An der langen Elze. Zu den Firmen gehören zwei Spezialfirmen für den Fenster und Türenbau:

  • Rhönfenster GmbH Empfertshausen
  • Euro Systematics GmbH Empfertshausen
Datenquelle: http://www.bundesfirmenregister.de

Die landwirtschaftlichen Nutzenflächen werden von der Rhönland Agrargenossenschaft e.G. mit Sitz in Dermbach bewirtschaftet.

[Bearbeiten] Verkehr

[Bearbeiten] Straßenverkehr

Durch den 2 km entfernten Nachbarort Diedorf (Rhön) verläuft die B 285 im Abschnitt DorndorfDermbach- Diedorf - Kaltennordheim.

[Bearbeiten] Schienenverkehr

Der Betrieb der Feldabahn wurde 2003 eingestellt und 2008 wurde mit dem Rückbau der Gleisanlage begonnen. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich jetzt in der Kreisstadt Bad Salzungen und östlich in Wasungen - jeweils im Streckennetz der Süd-Thüringen-Bahn.

[Bearbeiten] Busverkehr

Nach Empfertshausen verkehrt die Buslinie L-109 (Bad Salzungen - Dermbach - Empfertshausen - Klings - Kaltennordheim) der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH.

[Bearbeiten] Vereine

  • Empfertshäuser Musikanten
  • Schützenverein Germania Empfertshausen e. V.
  • Rhöner Feuerschützenverein Empfertshausen e. V.
  • Rhöner Holzbildhauerverein
  • Brieftaubenverein Empfertshausen

[Bearbeiten] Literatur

  • Günter Wermusch: "Kriegsbeute aus der Goethe-Stadt", DIE ZEIT, 30. November 1990, Nr. 49

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Thüringer Landesamt für Statistik: Bevölkerung nach Gemeinden
  2. Thüringer Landesvermessungsamt Wartburgkreis und Kreisfreie Stadt Eisenach, Erfurt 2002, ISBN 3-86140-250-5
  3. a b Thüringer Landesvermessungsamt TK25 - Blatt 5326 Tann (Rhön), Erfurt 1999, ISBN 3-86140-090-1
  4. Gemeindeverwaltung 1175-Jahrfeier Empfertshausen Faltblatt mit Auszügen aus der Dorfchronik. Empfertshausen 2000. S.2
  5. a b c Paul Lehfeld Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Heft XXXVII Jena 1911. S. 190.
  6. Adelbert Schröter Land an der Straße. Die Geschichte der katholischen Pfarreien in der thüringischen Rhön S.77ff
  7. Erich Schreiber: Der bäuerliche Lebens- und Sittenkreis im oberen und mittleren Feldatale. In: Beiträge zur Volkskunde der thüringischen Rhön. Würzburg 1935 S.77.
  8. a b Gerd Bergmann Das Eisenacher Land und seine wechselnden Ausdehnungen im Laufe der Zeiten In: EP Report 2 - Heimatblätter des Eisenacher Landes, Marburg 1992, ISBN 3-924269-94-7, S. 60-64.
  9. Leopold Höhl Flachsbau und Leinenindustrie In: Rhönspiegel. Ebern 1892 S. 30ff.
  10. Gemeindeverwaltung 1175-Jahrfeier Empfertshausen Faltblatt mit Auszügen aus der Dorfchronik. Empfertshausen 2000. S.8
  11. C. Kronfeld, Landeskunde des Großherzogthumes Sachsen-Weimar-Eisenach. Zweiter Teil. Weimar 1879. S. 52 f.
  12. Stadtverwaltung Kaltennordheim (Herausgeber) 1200 Jahre Kaltennordheim. Meiningen 1995 S.91f

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Empfertshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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