Estnische Marine

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Estnische Marine

Eesti Merevägi

Wappen der estnischen Marine
Aktiv 1918–1940

seit 1. Juli 1993

Land EstlandEstland Estland
Streitkräfte Eesti Kaitsevägi
Typ Teilstreitkraft
Grobgliederung Wappen der Merevaebaas Maerevaebaas
Mereväekool

Wappen der Miinilaevade Divisjon Miinilaevade Divisjon

Wappen der EOD Tuukrigrupp EOD Tuukrigrupp
Stärke 350 aktive Soldaten

1500 Reservisten

Unterstellung Estnisches Verteidigungsministerium

Estnische Streitkräfte

Hauptsitz des Führungsstabes Tallinn
Farben Silber, Blau und Gold
Marsch Jää vabaks, Eesti meri!
Jahrestage 21. November 1918
Leitung
Oberkommandierender der Streitkräfte Präsident der Republik Estland
Militärischer Oberbefehlshaber Kindralmajor Riho Terras
Befehlshaber der Marine Mereväekapten Sten Sepper[1]
Wichtige
Kommandeure

Admiral Johan Pitka

Insignien
Seekriegsflagge Naval Ensign of Estonia.svg
Gösch Naval Jack of Estonia.svg

Die Estnische Marine (estnisch: Eesti Merevägi) ist die maritime Teilstreitkraft der estnischen Streitkräfte. In Friedenszeiten gehören der Marine 350 aktive Soldaten an, welche jederzeit durch 1500 Reservisten verstärkt werden können. Das Herzstück der estnischen Marine ist die Miinilaevade Divisjon mit der EOD Tuukrigrupp – eine Minenschiffdivision mit einer Taucherabteilung für Kampfmittelbeseitigung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Zeit vor 1940[Bearbeiten]

Die Merevägi wurde am 21. November 1918 aufgestellt. Die Gründung und Entwicklung der estnischen Marine basiert größtenteils auf der britischen Marine, welche als Verbündeter Estlands während des estnischen Freiheitskrieges im Golf von Finnland operierte. Die ersten estnischen Marineschiffe, die Minenkreuzer Lennuk und Wambola, wurden von der Royal Navy gespendet, nachdem die der russischen Baltischen Flotte angehörigen Schiffe erbeutet wurden.

Küstenbatterien[Bearbeiten]

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts begann das Russische Kaiserreich, Küstenfestungen und maritime Festen in Estland, welches 1721 nach dem Großen Nordischen Krieg annektiert wurde, zu errichten. Tallinn, historisch ein wichtiges Handelszentrum zwischen dem Osten und Westen, wurde eine der Hauptstützpunkte der Baltischen Flotte des Kaiserreichs. Ein systematisches Küstenverteidigungsnetzwerk und die Installation von Marinegeschützen wurden befohlen, die Konstruktionsarbeiten fingen Ende 1890 an.

Während des Estnischen Freiheitskrieges und nach dem Frieden von Dorpat begann die Estnische Marine mit dem Wiederaufbau und der Weiterentwicklung des Küstenverteidigungsnetzwerks. Von 1918 bis 1940 investierte Estland Millionen Estnische Kronen in die Erneuerung der Küstenverteidigung. Im Jahr 1939 präsentierten die Küstenbatterien eine beachtliche Marinestreitkraft und gehörten zu den Elitetruppen der Estnischen Marine. Während des Zweiten Weltkrieges und der folgenden sowjetischen Okkupation ist wenig von den Küstenverteidigungslinien und Festungen erhalten geblieben. Heute können einige Gebäude und Feuerstellungen, allen voran die am besten erhaltenen auf der Insel Aegna, besichtigt werden.

Marineinfanterie[Bearbeiten]

Das historische Meredessantpataljon war ein kurzlebiges Marineinfanteriebataillon der estnischen Streitkräfte, welches der Marine unterstellt war. Es wurde von den Besatzungen der estnischen Kriegsschiffe rekrutiert und war in Tallinn stationiert.

Neuaufbau nach 1993[Bearbeiten]

Seit der Neugründung der Estnischen Streitkräfte am 3. September 1991 und der Estnischen Marine am 1. Juli 1993 hat sich die maritime Streitkraft des Landes ungemein entwickelt. Der damalige Kommandeur der Estonian Naval Defence Forces, Roland Leit, äußerte sich in einem Interview mit Jane’s Defence Weekly am 9. Juli 1994 wie folgt:

„When the Soviet Navy left the Tallinn Naval Base, they sabotaged the facilities, and scuttled about 10 of their ships in the harbour. They broke all the windows, all the heating, and all the electricity equipment. When they came in 1939 they took over our port facilities in good order. Now they are leaving us a mess. We got nothing from the Russian Navy. The Griff class patrol craft we got not from them but from a Russian firm that had bought the hulls first. Their navigation and radio systems are broken, too. We hope to have it all repaired and bring the craft into service before the end of the year.“

„Als die Sowjetische Marine die Marinebasis Tallinn verließ, sabotierte sie die bestehenden Einrichtungen und versenkte zehn ihrer Schiffe im Hafen. Sie zerstörten alles: Fenster, Heizungen, Ausrüstung für Elektrizität. Als sie 1939 kamen, übernahmen sie unsere Hafenanlagen in einem guten Zustand. Jetzt haben sie uns ein Chaos hinterlassen. Wir haben nichts von der russischen Marine bekommen. Das Patrouillenboot der Griff-Klasse haben wir nicht von denen bekommen, sondern von einer russischen Firma, die zunächst den Schiffsrumpf gekauft hatte. Die Navigations- und Funksysteme sind ebenfalls unbrauchbar. Wir hoffen, dass wir bis zum Ende des Jahres alles reparieren und das Boot in Dienst setzen können.“[2]

Da die Aufräumarbeiten und der Wiederaufbau der militärischer Infrastruktur (unter anderem auch auf der 1994 von Russland übernommenen Marinebasis in Tallinn) den größten Teil des Verteidigungsbudgets benötigte, ist es verständlich, dass man bei der Ausrüstung zunächst auf Spenden aus dem Ausland angewiesen war. So erhielt man beispielsweise 1994 mit der Komet aus Deutschland und der Mallemukken aus Dänemark zwei Schiffe, die dort nicht mehr benötigt wurden und/oder als veraltet galten, die in Estland aber noch einige Jahre betrieben wurden. Dies galt auch für die Minensuchboote, die in den nächsten Jahren (ebenfalls aus Deutschland) zugingen. Neben diesen Schiffen, die hauptsächlich im Bereich der Mienenbekämpfung eingesetzt waren, nutzte die Marine in den ersten Jahren Patrouillenboote sowjetischer und finnischer Herkunft.

In den nächsten 15 Jahren (insbesondere seit dem NATO-Beitritt des Landes im Jahr 2004) sind die Bewaffnung und die Ausrüstung der Seestreitkräfte kontinuierlich verbessert worden. So hat man weitere Schiffe (entweder als Spende aus dem Ausland oder gebraucht in Deutschland, Großbritannien oder Dänemark erworben) in Dienst gestellt, die die veralteten Einheiten nach und nach ersetzten. Zudem nutze man in den letzten Jahren die vorhandenen finanziellen Ressourcen, um sich auf den Bereich der Minenbekämpfung zu konzentrieren. Somit verfügt man inzwischen über eine Minenschiff- und eine Taucherabteilung, deren technische Ausstattung vergleichbar mit der anderer NATO-Partner ist.

Befehlshaber[Bearbeiten]

Folgende Personen waren, seit ihrer Neuaufstellung, Kommandanten der Estnischen Marine:

Name Dienstzeit
Roland Leit 1994 – 1998
Jaan Kapp 1998 – 2003
kommissarische Führung durch
Ahti Piirimägi & Peeter Ivask
2003 – 2007
Igor Schvede 2007 – 2012
Sten Sepper seit 23. Juli 2012

Aufgaben und Organisation[Bearbeiten]

Aufgaben[Bearbeiten]

Die estnische Marine hat den Auftrag, die territorialen Gewässer der Republik Estland zu beschützen. Im Falle einer Krisensituation muss sie in der Lage sein, Häfen, Küsten und Unterwasserkommunikationseinrichtungen zu verteidigen und mit verbündeten Truppen zu kooperieren.[3]

Die höchste Priorität nimmt für die Estnische Marine die Entwicklung von Ressourcen und Fähigkeiten zur Minenabwehr ein. Während des Ersten- und Zweiten Weltkrieges wurden in der Ostsee mehr als 80.000 Minen verlegt. Seit 1995 haben vereinzelt Minenräum-Operationen in Kooperation mit anderen Marineverbänden der Ostseeregion in estnischen Gewässern stattgefunden, um diese Minen aufzuspüren und zu beseitigen und somit an einer sicheren Seeschifffahrt beizutragen.

Organisationsstruktur[Bearbeiten]

Merevagi large.jpg Mereväe Staap Tallinn

  • Mereväebaas
    • Mereväekool
  • Miinilaevade Divisjon
    • EOD tuukrigrupp

Merevaebaas.jpg Häfen und Stützpunkte[Bearbeiten]

Die Merevägi hat etliche Marinestützpunkte und Kriegshäfen betrieben, wobei sich die meisten an der Westküste und an den Inseln befunden haben. Bis 1939 gab es mehr als zehn größere und kleinere Kriegshäfen und Marinebasen, zum Beispiel Aegna, Paldiski, Virtsu, Rohuküla, Mõntu, Kuressaare, Kõiguste, Papisaare, Jaagurahu, Tagalaht, Küdema, Sõru, Kärdla, Kallaste, Mustvee und der Hafen von Tallinn.

Derzeit gibt es lediglich den Militärhafen Miinisadam, welcher sich im nördlichen Tallinn befindet. Miinisadam ist Sitz der Mereväebaas und der Stützpunkt der Minenabwehrdivision Miinilaevade Divisjon. Auch die der Mereväebaas angeschlossene Mereväekool befindet sich dort.

Divisjon2.jpg Miinilaevade Divisjon[Bearbeiten]

Die Miinilaevade Divisjon ist die Minenabwehrdivision der Estnischen Marine. Ihr gehören derzeit vier Schiffe an, welche in zwei Arten (drei Minenjagd- und ein Hilfsschiff) unterteilt werden können.[4] Sie bildet den estnischen Anteil des Baltic Naval Squadron.

Der Minenabwehrdivision ist die Minentaucherabteilung EOD tuukrigrupp unterstellt, welche vom Taucherschiff Tasuja aus operiert.

Tuukrid vapp.jpg EOD tuukrigrupp[Bearbeiten]

Die Hauptaufgabe der EOD tuukrigrupp besteht darin, Sprengkörper an der Wasseroberfläche und unter Wasser zu suchen, zu identifizieren und unschädlich zu machen. Sie kann jedoch auch dazu verwendet werden, Schiffsrümpfe auf Beschädigungen zu untersuchen.

Zur Erfüllung dieser Aufgaben stehen der Tauchergruppe moderne amagnetische Taucheranzüge und Taucherausrüstung zu Verfügung, mit denen bis in eine Tiefe von 55 Meter für bis zu 4 Stunden getaucht werden kann. Für Behandlungen gegen Barotrauma stehen mobile Dekompressionskammern auf der Tasuja zur Verfügung.[5]

Die Ausbildung zum Minentaucher erfolgt am Baltic Naval Diving Training Centre in Liepaja, Lettland.

Ausbildung[Bearbeiten]

Im Jahr 2003 hat die estnische Marine das Centre of Naval Education and Training (CNET), die Mereväekool, eröffnet. Es hat die Aufgabe, die Marineausbildung zu koordinieren, vereinheitlichen, überwachen und weiterzuentwickeln sowie die Versorgung des Marinepersonals sicherzustellen. An dieser Marineschule wird neben Kommunikationspersonal auch Marinespezialisten ausgebildet. Es werden auch Englisch-Sprachlehrgänge angeboten.[6]

Wehrpflichtige durchlaufen während der ersten Monate den Marine-Grundkurs MBK an der Mereväekool. Bei diesem werden Grundkenntnisse im Marinewesen und Verteidigungswesen erworben. Außerdem bereitet dieser Grundkurs die Marinerekruten auf ihre 11-monatige Verwendung auf den Schiffen vor. Es gibt jedoch auch Wehrpflichtige, die ihren Dienst an Land in der Marinebasis verrichten. Diese leisten nur einen 8-monatigen Wehrdienst.

Unteroffiziere erhalten ihre Ausbildung ebenfalls an der Mereväekool. Dort erwerben sie neben einer militärischen Ausbildung auch Expertenwissen. Der Großteil der estnischen Marineoffiziere wurde bisher an europäischen oder amerikanischen Marineakademien ausgebildet.

Combined Baltic Naval Specialist Training

Die baltischen Staaten teilen ihre limitierten Ausbildungsressourcen untereinander, so zum Beispiel stellt Estland Kommunikationsausbildung an der Baltic Naval Communications School in der Marinebasis Tallinn während Lettland mit dem Baltic Naval Diving Training Centre in Liepaja eine Taucherausbildungsstätte betreibt.[3]

Letzteres wurde eingerichtet, um die autarke Fähigkeit zur Ausbildung von Minentauchern zu erhalten. Das Schulungszentrum wird von der norwegischen Marine durch Ausbilder unterstützt. Angehende Marinetaucher erwerben in einen ersten 5-wöchigen Kurs schiffsbezogenes notwendiges Know-how. Daran schließt sich die eigentliche Minentaucherausbildung von einer Dauer von 4 Monaten an, in welcher ständig Prüfungen stattfinden. Es ist mittlerweile angedacht, dass Wehrpflichtige zu Schiffstauchern ausgebildet werden. Nach einigen Übungseinsätzen können sich diese dann für die 4-monatige Minentaucherausbildung bewerben.[5]

Dienstgradabzeichen[Bearbeiten]

Admiräle Stabsoffiziere Offiziere
AdmEst.jpg Vts adm.jpg Kntr adm.jpg Kommod.jpg Mv kpt.jpg Kpt ltn.jpg Kpt mjr.jpg V ltn.jpg Ltn.jpg N ltn.jpg Lpn.jpg
Auastmed Admiral Viitseadmiral Konteradmiral Kommodoor Mereväekapten Kaptenleitnant Kaptenmajor Vanemleitnant Leitnant Nooremleitnant Lipnik
Dienstgrad Admiral Vizeadmiral Konteradmiral Flottillenadmiral Kapitän zur See Fregattenkapitän Korvettenkapitän Kapitänleutnant Oberleutnant zur See Leutnant zur See Oberfähnrich zur See
Unteroffiziere mit Portepee Unteroffiziere ohne Portepee Mannschaften
Ul vbl.jpg Sta vbl.jpg V vbl.jpg Vbl.jpg N vbl.jpg V maat.jpg MaatEst.jpg N maat.jpg V mdrs2.jpg Mdrs.jpg
Auastmed Ülemveebel Staabiveebel Vanemveebel Veebel Nooremveebel Vanemmaat Maat Nooremmaat Vanemmadrus

Madrus

Dienstgrad Oberstabsbootsmann Stabsbootsmann Hauptbootsmann Oberbootsmann Bootsmann Obermaat Obermaat
Maat
Maat Stabsgefreiter Matrose
Wehrpflichtige Unteroffiziere ohne Portepee Wehrpflichtige Mannschaften
V maat2.jpg Maat2.jpg N maat2.jpg V mdrs.jpg Mdrs.jpg
Auastmed Ajateenija-vanemmaat Ajateenija-maat Ajateenija-nooremmaat Ajateenija-vanemmadrus Ajateenija-madrus
Dienstgrad Obermaat Obermaat
Maat
Maat Stabsgefreiter Matrose

Ausrüstung[Bearbeiten]

Flotte zwischen 1918 und 1940[Bearbeiten]

Die ersten estnischen Marineschiffe, von der Royal Navy erbeutete Schiffe der russischen Baltischen Flotte, wurden von dieser 1919 gespendet.

Name Foto Herkunft Schiffsklasse Verwendung Gebaut Indienststellung (Estland) Außerdienststellung (Estland) Anmerkungen
Lennuk Avtroil1913-1919.jpg Flag of Russian Empire for private use (1914–1917) 3.svg Russisches Kaiserreich Zerstörer der Isjaslaw-Klasse Minenkreuzer 1915 1919 1933 Gebaut als Awtroil. Kapitulierte im Dezember 1918 vor britischen Einheiten. Am 2. Januar 1919 Übergabe an Estland und Umbenennung in Lennuk. Am 23. August 1933 Weiterverkauf nach Peru.
Wambola Wambola1924.jpg Flag of Russian Empire for private use (1914–1917) 3.svg Russisches Kaiserreich Zerstörer der Leitenant-Iljin-Klasse Minenkreuzer 1915 1919 1933 Gebaut als Kapitan Kingsbergen. Kapitulierte im Dezember 1918 vor britischen Einheiten. Am 2. Januar 1919 Übergabe an Estland und Umbenennung in Wambola. Am 23. August 1933 Weiterverkauf nach Peru.
Lembit Lembit1918-1927a.jpg Flag of Russian Empire for private use (1914–1917) 3.svg Russisches Kaiserreich Giljak-Klasse Kanonenboot 1906 1919 1927 Gebaut als Bobr. 1918 von Deutschland übernommen und nach dem 1. Weltkrieg an Estland übergeben. Dort 1927 außer Dienst und abgewrackt.
Laene Kanonenboot
Meeme Kanonenboot
Mardus Kanonenboot
Tasuja Kanonenboot
Ahti Kanonenboot
Ilmatar Kanonenboot
Taara Kanonenboot
Tartu Kanonenboot
Uku Kanonenboot
Vanemuine Kanonenboot
Ristna Minenleger
Suurop Minenleger
Vaindlo Minensuchboot
Keri Minensuchboot
Tahkona Minensuchboot
Lehtma Minensuchboot
Sulev Sulev1923-1940.jpg Deutsches Kaiserreich Deutsches Kaiserreich Küstentorpedoboot der A-Klasse Torpedoboot 1916 1923 - Gebaut als SMS A 32. Während der Schlacht im Moon-Sund gestrandet. Von estnischer Marine geborgen und als Sulev in Dienst gestellt. Nach der Besetzung Estlands durch die Sowjetunion 1940 in deren Baltischer Flotte.
Kalev Allveelaev Kalev.jpg Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Kalev-Klasse U-Boot 1936 1937 - Bei Vickers-Armstrongs Ltd. für die Estnische Marine gebaut. Bei der Besetzung Estlands durch die Sowjetunion 1940 von der Baltischen Flotte übernommen.
Lembit Lembit postcard.jpg Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Kalev-Klasse U-Boot 1936 1937 - Bei Vickers-Armstrongs Ltd. für die Estnische Marine gebaut. Bei der Besetzung Estlands durch die Sowjetunion 1940 von der Baltischen Flotte übernommen.
Laine
Kompass Hilfsschiff Kabelleger
Lood Hilfsschiff Forschungsschiff

Flotte seit 1993[Bearbeiten]

Beim Wiederaufbau der Flotte wurden zunächst ausgemusterte Einheiten ausländischer Marinen übernommen. Vor dem Hintergrund des NATO-Beitritts, unterzog sich die estnische Marine in den letzten Jahren einer Modernisierung. Hierbei wurde vor allem die Ausrüstung der Minenabwehrdivision verbessert.

aktuelle Schiffe[Bearbeiten]

Name (Rumpfnummer) Foto Herkunft Schiffsklasse Verwendung Gebaut Indienststellung (Estland) Anmerkungen
Admiral Cowan (M313) Admiral Cowan, 2010.jpg Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Sandown-Klasse Minenjagdboot 1988 2007 Teil der "Miinilaevade Divisjon"
Sakala (M314) Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Sandown-Klasse Minenjagdboot 1990 2008 Teil der "Miinilaevade Divisjon"
Ugandi (M315) Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Sandown-Klasse Minenjagdboot 1992 2009 Teil der "Miinilaevade Divisjon"
Tasuja (A432) ENS Tasuja (6209081722).jpg DanemarkDänemark Dänemark Lindormen-Klasse Hilfsschiff 1977 2006 Teil der "Miinilaevade Divisjon" - Unterstützungsschiff für Minentaucher

ehemalige Schiffe[Bearbeiten]

Name (Rumpfnummer) Foto Herkunft Schiffsklasse Verwendung Gebaut Indienststellung (Estland) Außerdienststellung (Estland) Anmerkungen
Admiral Pitka (A230) Admiral Pitka in Helsinki.jpg DanemarkDänemark Dänemark Beskytteren-Klasse Unterstützungsfregatte 1975 2000 2013 Ex-Beskytteren der Dänischen Marine
Wambola (M311) DeutschlandDeutschland Deutschland Lindau-Klasse Minenjagdboot 1959 2000 2009 Ex-Cuxhaven (M1078) der Deutschen Marine
Sulev (M312) DeutschlandDeutschland Deutschland Lindau-Klasse Minenjagdboot 1958 2000 2009 Ex-Lindau (M1072) der Deutschen Marine
Sulev (M412) Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik/
DeutschlandDeutschland Deutschland
Kondor-Klasse Minensuchboot/ Kommandoschiff 1994 2000 Ex-Komet der Volksmarine - zusammen mit der Meteor 1994 an Estland verschenkt[7][8]
Kalev (M414) DeutschlandDeutschland Deutschland Frauenlob-Klasse Minensuchboot 1966 1997 2003 Ex-Minerva (M 2663) der Deutschen Marine - heute Museumsschiff im Estnischen Meeresmuseum
Olev (M415) DeutschlandDeutschland Deutschland Frauenlob-Klasse Minensuchboot 1966 1997 2005 Ex-Diana (M2664) der Deutschen Marine. 2008 Versteigerung geplant.[9]
Vaindlo (M416) DeutschlandDeutschland Deutschland Frauenlob-Klasse Minensuchboot 1966 2003 2005 Ex-Undine (M2662) der Deutschen Marine. 2008 Versteigerung geplant.[9]
Grif (P401) SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Zhuk-Klasse (Projekt 1400M) Patrouillenboot 1976 1994 2001 ehemaliges Patrouillenboot des estnischen Verteidigungsbundes
Suurop (P421) FinnlandFinnland Finnland Rihtniemi-Klasse Patrouillenboot 1956 1999 2005 Ex-Rymättylä (51) der Finnischen Seestreitkräfte
Ristna (P422) FinnlandFinnland Finnland Rihtniemi-Klasse Patrouillenboot 1956 1999 2005 Ex-Rihtniemi (52) der Finnischen Seestreitkräfte
Lembit Allveelaev Lembit.jpg SowjetunionSowjetunion Sowjetunion Kalev-Klasse U-Boot 1936 1994 2011 Rückgabe durch die Sowjetische Marine am 27. April 1992 - heute Museumsschiff im Estnischen Meeresmuseum
Ahti (A431) DanemarkDänemark Dänemark Maagen-Klasse Hilfsschiff 1960 1994 2009 Ex-Mallemukken der Dänischen Marine

Modernisierung[Bearbeiten]

Gemäß dem langfristigen Verteidigungsentwicklungsplan für die Jahre 2009-18 sollte die Estnische Marine weitere neue Technik erhalten. Die Beschaffung von Mehrzweck-Schnellbooten (zur Sicherstellung/Verbesserung der maritime Überwachung und Verteidigung der Hoheitsgewässer) sollte dabei Priorität haben. Laut dem Verteidigungsministerium sollten sich die Kosten dafür auf schätzungsweise 100 Millionen Estnische Kronen belaufen. Es standen aber weder die Schiffsklasse noch die Anzahl der zu beschaffenden Schiffe fest. Außerdem sollte die Kommunikationstechnik zwischen der Führung an Land und den Schiffen weiter verbessert werden.[10]

Aufgrund der internationalen Wirtschaftskrise, mußte diese Planung, in den letzten Jahren, noch einmal überarbeitet werden. Im neuen Verteidigungsentwicklungsplan für die Jahre 2013-2022 ist lediglich der Erhalt und die Modernisierung der Minenabwehrdivision (drei Minenjagdboote, Tauchergruppe und ein Hilfsschiff) vorgesehen. Zudem soll Miinisadam (die Marinebasis in Tallinn) bis 2014 weiter modernisiert werden, so dass dort die Lebens- und Trainingsbedingungen für alle Soldaten den aktuellen Standards entsprechen.

Einsätze und international Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Admiral Pitka zu Besuch in Helsinki

Seit 1995 hat die estnische Marine bei den meisten der internationalen Manövern und Operationen in der Ostsee teilgenommen. Obwohl sie erst 1993 neu gegründet wurde und trotz des Umstandes, dass sie eine der kleinsten Flotten der Welt umfasst, haben die jungen Besatzungen der Schiffe ausgezeichnete Fähigkeit zur Zusammenarbeit während internationalen Übungen demonstriert und sich als gleichwertiger Partner gegenüber Flotten anderer Länder bewährt.

Von Mai 2005 bis März 2006 war die Fregatte Admiral Pitka (A230) als Führungsschiff der Standing NRF Mine Countermeasures Group 1 (SNMCMG1) der NATO zugeteilt. Admiral Pitka war somit das erste Schiff der baltischen Staaten, welches an diesem Marineverband der NATO Response Force teilnahm. SNMCMG1 ist einer der NATO-Hauptpartner der estnischen Marine.[11]

BALTRON[Bearbeiten]

Im Jahr 1998 wurde die Baltic Naval Squadron (BALTRON) gegründet. Die Hauptaufgabe von BALTRON beinhaltet die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Baltischen Staaten in den Bereichen der maritimen Verteidigung und Sicherheit. BALTRON arbeitet eng mit der NATO zusammen und sichert dieser eine ständige Bereitschaft von Einheiten bei eventuellen Operationen zu.

Jeder Baltische Staat bestimmt ein bis zwei Schiffe für einen bestimmten Zeitraum und Stabspersonal für die Dauer eines Jahres. Das Mitwirken bei Baltron liefert sowohl den Besatzungen als auch den Stabsoffizieren eine Gelegenheit, im internationalen Umfeld zu arbeiten und Erfahrungen in der Minenabwehr auszutauschen. Estland betreibt für BALTRON Einrichtungen an der Küste, welche durch den multinationalen Stab genutzt werden.[11]

Operation Atalanta[Bearbeiten]

Am 12. November 2010 erhielten Angehörige der estnischen Marine durch Generalleutnant Ants Laaneots den Auftrag, an der EU NAVFOR Somalia teilzunehmen. Das 10-köpfige Team hatte im Vorfeld einen Lehrgang abgeschlossen, bei dem sie im Kampf kleiner Einheiten, Taktiken der Militärpolizei und im Abseilen aus Hubschraubern geschult wurden sowie QCB und Waffenausbildung vertieft hatten. Die Crew wurde von Vanemleitnant Rait Luks kommandiert und war bis April 2011 auf der Fregatte Hamburg stationiert, wo sie eng mit der Deutschen Marine zusammenarbeitete.[12]

Das Team agierte dabei als Mobile Protection Element (MPE) und Vessel Protection Detachment (VPD). Als MPE hatten die Esten den Auftrag, die Fregatte gegen Bedrohungen im Nahbereich - etwa durch Speedboote - zu schützen. Der Hauptauftrag der estnischen Soldaten war der Schutz von Schiffen der WFP und der AMISOM. Das Team konnte als VPD mittels Bordhubschrauber oder Schlauchboot an Bord von Handelsschiffen verbracht werden und autark agieren. Ein Rettungsassistent gewährleistete dabei die medizinische Versorgung des Trupps.

Literatur[Bearbeiten]

  • Eric Wertheim: The Naval Institute Guide to Combat Fleets of the World: Their Ships, Aircraft, and Systems, US Naval Institute Press, 2007, ISBN 159114955X, S. 182 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eesti Merevägi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Väeliikide ülemad, abgerufen am 3. August 2014 (estnisch)
  2. : The Jane’s Interview with Commodore Roland Leit. Jane's Defence Weekly, 9 July 1994, p.32
  3. a b Navy (Internetseite der estnischen Seestreitkräfte), abgerufen am 3. August 2014 (englisch)
  4. Miinilaevade Divisjon, abgerufen am 3. August 2013 (estnisch)
  5. a b Tuukrid, abgerufen am 27. Juli 2014 (estnisch)
  6. Centre of Naval Education and Training (CNET) (Version vom 9. Juni 2007 im Internet Archive)
  7. http://www.welt.de/print-welt/article646247/Belgien_wollte_von_der_NVA_nur_ein_MG_und_eine_Patrone.html Welt online, 2/1996, Peter Schmalz, abgerufen am 5. Juli 2009
  8. MINEHUNTERS OF ESTONIAN NAVY (Version vom 9. Juni 2007 im Internet Archive)
  9. a b Meldung auf www.postimees.ee zur geplanten Versteigerung, abgerufen am 3. August 2014 (estnisch)
  10. Estonian Long Term Defence Development Plan 2009-2018 (Version vom 4. Februar 2012 im Internet Archive), pdf-Datei (englisch)
  11. a b Estonian Defence Forces - Navy (Version vom 1. Juli 2008 im Internet Archive)
  12. Kaitseväe juhataja saatis laevakaitsemeeskonna teele (Version vom 19. Juli 2012 im Internet Archive)