Großbank

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Als Großbanken werden die größten Kreditinstitute eines Landes sowie international bedeutende Banken bezeichnet.

Definition[Bearbeiten]

Eine einheitliche Definition des Begriffes Großbank besteht nicht. Vielmehr wurden und werden unterschiedliche Definitionen herangezogen.

Einzelne Länder[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland entstand, überwiegend in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, vor allem in der Gründerzeit, eine neue Gruppe von Banken: Private Banken in der Rechtsform von Aktiengesellschaften. Bisher war der Bankenmarkt durch Privatbankiers, Sparkassen und andere öffentliche Institute wie Notenbanken und Genossenschaftsbank gebildet worden. Die Privataktienbanken wuchsen rasch und die größten unter ihnen wurden als Großbanken bezeichnet. Dies waren im Kaiserreich:

Durch Fusionen nahm die Zahl dieser Großbanken ab. 1945 waren die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Dresdner Bank verblieben. Diese wurden von den alliierten Siegermächten zerschlagen und in 30 Teilbanken aufgeteilt (in den Westzonen; in der SBZ wurden die Banken verstaatlicht). Grundlage war das Gesetz der amerikanischen Militärregierung Nr. 57 vom 6. Mai 1947, dem sich die französische und die britische Militärregierung mit Gesetzen vom 1. Oktober 1947 bzw. 1. April 1948 anschlossen.[2]

Das Großbankengesetz (offiziell Gesetz über den Niederlassungsbereich von Kreditinstituten) von 1952 bestätigte diese Zerschlagung, erlaubte jedoch eine teilweise Wiederzusammenführung der Regionalinstitute in drei Regionen. Mit dem Fusionsgesetz (offiziell Gesetz zur Aufhebung der Niederlassungsbereiche von Kreditinstituten) von 1956 wurde die Neubildung der bundesweit tätigen Großbanken wieder erlaubt (siehe auch Restquote).

Die 1970 eingeführten Bankleitzahlen enthalten in der vierten Stelle das Giralnetz. Die drei Großbanken unterhielten jeweils eigene Giralnetze und hatten daher eigene Leitziffern.

Heute werden überwiegend diejenigen Institute, die auch unter dieser Position in der Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank zusammengefasst werden, als Großbanken bezeichnet. Durch die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank ist letztere ausgeschieden. Neu hinzugekommen sind die HypoVereinsbank und die Deutsche Postbank.[3]

Die Bezeichnung als Großbank darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Marktanteil der Großbanken im Deutschen Bankwesen gering ist. Marktführer sind die Sparkassen mit einem Marktanteil über 50 %. Die Deutsche Bank, als die größte Großbank, verfügt über einen Marktanteil von etwa 8 %.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz fasst die Bankenstatistik der Schweizerischen Nationalbank die Banken als Grossbanken zusammen, die alle Geschäfte, insbesondere das Investmentbanking, anbieten und global tätig sind. Seit 2005 fallen nur noch Credit Suisse und UBS in diese Gruppe.[4]

Schweden[Bearbeiten]

Bis 1969 bestanden in Schweden die Bankengruppen der Privatbanken, Sparkassen und landwirtschaftlichen Genossenschaftsbanken. Nach der Liberalisierung 1969 entwickelten sich diese zu Universalbanken. Als Folge der Schwedischen Bankenkrise von 1990 bis 1992, bei der viele kleine Banken fusionieren mussten, bildeten sich in Schweden vier Großbanken, die den Markt beherrschen.[5] Dies sind die SEB, Svenska Handelsbanken, Nordea und Swedbank.

Andere Länder[Bearbeiten]

In Österreich werden zur Gruppe der Großbanken die Raiffeisen Bank International, Bank Austria, die Erste Bank und die BAWAG P.S.K. gezählt.

International führende Banken sind HSBC, Bank of America, JP Morgan Chase, Citigroup, Royal Bank of Scotland, Banco Santander, Barclays, Wells Fargo, Goldman Sachs, Crédit Agricole, BNP Paribas, UniCredit, Société Générale, Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, Banca Intesa, ING Group, ICBC, HBOS, Lloyds TSB.[6]

Als weitere große Banken in Europa sind KBC Group, Dexia, Crédit Mutuel, Rabobank, Sberbank, Standard Chartered Bank zu nennen.

Weitere international bekannte Namen sind Westpac, Banco Itaú, Banco Bradesco, China Construction Bank, Royal Bank of Canada, Toronto-Dominion Bank, ICICI Bank, Mizuho Financial Group, Sumitomo Mitsui Financial Group, State Street, SunTrust Banks, U.S. Bancorp und die Bank of New York Mellon.

Übernahmen und Zusammenschlüsse[Bearbeiten]

Die Ende des Jahres 2010 bestehende Struktur der weltweiten Großbanken ist das Ergebnis einer Vielzahl und historisch langen Reihe von Übernahmen und Großfusionen in der Branche. Die meisten der Institute haben eine Geschichte, die in einem oder mehreren Zweigen ihres jeweiligen Konzerns bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht. Ursachen solcher Fusionen sind zum einen Wirtschaftskrisen, in deren Folge einzelne Banken in eine Schieflage gerieten. Nennenswerte Wellen dieser Art waren die Gründerkrise in den 1870er Jahren, die Weltwirtschaftskrise um 1930, die Ölkrise Anfang der 1970er Jahre und neuerdings die Finanzkrise ab 2007. Daneben gab es immer wieder regionale Finanzkrisen mit entsprechenden Wirkungen.[7]

Ein anderer Anstoß für Fusionen und Übernahmen sind neue strategische Ausrichtungen. So entschieden sich die deutschen Großbanken Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer Ausweitung in die Regionen und zu einer national flächendeckenden Präsenz. Zwar wurden auch einige neue Filialen gegründet. Das Wachstum entstand aber vorwiegend durch Übernahme von Dutzenden kleineren und mittleren Regionalbanken im Zeitraum von 1900 bis 1930.[8] Die erste Großfusion in Deutschland war das Zusammengehen der Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft im Jahr 1929. Fusionsimpulse in den USA gab es 1990 durch die Aufhebung des Trennbanksystems sowie 2000, als wesentliche regionale Einschränkungen entfielen. Die Anzahl der „Commercial Banks“ in den USA sank von Ende 1990 bis Mitte 2005 von 12.343 auf 7549, während die Anzahl der Filialen und vor allem der Bankautomaten stieg.[9] Ebenso löste in Italien die Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen eine Privatisierungswelle verbunden mit einer starken Fusionsdynamik aus.[10] Grenzüberschreitende Fusionen in Europa entstanden vorwiegend erst im Zuge der Vereinheitlichung der Marktbedingungen, der Aufhebung nationaler Schutzmechanismen und der Einführung der Eurozone. Ein wichtiger Faktor für Übernahmen ist der Zugang zu neuen Geschäftsfeldern oder der Einstieg in neue Märkte. Häufig entwickelt sich die Expansion der Banken parallel zur Entwicklung ihrer großen Kunden. Dies gilt insbesondere für die Internationalisierung und die sich seit den 1990er Jahren verstärkenden Globalisierungsbestrebungen.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Fischer: Handbuch Wertmanagement in Banken und Versicherungen, Gabler, Wiesbaden 2004, ISBN 978-3-409-12528-4
  • Johannes-Tobias Lorenz: European Banking m&a: Die Kapitalmarktperspektive, Springer, Berlin 2006, ISBN 978-3-8350-0475-7
  • Jörg Mußhoff: Erfolgreiche m&a-transaktionen in der europäischen Bankenindustrie, DUV 2007, ISBN 978-3-8350-0872-4
  • Ingo Walter: Merger and Acquisitions in Banking and Finance, Oxford Uni Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-515900-4

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Detlef Krause: Die Commerz- und Disconto-Bank 1870-1920/23: Bankgeschichte als Systemgeschichte, 2004, ISBN 9783515084864, S. 380
  2. Rudolf Eicke: Das deutsche Bankwesen: Aufbau, Aufgaben und Geschäfte der Banken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften, 2013, ISBN 9783322962799, S. 67, online
  3. Jürgen Krumnow, Ludwig Gramlich (Hrsg.): Gabler Bank Lexikon, 12. Auflage, 1999, ISBN 3-409-46112-4, S. 641-642
  4. Schweizerische Nationalbank: Die Banken in der Schweiz 2013. S. 29 (PDF-Datei, 6,1 MB)
  5. Dirk Lüth: Subsidiarität und föderale Währungsunion in Europa: Eine ergebnis- und verfahrensorientierte Analyse, Band 6 von ebs-Forschung, Schriftenreihe der EUROPEAN BUSINESS SCHOOL Schloß Reichartshausen, 2013, ISBN 9783322976314, S, 266, online
  6. Forbes:The Global 2000
  7. Bundeszentrale für politische Bildung: Größere Fiananzkrisen seit 1970 (abgerufen am 2. September 2012)
  8. Pohl, Manfred: Bankensystem und Bankenkonzentration von den 1850er Jahren bis 1918, in: Europäische Bankengeschichte, hrsg. v. Hans Pohl, Frankfurt/Main 1993, S. 218-233 u. 263-278
  9. The History of JPMorgan Chase & Co., S. 18 (pdf-Seite 20) (abgerufen am 5. September 2009)
  10. Ownership and Control of Italian Banks: A Short Inquiry into the Roots of the Current Context (abgerufen am 10. September 2009)
  11. ALFRED M.H. SLAGER: Banking Across Borders (PDF; 593 kB) Internationalization of the World´s Largest Banks between 1980 and 2000, Erasmus Research Institute of Managements 2004 (Summary)