Großhansdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Großhansdorf
Großhansdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Großhansdorf hervorgehoben
53.662510.28546Koordinaten: 53° 40′ N, 10° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Stormarn
Höhe: 46 m ü. NHN
Fläche: 11,2 km²
Einwohner: 9336 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 834 Einwohner je km²
Postleitzahl: 22927
Vorwahl: 04102
Kfz-Kennzeichen: OD
Gemeindeschlüssel: 01 0 62 023
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Barkholt 64
22927 Großhansdorf
Webpräsenz: www.grosshansdorf.de
Bürgermeister: Janhinnerk Voß
Lage der Gemeinde Großhansdorf im Kreis Stormarn
Hamburg Kreis Herzogtum Lauenburg Kreis Ostholstein Kreis Segeberg Lübeck Ahrensburg Ahrensburg Ammersbek Bad Oldesloe Badendorf Bargfeld-Stegen Bargteheide Barnitz Barsbüttel Braak Brunsbek Delingsdorf Elmenhorst (Stormarn) Elmenhorst (Stormarn) Feldhorst Glinde Grabau (Stormarn) Grande Grönwohld Großensee (Holstein) Großhansdorf Hamberge Hamfelde (Stormarn) Hammoor Heidekamp Heilshoop Hohenfelde (Stormarn) Hoisdorf Jersbek Klein Wesenberg Köthel (Stormarn) Lasbek Lütjensee Meddewade Mönkhagen Neritz Nienwohld Oststeinbek Pölitz Rausdorf (Holstein) Rehhorst Reinbek Reinfeld (Holstein) Rethwisch (Stormarn) Rümpel Siek (Holstein) Stapelfeld Steinburg (Stormarn) Tangstedt (Stormarn) Todendorf Travenbrück Tremsbüttel Trittau Trittau Trittau Wesenberg (Holstein) Westerau Witzhave ZarpenKarte
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Die Waldgemeinde Großhansdorf (niederdeutsch Groothansdörp) liegt in der Metropolregion Hamburg und gehört faktisch zur Agglomeration Hamburgs. Der 9000-Einwohner-Ort liegt im Kreis Stormarn in Schleswig-Holstein in direkter Nachbarschaft zu Ahrensburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Großhansdorf wird erstmals 1274 in einer Urkunde des Hamburger Katharinen-Kirchspiels erwähnt, zu dem es damals kirchlich gehörte. 1435 kam es auch staatsrechtlich zur Hansestadt. 1642 wurde eine Wassermühle angelegt, die bis in das 19. Jahrhundert in Betrieb war. Seit 1701 war Großhansdorf Sitz eines hamburgischen „Waldreiters“, eines Beamten der Polizeibehörde. Die Verkoppelung wurde 1806 vollendet. Groß-Hansdorf und Schmalenbeck wurden 1872 zu einer Gemeinde zusammengefasst, die „Groß-Hansdorf-Schmalenbeck“ hieß. Seit 1921 verbindet die Walddörferbahn - heute U-Bahn-Linie U1 - Großhansdorf mit Hamburg. Bis zum Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 bildeten die Ortsteile Groß-Hansdorf und Schmalenbeck eine Gemeinde im Nordosten Hamburgs, die mit anderen als Exklave zum hamburgischen Staat gehörte (sogenannte hamburgische Walddörfer). Mit dem 1. April 1937 gingen Groß-Hansdorf und Schmalenbeck durch das Groß-Hamburg-Gesetz an das damals preußische Schleswig-Holstein über. Die Gemeinde war nun 1937 in den Kreis Stormarn gewechselt und wurde 1949 für ca. 1½ Jahre dem Amtsbezirk Ahrensburg zugeordnet (s. u.). Im Laufe der Jahre bürgerte sich für die Gesamtgemeinde der Name Großhansdorf ein, der Zusatz Schmalenbeck ist also im Sprachgebrauch entfallen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß die Gemeinde dann auch offiziell Großhansdorf, Schmalenbeck wird noch als Ortsteil bezeichnet. Etwa 60 % der Einwohner leben im Ortsteil Schmalenbeck und ca. 40 % im Ortsteil Großhansdorf (inoffiziell: Alt-Großhansdorf genannt). Nach der Zerstörung Hamburgs im Zweiten Weltkrieg verlegten wohlhabende Unternehmer ihren Wohnsitz nach Großhansdorf. Seit 1951 ist Großhansdorf eine amtsfreie Gemeinde.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1980 wurde ein Gebietsteil der Nachbargemeinde Siek mit damals etwa 50 Einwohnern eingegliedert.[2]

Ortsteile[Bearbeiten]

Schmalenbeck[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Schmalenbeck beläuft sich auf das Jahr 1314. Seit 1444 gehörte es zu Hamburg. Aus dem unterirdisch gespeisten Dorfteich „Groten Diek“ (es existiert eine gleichnamige Straße) floss die „Smale Beeke“ (schmaler Bach). Zumindest bis zur Vereinigung der beiden Gemeinden im Jahre 1872 bildete der Viebach jedenfalls im Wesentlichen die Grenze zwischen Großhansdorf und Schmalenbeck. So lag das Gasthaus Dunker am Mühlenteich in Schmalenbeck.

Kiekut[Bearbeiten]

Kiekut ist ein von der Bevölkerung so bezeichneter, nicht eindeutig abgegrenzter Bereich des Ortsteiles Schmalenbeck. Seinen Namen erhielt dieser von einer ehemaligen, an der Straße zum Kirchdorf Siek (heutiger Name 'Wöhrendamm') belegenen Gaststätte. Da deren Wirt ständig aus dem Fenster sah, ob nicht einer der wenigen Gäste vorbei kam, sprachen die Bürger von dem „Kiekut-Wirtshaus“. Der Standort des Wirtshauses kann am besten mit einem Punkt hinter dem Grundstück bezeichnet werden: dort geht die U-Bahn-Strecke vom Einschnitt auf den Bahndamm über.

Der vor dem Ersten Weltkrieg auf der Endmoräne (70 m ü. M.) neben der späteren Haltestelle erbaute, hölzerne Aussichtsturm, der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg baufällig war und nach diesem dann einstürzte, war nicht Namensgeber. Dennoch sprechen die Bürger vom „Kiekutberg“. Die Betonfundamente des Turmes existieren noch heute. Immerhin erhielt die daneben erbaute U-Bahn-Haltestelle anstatt des zunächst angedachten Namens 'Schmalenbeck-Ost' den prägnanten Namen 'Kiekut'. In diesem Bereich liegt heute das Großhansdorfer Rathaus mit dem Waldreitersaal und die katholische Kirche.

Politik[Bearbeiten]

Großhansdorf wurde jahrzehntelang von einer absoluten CDU-Mehrheit regiert. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2008 verlor die Partei ihre absolute Mehrheit und erhielt nur mehr 41,6 % der Stimmen, ist aber nach wie vor mit 10 von 22 Sitzen stärkste Fraktion in der Gemeindevertretung. Es folgen Bündnis90/Die Grünen mit 23,2 % (5 Sitze), SPD mit 19,9 % (4 Sitze) und FDP mit 15,3 % (3 Sitze). Der direkt gewählte Bürgermeister ist Janhinnerk Voß (parteilos; zuletzt wiedergewählt im September 2013).

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Grün auf goldenem Dreiberg, der von einem blauen Wellenbalken durchzogen wird, ein silberner Reiter in der Tracht des 16. Jh. auf silbernem Pferd.“[3]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gewerbestruktur[Bearbeiten]

Großhansdorf ist eine reine Wohngemeinde und besitzt im Gegensatz zu den Nachbarorten keine Gewerbegebiete. Am U-Bahnhof Großhansdorf befindet sich im Eilbergweg ein größeres Geschäftsviertel, am Bahnhof Schmalenbeck ein kleineres und an der U-Bahn-Haltestelle Kiekut gegenüber dem Rathaus ein noch kleineres. Alle Gewerbe dienen fast ausschließlich der Versorgung der eigenen Bevölkerung. Die Einkommen der berufstätigen Bürger werden fast ausschließlich in Hamburg erzielt (Ausnahme: Großhansdorfer Kliniken). U1 und A 1 sind die Pendlerstrecken in die große Metropole. Bemerkenswert ist, dass das Großhansdorfer Werk der Hamburger Wasser-Werke (HWW) in Kürze die Hansestadt Lübeck mit Trinkwasser versorgen wird.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Ort liegt an der Bundesautobahn 1 zwischen dem Kreuz Bargteheide und der Anschlussstelle Stapelfeld. Von der Abfahrt geht es entweder direkt in den Ortsteil Schmalenbeck oder über eine Umgehungsstraße in die Stadt Ahrensburg.

Fragment des U-Bahnhofs Beimoor

Großhansdorf wird mit Omnibuslinien und der U-Bahn des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) bedient, die Linie U1 (blau) hat ihren Endbahnhof in Großhansdorf. Insgesamt gibt es drei Stationen im Gemeindegebiet: Schmalenbeck, Kiekut und Großhansdorf. Die Fahrt von Großhansdorf zum Hamburger Hauptbahnhof dauert 43 Minuten. Eine vierte Haltestelle, Beimoor, befand sich während des Ersten Weltkriegs sowie kurz danach in Bau und war bereits weitgehend fertiggestellt worden. An der zweigleisigen Strecke und den Abstellgleisen fehlte nur noch die Stromschiene, als das Vorhaben gleich nach dem Ersten Weltkrieg aufgegeben wurde, genau wie die Planung einer Rüstungsfabrik im Beimoorwald.

Vor dem Zweiten Weltkrieg übte die Hitlerjugend das Sprengen, so dass vom Bahnhofsgebäude fast nichts und vom Bahnsteigdach gar nichts mehr vorhanden ist. Im teilweise verschütteten und von der Gemeindeverwaltung mit einer Wand (mit Tür und Einflugloch) versehenen Zugangstunnel nisten heute Fledermäuse. Der leicht verwitterte Bahnsteig für die damals auf der Walddörferbahn vorgesehenen Vier-Wagen-Züge ist noch voll erhalten. Noch vor Einweihung der Strecke im November 1921 war auch das zweite Gleis von Großhansdorf bis in die Halle des Bahnhofes Volksdorf wieder abgetragen worden; nur in Schmalenbeck befand sich eine Ausweichstelle mit den beiden einzigen Weichen auf der ganzen Strecke. Erst später erhielt der Abschnitt Volksdorf - Buchenkamp auf dem hamburgischen Staatsgebiet sein zweites Gleis wieder und ebenso der Bahnhof Großhansdorf mit Gleis 2 und dazu seine beiden Abstellgleise. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der heutige Stand mit der Errichtung der Ausweichstelle im Bahnhof Ahrensburg-West erreicht; der 20-Minuten-Takt (morgens und abends sogar je 2½ Stunden lang 10-Minuten-Takt) machte den Bau erforderlich.

Gesundheit[Bearbeiten]

In Großhansdorf gibt es zwei Krankenhäuser: Die Park-Klinik Manhagen (arthroskopische und endoprothetische Chirurgie an Knie und Hüfte) sowie das Krankenhaus Großhansdorf, welches in den Bereichen der Pneumologie und vor allem der Thoraxchirurgie einen sehr guten Ruf genießt und international bekannt ist. Gegründet wurde das Krankenhaus als Reha-Stätte für Menschen, die an Tuberkulose litten. Es ist seit einiger Zeit der Universität Lübeck zugeordnet.

Bildungs- und Forschungseinrichtungen[Bearbeiten]

Seit 1906 besitzt Großhansdorf eine Gemeindebücherei, die sich heute im Ortsteil Schmalenbeck befindet.

Beide Ortsteile haben je eine Grundschule, der Hauptschulbereich der Grund- und Hauptschule in Schmalenbeck wurde allerdings wegen zu geringer Schülerzahlen zum 1. August 2008 geschlossen. In dem Schulzentrum in Schmalenbeck sind weiterhin die Friedrich Junge-Schule und das Gymnasium Emil-von-Behring (rund 770 Schüler, stand 2003) angesiedelt. Das EvB existiert seit dem 1. August 1967 und ist eine von 28 Europaschulen in Schleswig-Holstein.

Das Institut für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft befindet sich im ehemaligen Landhaus Tannenhöft des Reeders George Henry Lütgens. Das heutige Arboretum des Instituts wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Gartenarchitekten Rudolph Jürgens als Parkanlage für Herrn Henry Lütgens, Gr. Hansdorf konzipiert.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Kulturdenkmale in Großhansdorf stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Großhansdorf gliedert sich in zwei Ortsteile: Schmalenbeck und Großhansdorf.

Der Groten Diek in Schmalenbeck, im Hintergrund die evangelisch-lutherische Kirche

Entwicklung des Gemeindegebiets[Bearbeiten]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die bisher selbstständigen Gemeinden Großhansdorf und Schmalenbeck wurden 1872 zur Gemeinde Groß-Hansdorf-Schmalenbeck zusammengelegt. Nach der Ausgliederung aus dem hamburgischen Staatsgebiet 1937 wurde der Name auf Großhansdorf verkürzt (obwohl Schmalenbeck der deutlich größere Ortsteil ist).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1811: 250
  • 1910: 591
  • 1933: 1.633
  • 2002: 8.987
  • 2004: 9.036
  • 2005: 9.242

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Siegfried Assmann (* 1. Februar 1925), Maler, Bildhauer und Zeichner, lebt und arbeitet in Großhansdorf
  • Paul Brock (1900–1986), ostpreußischer Schriftsteller, lebte seit 1953 in Großhansdorf

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Großhansdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 187.
  3. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  4. Ingrid A. Schubert: Tannenhöft – Gartenkunstwerk und Arboretum. In: M. Liesebach, B. R. Stephan (Hrsg): Tannenhöft – 90 Jahre Arboretum – 50 Jahre Institut für Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung. Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Hamburg 1998, Digital, abgerufen am 29. Juli 2011.