Grumman EA-6

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Grumman EA-6 Prowler
VMAQ-2 jet over Iraq in 2004.jpg
Eine EA-6B „Prowler“ des U.S. Marine Corps
Typ: EloKa-Kampfflugzeug
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Grumman Aerospace Corporation
Erstflug: 25. Mai 1968
Indienststellung: Juli 1971
Produktionszeit: 1966 bis 1991
Stückzahl: 170

Die Grumman EA-6 Prowler ist ein trägergestütztes Kampfflugzeug der US Navy zur elektronischen Kriegsführung. Es handelt sich dabei um eine Abwandlung der A-6 „Intruder“.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung und Einführung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der EA-6 geht bis zur Mitte der 1960er-Jahre zurück, als das US Marine Corps einen Nachfolger für die EF-10B „Skyknight“ suchte. Um Kosten und Zeit zu sparen, entschloss man sich, wie schon bei anderen EloKa-Modellen zuvor, statt einer kompletten Neuentwicklung ein vorhandenes Kampfflugzeug auszuwählen und umzurüsten. Als Basismuster entschied man sich für die A-6 Intruder und gegen die von vielen Offizieren favorisierte F-4 „Phantom II“. Der Grund dafür war, dass die A-6 eine höhere Kapazität für die Unterbringung der benötigten Elektronik aufwies, damit auch ein geringeres Entwicklungsrisiko besaß und die schlechteren Flugleistungen gegenüber der F-4 im vorgesehenen Einsatzspektrum nur eine untergeordnete Rolle spielten.

EA-6A Electric Intruder, 1978

Die erste umgebaute EA-6A absolvierte ihren Jungfernflug am 26. April 1963, ausgestattet mit der AN/ALQ-86-ECM-Ausrüstung. Nachdem insgesamt 28 EA-6A-Maschinen hergestellt worden waren (zwei Prototypen, 15 Neubauten und 11 Umbauten aus A-6A), wurden diese von drei Staffeln des Marine Corps über Vietnam eingesetzt. Der Großteil der Maschinen wurde bereits in den 1970er Jahren wieder außer Dienst gestellt, die letzte folgte am 1. Oktober 1993 in Key West. Die EA-6A, die auch den Beinamen „Electric Intruder“ trug, war im Wesentlichen eine Übergangslösung, bis die fortschrittlichere EA-6B zur Verfügung stand.

Der Entwicklungsbeginn für die wesentlich leistungsstärkere EA-6B erfolgte 1966, als nach dem Marine Corps auch die US Navy nach einem neuen Muster als ECM-Träger suchte. Zuvor hatten sich die EKA-3B „Skywarrior“ über Vietnam als hoffnungslos veraltet erwiesen. Die US Navy griff nun auf die Erfahrungen mit der EA-6A zurück und begann damit, das Muster an ihre Bedürfnisse anzupassen. Dafür musste der Rumpf verlängert werden, um ein größeres Cockpit für eine vierköpfige Besatzung unterzubringen und eine Antennenverkleidung wurde an der Spitze des Seitenleitwerks montiert. Das nun als Prowler bezeichnete Muster flog erstmals am 25. Mai 1968 und wurde nach kurzer erfolgreiche Erprobung im Juli 1971 in Dienst gestellt. Bis 1991 wurden insgesamt 170 EA-6B-Serienmaschinen hergestellt.

Kampfwertsteigerungen[Bearbeiten]

Aufgrund ihrer umfangreichen ECM-Ausrüstung und bedingt durch das Alter der Maschinen (produziert bis 1991), ist die EA-6B eines der wartungsintensivsten Flugzeuge im Arsenal der Navy bzw. Marine Corps und hat zahlreiche Kampfwertsteigerungen erfahren. Unter anderem erfolgte Anfang 1973 das EXCAP-Upgrade, worauf 1976 das ICAP-Upgrade folgte, das wiederum im ICAP-II-Upgrade von 1980 mündete. Letzteres stellt vermutlich das bedeutendste Upgrade dar, da es den Einsatz der AGM-45 Shrike- und der AGM-88 HARM-Rakete ermöglicht. Obwohl die Prowler als EloKa-Flugzeug konzipiert wurde, ist sie auch in der Lage, Landziele anzugreifen (primär Radaranlagen und Luftabwehrstellungen). Darüber hinaus kann sie im begrenzten Maße auch SIGINT-Missionen erfüllen.

Einsätze[Bearbeiten]

Eine EA-6B Prowler vom Electronic Attack Squadron One Three Five (VAQ-135) startet vom Flugzeugträger USS Nimitz (CVN-68)

Seit der Ausmusterung der EF-111 Raven im Jahr 1995, war die EA-6B das einzige verbleibende EloKa-Flugzeug der US-Streitkräfte, bis 2009 das Nachfolgemodell EA-18G Growler in Dienst gestellt worden ist. Der EA-6B flog bei fast allen amerikanischen Kampfhandlungen seit 1972 und wird häufig zur Unterstützung der US Air Force angefordert. Während sie im Vietnam-, den Golf- und Balkankriegen primär zur Störung und Unterdrückung der feindlichen Luftabwehr eingesetzt worden ist, wurde ihr Einsatzspektrum im Afghanistankrieg zur Bekämpfung von Sprengfallen erweitert: hierbei wird ihre ECM-Ausrüstung für die Blockierung von Fernzündern verwendet.

Gegenwärtig sind noch 125 Prowler im aktiven Truppendienst, aufgeteilt in 20 Staffeln. Zwölf sind dabei der Navy zugeordnet, vier dem Marine Corps und weitere vier sind gemeinsame Navy-Air-Force-„Expeditionary“-Staffeln. Dabei handelt sich um Einheiten auf die Air Force und Navy gemeinsam zurückgreifen können, da sie nach dem Scheitern des EB-52-Projekts auch auf absehbare Zeit kein eigenes ECM-Flugzeug besitzen wird.

Zwischenfälle[Bearbeiten]

Während keine Prowler jemals im Gefecht verloren gegangen ist, wurden bis 2007 über 40 Maschinen bei verschiedenen Unfällen zerstört:

  • Am 26. Mai 1981 stürzte eine EA-6B des US Marine Corps auf das Flugdeck der USS Nimitz (CVN-68). Beim anschließenden Brand wurden 14 Besatzungsmitglieder getötet und weitere 45 verletzt. Der Crash, das anschließende Feuer und Explosionen zerstörten oder beschädigten elf weitere Flugzeuge.
  • Am 3. Februar 1998 durchtrennte eine EA-6B Prowler im Tiefflug mit über 800 km/h das Tragseil der Cavalese-Seilbahn in Italien. Die daran hängende Gondel stürzte etwa 80 Meter in die Tiefe. Alle 20 Insassen starben. Das mit vier Personen besetzte Flugzeug wurde zwar beschädigt, konnte aber noch zum Luftwaffenstützpunkt Aviano Air Base zurückkehren. Der Pilot hatte die Mindestflughöhe von 600 Metern unterschritten; beim Unfall betrug diese tatsächlich nur 110 Meter.

Bisher starben insgesamt 51 Besatzungsmitglieder der Prowler bei Unfällen.

Konstruktion[Bearbeiten]

Gut zu erkennen sind die goldbeschichteten Cockpithauben der EA-6B Prowler

Die EA-6B Prowler wird von zwei Turbojet-Triebwerken angetrieben und ist in der Lage, hohe Unterschallgeschwindigkeiten zu erreichen. Um die Arbeitsbelastung für die Besatzung verringern und gleichzeitig das Einsatzspektrum erweitern zu können, entschied man sich, die EA-6B gegenüber dem Ausgangsmuster auf eine vierköpfige Besatzung (drei Bediener für die EloKa-Systeme) umzustellen. Dafür musste der Rumpf um 1,36 Meter gestreckt werden. Auch eine Verstärkung der Zelle war notwendig, um mit großen Lasten wieder auf dem Flugzeugträgerdeck landen zu können. Die Tankkapazität beträgt 8705 Liter, extern können zusätzlich zwei Tanks mit je 5680 Litern Kapazität angebracht werden.

Abgesehen vom verlängerten Rumpf und der viersitzigen Auslegung ist die Antennenkuppel an der Spitze des Seitenleitwerks eines der auffälligsten Konstruktionsmerkmale. Dort sind Teile der EloKa-Systeme AN/ALQ-99 und USQ-113 untergebracht. Ebenfalls auffällig sind die goldbeschichteten Cockpithauben. Anders als bei vielen anderen Kampfflugzeugen wie etwa der F-16, bei denen die Beschichtung den RCS-Wert reduzieren soll, dient diese Maßnahme bei der Prowler zum Schutz der Besatzung vor den Emissionen der ECM-Ausrüstung.

Militärische Nutzung[Bearbeiten]

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Technische Daten[Bearbeiten]

EA-6B Prowler mit montierter Störausrüstung unter den Tragflächen.
Kenngröße Daten der EA-6B
Länge 18,24 m
Spannweite
  • 16,15 m
  • 7,72 m (gefaltet)
Höhe 4,95 m
Flügelfläche 49,13 m²
Leermasse 14.588 kg
Maximale Startmasse 29.484 kg
Höchstgeschwindigkeit 982 km/h (auf Meereshöhe)
Marschgeschwindigkeit 774 km/h (auf Meereshöhe)
Maximale Steigrate 65 m/s
Dienstgipfelhöhe 12.268 m
Flugreichweite 3.861 km
Triebwerk zwei Strahltriebwerke Pratt & Whitney J52-P408A mit je 46 kN Schub

Zuladung (Bewaffnung)[Bearbeiten]

Kampfmittel bis zu 8.164 kg an fünf Außenlaststationen unter den beiden Tragflächen und dem Rumpf
Luft-Boden-Lenkwaffen
Externe Behälter
  • 5 × abwerfbare Zusatztanks für 1.100 Liter (300 US-Gallonen) Kerosin
  • 5 × AN/ALQ-99 Tactical Jamming System (TJS), EKF-Störbehälter

EloKa-Ausrüstung[Bearbeiten]

  • AN/ALQ-99 Tactical Jamming System (TJS)
  • USQ-113 Communications Jamming System (CJS)

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Liste von Flugzeugtypen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 3 dead in Prowler crash near Spokane, Navy Times vom 11. März 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • David Donald (Hrsg.): Northrop Grumman EA-6B Prowler. In: Warplanes of the Fleet. AIRtime. 2004, ISBN 1-880588-81-1.
  • Kurt H. Miska: Grumman A-6A/E Intruder. EA-6A. EA6B Prowler (Aircraft in Profile number 252). In: Aircraft in Profile. Volume 14, Profile Publications Ltd., Windsor 1974, S. 137–160, ISBN 0-85383-023-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: EA-6 Prowler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Dieser Artikel beruht auf einer Übersetzung des Artikels Northrop Grumman EA-6B Prowler aus der englischsprachigen Wikipedia in der Version vom 4. Juli 2012.