Grumman S-2

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Grumman S2F/S-2 Tracker
S-2E VS-29 CVS-33.jpg
S-2E „Tracker“ des VS-29 Tromboners-Squadron
Typ: U-Jagd-Flugzeug
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Grumman Aircraft Engineering Corporation
Erstflug: 4. Dezember 1952
Indienststellung: 1954
Stückzahl: 1.284

Die Grumman S-2 Tracker war ein flugzeugträgergestütztes U-Boot-Jagdflugzeug aus US-amerikanischer Produktion.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die S-2 ist ein Schulterdecker, um ein großes Kabinenvolumen zu gewährleisten, das man brauchte, um die umfangreiche Bordausrüstung unterzubringen. Weitere Konstruktionsmerkmale sind ein großer Waffenschacht, ein Suchradar in einer fahrbaren Wanne unter dem Rumpf, ein Magnetfeldortungsgerät (MAD) in einem einziehbaren Heckausleger, ein Suchscheinwerfer unter der Steuerbordtragfläche sowie faltbare Flügel und ein Fanghaken, um das Flugzeug auf Flugzeugträgern betreiben zu können.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine S2F-1 der VS-32 auf der USS Leyte 1955
Eine S-2A mit ausgefahrenem MAD und Radar
S-2E der Staffel VS-25 der USS Yorktown 1967
Eine australische S-2E 1976 auf der HMAS Melbourne
S-2T TurboTracker der argentinischen Marine 2005
Grumman S-2N der Koninklijke Marine
Feuerlöschflugzeug S-2F3AT 2006

Die Geschichte der S-2 beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg, als die US Navy noch sogenannte Hunter/Killer Teams einsetzte, bei dem ein Flugzeug das U-Boot mit Sonar suchte und das andere anschließend versuchte, das U-Boot zu versenken. Dieses Konzept erwies sich aber bald als unzureichend, da nur die Funkverbindung zwischen den beiden Flugzeugen ausfallen musste, um eine Mission zum Scheitern zu bringen. Außerdem wurden zu dieser Zeit neue U-Boote mit Nuklearantrieb entwickelt, die schneller fahren und tiefer tauchen konnten. Die Boote wurden zudem immer leiser. Die Marine suchte deshalb einen Nachfolger.

Grumman entwarf daraufhin den Prototyp Grumman G-89. Dieser Prototyp wurde von der Marine auch akzeptiert. Dieser Prototyp flog am 4. Dezember 1952 unter der Bezeichnung XS2F-1 das erste Mal. Die erste Serienversion, jetzt unter der Bezeichnung S-2A, ging im Februar 1954 beim Anti-Submarine Squadron VS-26 in Dienst. Von dieser Version wurden mehr als 500 Stück für die Navy gebaut, zusätzlich wurden 100 S-2A in andere Länder exportiert.

Weitere Versionen waren die S-2B, die ein verbessertes Sonar und eine bessere Bewaffnung bekam, und die S-2C, die einen größeren Waffenschacht und größeres Leitwerk erhielt, um das höhere Gewicht tragen zu können. Die nächste Version war die S-2D, die Tragflächen mit einer größeren Spannweite hatte, ein nochmal vergrößertes Leitwerk, eine größere Treibstoffkapazität und Motorzellen, die mehr Sonarbojen tragen konnten (insgesamt 32). Außerdem wurde der Vorderrumpf verlängert und verbreitert, um der Besatzung mehr Platz zu verschaffen. Die S-2D wurde im Mai 1961 in Dienst gestellt und tat am Ende bei mindestens fünfzehn Staffeln Dienst.

Versionen[Bearbeiten]

YS-2A (YS2F-1)
Prototypen, 15 gebaut.
S-2A (S2F-1)
Serienvariante mit Wright R-1820-82WA-Motoren, 740 gebaut.
TS-2A
207 zu Trainingsflugzeugen umgebaute S-2A.
US-2A
50 zu Zielschleppflugzeugen umgebaute S-2A.
S-2B (S2F-1S)
mit Julie-Jezebel Ortungssystem ausgerüstete S-2A.
US-2B
64 zu Mehrzweckflugzeugen (ohne Bewaffnung) umgebaute S-2A, TS-2A, US-2A und S-2B.
S-2C (S2F-2)
S-2A mit vergrößertem Bombenschacht und Heckleitwerk, 77 gebaut.
RS-2C (S2F-2P)
einige zu Aufklärungsflugzeugen umgebaute S-2C.
US-2C (S2F-2U)
48 zu Mehrzweckflugzeugen (ohne Bewaffnung) umgebaute S-2C.
S-2D (S2F-3)
Version mit vergrößertem Cockpit, Spannweite, Heckleitwerk und Treibstoffvorrat, Verdopplung der Anzahl der mitgeführten Sonarbojen auf 16, 100 gebaut.
S-2E (S2F-3S)
S-2D mit AN/APS-88 Radar, das das AM/APS-38B der S-2D ersetzte. Das Julie-Jezebel Gerät wurde vom neuen AS/ASN-30 abgelöst. Äußerlich sind die S-2D und S-2E identisch, 252 wurden gebaut. Die S-2E wurde auch in andere Länder exportiert: Nach Australien, Korea, Taiwan, Venezuela, Brasilien, Argentinien, Uruguay, Peru und in die Türkei.
S-2F (S2F-1S1)
S-2F war die Bezeichnung einer Version der S-2B mit modernerer Suchausrüstung.
S-2G
Die letzte von der US Navy benutzte U-Jagdversion der Grumman Tracker war die S-2G. Bei ihr handelte es sich um 49 modernisierte S-2E. Das Julie-Jezebel System wurde weiter verbessert und trug nun die Bezeichnung AM/ASN-92V. Auch die Möglichkeit Funksprüche des Gegners in tieferen Frequenzbereichen aufzuspüren wurde mit dem AN/AQA-7 weiter verbessert. Als erste Tracker bekam die S-2G eine ECM Ausrüstung um sich gegen gegnerische Angriffe auch elektronisch zur Wehr zu setzen. Die S-2E und S-2G wurden bis in die Mitte der 1970er Jahre hinein verwendet. Die Träger USS Kitty Hawk (CV-63) und USS Saratoga (CV-60) setzten als einzige „große“ Träger die Tracker im Rahmen des CV-Konzeptes ein. Das CV-Konzept beinhaltete, dass die Anriffsträger die U-Jagdeinheiten übernahmen, um sich selbst gegen U-Boote zu schützen. Die S-2G tat Dienst, bis sie von der S-3 Viking ersetzt wurde.
CS2F-1
42 von De Havilland Canada in Lizenz gebaute S2F-1.
CS2F-2
verbesserte Version mit Avionik von Litton Industries. 57 wurden von De Havilland Canada gebaut.
CS2F-3
43 CS2F-2 mit verbesserter Elektronik.
CP-121
Bezeichnung für die CS2F-1/-2/-3 ab 1968.
S-2T
1986 wurde eine S-2 mit Propellerturbinen Garret TPE331 mit 1227 kW Leistung und einer fünfblättrigen Luftschraube ausgerüstet. Diese erhielt 1990 nach umfangreichen Flugversuchen die Zulassung der FAA. 1991 begannen die Test der nun als Turbo Tracker bezeichneten Version als Patrouillen- und U-Boot-Jagdflugzeug, welches 1992 die Trägerqualifikation erhielt. Dieser Umbau ging als Bausatz an Argentinien, die ab 1993 neue Maschinen dieser Version übernahm. Auch Taiwan stellte 27 auf Turbinen umgerüstete, mit Vierblattpropellern ausgerüstete und weiter modernisierte S-2 in Dienst, von denen 2009 noch vier im Einsatz sind.

Einsatz bei der Koninklijke Marine[Bearbeiten]

Zwischen dem 8. März 1960 und dem 12. Januar 1961 erhielt auch die niederländische Marine 26 Flugzeuge des Typs S-2A (S2F-1) Tracker von der US Navy, zu denen am 30. März 1962 zwei weitere hinzukamen. Sie trugen die Seriennummer 146 bis 173 und waren beim 320. und 4. S Schwadron als U-Boot-Abwehr Flugzeuge eingesetzt. Zwischen Juni 1968 und Dezember 1970 wurden 18 dieser Maschinen in Kanada bei Fairey auf den Ausrüstungsstand S-2N gebracht um beim 1. Schwadron eingesetzt zu werden. Vier dieser Maschinen wiederum wurden im Mai 1971 zu Trainings- und Transportflugzeugen umgerüstet. Die Niederländische Marine musterte die letzten Maschinen am 7. Januar 1976 aus. Einige davon gingen an die Türkische Marine.

17 weitere Grumman CS2F-1 (CS-2A) mit der Seriennummer 180-196 der Kanadische Marine wurden, nachdem sie bei Fairey überholt wurden, zwischen dem 6. Dezember 1960 und dem 18. September 1961 ebenfalls an die Niederländische Marine verkauft. Sie wurden durchwegs auf Curacao auf den Niederländischen Antillen stationiert und führten maritime Aufklärungsflüge und U-Boot-Abwehr Einsätze durch. Zwischen dem 1. Mai 1968 und dem 1. August 1970 wurden diese Maschinen in die Niederlande überführt und dort abgewrackt oder als Übungsflugzeug am Boden verwendet.[1]

Andere Versionen[Bearbeiten]

Eine Version der S-2 war die C-1 Trader, ein neunsitziges Verbindungsflugzeug für Flüge vom Land zu einem Flugzeugträger.

Eine weitere Version war die E-1 Tracer ein Frühwarnflugzeug mit einem großen Radom über dem Rumpf, in dem sich das Frühwarnradar APS-82 drehte. Dieses Flugzeug wurde schließlich durch Grumman E-2 ersetzt.

In Kanada wurden einige Tracker zu Feuerlöschflugzeugen umgebaut Diese Flugzeuge hießen Firecat oder Turbo Firecat. Die Firecat war ein einfacher Umbau der S-2A mit einem 3296 Liter Löschmitteltank im Rumpf. Bei der Turbo Firecat wurden die Kolbenmotoren durch PT-6A-67AF Propellerturbinen ersetzt und ein 3455 Liter großer Löschmitteltank eingebaut. Marsh Aviation aus den USA bauten einige Maschinen ebenfalls für den Feuerlöscheinsatz für das kalifornische Wald- und Brandschutzministerium um. Diese S-2AT bezeichneten Maschinen waren wiederum mit Garrat TPE331 Turboprop ausgerüstet.

Militärische Nutzer[Bearbeiten]

ArgentinienArgentinien Argentinien

Beschaffte 1962 7 S-2A, 1978 6 S-2E und 1990 3 S-2G. In den 1990ern wurden 6 mit Turoproptriebwerken ausgestattet und werden nun als S-2T bezeichnet.

AustralienAustralien Australien
BrasilienBrasilien Brasilien

Die Luftwaffe setzte ihre S-2A (P-16A) und S-2E (P-16E) vom Flugzeugträger NAeL Minas Gerais aus ein.

ItalienItalien Italien
JapanJapan Japan
KanadaKanada Kanada
NiederlandeNiederlande Niederlande
ThailandThailand Thailand
PeruPeru Peru
Korea SudSüdkorea Südkorea
China RepublikRepublik China Republik China
TurkeiTürkei Türkei
UruguayUruguay Uruguay
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
VenezuelaVenezuela Venezuela

Technische Daten[Bearbeiten]

3-Seiten-Riss einer S-2D/E/G
Kenngröße Daten der S-2E
Typ: träger-und landgestütztes U-Jagdflugzeug
Triebwerk: 2 Neun-Zylinder-Sternmotoren Wright R-1820-82WA Cyclone, je 1137 kW (1546 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 426 km/h
Patrouillengeschwindigkeit: 241 km/h (in 455 m Höhe)
Überführungsreichweite: 2.092 km
Flugdauer: 9 h (mit max Treibstoffzuladung und 10 % Reserve)
Leermasse: 8.505 kg
max. Startmasse: 13.222 kg
Spannweite: 22,12 m
Länge: 13,26 m
Höhe: 5,05 m
Bewaffnung: 1 nukleare Wasserbombe Mk 57 oder Mk 101 im internen Waffenschacht und Torpedos an 6 Stationen unter den Flügeln

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: S-2 Tracker – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. FliegerRevue Juni 2009, S.24-29, Die zweite Karriere der Tracker