Haintchen

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50.368.3169444444444370Koordinaten: 50° 21′ 36″ N, 8° 19′ 1″ O

Haintchen
Höhe: 370 m
Fläche: 12,02 km²
Einwohner: 949 (30. Jun. 2012)
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 65618
Vorwahl: 06475
Taunuslandschaft bei Haintchen (östlicher Hintertaunus)

Haintchen ist ein Ortsteil der Gemeinde Selters (Taunus) im Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ansicht Haintchen

Haintchen liegt im östlichen Hintertaunus, an der Wasserscheide zwischen den Tälern von Emsbach und Weil, nordwestlich des Großen Feldberg im Naturpark Taunus. Das Dorf erstreckt sich in einer nach Nordwesten öffnenden Talmulde des Eisenbachs, zwischen den Erhebungen des Koberg (461 m) im Süden und dem Blumenstück (445 m) im Südosten. Weitere Erhebungen sind der Hebenberg (440 m) im Südwesten, der Liewersberg (475 m) im Südosten und der südlich vom Koberg gelegene Suterkopf (462 m). Die Höhenlage der Gemarkung liegt im mittleren Bachtalverlauf des Eisenbachs im Westen auf rund 300 m und erreicht in den Erhebungen im Süden bis 500 m ü. NN. Die Gemarkungsfläche ist 12,02 Quadratkilometer groß, wovon 7,43 km² Waldfläche sind.

Von den höher gelegenen Stellen des Dorfes besteht bei klarer Wetterlage eine weite Fernsicht nach Westen über den Goldenen Grund zu den Ausläufern des Westlichen Hintertaunus. Nach Nordwesten über das Limburger Becken bis in den Westerwald. Nach Norden über die Ausläufer des Östlichen Hintertaunus und Weilburger Lahntalgebiet zum Westerwald und nach Nordosten in Richtung des Gladenbacher Berglands mit dem Basaltkegel des Dünsberges. Dieser Fernblick erstreckt sich an kalten, klaren Wintertagen, wenn eine Inversionswetterlage besteht, teilweise bis 40 Kilometer Entfernung.

Nächste größere Städte in der Umgebung sind Bad Camberg (12 km südwestlich), Limburg a. d. Lahn (21 km nordwestlich) und Usingen (22 km östlich).

Ortsansicht mit Pfarrkirche St. Nikolaus

Die Gemarkung grenzt im Westen an Eisenbach und Münster. Im Norden und Nordosten schließen die Weilmünsterer Ortsteile Wolfenhausen, Laubuseschbach und Langenbach an. Im Osten und Südosten schließt sich der Hochtaunuskreis mit den Weilroder Ortsteilen Emmershausen und Hasselbach an.

Geschichte[Bearbeiten]

Ersterwähnung[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung ist aus dem Jahre 1388 belegt. In der Erwähnung vom 25. Juli 1388 in einem von der Äbtissin Sophie von Lindau angelegten Fortsetzung des Zinsbuches des Zisterzienserinnenklosters Gnadenthal heißt es: "Item gebin wir alle jar der kyerchin zu dem Hayne 1/2 punt waisis un(d) 6 junge h. zu oistirn auch von Husin, unsim hoibe.-" (Somit geben wir alle Jahre der Kirche zu Haintchen ein halbes Pfund Wachs und sechs junge Heller zu Ostern auch von Hausen, unserem Hof).

Bereits 1388 bestand im Ort ein Vorgängerbau der heutigen Kirche, wegen der Lage an der alten Hessenstraße vermutlich ebenfalls dem Heiligen Nikolaus als Schutzpatron der Reisenden geweiht. Dazu kam ein umfangreicher Pfarrhof mit dem alten Pfarrhaus und der Scheune.

Landes- und Lehnsherren waren Diez, später Nassau und Kurtrier, der Amtssitz war das nahe Camberg. Der Ort ist vermutlich bereits im 11. oder 12. Jahrhundert als Rodungssiedlung entstanden. Der Name Haintchen lässt sich von dem alten Wort "Hain", gerodeter oder lichter und gehegter Wald, ableiten. Auch die Lage an der alten West-/Ost-Fernstraße, die man erst in neuerer Zeit Hessenstraße nannte, spricht dafür, dass das Dorf schon einige Jahrhunderte bestand, als es mit seiner Kirche zum ersten Mal im Gnadenthaler Zinsbuch von 1388 genannt wurde. Ein bedeutendes Gut nahe dem Dorf war der "Hof zu Hausen", der ebenfalls in dem Dokument aus dem Jahr 1388 erwähnt wird und noch heute besteht, allerdings inzwischen in der Gemarkung des Nachbarorts Eisenbach.

Frühe Schreibweisen: Hayne, Haynchen, Hayngen, Haingen, Haintgen.

Gang durch die Jahrhunderte[Bearbeiten]

Die geschützte Tallage und die günstige Lage auf halber Höhe des Geländes ansteigen, mit einer weiten Fernsicht in das Umland, waren vermutlich ausschlaggebend für eine damalige Ortsgründung. Auch die Handelsstraße der alten Hessenstraße, die durch das Dorf führt und die unmittelbar an Haintchen vorbeiführende Rennstraße, waren für das Dorf in jener Zeit wichtige Transport- und Umschlagwege.

Spätmittelalter[Bearbeiten]

In dieser Zeit war das Gericht Haintchen wohl schon dem Amt Camberg zugeordnet, dessen Anfänge als Verwaltungsbezirk um Burg und Stadt Camberg in jener Zeit zurückreichen. Seitdem blieb Haintchen unter den Erben und Pfandherren dieses Teil der Grafschaft Diez und Camberg verbunden. Die Herren von Eppstein erhielten 1428 ein weiteres Viertel, das jedoch schon 1453 durch Kauf an die Grafen von Katzenelnbogen und 1479 als Erbe an die Landgrafen von Hessen kam. Zeitweise hatte Nassau-Dillenburg ein weiteres Achtel 1454 bis 1481 an Katzenelenbogen und später an Hessen verpfändet.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

1508 kam Eppsteiner Hälfte an die Grafen von Königstein-Eppstein. Als diese 1535 ausstarben, nahm Kurtier als Lehnsherr diese Hälfte gewaltsam in Besitz. Er war ein hoher Preis für die Familien der Erben, die gutgläubig der Übertragung der Lehnshoheit vom Reich an Kurtier zugestimmt hatten. Im Frankfurter Vertrag, der den Streit um das Katzenelnbogener Erbe beendet, gab Hessen 1557 sein Viertel an Nassau-Dillenburg. Seitdem waren Kurtrier und Nassau-Dillenburg je zur Hälfte Herren dieser Gemeinschaft des Amts Camberg. Mehr als 200 Jahre änderten sich die Eigentumsverhältnisse für Haintchen nicht.

An der nassauischen Hälfte war 1607 bis 1628 Nassau-Hadamar zur Hälfte neben Nassau-Diez beteiligt. Danach war diese Hälfte der Gemeinschaft ein Teil der Grafschaft, seit 1655 des Fürstentums Nassau-Diez.

Vor dem Dreißigjährigen Krieg waren in Haintchen 40 Haushaltungen, also ungefähr 240 Einwohner. Die alten, verbürgten Nachrichten aus dem Wiesbadener Archiv lassen erkennen, wie furchtbar dieser Krieg gehaust hat. Im Jahre 1620 kam das spanisch-wallonische Heer unter Graf Spinola durch Haintchen und verbreitete Angst und Schrecken. 1622 wurden in Camberg 34 Mann aus Haintchen gemustert und auch eingezogen. Auch Marschall Tilly lagerte in dieser Gegend. Es ist bekannt, welche Unmengen an Geld, Lebensmittel und Futter für die Pferde abgegeben werden mussten. 1626 kam Wallenstein in diese Gegend und brachte als Geschenk des Krieges die Pest mit. Missernten und Krankheiten ließen die Bevölkerung nicht zur Ruhe kommen, und als endlich 1648 der Friede geschlossen wurde, lebten noch 16 Einwohner in Haintchen.

Die Dörfer Frohndorf, Wilhelmshain, Bruchhausen und Obernhain lagen in der Nähe des Ortes, überstanden aber den Dreißigjährigen Krieg nicht und waren vom Erdboden verschwunden. Jahrzehntelang musste der Pfarrer von Eisenbach auch Niederselters, Hasselbach und Haintchen pastorieren. „Er kam, die Kranken zu versehen und die Mühseligen zu trösten.“ Erst 1650 bekam Haintchen mit Hasselbach einen gemeinsamen Pfarrer.

Auf dem Kirchberg stand eine kleinere Kirche, 1706 erbaut. Davor stand hier die sogenannte Alte Kapelle mit der Burg von Hohenfeld, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Von der Burghöhle im Eisenbachtal soll es einen unterirdischen Stollen zur Verbindungen bis zur Burg von Hohenfeld auf dem Kirchberg gegeben haben. Für den Bestand der Burg, sprechen die Eintragungen im Stockbuch von Haintchen. In alten Kaufakten ist dort ein Grundstück als Hohenfeldches Grundstück verzeichnet. Die Wiesenflächen südlich des Kirchbergs sind als Hohenfeldche Wiesen bezeichnet. Auf einer Karte aus dem Jahr 1711, dem Dorfe nahegelegenen Walddistrikt: Laubus, ist dort eine Burg von Hohenfeld eingezeichnet. Die Familie des "Statthalters des Nassauischen Landes", Freiherr von Hohenfeld war zu jener Zeit im Besitz des Gutshofs "Hof zu Hausen". Diese Adelsfamilie stammte aus Österreich und residierte im nahe gelegenen Camberg.

Krieger-Gedenksteine an der Kirche St. Nikolaus: für die Befreiungskriege 1813/15 (vorne) und für die beiden Weltkriege (hinten)

Haintchen gehörte seit 1743 zum Fürstentum Oranien-Nassau. Zeitweilige Verpfändungen der trierischen und nassauischen Hälften können hier unberücksichtigt bleiben. Ausgelöst von der französischen Revolution kam es auch hier zu einer großräumigen politischen Flurbereinigung.

Innerhalb des alten Amtes Camberg war Haintchen nach Camberg, Erbach und Würges der viertgrößte Ort. 1790 zählte es 312 Einwohner. In Haintchen lebten fünf herrschaftliche Freileute und 269 steuerpflichtige Untertanen und 38 Beisassen, Einwohner ohne volles Bürgerrecht und ohne eigenen Grundbesitz. Das alte Rathaus in Haintchen beherbergte nicht nur die Gemeindeverwaltung, sondern auch die Gemeindebäckerei.

Die zwei gleichberechtigten Landesherren Kurtier und Nassau-Dillenburg waren Ende des 18. Jahrhunderts der Kurfürst und Erzbischof von Trier sowie der Fürst des Hauses Nassau-Oranien. In der Französischen Revolution, am 9. November 1792 rückten die von Königstein und Usingen kommenden französischen Truppen im Amt Camberg ein und besetzten auch kurzzeitig Haintchen, dessen nassau-oranischer Schultheiß und der Gemeinderat insgesamt 517 Gulden an Verpflegungs- und Einquartierungskosten zahlen mussten. (Durch die Plünderungen verarmten die Ämter). Erst 1831 konnte der Schultheiß dem Gemeinderat mitteilen, Haintchen sei schuldenfrei.

In der Zeit des 18. Jahrhunderts erlebte das Dorf einen gewaltigen Aufschwung. Es herrschte ein außerordentlich starker Fuhrverkehr auf der durch das Dorf führenden Hessenstraße. Hier gab es eine Pferdewechselstationen im alten Gasthaus "Zum Hirsch" zum Einkehren für die Fuhrleute und Reisenden. In das ganze Hessenland fuhren die mit Krügen des kohlesauren Selterswassers beladenen Pferdewagen. Die Abfuhr der Eisen- und Silbererze aus dem bei Haintchen gelegenen Gruben machten die alte Hessenstraße zu einem wichtigen Transportweg. Haintchen lag in dessen Mittelpunkt und hatte wohl in dieser Blütezeit eine beachtliche Einwohnerzahl.

In dieser Zeit des Aufschwungs wurde auch eine neue katholische Kirche im Barockstil erbaut und im Jahre 1750 vom Trierer Kurfürsten eingeweiht. Mit ihrem himmelanstrebenden Turm, stellt die Kirche aus allen Blickrichtungen des Dorfes den herausragenden Mittelpunkt dar.

Christkönigskapelle auf der Kerbes (in der Hessenstraße), neu aufgebaut im Jahr 1963, Ersterwähnung im Jahr 1821

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Am 31. Mai 1802 wurde der berühmte Räuber Johannes Bückler, auch Schinderhannes genannt, an der Grenze zwischen Haintchen und Wolfenhausen festgenommen. Die Festnahme war in der damals genannten Gemarkung: Almenseifen, heute heißt diese Hinterm Ziegengraben. Dort war die alte Grenze des ehemaligen Gemeinschaftlichen Amtes Camberg zu der Hoheit von Wied-Runkel.

Vor 1806 zerfiel der Ort in zwei Teile: Das Oberdorf und das Unterdorf. Haintchen gehörte früher politisch zum Kurfürstentum Trier, zum Teil zu Nassau-Oranien. Im Jahre 1816 kam das Dorf zum Amt Usingen.

Anfang Juli 1843 wurde der Grundstein für den Schulneubau gelegt. Ein Jahr später, Ende Oktober, wurde das Schulhaus öffentlich und feierlich eingeweiht.

Im Spätsommer des Jahres 1857 konnte eine weitere bedeutende Baumaßnahme begonnen werden: der Bau einer Brunnenleitung. Im März des darauffolgenden Jahres, floss dann erstmals Wasser von der gefassten Quelle in den Dorfbrunnen. Um den oberen Teil des Dorfes besser versorgen zu können wurde im gleichen Jahr im Walddistrikt Laubus Land erworben, um eine weitere Quelle zu erschließen.

Ruhrepidemie 1872[Bearbeiten]

Am Ende des deutsch-französischen Krieges 1870/71 kam ein Soldat, der an Ruhr - nach heutigen Erkenntnissen eine hoch ansteckende Magen-Darm-Entzündung - erkrankt war, wieder zurück in die Heimat. Im Jahre 1872 gab es einen ganz trockenen Sommer und Herbst. Die ansteckende Krankheit verbreitete sich sehr schnell und es starben täglich Einwohner. Im September waren mehr als 50 Haintchener an der Ruhr erkrankt, 17 Infizierte starben. Auffallend war, dass gerade im oberen Teil des Dorfes die meisten Erkrankten gezählt wurden und dass die Mehrzahl der Betroffenen Frauen waren. Die Einwohner wussten sich keinen Rat mehr und sagten: Nur Gott allein kann helfen. Sie beschlossen ein Gelübde abzulegen, mit einer neuntägigen Andacht zum heiligen Sebastian und einer Prozession mit dem Allerheiligsten. Als erstmals am Sonntag nach Michael (29. September), die Prozession sich aufstellte und man aus der Kirche ging, wurde es auf einmal ganz dunkel. Während sich die Prozession durch die Gartenstraße bewegte, fing es an zu regnen. Als man ins Unterdorf kam, regnete es immer stärker; niemand öffnete den Schirm und kein Mann setze seinen Hut auf. Die Leute wurden nass bis auf die Haut. Der Pfarrer ging mit zwei Messdienern mit dem Allerheiligsten in jeden Hof, wo sich ein Ruhrkranker befand und erteilte nochmals den Segen. Als man zurück in die Kirche kam, segnete der Pfarrer alle Teilnehmer der Prozession. Es regnete den ganzen Tag weiter. Als am nächsten Morgen zu Tage geläutet wurde, öffneten alle die Fenster; doch es wurde kein Totenglocke mehr geläutet. Es erkrankte noch hier und da ein Einwohner aus Haintchen, aber gestorben ist keiner mehr. Nach drei Wochen, in denen sich vier Ärzte und der Pfarrer unermüdlich einsetzten, war die Krankheit endlich besiegt. Die Ärzte hatten auch als Gegenmittel Schnaps und Rotwein verordnet, was scheinbar auch geholfen hat.

Mit Erstaunen über die Wandlungsfähigkeit der Haintchener Bürger, schrieb der damalige Lehrer Pehl folgendes: "Im allgemeinen hätte man denken können, das bedrückende, beängstigende Gefühl würde noch einigen Nachhall im Tun und Lassen der Bewohner gefunden haben; allein nach ca. 3 Wochen wurde das Kirchweihfest gefeiert, und siehe! - es verlief in jovialsten Weise."
Noch heute wird am Sonntag nach dem Fest des heiligen Michael das Gelübde in Haintchen in Form der "Ruhrprozession" gehalten.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Sommer 1906 wurde endlich von der Regierung in Wiesbaden die Genehmigung erteilt für den Bau einer "Hochdruckwasserleitung", nachdem man seit Jahren über einen Wassernotstand geklagt hatte. Die Quelle wurde in Richtung Obernhain des Quellgebietes des Eisenbaches angelegt. Am 1. Oktober 1908 wurde die Wasserleitung übergeben und das ganze Dorf war mit sehr gutem Wasser versehen.

Im Ersten Weltkrieg waren 20 gefallene und 4 vermisste Personen zu beklagen. Für die zwei kleinen 1917 requirierten Glocken, beschaffte man 1926 zwei neue.

Im Jahr 1921 schaffte man die Voraussetzungen für die Zufuhr von elektrischem Strom. Ein Transformatorenhaus, "Lichthäuschen" genannt, wurde an der oberen Hessenstraße gebaut. Am Freitag vor Pfingsten 1922 war Haintchen erstmals mit Strom versorgt.

In den 1920er Jahren liefen die Planungen für ein Kriegerdenkmal. Dieses wurde dann im Jahr 1929 an der St. Nikolaus Pfarrkirche erbaut.

1932 wurde Haintchen aus dem Kreis Usingen ausgegliedert und kam mit Hasselbach zum Kreis Limburg.

Im März 1945 war das Kriegsende des Zweiten Weltkriegs für Haintchen nahe. Eine Gruppe von SS-Leuten war noch im Dorf mit der Absicht, Widerstand zu leisten. Am Mittwoch in der Karwoche fuhren bereits amerikanische Panzer durch Wolfenhausen. Am Gründonnerstag verminten die SS-Leute die Kreuzung und zogen dann in Richtung Hasselbach. In der Nacht brachten einige beherzte Männer eine Warnsperre vor der verminten Kreuzung an. Vielleicht wurde Haintchen deshalb vor der Zerstörung bewahrt, denn am Karfreitag morgen, dem 30. März 1945, standen 12 schwere Panzer auf dem Feld der Wachhecke, die Kanonen auf das Dorf gerichtet. Die amerikanischen Soldaten räumten die Minen an der Kreuzung und für Haintchen war der Krieg beendet. Aus Dankbarkeit wurde später die Mariengrotte errichtet. Es waren 29 Gefallene und 11 Vermisste Personen zu beklagen.

Über das Osterwochenende lag ein starkes Truppenkontingent im Dorf. Dies deshalb, weil die SS-Gruppe an der Gemarkungsgrenze nach Hasselbach, 12 Amerikaner mit Maschinengewehren erschossen hatte.

Im Laufe des Jahres 1946, wurden über 200 Heimatvertriebene nach Haintchen zugewiesen, dadurch stieg die Einwohnerzahl in dem kleinen Dorf immens an. In den beiden Gasthaussälen, "Zum Hirsch" und "Zum Taunus" wurden die ankommenden Personen erst einmal in Massenquartieren untergebracht.
1950 konnte die zwei großen Glocken die 1942 requiriert worden waren, neu beschafft werden.

1961 wurde im Steinbruch östlich der Ortschaft ein 100 Meter tiefer Bohrbrunnen niedergebracht. Er ergab aber leider nicht den gewünschten Erfolg und somit musste im Jahre 1973 ein zweiter Brunnen am "Kölbenköpfel" im oberen Eisenbachtal gebaut werden.

Bis zum 30. Juni 1974 war Haintchen eine selbstständige Gemeinde. Seit dem 1. Juli 1974 gehört es politisch zusammen mit den Ortsteilen Niederselters, Eisenbach und Münster zur Großgemeinde Selters (Taunus) im Landkreis Limburg-Weilburg.[1]

1976 wurde mit einem großen dörflichen Ehrgeiz das neue Gebäude des Kindergartens erbaut und 1977 war die Inbetriebnahme und Eröffnung.

Im Jahre 1980 wurde Haintchen das Prädikat staatlich anerkannter Erholungsort verliehen und damit als Ausflugsziel dokumentiert. Die Erkennungszeichen stehen an den Ortseingängen, es sind aus Holz geschnitzte Schilder.

1988 feiert man Mitte Juni (über das Wochenende des 17. Juni), die erste urkundliche Erwähnung der 600-jährigen Geschichte von Haintchen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen im 17. bis Mitte 18. Jahrhundert: [2]

  • in den Jahren 1610 etwa 240
  • 1648 (nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs) 16
  • 1659 etwa 75
  • 1665 etwa 85
  • 1700 etwa 160
  • 1755 etwa 250

Einwohnerzahlen ab Ende 18. Jahrhundert: [3] [4] [5]

Jahr Einwohnerzahl   Jahr Einwohnerzahl   Jahr Einwohnerzahl   Jahr Einwohnerzahl
1792 312   1818 460   1828 536   1838 584
1858 637   1868 649   1885 643   1910 567
1925 526   1945 532   1946 810   1950 722
1961 689   1967 716   1988 875   2006 982

Sehenswertes[Bearbeiten]

Für die denkmalgeschützten Kulturdenkmäler des Ortes siehe Liste der Kulturdenkmäler in Haintchen.

Pfarrkirche St. Nikolaus mit Sommerlinde

Barockkirche St. Nikolaus[Bearbeiten]

Die im Jahre 1750 erbaute katholische Pfarrkirche, die unter dem Patrozinium von St. Nikolaus gestellt wurde, zählt zu den wenigen Gotteshäusern im weiteren Umkreis, deren komplette Ausstattung aus dem Barock, des 18. Jahrhunderts, sich erhalten hat. Es handelt sich um eine geostete Saalkirche mit einem schmäleren dreiseitig geschlossenen Chor. Der Innenraum besitzt ein muldenförmiges Holztonnengewölbe mit gemalten Medaillons. Die klassizistische nüchterne Raumfassung stammt aus der Zeit um 1810. Fast vollständig erhalten ist die aufwendige Ausstattung der Barockzeit, diese stammt aus der Hadamarer Schule.

Der 36 m hohe Westturm, der von einer barocken Haube bekrönt ist, wirkt weit in die Talebene hinein. Die prächtige, seit 1934 vom damaligen Landrat des Kreises Limburg durch Naturschutz geschützte Sommerlinde, trägt dazu bei den Anblick zu vervollständigen.[6]

Schule (Grundschule)[Bearbeiten]

Klassizistisches Schulgebäude aus dem Jahr 1843

Aus dem Jahr 1664 stammt die erste Erwähnung einer Schule in Haintchen, diese muss sich neben der Pfarrkirche befunden haben.

Das im Jahre 1843 erbaute Schulgebäude im spätklassizistischen Baustil von stattlicher, durch die hohe Lage noch betonter Größe, ist eine weitere Sehenswürdigkeit des Dorfes. Die Schule besitzt einen doppelten Eingang mit Windfängen und einer gemeinsamen Vortreppe. Auffallend sind die gegliederten Kassettentüren. In charakteristischer Form zeigt sich das Satteldach mit dem knappem Kranz- und Giebelgesims. Symmetrisch zugeordnet befindet sich im Hof der ehemalige Schulstall (Ökonomiegebäude), das in den Jahren 2002/2003 als neuer Klassenraum umgebaut wurde.

Bis zum Schuljahresende 1967/1968 diente das Gebäude als Volksschule. Die Oberstufe (Klasse 5 - 8) wurde seit der Einführung der 9. Klasse, vom Hessischen Kultusministeriums, ab dem Schuljahr 1964/1965 in Eisenbach danach in Niederselters unterrichtet.

Seit dem Schuljahr 1968/1969 wurde das Schulgebäude als Grundschule genutzt. In den Jahren danach mussten die Eltern und Gemeinde immer wieder um den Verbleib der Grundschule im Dorf kämpfen, deren Existenz auch durch sinkende Schülerzahlen bedroht war. Am 1. Januar 1970 ging in Hessen die Schulträgerschaft von den Gemeinden auf die Landkreise über. Um in Haintchen die Grundschule zu erhalten, waren die Eltern auch bereit, selbst mit Hand anzulegen. So wurde im Frühjahr 1971 die Lehrerdienstwohnung im 1. Stock mit Hilfe der Eltern zum neuen Klassenraum für das 1. und 2. Schuljahr umgebaut. Durch die Versetzung der Schulleiterin verlor die Grundschule Haintchen im August 2011 die Eigenständigkeit und wurde zur Außenstelle der Mittelpunktschule Goldener Grund in Niederselters. Im August 2012 erfolgte auf Initiative des Schulleiters der Mittelpunktschule Niederselters die Beschulung der 1., 2. und 3. Klasse am Standort Niederselters. Lediglich die 4. Klasse wurde bis zu den Sommerferien des Schuljahres 2012/2013 noch in Haintchen unterrichtet. Im August 2013 erfolgte keine Beschulung mehr am Standort Haintchen.[7] Die Haintchener Grundschule war bis zu diesem Zeitpunkt eine der kleinsten Grundschulen des Landkreises Limburg-Weilburg.

Heiligenhäuschen und Bildstöcke[Bearbeiten]

Hubertuskapelle, erbaut 1992

Erwähnenswert sind noch mehrere Heiligenhäuschen und Bildstöcke, die im Dorf und in der Gemarkung zu finden sind. Diese wurden größtenteils im 18. Jahrhundert erbaut. Heiligenhäuschen sind meistens an Wegen, an den Dorfrändern, errichtet an denen man in früherer Zeit weite Strecken per Fuß zurücklegte, um in die umliegenden Ortschaften zu gelangen. Dort betete man um einen sicheren Hin- und Rückweg.
Das jüngste Heiligenhäuschen ist dem heiligen St. Hubertus geweiht und wurde vom Schützenverein "Hubertus" Haintchen im Jahre 1992 errichtet. Dieses ist das einzige seiner Art im katholischen Bezirk Limburg. Neben dem Heiligenhäuschen wurde im November 2008 ein zwei Meter hohes Hubertuskreuz aus Eichenholz aufgestellt.
Es ist auffallend, wie viele Heiligenhäuschen und Bildstöcke im Vergleich zu anderen Ortschaften in Haintchen bestehen, die von bestimmten Familien über Generationen erhalten und bei verschiedenen Anlässen geschmückt werden.

Brunnen[Bearbeiten]

Johannisbrunnen

Der althistorische Johannisbrunnen im Unterdorf, am Freien Platz gelegen, ist Johannes von Nepomuk geweiht und trägt dessen Bildnis mit der Umschrift auf der Relieftafel: "ST. JOHANNES NEPOMUCENUS - ICH HABE DEIN GEHEIMNIS BEY MIR BEHALTEN. - ANNO 1764". Der Brunnen steht unter Denkmalschutz. Man vermutet, dass der Johannisbrunnen eng mit den Anfängen der Siedlungsgeschichte von Haintchen in Verbindung steht. Der Brunnen führt heute kein Wasser mehr und wird als Zierbrunnen genutzt. Am Johannistag wird dort das Bornfest gefeiert.
Der Ecker-Born ist ein weiterer Brunnen im Unterdorf, am Camberger Weg, wurde 1978 wieder instand gesetzt und führt durch eine Quelle Wasser. Dort wird seit der Instandsetzung am letzten Wochenende der Sommerferien das Ecker-Bornfest gefeiert.
Zwischen Kirche und Schule gab es bis ungefähr 1845/50 noch einen ganz in Felsen eingehauenen Brunnen, die damals einzige Wasserversorgung für das Oberdorf.

Altstraßen und alte Fußwege[Bearbeiten]

Die alte Hessenstraße war für das Dorf in jener Zeit ein wichtiger Transportweg. Die Landstraße L3449 von Niederselters kommend, hat den gleichen Verlauf wie die alte Hessenstraße.

Die Rennstraße, die vom südöstlich gelegenen Hasselbach kommend, in unmittelbarer Nähe an Haintchen vorbei verläuft, war einst eine der wichtigsten Handelsstraßen und Höhenwege, die das Rhein-Main-Gebiet mit dem Hintertaunus verband und bis nach Weilmünster führte. Der Verlauf dieser Altstraße ist wohl auf die fränkische Zeit zu datieren.

Fernblick aus Richtung Südosten

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 1932 sorgt die Freiwillige Feuerwehr Haintchen (ab 14. November 1973 mit Jugendfeuerwehr) für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe in diesem Ort. Die kommunale Kindertagesstätte ist im Wolfenhäuser Weg.

Freizeit- und Sporteinrichtungen[Bearbeiten]

Es bestehen Möglichkeiten zum Wandern, Jogging, und Walken. Auf dem Sportgelände befinden sich ein Fußballplatz und Tennisplätze. Das Freizeitgelände besteht aus einem Naturschwimmbad, Wassertretbecken, Grillhütte und Feuchtbiotope.

Vereine[Bearbeiten]

Aussicht auf Haintchen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • 600 Jahre Haintchen, 1388 - 1988, Seltersdruck & Verlag, ISBN 3-923811-04-7
  • Flurnamen, Walddistrikte, Abteilungen in der Gemarkung Haintchen/Ts., 2002

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haintchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 370.
  2. Rudolf Wolf: 600 Jahre Haintchen - Familiengeschichte im 17. und 18. Jahrhundert
  3. Dr. Norbert Zabel: 600 Jahre Haintchen - Von der Umwälzung des ausgehenden 18. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg (Bevölkerungsentwicklung Haintchens zwischen 1792 und 1988)
  4. Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen: Historisches Ortslexikon - Haintchen
  5. Gemeinde Selters (Taunus): Einwohnerzahlenstatistik Haintchen
  6. Liste der Naturdenkmale im Landkreis Limburg-Weilburg (PDF; 33 kB) bei der unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Landkreises Limburg-Weilburg.
  7. unser.haintchen.de,: "Das Aus für die Grundschule" Link: http://www.unser-haintchen.de/presseartikel_grundschule-1.html

Quellen[Bearbeiten]

  • Mittlere Höhe von Haintchen: TK Kompass - Östlicher Taunus 840 - 1:50.000