Kernkraftwerk Grohnde

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Kernkraftwerk Grohnde
Kernkraftwerk Grohnde an der Weser: links die beiden Kühltürme, rechts das Reaktorgebäude und der Abluftkamin
Kernkraftwerk Grohnde an der Weser: links die beiden Kühltürme, rechts das Reaktorgebäude und der Abluftkamin
Lage
Kernkraftwerk Grohnde (Niedersachsen)
Kernkraftwerk Grohnde
Koordinaten 52° 2′ 7″ N, 9° 24′ 48″ O52.0352777777789.4133333333333Koordinaten: 52° 2′ 7″ N, 9° 24′ 48″ O
Land: Deutschland
Daten
Eigentümer: 83,3 % E.ON
16,7 % Stadtwerke Bielefeld
Betreiber: Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde GmbH & Co. oHG
Projektbeginn: 1975
Kommerzieller Betrieb: 1. Feb. 1985

Aktive Reaktoren (Brutto):

1  (1430 (brutto) MW)
Eingespeiste Energie im Jahr 2009: 10'867.466 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 267'880.686 GWh
Website: Seite bei E.ON
Stand: 31. Dezember 2009
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Grohnde (KWG) befindet sich nördlich von Grohnde an der Weser in der Gemeinde Emmerthal im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Zentraler Bestandteil des Kraftwerks ist ein Druckwasserreaktor der 1.300-MW-Baulinie, der von der Firma Siemens (Kraftwerk Union) errichtet wurde. Die Nennleistung beträgt 3.900 Megawatt (thermisch). Die elektrische Nettoleistung liegt bei etwa 1.360 Megawatt. Zum Einsatz kommen 193 UO2-Brennelemente mit einer Anreicherung bis zu 4 % 235U, sowie MOX-Brennelemente. Eine Erhöhung der Anfangsanreicherung auf 4,4 % wurde beantragt. Der Druckwasserreaktor gehört zur dritten Generation in Deutschland, den sogenannten Vor-Konvoi-Anlagen. Der Reaktor wurde erstmals am 1. September 1984 kritisch.

Standort[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Grohnde liegt im Süden von Niedersachsen am nördlichen Mittelgebirgsrand im Wesertal etwa acht Kilometer südlich der Stadt Hameln in der Gemeinde Emmerthal. Verwaltungsmäßig gehört es zum Landkreis Hameln-Pyrmont. Das namensgebende Dorf Grohnde liegt 2 km südlich vom Kraftwerksstandort. Das Kernkraftwerk Grohnde liegt 72 Meter über Normalnull in dem hier auf drei bis vier Kilometer breit ausgeweiteten Wesertal, das in diesem Bereich in nordwestlicher Richtung verläuft. Die Berge am linken Weserufer gehören zum Weserbergland, das hier bis zu 350 Meter ansteigt, am gegenüberliegenden Weserufer zeigen sich die Ausläufer von Ith und Süntel.

Das nächste Dorf ist neben dem erwähnten Grohnde das auf dem anderen Weserufer in 1,8 km Entfernung liegende Latferde, ansonsten ist die direkte Umgebung des Kraftwerks laut Betreiberangaben in einem Radius von einem Kilometer unbewohnt.[1] Die nächste Großstadt ist das 50 km nordöstliche liegende Hannover mit rund 514.000 Einwohnern und das 38 km östlich liegende Hildesheim mit etwa 99.000 Einwohnern. 60 km westlich liegt Bielefeld, 55 km süd-westlich Paderborn[2]. Im direkten Umkreis von 10 Kilometern leben etwa 80.000 Menschen.

Der Standort zeichnet sich durch eine nicht zu erwartende Erdbebentätigkeit aus. In den letzten 1000 Jahren hat es hier in einem Radius von 200 km nur selten Schäden durch Erdbeben gegeben und er gilt deshalb als erdbebensicher.[1]

Das Kernkraftwerk Grohnde ist gut an das umgebende Verkehrsnetz angeschlossen: Westlich läuft die Bundesstraße 83 und nördlich findet sich in 10 km Entfernung die Eisenbahnverbindung Hannover–Altenbeken, die über die eingleisige Strecke Hameln – Vorwohle vom Kraftwerk aus zu erreichen ist.

Der produzierte Strom wird in das Höchstspannungsnetz eingespeist.

Anlage[Bearbeiten]

Zentraler Bestandteil des Kraftwerks ist ein Druckwasserreaktor, der sich in einem kugelförmigen Reaktorgebäude mit Abluftkamin befindet. Auf dem Gelände sind außerdem ein Maschinenhaus, zwei baugleiche Naturzug-Nasskühltürme mit einer Schalenhöhe von 137,14 m, eine Flusswassernutzungsanlage zur Kühlung sowie ein Zwischenlager. Die ganze Anlage ist von einem 2.200 m langen Sicherheitszaun umgeben. Zum An- und Abtransport führen eine Asphaltstraße sowie eine eingleisige Bahnlinie auf das Gelände.

Kernreaktor[Bearbeiten]

Aufbau eines Druckwasserreaktors

Bei dem im Grohnde vorhandenen Kernreaktor handelt es sich um einen Druckwasserreaktor der dritten Generation, eine sogenannte Vor-Konvoi-Anlage der 1300-MW-Klasse. Dieser Reaktortyp wurde mit Modifikationen in den 1970er Jahren entwickelt und in vier Kernkraftwerken in Deutschland eingebaut. Heute hat der Reaktor eine elektrische Bruttoleistung (Nennleistung) am Generator von 1430 Megawatt (MW). Die Nettoleistung beträgt 1360 Megawatt.[3] Diese Werte gelten erst seit einer Modifikation im Schaufelbereich des Generators im Jahr 1996.[4] Die hier genannten Werte geben die maximale Leistung an, die für die Produktion elektrischer Energie zur Verfügung stehen kann. Er entspricht dem Bruttowert abzüglich des Kraftwerkseigenverbrauchs von Neben- und Hilfsanlagen. Die thermische Reaktorleistung liegt bei bis zu 3765 Megawatt.[5]

Der Reaktorkern fasst 193 Brennelemente[6] mit einer aktiven Brennstabslänge von 3,9 Metern und einem Brennstoffgewicht von 103 Tonnen. Die vier Dampferzeuger[6] haben ein Gesamtgewicht von 335 Tonnen, bei einem größten Durchmesser von 4,9 Metern und einer Gesamthöhe von 21,3 Metern. Die Anlage ist eine sogenannte „Vier-Loop-Anlage“ mit vier Dampferzeugern, in denen die Wärmeenergie aus dem Primärkreislauf über vier getrennte Kontaktpunkte an den Sekundärkreislauf zum Antrieb der Turbinen abgegeben wird.

Das Hauptkühlsystem besteht aus vier Hauptkühlpumpen mit einer Hauptnennleistung je Pumpe von 7.350 kW. Die mittlere Kühlmitteltemperatur beträgt dabei 308,6 °C.[7]

Zum Reaktorbereich gehört der Reaktordruckbehälter mit einem Innendurchmesser von 5000 Millimetern, bei einer Gesamthöhe einschließlich Steuerstabantriebsstutzen von 12.300 Millimetern. Das Gesamtgewicht des Druckbehälters beträgt etwa 540 Tonnen, die Wandstärke des zylindrischen Teils 25 Zentimeter.[8] Der Sicherheitsbehälter ist aus dem Stahl WStE 51 gefertigt.[9]

Sicherheitsbehälter[Bearbeiten]

Der Sicherheitsbehälter ist beim KKW Grohnde als Kugel ausgelegt, die den Kernreaktor mit seinen zugeordneten Elementen umgibt. Sie besteht innen aus einer Stahlkugel und außen aus Beton. Die Stahlkugel hat eine Wanddicke von 30 mm und einen Kugeldurchmesser von 56 Metern. Sie ist auf einen Innendruck von 5,3 bar ausgelegt.[8] Die Betonkugel ist gemäß einer 1981 in Kraft getretenen Leitlinie der Reaktorsicherheitskommission so ausgelegt, dass sie auch dem Absturz einer F-4 Phantom widerstehen können soll, die mit 774 km/h fliegt und zwanzig Tonnen wiegt.[10]

Zwischenlager[Bearbeiten]

Ein Zwischenlager mit 100 Stellplätzen für Castoren vom Typ V/19, in denen abgebrannte Kernbrennelemente mit einem Schwermetallgewicht von 1.000 Tonnen gelagert werden können, wurde am 17. April 2006 in Betrieb genommen. Die Lagerung erfolgt nach dem Konzept der trockenen Zwischenlagerung in metallischen, dicht verschlossenen Behältern in einem Lagergebäude aus Stahlbeton. Das Zwischenlager liegt 200 Meter vom Reaktorgebäude entfernt; seine Wände sind 1,2 Meter dick.[11] Der Standort liegt innerhalb der Schutzzone V des Heilquellenschutzgebietes für das Staatsbad Bad Pyrmont und einen Kilometer nordöstlich eines Wasserschutzgebietes.[12] Das Standort-Zwischenlager in Grohnde soll nach seiner Fertigstellung Transporte aus dem KKW Grohnde in die Wiederaufarbeitung überflüssig machen.[13] Seit seiner Inbetriebnahme bis Ende 2009 wurden zwölf Castoren im Zwischenlager eingestellt.[14]

Abluftkamin[Bearbeiten]

Der Abluftkamin dient der gezielten Abgabe von gasförmigen Emissionen aus dem Reaktorgebäude in die Umgebung. Der Schornstein ist laut TÜV 130 Meter hoch.[15] Auch im Normalbetrieb werden radioaktive Stoffe abgegeben, deren Menge einer Überwachung unterliegt.

Kernreaktor-Fernüberwachung[Bearbeiten]

Im Jahr 1984 wurde das KKW Grohnde in das Kernkraftwerk-Fernüberwachungssystem des Landes Niedersachsen integriert. Dieses soll von betreiberunabhängiger Seite die Emissionen radioaktiver Stoffe mit Abluft oder Abwasser aus dem Kernkraftwerk Grohnde und den anderen Kernkraftwerken in Niedersachsen überwachen und dokumentieren. Im Einzelnen sind dies die Werte für die Abgabe radioaktiver Stoffe in Form von Edelgasen, Aerosolen und Jod (Nuklid 131J) im Abluftkamin sowie die Konzentration der im Abwasser vorhandenen radioaktiven Stoffe.[16]

Netzanschluss[Bearbeiten]

Der Netzanschluss erfolgt auf der 380-kV-Höchstspannungsebene in das Netz des Übertragungsnetzbetreibers Tennet TSO.[17]

Geschichte[Bearbeiten]

Betreiber[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Grohnde ist von der E.ON-Vorgängerin PreussenElektra und der Gemeinschaftskraftwerk Weser GmbH geplant und gebaut worden. Dazu wurde 1975 die Gemeinschaftskraftwerk Grohnde GmbH gegründet, die zu 50 % der E.ON-Vorgängerin PreussenElektra AG und zu 50 % der Gemeinschaftskraftwerk Weser GmbH gehörte. An der Gemeinschaftskraftwerk Weser GmbH waren wiederum die Stadtwerke Bielefeld, die Elektrizitätswerk Minden-Ravensberg (EMR) und die Elektrizitätswerke Wesertal GmbH zu je 33,3 % beteiligt. An der Elektrizitätswerke Wesertal GmbH waren wiederum die Landkreise Hameln-Pyrmont, Holzminden, Schaumburg und Lippe beteiligt. Am 3. Dezember 1973 ist der Bauantrag beim Niedersächsischen Sozialministerium gestellt worden. Im Jahr 2000 fusionierten PreussenElektra und Bayernwerk AG zur E.ON Energie. Im Februar 2003 übernahmen die E.ON Energie AG mit 83,3 % und die Stadtwerke Bielefeld mit 16,7 % die Betreibergesellschaft „Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde GmbH & Co. oHG“.

Bau und Widerstand[Bearbeiten]

Demonstration von Atomkraftgegnern vor dem Werk im Jahr 2011

Gegen den Bauantrag reichten im Sommer 1974 über 12.000 Menschen Einsprüche ein. Beim Erörterungstermin am 3./4. Oktober 1974 wurden die Bedenken vorgetragen. Trotzdem erteilte das Niedersächsische Sozialministerium am 8. Juni 1976 die erste Teilerrichtungsgenehmigung.[18] Gegen den Bau des Kernkraftwerkes kam es in Grohnde zu weiteren, teilweise heftigen Protesten. Eine Demonstration mit rund 15.000 Demonstranten und etwa 5.000 Polizeibeamten am 19. März 1977 [19] führte zu einer versuchten Bauplatzbesetzung (inspiriert durch den Protest gegen das Kernkraftwerk Wyhl)[20]. Mit vielen Verletzten war dies die bis dahin gewalttätigste Auseinandersetzung der westdeutschen Demonstrationsgeschichte. Sie ging als „Schlacht um Grohnde“ in die Protestgeschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung ein. Die Gewalttätigkeiten führten zu kontroversen Diskussionen über die Legitimität verschiedener Methoden des Protests.[21]

Betriebsgeschichte[Bearbeiten]

Kernkraftwerk Grohnde im Winter von der Weser aus

Im Betriebsanlauf wurde der Reaktor erstmals am 1. September 1984 kritisch. Die Anlage begann ihren kommerziellen Leistungsbetrieb nach dem Atomgesetz am 1. Februar 1985.

Im Kalenderjahr 1997 erzielte das Kernkraftwerk mit einer Bruttostromerzeugung von 12.528.660 MWh einen Spitzenwert.[22]

Betreiber ist die Gemeinschaftskernkraftwerk Grohnde GmbH & Co. oHG mit den jeweils beteiligten Gesellschaftern E.ON Kernkraft GmbH zu 83,3 % und Stadtwerke Bielefeld zu 16,7 %.

Partner des Kernkraftwerks Grohnde sind die Kernkraftwerke Süd-Ukraine in der Ukraine, Bohunice in der Slowakei und Trillo in Spanien.

2011 waren in dem Kernkraftwerk 345 Mitarbeiter beschäftigt.[23]

Am 30. März 2011 kam das Gerücht auf, die thermische Leistung des Kraftwerks sei bei einer Revision 2009 von 3.900 auf 4.000 Megawatt erhöht worden; der Betreiber habe Turbinenschaufeln ausgetauscht. Laut Pressemeldungen lag zu dem Zeitpunkt noch keine Genehmigung des Ministeriums vor.[24] Tatsächlich unterlagen und -liegen Änderungen an der Turbine (bei einem Druckwasserreaktor fließt dort kein radioaktives Medium) nicht der atomrechtlichen Aufsicht; eine Erhöhung der thermischen Leistung gab es nicht.

Anfang 2013 kam es zur Diskussion über den Einsatz der MOX-Brennelemente. Verschiedene Bürgerinitiativen äußerten sich sehr kritisch über den geplanten Einsatz von acht MOX-Brennelementen. Am 13. Mai 2013 gab der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen / Kabinett Weil) nach eingehender Diskussion mit verschiedenen Umweltverbänden mit der Zustimmung zum Wiederanfahren ‚grünes Licht‘ für den Einsatz dieser MOX-Brennelemente in KKW Grohnde. Auch im Jahr 2014 wurden mit Zustimmung Wenzels wieder neue MOX-Brennelemente eingesetzt.

Das 2011 novellierte Atomgesetzes legt fest, dass das Kernkraftwerk Grohnde am 31. Dezember 2021Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren seine Betriebsgenehmigung verliert, also abgeschaltet werden muss.[25]

Im April 2014 wurde das KKW zur jährlichen Revision heruntergefahren. Bei den wiederkehrenden Prüfungen wurde neben einem Defekt an einem Generator auch Schäden an den Niederhaltefedern der Drosselkörpern entdeckt. Die Drosselkörper sitzen in den Führungsrohren der Brennelemente, die keine Steuerstäbe haben und sollen den Kühlmittelfluss optimieren, also vergleichmäßigen. Eine sicherheitstechnisch wichtige Funktion haben sie nicht. Das Niedersächsische Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde forderte daraufhin eine vollständige Untersuchung aller Drosselkörperfedern und den Austausch der dabei gefundenen beschädigten Drosselkörper. Nach Abschluss aller Arbeiten und damit kurz vor dem Wiederanfahren erhielt der Umweltminister Stefan Wenzel von einem Atomkraftgegner den Hinweis, bei der Revision sei angeblich eine wichtige Armatur fehlerhaft repariert worden; der Minister hielt daraufhin seine bereits vorbereitete Zustimmung zum Wiederanfahren zurück und informierte die Staatsanwaltschaft Hannover.[26][27] EO.N hatte dagegen unverzüglich einen Eilantrag vor Gericht gestellt, über den das Oberverwaltungsgericht Lüneburg entscheiden sollte.[28] Da sich die Staatsanwaltschaft aber weigerte, überhaupt Ermittlungen aufzunehmen, weil sie keinen Anfangsverdacht sah und EON gegenüber der Aufsichtsbehörde nachwies, dass die Anschuldigungen unzutreffend und frei erfunden waren, gab es für Umweltminister Wenzel keine Möglichkeit mehr, die Zustimmung zum Wiederanfahren zu verweigern. Sie wurde noch am selben Tag erteilt, bereits 24 Stunden später war das Kraftwerk wieder am Netz.

Betriebsstörungen und meldepflichtige Ereignisse[Bearbeiten]

Blick auf das Kernkraftwerk Grohnde, im Vordergrund Tündern, links der Bückeberg mit dem früheren Festplatz der Reichserntedankfeste

Im Jahre 1985 fiel bei einer Revision auf, dass das Hochdruck-Notkühlsystem nicht funktionsfähig war, weil eine der vier Pumpen Gas statt Wasser enthielt. Auch die anderen drei Pumpen enthielten in ihren Zuleitungen eine unzulässige Menge an Gasen. Ein Leck im Primärkühlkreislauf hätte somit zur Kernschmelze führen können.[29]

Im Jahr 1996 kam es kurzzeitig zu einem unvorhergesehenen Öffnen des Druckhalter-Abblaseventils am Primärkreislauf durch eine fehlerhafte Bedienung während der Durchführung einer Prüfung. Wegen der Mängel in der Prüfprozedur wurde die Störung als meldepflichtiges Ereignis der INES-Stufe 1 eingestuft.[30]

Am 11. Juli 2005 kam es durch eine Störung zu einer Abschaltung mehrerer Komponenten. Durch das weitere Öffnen der Mindestmengenventile der Speisewasserpumpen wurde eine Unterspeisungstransiente ausgelöst, die zur Folge hatte, dass der Dampferzeugerfüllstand unter 8,5 Meter fiel und es zu einer Turbinen- und Reaktorschnellabschaltung kam. Nachdem die Ursache für die Störung geklärt war, nahm der Reaktor am 12. Juli um 0:32 Uhr den Leistungsbetrieb wieder auf.[31]

Am 24. Juli 2005 kam es um 9:16 Uhr zu einer Turbinenregelstörung, was einen Lastabwurf von 240 MW verursachte. Dies führte zu einer Reaktorschnellabschaltung. Nachdem der Fehler behoben wurde, wurde der Reaktor zirka 12 Stunden später wieder in den Leistungsbetrieb hochgefahren.[31]

Seit 1985 wurden über 200 meldepflichtige Ereignisse bekannt.[32]

Gesellschaftliche Auswirkungen[Bearbeiten]

Straßenblockade mit Treckern vor dem Kernkraftwerk Grohnde gegen einen erwarteten MOX-Transport im November 2012

Am 15. Januar 2011 demonstrierten mehrere hundert Atomkraftgegner gegen den geplanten Transport von 16 MOX-Brennelementen aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield an das Kernkraftwerk Grohnde im Jahre 2011.[33]

Am Ostermontag 2011 fanden sich aus Anlass des 25. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl nach Polizeiangaben 5000 Demonstranten am Atomkraftwerk ein, der Veranstalter spricht von bis zu 20.000 Demonstranten. Sie umzingelten den 2200 Meter langen Zaun um das Atomkraftwerk. Veranstaltungssprecher Ralf Strohbach erklärte: „Die Atomkraft ist für unsere Region eine ständige Bedrohung.“[34]

Zum zweiten Jahrestag der Nuklearkatastrophe von Fukushima haben 20.000 Demonstranten mit einer Menschen- und Aktionskette in einem Ring von 40 bis 60 km um das Kernkraftwerk Grohnde gezeigt, welches Ausmaß eine Evakuierung wie in Fukushima für die Region bedeutet. [35]

Sicherheit des Kernkraftwerks Grohnde[Bearbeiten]

Im sogenannten Stresstest der EU Kommission von 2011/2012 wird dem Kernkraftwerk Grohnde zu wenig Vorsorge bei Erdbeben testiert. Die Kommission sieht Nachrüstungsbedarf bei Instrumenten, um eventuelle Erdbeben anzukündigen.[36]

Daten der Reaktorblöcke[Bearbeiten]

Das Kernkraftwerk Grohnde hat einen Kraftwerksblock, der einen Druckwasserreaktor der 1.300-MW-Baulinie enthält, der von der Firma Siemens (Kraftwerk Union) errichtet wurde. Geschützt wird er durch eine kugelförmige Reaktorhülle von 180 cm Beton. Sie soll den Absturz eines Airbus A320 überstehen können.[37]

Reaktorblock[3] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netz-
synchronisation
Kommerzieller
Betrieb
geplante
Abschaltung
SPD/Grüne
2000[38]
geplante
Abschaltung
CDU/FDP
2011[39]
Grohnde (KWG) Druckwasserreaktor 1360 MW 1430 MW 01.06.1976 05.09.1984 01.02.1985 2018 31.12.2021

Betriebsergebnis[Bearbeiten]

Jährliche Nettostromerzeugung des Kernkraftwerks Grohnde[40]
Jahr Millionen
Kilowatt-
stunden
[GWh]
Jahr Millionen
Kilowatt-
stunden
[GWh]
1984 1.214.0 1999 11.212,2
1985 10.871.1 2000 11.055,9
1986 10.205.4 2001 10.926,7
1987 9.648,5 2002 10.791,7
1988 10.208,3 2003 10.933,0
1989 10.279,4 2004 10.695,4
1990 10.123,6 2005 10.841,0
1991 9.957,8 2006 10.995,7
1992 10.424,3 2007 10.818,4
1993 10.680,1 2008 10.546,0
1994 10.226,5 2009 10.867,5
1995 10.771,1 2010 10.782,4
1996 10.589,9 2011 9.603,2
1997 11.864,7 2012 11.008,6
1998 11.146,3 2013 10.420,1

Die produzierte elektrische Energie des Kernkraftwerkes hängt hauptsächlich davon ab, an wie vielen Tagen es im Normalbetrieb am Netz ist. Im Normalbetrieb läuft es nahezu immer unter Volllast und dient somit der Grundlastversorgung im Stromnetz. Die maximal mögliche Stromproduktion wird allerdings durch die jährlich durchzuführende Revision, die zwischen zwei und sechs Wochen dauern kann und meistens im April angesetzt wird, nicht erreicht. Hinzu kommen noch gelegentliche Abschaltungen wegen Unregelmäßigkeiten in der Anlage und unvorhergesehener Reparaturen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Stricker: Grohnde. Dokumentation der Polizeieinsätze anlässlich der Demonstration gegen das Kernkraftwerk Grohnde am 19.03.1977 und der Räumung des besetzten Kühlturmgeländes am 23.08.1977, Verlag für Polizeiwissenschaft, 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kernkraftwerk Grohnde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kurzbeschreibung zum Zwischenlager-Kernkraftwerk Grohnde (PDF; 807 kB) Herausgegeben von E. On Hannover 2001
  2. http://www.luftlinie.org/Grohnde_Paderborn
  3. a b – Internationale Atomenergieorganisation
  4. TAZ:IM Vorgriff aufgerüstet, Atomkraft in Niedersachsen. Ausgabe vom 30. März 2011 abgerufen am 30. Mai 2012
  5. Reaktorsicherheitskommission vom 18. September 2003 (PDF-Datei; 41 kB)
  6. a b Chronik des AKW Grohnde abgerufen am 4. Februar 2012
  7. EON Kernkraft: Technische Daten zum AKW Grohnde (PDF; 1,2 MB) abgerufen am 11. März 2013
  8. a b EON Kernkraft: Technische Daten zum AKW Grohnde abgerufen am 30. Mai 2012
  9. Kleinen Anfrage der Fraktion der LINKEN vom 23. Januar 2012 in der 17. Wahlperiode des Deutschen Bundestages (PDF; 90 kB) abgerufen am 31. Mai 2012
  10. Energie Chronik: Erneute Debatte um Terror-Risiko bei Kernkraftwerken Januar 2004, abgerufen am 12. Juni 2012
  11. dradio.de, Deutschlandfunk, Forschung Aktuell, 26. Juli 2011, Julia Beißwenger: 200 Meter im Castor: Das Akw Grohnde in Niedersachsen (31. Juli 2011)
  12. bfs.de, Bundesamt für Strahlenschutz: Genehmigung zur Aufbewahrung von Kernbrennstoffen im Standort-Zwischenlager in Grohnde, 20. Dezember 2002 (PDF; 1,0 MB)
  13. nadir.org: Chronik des AKW Grohnde abgerufen 4. Juli 2011
  14. Alte Meiler bleiben am Netz - die Gefahren des AKW Grohnde. Herausgeber: Regionalkonferenz AKW Grohnde, September 2011 (PDF; 964 kB) abgerufen 31. Mai 2012
  15. TÜV Gutachten zitiert in: Alte Meiler bleiben am Netz - die Gefahren des AKW Grohnde (PDF; 964 kB) abgerufen am 12. Juni 2012
  16. Niedersächsische Fernüberwachung, Homepage abgerufen am 12. Juni 2012
  17. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 02.07.2012. Abgerufen am 21. Juli 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).
  18. Bundesarchiv Ordner B 106/87711
  19. Jürgen Schröder: AKW Grohnde - Materialien zur Analyse von Opposition
  20. Schwarz vor Augen spiegel.de vom 15. Mai 1978
  21. Sehr schnell vorbei spiegel.de vom 8. August 1977, abgerufen am 27. September 2010
  22. Auch in den Jahren 1985, 1986, 1987, 1989, 1990 und 1998 erzeugte die Anlage die höchste Bruttonennarbeit weltweit.
  23. Dossier des NDR über die Situation der Atomkraftwerke in Norddeutschland abgerufen 5. Juli 2011
  24. TAZ ; Seite vom 1. April 2010; http://www.taz.de/1/nord/artikel/1/im-vorgriff-aufgeruestet/
  25. § 7 Abs. 1a Atomgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. Juli 1985 (BGBl. I S. 1565), zuletzt geändert durch Artikel 5 Absatz 6 des Gesetzes vom 24. Februar 2012 (BGBl. I S. 212)
  26. Spiegel ONLINE: Atomkraftwerk Grohnde wird fall für die Staatsanwaltschaft Artikel abgerufen am 19. Juni 2014
  27. FAZ.net 20. Juni 2014: Reaktor Grohnde bleibt abgeschaltet
  28. Rheinische Post:EON will Wiederanfahren von AKW Grohnde erzwingen. abgerufen am 21. Juni 2104
  29. Der Spiegel:Mir läuft der kalte Schauer über den Rücken Ausgabe vom 20. April 1987, abgerufen am 6.Juni 2012
  30. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Meldepflichtige Ereignisse in Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen in der Bundesrepublik Deutschland, Jahresbericht 1996 (PDF; 864 kB) abgerufen 5. Juli 2011
  31. a b Kernenergie in Deutschland; Jahresbericht 2005 - Herausgeber: Deutsches Atomforum e. V. Seite 22/23 Kernkraftwerk Grohnde; Informationskreis KernEnergie; Druck: UbiaDruckKöln; ISSN:1611-9592
  32. Der Spiegel 14. März 2011: Störfälle in Deutschen Atomkraftwerken abgerufen 5. Juli 2011
  33. NDR am 15. Januar 2011: Hunderte AKW-Gegner demonstrieren in Grohnde
  34. Tageszeitung: Mindener Tageblatt vom 27. April 2011 Menschenstrom zum Atomkraftwerk. Abgerufen am 4. Juli 2011.
  35. Atom-Protest mit Mundschutz und Geigerzählern in Neue Presse vom 9. März 2013
  36. Tagesspiel vom 4. Oktober 2012: AKW-Stresstest: EU sieht Probleme bei norddeutschen Kernkraftwerken abgerufen 12. Oktober 2012
  37. Interaktive Übersicht des SPIEGEL, AKWs in Deutschland abgerufen am 23. Januar 2012
  38. nach dem Ausstiegsbeschluss der SPD/Grüne Regierung vom 14. Juni 2000, hier sind Reststrommengen definiert die einen genauen Zeitpunkt nicht beinhalten.
  39. nach dem Ausstiegsbeschluss der CDU/FDP Regierung vom 30. Juni 2011, hier sind genaue Endzeitpunkte benannt
  40. KKW Grohnde bei der IAEO