Leinzell

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Leinzell
Leinzell
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Leinzell hervorgehoben
48.8494444444449.8791666666667400Koordinaten: 48° 51′ N, 9° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Ostalbkreis
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 2,1 km²
Einwohner: 2017 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 960 Einwohner je km²
Postleitzahl: 73575
Vorwahl: 07175
Kfz-Kennzeichen: AA, GD
Gemeindeschlüssel: 08 1 36 040
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Mulfinger Straße 2
73575 Leinzell
Webpräsenz: www.leinzell.de
Bürgermeister: Ralph Leischner
Lage der Gemeinde Leinzell im Ostalbkreis
Schwäbisch Gmünd Landkreis Heidenheim Landkreis Schwäbisch Hall Rems-Murr-Kreis Landkreis Göppingen Aalen Abtsgmünd Adelmannsfelden Bartholomä Böbingen an der Rems Bopfingen Durlangen Ellenberg (Württemberg) Ellwangen (Jagst) Eschach (bei Schwäbisch Gmünd) Essingen (Württemberg) Göggingen (Württemberg) Gschwend Heubach Heuchlingen Hüttlingen (Württemberg) Hüttlingen (Württemberg) Iggingen Jagstzell Kirchheim am Ries Lauchheim Leinzell Lorch (Württemberg) Mögglingen Mutlangen Neresheim Neuler Obergröningen Oberkochen Rainau Riesbürg Riesbürg Rosenberg (Württemberg) Ruppertshofen (Ostalbkreis) Schechingen Schwäbisch Gmünd Spraitbach Stödtlen Täferrot Tannhausen Tannhausen Unterschneidheim Waldstetten (Ostalbkreis) Waldstetten (Ostalbkreis) Westhausen (Württemberg) Wört BayernKarte
Über dieses Bild

Leinzell ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Ostalbkreis. Sie ist Teil der Randzone der Metropolregion Stuttgart.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Leinzell liegt in 400 bis 460 Meter Höhe im Vorland der östlichen Schwäbischen Alb an der Lein, einem kleinen Nebenfluss des Kochers, etwa zehn Kilometer nordöstlich von Schwäbisch Gmünd.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden und Osten an Göggingen, im Süden an Iggingen und im Westen an Täferrot.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Leinzell gehören das Dorf Leinzell und der Weiler Ölhäuser sowie die abgegangenen Ortschaften Pulvermühle und Schafhaus.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Leinzell wurde im Jahre 1259 unter dem Namen Cella erstmals urkundlich erwähnt.[3] Im Jahre 1409 wurde der Ort unter dem Namen Zell an der Lyn, 1426 als Lynzelle erwähnt. Im 15. Jahrhundert wurde die Abtei Ellwangen in die Fürstpropstei Ellwangen umgewandelt, Leinzell wurde als Lehen vergeben. Von 1360 bis 1483 wurde Leinzell (mit kurzer Unterbrechung) an die Gmünder Familie Taler vergeben. Rosina Taler, die Witwe des letzten Taler, heiratete Rudolf von Westerstetten; dieser übernahm somit 1484 die Dorfherrschaft unter der Lehnsherrschaft von Albrecht Propst zu Ellwangen. 1530 kam Leinzell an die Familie von Horkheim, 1604 an Jörg Christoph von Ursenbeck und 1612 an Hans Burkhard von Fauber auf Randegg.

1636 wurde schließlich (mitten im Dreißigjährigen Krieg) Valentin von Lang, der zunächst in der Verwaltung des Erzbistums Bremen tätig gewesen war, mit Leinzell belehnt. Die Familie Lang wohnte in Leinzell und bestimmte 170 Jahre lang das dörfliche Geschehen, bis die Zeit der Reichsritter zu Ende ging und Leinzell im Zuge der Säkularisation 1806 an Württemberg fiel, wo es dem Oberamt Gmünd (ab 1941: Landkreis Schwäbisch Gmünd) zugeordnet wurde. 1810 wurde Leinzell eine selbständige Kommune. Die Frondienste der Leinzeller Bürger wurden erst 1842 durch einen Ablösungsvertrag geregelt, der Freiherr von Lang erhielt 1874 die letzte Ratenzahlung; die Leinzeller Bürger waren ab diesem Zeitpunkt von sämtlichen Fronleistungen befreit. Mit der Kreisreform 1973 kam Leinzell zum neuen Ostalbkreis.

Religionen[Bearbeiten]

Leinzeller St.-Georg-Kirche

Der Baubeginn der katholischen Kirche in Leinzell in der heutigen Form war im Jahre 1776.[4] Zuvor fiel die Kirche vor allem durch ihre mangelnde bauliche Substanz und geringfügige Ausstattung auf. 1783 wurde die Kirche fertiggestellt, die Altäre schließlich 1805 errichtet. Die gemalte Decke, die die Aufnahme Marias in den Himmel zeigt, ist von Johann Nepomuk Nieberlein, der unter anderem die Stationskapellen des Kreuzweges zur Schönenbergkirche in Ellwangen gestaltete.

Erst im Jahre 1971 wurde mit dem Bau eines evangelischen Gemeindehauses begonnen, da dringend ein Saal für kirchliche Veranstaltungen, Jugendräume und eine Vikarswohnung benötigt wurden. 1980 wurde die Trennung von der Kirchengemeinde Eschach vollzogen und die Kirchengemeinde Göggingen-Leinzell wurde selbstständig. Gottesdienste sind im wöchentlichen Wechsel in Leinzell und Göggingen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahlen
1. November 1812 783
15. Dezember 1834 888
3. Dezember 1846 889
3. Dezember 1858 849
3. Dezember 1867 861
1. Dezember 1871 801
1. Dezember 1900 841
1. Dezember 1910 851
16. Juni 1933 1015
17. Mai 1939 969
29. Oktober 1946 1206
13. September 1950 1275
6. Juni 1961 1693
27. Mai 1970 1991
31. Dezember 1977 2112
31. Dezember 1986 2130
31. Dezember 2000 2338
31. Dezember 2005 2217
Datum Gesamtzahl männl. weibl.
31. Dez. 2005 2217 1075 1142
31. Dez. 2006 2186 1052 1134
31. Dez. 2007 2194 1054 1140
31. Dez. 2008 2172 1029 1143
31. Dez. 2009 2130 1008 1122
31. Dez. 2010 2084 0997 1087

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Leintal-Frickenhofer Höhe, dem die Gemeinden Eschach, Göggingen, Iggingen, Leinzell, Obergröningen und Schechingen angehören.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Gemeinderatswahl am 13. Juni 2004 führte zu folgendem Ergebnis:

Partei Prozent Veränderung % Sitze
1 CDU 46,2 % (+6,8) 6 (+1)
2 SPD 38,3 % (−3,4) 4 (−1)
3 FWG 15,5 % (−3,4) 2 (±0)

Bürgermeister[Bearbeiten]

  •  ?–1808: Hansjörg Stegmaier
  • 1808–1813: Josef Rieger
  • 1813–1821: Michael Funk
  • 1821–1824: Georg Stegmaier
  • 1824–1825: Melchior Müller
  • 1825–1832: Bernhard Schmid
  • 1832–1844: Johannes Riegg
  • 1844–1849: Josef Dolderer
  • 1849–1856: Johann Aigeldinger
  • 1856–1883: August Reichle
  • 1883–1897: Josef Schock
  • 1897–1921: Josef Rist
  • 1921–1934: August Ohnewald
  • 1934–1945: Anton Lang
  • 1945–1946: Anton Ströbel
  • 1945–1968: Gustav Vogt
  • 1968–1974: Klaus Pick
  • 1974–2006: Günter Nesper
  • Seit 2006: Ralph Leischner

Partnerschaften[Bearbeiten]

Leinzell unterhält seit 1989 partnerschaftliche Beziehungen zu der französischen Gemeinde Danjoutin in der Nähe von Belfort.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Leinzeller Schloss

Das Leinzeller Schloss wurde auf den Ruinen einer im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Wehranlage von der Familie Lang um 1650 erbaut. Das Schloss blieb auch nach dem Machtverlust der Familie Lang in deren Besitz und wurde erst 1990 aus dem Besitz der Freifrau Brigitte von Lang verkauft. Der Umbau in ein Hotel scheiterte an den Bedenken des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, schließlich wurde das Schloss mehrere Jahre als Asylantenwohnheim genutzt. Heute ist das Schloss wieder in Privatbesitz und wird von den Eigentümern Helmut und Sylvia Wickleder bewohnt und renoviert.

Sport[Bearbeiten]

Leinzell verfügt über drei Sportplätze, eine Schwimmhalle, eine Sporthalle, eine Kulturhalle und einen Skihang mit Skilift.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

In Leinzell gibt es eine Grund- und eine Werkrealschule sowie eine Realschule. Die Förderschule für lernbehinderte Kinder wurde zum Schuljahresende 2012 geschlossen. Die nächsten weiterführenden Schulen gibt es in Schwäbisch Gmünd.

Für die kleinsten Bürger gibt es einen katholischen und einen evangelischen Kindergarten; sie stehen allen Konfessionen offen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach dem Dreißigjährigen Krieg siedelten sich in Leinzell viele Heimatlose an, die als umherziehende Händler ihren Lebensunterhalt verdienten. Diese Händler brachten die jenische Sprache nach Leinzell, die heute vereinzelt noch gesprochen wird.

Das Steinkind von Leinzell

1720 wurde im Leib einer über 90 Jahre alten Einwohnerin von Leinzell ein Lithopaedion entdeckt, das diese 46 Jahre lang mit sich getragen hatte. Das Steinkind von Leinzell gilt als eines der am besten erhaltenen Lithopaedia. Eine erste Beschreibung des Fundes verfasste der Leibarzt des Königs Georg I., Johann Georg Steigerthal. 1854 war das Steinkind Gegenstand einer Dissertation von W. Kieser. Heute befindet sich das Steinkind von Leinzell in der Sammlung der Universität Tübingen.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leinzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 739–740.
  3. Schenkungsurkunde im Staatsarchiv Ludwigsburg B 177 U 1508.
  4. Quelle: www.leinzell.de.
  5.  Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 48.
  6. http://www.unimuseum.uni-tuebingen.de/38dinge/dinge15.html