Mainz-Kastel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen von Mainz-Kastel
Wappen von Wiesbaden
Mainz-Kastel
Ortsbezirk von Wiesbaden
Auringen Biebrich Bierstadt Breckenheim Delkenheim Dotzheim Erbenheim Frauenstein Heßloch Igstadt Klarenthal Kloppenheim Mainz-Amöneburg Mainz-Kastel Mainz-Kostheim Medenbach Mitte Naurod Nordenstadt Nordost Rambach Rheingauviertel Schierstein Sonnenberg Südost WestendKarte
Über dieses Bild
Koordinaten 50° 0′ 35″ N, 8° 17′ 4″ O50.0097222222228.2844444444444Koordinaten: 50° 0′ 35″ N, 8° 17′ 4″ O
Höhe 82,5–138 m ü. NN
Fläche 9,51 km²
Einwohner 12.397 (31. Jul. 2014)
Bevölkerungsdichte 1304 Einwohner/km²
Ausländeranteil 20,1 % (31. Jul. 2014)
Eingemeindung 25. Jul. 1945
Postleitzahl 55252
Vorwahl 06134
Adresse der
Verwaltung
St. Veiter Platz 1
55246 Mainz-Kostheim
Website www.wiesbaden.de
Politik
Ortsvorsteher Christa Gabriel (SPD)
Stellv. Ortsvorsteher Hartmut Bohrer (AUF AKK)
Quelle: am 31. Juli 2014 (PDF; 69 kB), Amt für Strategische Steuerung, Stadtforschung und Statistik; Landeshauptstadt Wiesbaden; abgerufen am 18. August 2014
Luftbild von Mainz-Kastel
Mainz-Kastel von Mainz aus gesehen

Mainz-Kastel [-kasˈtɛl] ist ein Ortsbezirk der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Kastel liegt als historischer Brückenkopf der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz auf dem rechten Rheinufer gegenüber der Mainzer Altstadt und ist mit dieser durch eine Straßenbrücke verbunden. Kastel liegt rund einen Kilometer unterhalb der heutigen Mündung des Mains in den Rhein. Kastel gehörte in seiner langen Geschichte wiederholt zu Mainz, formal eingemeindet wurde es am 1. April 1908. Am 25. Juli 1945 wurde Kastel den Grenzen der Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg folgend (Kastel lag in der amerikanischen, Mainz in der französischen Besatzungszone) auf Anordnung der amerikanischen Besatzungsmacht der „treuhänderischen Verwaltung“ durch die Stadt Wiesbaden unterstellt und gehört seitdem zur hessischen Landeshauptstadt.

An den Grenzen der Besatzungszonen orientierten sich dann auch die neu gegründeten bzw. formierten Bundesländer, so dass Kastel als Wiesbadener Stadtteil zu Hessen gehört. Kastel ist einer der sechs rechtsrheinischen Stadtteile von Mainz, die auf diese Weise von Mainz getrennt wurden. In drei Stadtteilen (neben Kastel auch noch in Amöneburg und Kostheim) ist dies bis heute Gegenstand teilweise heftiger lokalpatriotischer Debatten (siehe hierzu auch: AKK-Konflikt). Viele Kasteler fühlen sich nicht als Wiesbadener, sondern tendieren nach Mainz, was abgesehen von der administrativen Zugehörigkeit auch der Lebenswirklichkeit entspricht, da die Wiesbadener Innenstadt rund 10 km entfernt liegt, die Mainzer dagegen direkt auf der anderen Rheinseite. Da bis heute kein abschließender formeller Rechtsakt vorliegt, behielten die drei Wiesbaden zugeordneten Stadtteile (Amöneburg, Kastel und Kostheim) den Namensbestandteil „Mainz-…“. Ein Kuriosum sind die Ortseingangsschilder, auf denen zu lesen ist: „Landeshauptstadt Wiesbaden Stadtteil Mainz-Kastel“ (siehe Bilder). Andererseits fühlen sich viele Bewohner als Hessen (auch Mainz gehörte vor dem Krieg seit 1815 zum Großherzogtum Hessen bzw. Volksstaat Hessen) und können sich mit Rheinland-Pfalz nicht identifizieren.

Geologie[Bearbeiten]

Kastel liegt im Rheintal und hat in Richtung Fort Biehler eine natürliche Erhebung in Form einer Rheinterrasse. Der Boden in Kastel gilt allgemein als sehr fruchtbar, nach einigen Metern stößt man in der Ebene meist auf meterdicke Sandschichten.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Kastel grenzt an die Nachbarstadtteile Amöneburg, Kostheim und Erbenheim sowie getrennt durch den Rhein an Mainz.

Geschichte[Bearbeiten]

Rekonstruktionsversuch: Der römische Ehrenbogen in Kastel (erbaut zwischen 18. n. Chr. und 43 n. Chr.)
Kastel auf einem Stadtplan von 1893. Taunusbahn, Rheinbrücke und Häfen machten Kastel zu einer Verkehrsdrehscheibe.

In Kastel befindet sich der nördlichst gelegene römische Ehrenbogen, der bisher gefunden werden konnte. Wahrscheinlich wurde er zu Ehren des Germanicus nach dessen Tod 19 n. Chr. errichtet.[1] Eine Karte von 1645 zeigt in der Gegend von Kastel allerdings ein "Traiani munumentum", bezieht sich also auf den römischen Kaiser Trajan.[2] Ob es sich dabei um dasselbe Bauwerk handelt ist unklar, ebenso fehlt bisher ein eindeutiger Beweis, für wen der Ehrenbogen denn nun wirklich errichtet wurde.

Die Gründung von Kastel datiert in etwa auf das Jahr 11 v. Chr., zu dieser Zeit wurde von den Römern eine Pontonbrücke über den Rhein errichtet und der rechtsrheinische Brückenkopf mit einem Kastell (Castellum Mattiacorum, Kastell im Land der Mattiaker) befestigt. Die Holzkonstruktion wurde um 71 n. Chr durch eine Steinbrücke ersetzt, die bis etwa 406 n. Chr benutzbar war. Die älteste Stadtansicht von Mogontiacum und Castellum Mattiacorum ist auf einem ca. 300 n. Chr. hergestellten Bleimedaillon zu sehen, das 1862 in der Sâone bei Lyon gefunden wurde.[3] Auf Kasteler Gemarkung (im Bereich des heutigen Gewerbegebietes Petersweg Ost) gab es auch eine große Villa rustica.[4] Daneben existierte auch kurzzeitig außerhalb in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts ein hölzernes Kastell (vermutlich ein Übungskastell), welches im Sommer 2009 ausgegraben wurde.[5] An der ehemaligen römischen Heerstraße wurden 1896 zwei römische Leugensteine gefunden.

Eine kurzzeitige Wiederherstellung der Rheinbrücke durch Karl den Großen wurde bereits um 813 n. Chr durch einen Brand vernichtet. Die Altstraßen Via Regia nach Wismar und die Antsanvia nach Eisenach beginnen in Kastel. Erst ein Jahrtausend später führt wieder eine Brücke von Kastel aus zur direkt gegenüberliegenden Mainzer Altstadt, das heutige Exemplar heißt Theodor-Heuss-Brücke und ist Teil der Bundesstraßen 40 und 455. Durch die Jahrhunderte hat sich aber der Name „Steinern Straße“ erhalten, der auf die von den Römern angelegte gepflasterte Straße verweist und deren Straßenverlauf noch heute weitgehend mit dem ursprünglichen Weg übereinstimmen dürfte; in anderen Gemarkungen wird diese Straße auch Elisabethenstraße genannt.

Im Mittelalter hatte Kastel eher eine unbedeutende Rolle. Es wurde mehrmals niedergebrannt.

Im Jahre 1666 wurde über die Hälfte der Kasteler Bevölkerung von der Pest dahingerafft. Um die katholische Kirche „St. Georg“ erbaute man eine sog. Pestmauer zur Eindämmung der Seuche. Dahinter wurden Kranke betreut und Verstorbene rund um das Gotteshaus bestattet.

Rekonstruierte Pestmauer von 1666 an der Rathausstraße in Mainz-Kastel
Bauhausstil am ehemaligen Pionierübungsplatz

Kastel wurde in den Jahren ab 1792 als Brückenkopf von der französischen Revolutionsarmee unter General Custine, später von Napoleon, erstmals wieder seit der Römerzeit militärisch befestigt, später ab 1816 weiter als Festung von Österreich und Preußen verbessert ausgebaut (Bundesfestung Mainz, Fort Großherzog von Hessen). Ein Abtretungsvertrag über Kastel und Kostheim von 1806 zwischen dem Kaiserreich Frankreich und dem Fürstentum Nassau regelte eine Abtretung an die Stadt Mainz. Nach der Belagerung von Mainz 1814 wurde Kastel ab 18. Mai erstmals vom Mainzer Bürgermeister Franz Freiherr Gedult von Jungenfeld als Kreisdirektor verwaltet. Kastel erhielt 1839 Anschluss an eine der ersten deutschen Eisenbahnen, die Taunusbahn von Frankfurt am Main über Höchst und Kastel nach Wiesbaden. Kastel war nach 1866 Garnison der Kgl. Preußischen Armee. Hier befand sich, in der noch heute existierenden Mudra-Kaserne, das 2. Nassauische Pionier-Bataillon Nr. 25. Weiter waren in der ehemaligen Erzherzog-Wilhelm-Kaserne das Kurhessische Pionier-Bataillon Nr. 11 und das 1. Nassauische Pionier-Bataillon Nr. 21, in der Artilleriekaserne Teile des 2. Nassauischen Feldartillerie-Regiment Nr. 63 Frankfurt und des 1. Nassauischen Feldartillerie-Regiments Nr. 27, und in der Reduit das 2. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 88, sowie in der Gersdorff-Kaserne zwei Bataillone des Füsilier-Regiments „von Gersdorff“ Nr. 80 stationiert.

Nach dem Abschluss eines Eingemeindungsvertrages wurde die damalige selbstandige Stadt Kastel am 1. April 1908 zu einem Stadtteil von Mainz und im Jahr 1945 wegen der Grenzziehung der Besatzungszonen durch die amerikanischen Behörden der Stadt Wiesbaden zur Verwaltung zugeordnet.

Kastel wurde am 8. und 9. September 1944 fast vollständig durch britische und amerikanische Bomberangriffe zerstört, die allerdings die eigentlichen militärischen Ziele verfehlten.

Heute besteht Kastel nicht mehr nur aus dem alten Ortskern rund um die Mainzer Straße und den Häusern entlang des Rheins, sondern hat sich über das 21 ha große noch immer militärisch genutzte „AFEX-Gelände“ (Air Forces Europe Exchange) im Norden des Ortskerns hinaus entwickelt. Die größten Neubaugebiete sind mit den Krautgärten und An der Helling erst seit Mitte der 1990er Jahre entstanden.

Der Turm der Kirche St. Georg dominiert die Silhouette von Kastel

Religionen[Bearbeiten]

Vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung sind „naturgemäß“ die katholischen Christen stark vertreten, wobei sich in den letzten gut 150 Jahren eine evangelische Gemeinde etabliert hat. Entsprechend dem Bevölkerungsanteil von 19,7 Prozent an Ausländern[6] gibt es diverse weitere Religionszugehörigkeiten, wobei die Muslime die größte Gruppe darstellen. Kastel verfügt über eine katholische und eine evangelische Kirche sowie in den Krautgärten über ein katholisches Gemeindezentrum. Die nächste Moschee befindet sich unweit der Grenze im Nachbarstadtteil Kostheim.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Nach der letzten veröffentlichten Statistik des Amtes für Wahlen, Statistik und Wahlforschung war Kastel zu Jahresbeginn 2013 die Heimat von 12.409 Menschen in 5.843 Haushalten. Seit 2003 ist Kastel damit um rund 900 Personen gewachsen.[7]

Politik[Bearbeiten]

Wahlergebnisse Ortsbeirat Mainz-Kastel[Bearbeiten]

Ortsbeiratswahl 2011
in Prozent
 %
50
40
30
20
10
0
44,0 %
28,0 %
21,6 %
6,3 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+1,6 %p
-3,0 %p
+3,9 %p
+1,5 %p
-4,2 %p

Seit 1972 wird zeitgleich, aber unabhängig davon, mit den Wahlen zur Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung der Ortsbeirat des Stadtbezirkes Mainz-Kastel gewählt (Angaben in der Tabelle in Prozent).

CDU SPD AUF AKK FDP REP Wahlbeteiligung
2011 28,0 44,0 21,6 6,3 33,5
2006 31,0 42,4 17,7 4,8 4,2 33,8
2001 28,9 39,7 20,8 3,0 7,5 44,6
1997 27,1 40,0 28,6 2,9 56,1
1993 27,4 41,9 24,8 6,0 60,0
1989 30,7 50,7 12,6 6,0 66,9
1985 33,6 50,2 8,4 7,8 63,4
1981 43,6 46,1 0,0 10,3 63,2
1977 44,9 47,4 0,0 7,7 67,3
1972 36,7 57,6 0,0 6,7 72,5

Sitzverteilung im Ortsbeirat[Bearbeiten]

Die Sitzverteilung im Ortsbeirat Mainz-Kastel sieht danach wie folgt aus (bis 1997 galt die Fünf-Prozent-Hürde):

CDU SPD AUF AKK FDP REP Gesamt
2011 4 7 3 1 15
2006 5 6 3 1 15
2001 4 6 3 1 1 15
1997 4 6 5 15
1993 3 4 3 1 11
1989 3 6 1 1 11
1985 5 8 1 1 15
1981 6 7 2 15
1977 7 7 1 15
1972 5 9 1 15

Ortsvorsteher[Bearbeiten]

Ortsvorsteherin ist seit der Kommunalwahl 2011 Christel Gabriel (SPD). Zwischen der SPD und dem AUF AKK (Arbeitskreis Umwelt und Frieden Amöneburg, Kastel und Kostheim) besteht eine politische Zusammenarbeit im Ortsbeirat.

Zeit Name Partei
1977 - November 1978 Joachim Schäfer CDU
Dezember 1978 - 1982 Gregor Wesser-Krell FDP
März 1982 - 1991 Bernhard Borg SPD
1991 - 1993 Rose-Marie Künz SPD
1993 - 1997 Heinz-Erich Krone CDU
1997 - 2001 Hartmut Bohrer AUF AKK
2001 - 2006 Heinz-Erich Krone CDU
2006 - 2011 Margot Schäfer SPD
2011 - Christa Gabriel SPD

Wappen[Bearbeiten]

Die siebenrippige silberne Muschel im Kasteler Wappen ist auf eine Jakobsbruderschaft zurückzuführen. Sie ist auf blauem Grund ausgeführt. Ein großer Jakobsweg aus dem Osten des Reiches traf in Kastel auf den Rhein, da hier durch die Brücke Gelegenheit zum Überqueren des Flusses war. Im 17. Jahrhundert wurde diese Wappendarstellung erstmals, damals noch mit dem Mainzer Rad, verwendet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

In der Reduit ist das Museum Castellum der Gesellschaft für Heimatgeschichte Kastel e. V. beheimatet, ebenso ist der römische Ehrenbogen in der Großen Kirchenstraße nahe der katholischen Pfarrkirche St. Georg, zu besichtigen. In der „Bastion Schönborn“, nahe der Reduit, befindet sich das Kasteler Flößermuseum.

Kulturelle Besonderheiten[Bearbeiten]

Erwähnenswert sind in Kastel die diversen Karnevalsvereine, von denen der KCK einer der vier Ausrichter der Fernsehsitzung ist, die alljährlich am Freitag vor dem Fastnachtswochenende bundesweit ausgestrahlt wird. Zudem finden jedes Jahr, meist in der zweiten August-Hälfte, die „AKK-Kulturtage“ statt, in deren Rahmen viele kleinere kulturelle Veranstaltungen, oft auch mit lokalem Bezug bzw. von lokalen Künstlern, angeboten werden. Des Weiteren findet jährlich in Mainz-Kastel das "Meeting of Styles" statt, auf dem sich Graffiti-Sprayer aus aller Welt treffen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Auffällig in Kastel sind die von der Theodor-Heuss-Brücke aus gut sichtbare katholische Pfarrkirche St. Georg sowie die nicht ganz so offensichtliche, dafür architektonisch polarisierende Kirche der evangelischen Erlösergemeinde.

Reduit
Die Reduit von der Theodor-Heuss-Brücke aus betrachtet

Am Rheinufer liegt die „Rundumverteidigungsanlage“ Reduit, die 1830 bis 1832 zur Sicherung der schwimmenden Brücke über den Rhein als Festung des Deutschen Bundes erbaut worden war. Die Schiffsbrücke war vom Mainzer Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges erbaut worden. Nach diesem wurde eine dem Flankenschutz dienende Verstärkung der Festung benannt: die Bastion von Schönborn.

Im Norden Kastels, an der Boelckestraße nahe der Siedlung „Fort Biehler“, liegt der von 1492 bis 1497 auf Anordnung des Mainzer Erzbischofs Berthold von Henneberg errichtete Wartturm der Erbenheimer Warte, ein Rundturm mit einem spitzen Steindach und Pechnasen, der zur ehemaligen Mainzer Landwehr gehörte, die zum Schutz von Überfällen räuberischer Banden angelegt worden war und „Castel“ mit Gräben und ehemals vier Warttürmen umgab. Die ehemalige Festung „Fort Biehler“ musste nach dem Versailler Vertrag eingeebnet werden, teilweise wurden die Steine zum Bau der Häuser der heutigen Siedlung verwendet, die verbliebenen Reste sind bis heute nicht öffentlich zugänglich.

Parks[Bearbeiten]

Es gibt in Kastel einen kleinen Tierpark (hinter dem Gewerbegebiet Petersweg).

Sport[Bearbeiten]

In den frühen 1980er Jahren wurde Kastel durch die FVgg. Kastel 06 auch im sportlichen Bereich überregional bekannt. Kastel bietet aufgrund der Lage am Rhein hervorragende Wassersportmöglichkeiten in der Kasteler Ruder- und Kanu-Gesellschaft 1880 e. V. (Ruderrennsport, Ruderwandersport, Kanurennsport, Kanuwandersport, Tennis, Camping). Erwähnenswert sind die beiden benachbarten Vereine TG Kastel 1886/54 und TSG Kastel 1846. Neben dem Turnen hat sich bei der TG Kastel eine starke Handballabteilung entwickelt, während die TSG Kastel durch den starken Fußballbereich charakterisiert wird.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

In der „fünften Jahreszeit“ finden stets diverse Sitzungen der Karnevalsvereine statt, wobei der Höhepunkt am Fastnachtssamstag auf der Erstürmung der (in Kostheim gelegenen) Ortsverwaltung und dem anschließenden Umzug durch Kastel und Kostheim liegt (in den letzten Jahren wurden stets rund 10.000 Zuschauer geschätzt, wobei im Jahr 2011 mehr als 20.000 Besucher gezählt wurden[8]). Im Sommer findet (meist im Juni) das Kasteler Rasselfest statt, zum Martinstag der traditionelle Laternenumzug und zu Nikolaus auf dem Ratsherrenplatz in den Krautgärten der Nikolausmarkt.
Seit 2008 findet zudem gegen Ende des Jahres (Ende November/Anfang Dezember) das Adventsdorf in der Reduit statt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Kastel selbst befinden sich keine großen Industriebetriebe. Weit über die Kasteler Grenzen hinaus bekannt ist jedoch die Metro, ein Großmarkt der gleichnamigen Firma, der ausschließlich an gewerbliche Kunden verkauft. Daneben existieren diverse kleine und mittlere Firmen in Kastel, außerdem wird seit vielen Jahren das Gewerbegebiet Petersweg entwickelt, wo sich neben etlichen Betrieben auch – ein gewisses Paradoxon, da Kastel postalisch über Mainz versorgt wird – das „Wiesbadener“ (PLZ 65…) Briefzentrum angesiedelt hat.

Medien[Bearbeiten]

In Kastel befindet sich seit 1980 der Sender Mainz-Kastel, ein abgespannter Sendemast des SWR mit einer Höhe von 156 Metern für die Verbreitung von UKW-Programmen.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

In Kastel ist die Wiesbadener Feuerwache 2 beheimatet, die durch die verkehrstechnisch günstige Lage neben AKK auch den gesamten südlichen Bereich Wiesbadens schnell erreichbar macht. Ebenfalls in Kastel war lange Zeit das 2. Polizeirevier (im Gebäude der ehemaligen Ortsverwaltung „In der Witz“) beheimatet, wurde aber im Sommer 2013 wegen massiver räumlicher Enge nach Kostheim verlagert.

Bildung[Bearbeiten]

In Kastel selbst besteht nur die Gustav-Stresemann-Schule mit ihrer Außenstelle der "Pavillonschule" (Grundschule). Daneben bestehen – allerdings auf Kostheimer Gemarkung liegend – die Krautgartenschule (Grundschule), deren Schulbezirk aber ebenfalls Kasteler Gebiet beinhaltet, und die Wilhelm-Leuschner-Schule (Integrierte Gesamtschule).

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 40 in Mainz-Kastel

Straßen[Bearbeiten]

Kastel liegt sehr verkehrsgünstig an den Bundesstraßen 40, 43 und 455, verfügt über die Autobahn 671 als Quasi-Umgehungsstraße und ist durch die Nähe zu den überregionalen Autobahnen 60 und 66 auch von den internationalen Verbindungen der Autobahnen 3 und 5 gut zu erreichen. Im Zuge der Bundesstraße 40 liegt auch ein Ende der Theodor-Heuss-Brücke nach Mainz in Kastel. Dies führt im Bereich der Boelckestraße (B 455) als Verbindung zwischen der Mainzer Innenstadt und den Autobahnen 671 und 66 sowie Wiesbadens durch die hohe Verkehrsdichte und häufiger Staus zu einer hohen Belastung der Bevölkerung in diesem Bereich, während das übrige Kastel von den guten Verbindungen profitiert.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bahnhof Mainz-Kastel

Bereits im Jahr 1839 erreichte die Taunus-Eisenbahn Mainz-Kastel. Ab 1861 stellte das Trajekt Mainz–Kastel zwei Jahre lang den Eisenbahnverkehr nach Mainz sicher, bevor die Südbrücke errichtet wurde. Die Strecke der Taunus-Eisenbahn durch Kastel ist das Bindeglied zwischen der rechten Rheinstrecke, die überwiegend durch Güterverkehr genutzt wird und den Güterbahnhöfen im Frankfurter Raum sowie in Bischofsheim. Die Taktfrequenz der Züge ist dabei so hoch, dass die Strecke in das Lärmsanierungsprogramm des Bundes aufgenommen wurde, im Dezember 2009 begannen arbeiten zur Errichtung von Lärmschutzwänden auf einem großen Abschnitt zwischen dem Kasteler Bahnhof und der kreuzenden Strecke der Mainzer Umgehungsbahn (in Richtung Bahnhof Wiesbaden Ost). Mit dem geplanten Bau der Verbindungskurve Igelstein könnte es zu einer teilweisen Verlagerung des Güterverkehrs kommen.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Neben der Eisenbahn war Kastel früher auch durch die Wiesbadener Straßenbahn nach Mainz sowie durch die Straßenbahn von Mainz nach Kostheim erschlossen. Heute verkehren auf Kasteler Gemarkung vier Buslinien (6, 9, 28 und 33), die von ESWE Verkehr und MVG gemeinsam betrieben werden und die Mainz und Wiesbaden verbinden. Weiterhin verkehren zwei MVG-Linien (56 und 57), die von Mainz kommend ausschließlich Kastel und Kostheim bedienen, zwei MVG-Linien (54 und 55), die von Mainz kommend durch Kastel weiter nach Kostheim und Gustavsburg in Richtung Bischofsheim und Ginsheim sowie eine Linie (68), welche die MVG gemeinsam mit der ORN betreibt, welche von Hochheim über Kostheim, Kastel und Mainz nach Klein-Winternheim fährt.

Seit dem Fahrplanwechsel 2012/2013 gibt es eine besondere Linie, welche abseits der üblichen Linienwege von Mainz kommend am Morgen mit drei Fahrten das Gewerbegebiet Petersweg anfährt. Diese Linie ist im Taschenfahrplan nicht enthalten, wird jedoch in Mainz an den betroffenen Haltestellen intensiv beworben.

Im Nachtverkehr gibt es, neben der Linie 6, die auch tagsüber betrieben wird, noch je eine Linie von ESWE Verkehr (N7 von Wiesbaden Innenstadt über Erbenheim nach Kostheim), MVG (91 von Finthen über Mainz Hbf nach Bischofsheim) noch die Besonderheit der MVG-Disco-Linie 99 von Mainz Hbf zur Diskothek „Euro Palace“ im Gewerbegebiet Peter-Sander-Straße, die allerdings nur in den Nächsten Freitag/Samstag und vor Sonn- und Feiertagen verkehrt.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Seit der Einstellung der Fährschiffe nach Mainz und der Aufgabe der Flößerei auf dem Main (wobei der Floßhafen neben der Maaraue weitgehend zu Kostheim gehörte) hat Kastel für die Schifffahrt keine Bedeutung mehr. Im Zuge einer Umgemarkung Mitte der 1990er gelangte auch die auf der Spitze der Maaraue liegende Wasserschutzpolizeistation nach Kostheim, so dass Kastel auch diesbezüglich keine Bedeutung mehr hat.

Kuriosum[Bearbeiten]

In Mainz-Kastel ist das Briefzentrum für den postalischen Bereich 65 (Wiesbaden) angesiedelt, obwohl Kastel selbst zur postalischen Region 55 (Region Mainz mit Sitz in Mainz-Hechtsheim) gehört. Damit liegt das Briefzentrum 65 außerhalb seines eigenen Zuständigkeitsbereiches, denn Kastel und Kostheim bekommen die Post also aus Mainz. Aus diesem Grund gibt es für Sendungen an das Briefzentrum mit der 65212 auch eine eigene Postleitzahl, da diese Sendungen nicht den Umweg über Mainz machen. Der Nachbarstadtteil Mainz-Amöneburg ist hingegen der postalischen Region 65 angegliedert und bedient sich auch der Wiesbadener Vorwahl 0611.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Dokumente

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mainz-Kastel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Hans G. Frenz: Der römische Ehrenbogen von Mainz-Kastel, Stadt Wiesbaden. Ein imperiales Monument der frühen Kaiserzeit apud ripam Rheni. Broschüre Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 1988, ISBN 3-89822-076-1.
  2. Blaeu 1645 – Germaniae veteris typus abgerufen 2. Juni 2011.
  3. Maria R.-Alföldi: Zum Lyoner Bleimedaillon. In: Schweizer Münzblätter 8, 1958, S. 63-68 (Volltext); Abbildung.
  4. Wiesbadener Kurier vom 1. November 2007
  5. Frank Lorscheider: Mainz-Kastel - Kurt-Hebach-Str. Ausgrabung eines römischen Marschlagers (2009). Abschlußbericht. (PDF); Claus Bergmann, Frank Lorscheider: Beobachtungen zu einem militärischem Übungslager der Römerzeit in Mainz-Kastel, Stadt Wiesbaden. In: Denkmalpflege und Kulturgeschichte 2010, 3, S. 7–12.
  6. Bevölkerung in den Ortsbezirken am 31. Dezember 2012 (PDF), Amt für Strategische Steuerung, Stadtforschung und Statistik; Landeshauptstadt Wiesbaden; abgerufen am 16. Januar 2013.
  7. Stadtteilprofil Kastel 2010 PDF 46,6 kB
  8. http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/amoeneburg-kostheim-kastel/10301067.htm Abgerufen am 8. März 2011.
  9. http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/amoeneburg-kostheim-kastel/12945650.htm Gelesen am 23. März 2013 10:14 Uhr