Minamisōma

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Minamisōma-shi
南相馬市
Minamisōma
Geographische Lage in Japan
Minamisōma (Japan)
Red pog.svg
Region: Tōhoku
Präfektur: Fukushima
Koordinaten: 37° 39′ N, 140° 57′ O37.642188888889140.95733888889Koordinaten: 37° 38′ 32″ N, 140° 57′ 26″ O
Basisdaten
Fläche: 398,50 km²
Einwohner: 63.769
(1. Juni 2014)
Bevölkerungsdichte: 160 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 07212-5
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Minamisōma
Baum: Japanische Zelkove
Blume: Kirschblüte
Vogel: Feldlerche
Fisch: Ketalachs
Insekt: Glühwürmchen
Rathaus
Adresse: Minamisōma City Hall
2-27 Moto-machi
Haramachi-ku, Minamisōma-shi
Fukushima 975-8686
Webadresse: www.city.minamisoma.lg.jp
Lage Minamisōmas in der Präfektur Fukushima
Lage Minamisōmas in der Präfektur

Minamisōma (jap. 南相馬市, -shi) ist eine kreisfreie Stadt in der Präfektur Fukushima in Japan.

Geographie[Bearbeiten]

Das besiedelte Stadtgebiet war eine knapp 10 km breite Küstenebene, die östlich vom Pazifischen Ozean und westlich vom Abukuma-Hochland (阿武隈高地, Abukuma-kōchi) begrenzt wird. Letztere weitgehend unbewohnte und stark bewaldete Hügellandschaft macht etwa die Hälfte des von der Gemeinde verwalteten Gebietes aus.

Minamisōma besteht aus drei Stadtbezirken (ku), die auf bis ins Jahr 2005 eigenständige Gemeinden zurückgehen und daher nicht miteinander verwachsen sind: Kashima-ku im Norden, Haramachi-ku in der Mitte und Odaka-ku im Süden. Das direkte Küstengebiet ist nur schwach besiedelt und wird hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Die drei Siedlungszentren befinden sich daher etwa 3–4 km landeinwärts.

Administrativ grenzt Minamisōma im Norden an die kreisfreie Stadt Sōma, im Nordwesten an die Dorfgemeinde Iitate und im Südwesten und Süden an die Kleinstadt Namie. Die nächsten Großstädte sind Sendai im Norden und Iwaki im Süden, beide etwa 75 km entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Minamisōma wurde am 1. Januar 2006 durch die Vereinigung der Stadt Haramachi (原町市, -shi) mit den Kleinstädten Kashima (鹿島町, -machi) und Odaka (小高町, -machi) des Landkreises Sōma gegründet. Diese ehemaligen Gemeinden bilden heute Stadtbezirke innerhalb von Minamisōma, dessen Name von dem Landkreis abstammt und „Süd-Sōma“ bedeutet.

Geigerzähler mit Dosisleistungsanzeige von unbedenklichen 0,5 µSv/h in Haramachi am 4. November 2011

Am 11. März 2011 zerstörte das Tōhoku-Erdbeben und der davon ausgelöste Tsunami etwa 1800 Häuser.[1][2] Nachdem es im Kernkraftwerk Fukushima I infolge des Erdbebens zu einer Nuklearkatastrophe gekommen war, wurde eine Evakuierungszone eingerichtet. Der Stadtbezirk Odaka und der Südteil von Haramachi, insgesamt 107 km², lagen innerhalb der 20-km-Sperrzone und wurden vollständig evakuiert, der Rest von Haramachi und der Südteil von Kashima, insgesamt 181 km², lagen in der zweiten bis 30 km breiten Zone, in der die Evakuierung empfohlen war, während lediglich die restlichen 111 km² als unbedenklich galten.[3] Zum 16. April 2012 wurden Teile der Evakuierungszone aufgehoben,[4] und einige vormals komplett gesperrte Teile, wie Odaka, können wieder betreten, jedoch nicht bewohnt werden.[5] Lebten vor der Katastrophe noch 71.561 Einwohner in der Stadt, so waren mit Stand vom 27. Februar 2014 2.967 Todesfälle durch das Erdbeben und andere Ursachen zu beklagen, 20 blieben vermisst, 7.276 zogen weg, 14.430 waren noch gemeldet lebten jedoch auswärts, und 46.868 wohnten noch in der Gemeinde.[6]

Laut eines Berichtes des Fernsehsenders 3Sat ist ein „normales“ Leben in der Stadt Minamisona „nicht mehr“ möglich. Landwirtschaftliche Nutzflächen sind einerseits mit einer Schlammschicht und Trümmern bedeckt und andererseits liegt die jährliche Belastung bei 50 Millisievert[7].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Region, d. h. Minamisōma, Sōma und der Landkreis Futaba, ist bekannt für das Sōma Nomaoi (相馬野馬追). Diese als Wichtiges Nationales Kulturgut ausgezeichnete Tradition ist ein alljährliches Pferderennen Ende Juli mit Reitern in voller Samurai-Rüstung, das auf das sich hier früher befindliche Lehen (Han) Sōma zurückgeht.

In Minamisōma befindet sich der denkmalgeschützte Sakurai-Kofun (桜井古墳), ein Hügelgrab mit 74,5 m Umfang und 6,8 m Höhe aus dem 4. oder 5. Jahrhundert. Ein weiteres denkmalgeschütztes Werk ist der Daihi-san no Sekibutsu (大悲山の石仏), eine Gruppe von mehreren Steinbuddhas, die am Stück in den Fels geschlagen wurden. Der ebenfalls denkmalgeschutzte Urajiri-kaizuka (浦尻貝塚) ist ein Køkkenmøddinger mit Siedlungsüberresten aus der prähistorischen Jōmon-Zeit.

Im Norden befindet sich das Verbrennungskraftwerk Haramachi (原町火力発電所, Haramachi karyoku hatsudensho) mit Wellenbrechern, die mehr als 1,5 km weit ins Meer hereinragen. Wegen der dadurch erzeugten Wellen war die unmittelbare Umgebung ein beliebter Surfstrand.

Verkehr[Bearbeiten]

Die bedeutendste Fernstraße ist die Jōban-Autobahn nach Misato in der Präfektur Saitama oder Watari in der Präfektur Miyagi. Weitere wichtige sind die Nationalstraße 6 nach Chūō in Tokio oder Sendai, sowie die Nationalstraße 114 nach der Präfekturhauptstadt Fukushima oder in das benachbarte Namie.

An das nationale Schienennetz ist Minamisōma über die JR Jōban-Linie, die auch vom Expresszug Super Hitachi befahren wird, nach Sendai oder Ueno angeschlossen. Die Haltestationen in der Stadt sind Momouchi, Odaka, Iwaki-Ōta, Haranomachi und Kashima, wobei Haranomachi der Hauptbahnhof ist.

Bildung[Bearbeiten]

In Minamisōma befinden sich 16 Grundschulen, 6 Mittelschulen und 4 von der Präfektur betriebene staatliche Oberschulen, die sich in ihren Spezialisierungen unterscheiden:

  • die Oberschule Haramachi (福島県立原町高等学校, Fukushima-kenritsu Haramachi kōtō gakkō),
  • die Landwirtschaftliche Oberschule Minamisōma (相馬農業高等学校, Fukushima-kenritsu Minamisōma nōgyō kōtō gakkō),
  • die Technische Oberschule Odaka (福島県立小高工業高等学校, Fukushima-kenritsu Odaka kōgyō kōtō gakkō) und
  • die Handelsoberschule Odaka (福島県立小高商業高等学校, Fukushima-kenritsu Odaka shōgyō kōtō gakkō).

Hinzu kommt die private Shōei-Oberschule (松栄高等学校, Shōei kōtō gakkō).

Im Zuge der Evakuierung Odakas, wurden dessen beide Oberschulen, die Mittelschule Odaka und die vier Grundschulen in anderen Stadtteile umverlegt.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahrhundertbeben in Japan: Mehr als 10.000 Menschen werden vermisst. In: Zeit Online. 12. März 2011, abgerufen am 21. März 2011.
  2. Survivors in trauma after life-changing nightmare day. In: The Japan Times Online. 13. März 2011, abgerufen am 21. März 2011 (englisch).
  3. 南相馬市の状況について(概要). Minamisōma, 6. April 2011, abgerufen am 3. Januar 2011 (japanisch).
  4. Evacuation order lifted for parts of Minamisoma. In: Kyodo. 17. April 2012, abgerufen am 27. Februar 2014 (englisch).
  5. COUNTDOWN TO DEC. 16: Deserted Minami-Soma remains a city without hope. In: Asahi Shimbun. 11. Dezember 2012, abgerufen am 27. Februar 2014 (englisch).
  6. 避難の状況と市内居住の状況. Minamisōma, abgerufen am 27. Februar 2014 (japanisch).
  7. Website 3 Sat
  8. 学校一覧. Minamisōma, abgerufen am 27. Februar 2014 (japanisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Minamisōma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Rathaus von Minamisōma