Montalcino

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Dieser Artikel behandelt die italienische Gemeinde Montalcino. Zum nach diesem Ort benannten Reformator und Märtyrer siehe Giovanni Mollio.
Montalcino
Wappen
Montalcino (Italien)
Montalcino
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Siena (SI)
Koordinaten: 43° 3′ N, 11° 29′ O43.0511.483333333333567Koordinaten: 43° 3′ 0″ N, 11° 29′ 0″ O
Höhe: 567 m s.l.m.
Fläche: 243 km²
Einwohner: 5.139 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 21 Einw./km²
Angrenzende Gemeinden Buonconvento, Castel del Piano (GR), Castiglione d'Orcia, Cinigiano (GR), Civitella Paganico (GR), Murlo, San Giovanni d'Asso, San Quirico d'Orcia
Postleitzahl: 53024, 53028
Vorwahl: 0577
ISTAT-Nummer: 052014
Volksbezeichnung: Montalcinesi
Schutzpatron: Maria Santissima del Soccorso (8. Mai)
Website: Gemeinde Montalcino
Panorama von Montalcino
Panorama von Montalcino

Montalcino ist ein Ort mit 5139 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der Provinz Siena, Region Toskana in Italien.

Geografie[Bearbeiten]

Lage von Montalcino in der Provinz Siena

Der Ort (zu deutsch etwa: Steineichenberg, von Steineiche (Quercus ilex) stammend und im Ortswappen verankert) erstreckt sich über 243 km². Er liegt ca. 31 km südöstlich der Provinzhauptstadt Siena und 81 km südöstlich der Regionalhauptstadt Florenz im Val d’Orcia nahe der Via Cassia und der Via Francigena in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone E, 2308 GG[2]. Die Flüsse Asso, Ente, Merse, Ombrone und Orcia durchqueren das Gemeindegebiet. [3]

Die Gemeinde gliedert sich in die Ortsteile Camigliano (234 m, ca. 40 Einwohner), Castelnuovo dell’Abate (385 m, ca. 340 Einwohner), Monte Amiata (186 m, ca. 30 Einwohner, zum Teil auch Ortsgebiet von Castiglione d’Oricia), Sant’Angelo in Colle (444 m, ca. 160 Einwohner), Sant’Angelo Scalo (106 m, ca. 185 Einwohner), Tavernelle (302 m, ca. 25 Einwohner) und Torrenieri. [4]

Die Nachbargemeinden sind Buonconvento, Castel del Piano (GR), Castiglione d’Orcia, Cinigiano (GR), Civitella Paganico (GR), Murlo, San Giovanni d’Asso und San Quirico d’Orcia.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Festung von Montalcino

Von den Etruskern schon besiedelt, wurde das Gebiet um den Mons Ilcinus [5] am 29. Dezember 814 von Ludwig der Fromme an die Mönche der Abtei Sant’Antimo vergeben. Ab 1198 versuchte Siena den Ort unter Kontrolle zu bringen, was 1202, nach dem Friedensvertrag von Fonterutoli (heute Ortsteil von Castellina in Chianti mit Florenz im Jahr 1201, dann auch geschah. [6] Hierbei wurden die bis dahin vorhandene Stadtmauer und Befestigungen zerstört. [5] In den darauffolgenden Jahren wurde der Ort zum Spielball der Mächte aus Siena und Florenz, wobei der Ort gelegentlich seine Freiheit wiedererlangte, danach aber wieder von den Senesern bedrängt wurde, wie z.B. 1252, als Siena den Ort belagerte und Florenz zur Hilfe eilte. [6] Nach der Schlacht von Montaperti 1260 und dem damit verbundenen Sieg von Siena über Florenz fiel der Ort endgültig in den seneser Einflussbereich. [5] Der relative Frieden hielt in Montalcino circa ein Jahrhundert, dann kam es zu Konflikten mit der Gemeinde, die Flüchtigen aus Zuflucht gewährte. So wurden 1355 Truppen aus Siena ausgesandt, um den Ort wieder auf Linie zu bringen. Die Friedensvereinbarung aus dem Jahr 1361 enthielt die Zusage aus Montalcino, keine Flüchtigen mehr zu unterstützen, Siena gewährte als Gegenleistung den Bürgern aus Montalcino die seneser Staatsbürgerschaft und errichtete die Fortezza (Festung, auch Rocca genannt). [6] Zudem verstärkten Siena die Stadtmauern, an der die Truppen von Clemens VII. 1525 scheiterten. [5] Montalcino widerstand auch den Angriffen der Medici und den spanischen Einheiten im Krieg zwischen Florenz und Siena 1553. Siena seinerseits musste sich der Belagerung der Stadt durch Florenz am 21. April 1555 ergeben. Daraufhin wurde in Montalcino eine Schattenrepublik Sienas (Repubblica di Siena riparata in Montalcino) errichtet, die unter Piero Strozzi [6] und Blaise de Montesquiou (Biagio di Monluc) bis 1559, dem Frieden von Cateau-Cambrésis, anhielt und dann im Großherzogtum Toskana eingegliedert wurde. [7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Dom von Montalcino
Chiesa di San Francesco
Santuario della Madonna del Soccorso
Spedale di Santa Maria della Croce: Gemälde Madonna in trono col Bambino, Angeli e Santi von Vincenzo Tamagni
  • Abtei Sant’Antimo, eine der bedeutendsten Klosteranlagen Italiens im Ortsteil Castelnuovo dell’Abate gelegen.
  • Duomo di Montalcino (Concattedrale del Santissimo Salvatore), seit 1986 Konkathedrale des Erzbistum Siena-Colle di Val d’Elsa-Montalcino, befindet sich im historischen Ortskern. Entstand aus der Pieve di San Salvatore, einer Pieve, die um das Jahr 1000 entstand und 1462 von Pius II. zur Kathedrale ernannt wurde. Die Kirche wurde von 1818 bis 1832 fast vollständig erneuert und im neoklassischen Stil angelegt, die Baupläne wurden von Agostino Fantastici angefertigt. Der Campanile stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im Inneren befinden sich die Kunstwerke Immacolata Concezione con Gesù e Dio Padre (1588 entstanden) und San Giovanni Battista nel deserto von Francesco Vanni, San Michele Arcangelo che scaccia gli angeli ribelli dal Paradiso aus dem Umfeld des Domenico Beccafumi sowie das Gemälde 'Madonna Assunta tra angeli con i Santi Ippolito Vescovo e Cipriano Martire von Francesco Nasini, 1647 entstanden. [8]
  • Chiesa di Sant’Egidio, auch Chiesa dei Senesi genannt. Wurde 1325 von der Republik Siena errichtet und war deren offizielle Kirche. Enthält von Alessandro Casolani das Werk Cristo risorto e Santi. [8]
  • Ex-Chiesa di Sant’Egidio, ehemalige Kirche, die erstmals 1048 erwähnt wurde. [8]
  • Chiesa dei Santi Filippo e Giacomo, Kirche aus dem 14. Jahrhundert, die den Augustinern zugehört. Enthält Fresken, die den Künstlern der Schule von Siena zugeschrieben werden und die erst bei Restaurierungen in den Jahren 1937 und 1938 entdeckt wurden. Das wichtigste befindet sich in der Cappella di Sant’Antonio (Sant’Antonio tra episodi della sua vita, Santi e compianto sul Cristo morto). Im Chor befindet sich das Werk Sant’Agostino in trono tra Santi von Bartolo di Fredi aus dem Jahr 1388. Als weitere Arbeiten des Fredi sind das Fresko Santi Paolo e Giovanni Battista e Pietro und Episodi della Vita di Sant’Agostino zu erwähnen. Andere Kunstwerke wurden in das Museo Civico e Diocesano d’Arte Sacra gebracht, wie zum Beispiel zwei Werke des Bartolo di Fredi (Madonna col Bambino, Tafelgemälde und Incoronazione della Madonna, Polittico) und die Holzskulptur Vergine annunziata des Domenico di Agostino. [8]
  • Chiesa di San Francesco, ehemalige Kirche, die sich heute im Besitz der Gemeinde befindet. Wurde im 13. Jahrhundert auf der Stelle der älteren Kirche Sant’Angelo in Castelvecchio, die der Abtei Sant’Antimo angehörte, errichtete und 1285 von diesen an die Franziskaner gegeben. Von 1788 bis 1795 wurde die Kirche von Tommaso Paccagnini umgebaut. Enthält Fresken von Vincenzo di Benedetto di Chele Tamagni (Storie della vita della Vergine, Domine quo vadis? und Caduto di Simon Mago, alle 1510 entstanden), Gemälde von Ventura Salimbeni (San Simone Stock che riceve dalle Vergine lo scapolare) und Alessandro Casolani (Allegoria dell’immacolata concezione). [8]
  • Chiesa di Sant’Antonio Abate, 1448 erwähnte Kirche mit einer Fassade aus dem 18. Jahrhundert. Enthält von Pietro Sorri das Gemälde Morte di Sant’Antonio Abate aus dem Jahr 1502. [8]
  • Chiesa di San Lorenzo in San Pietro, Kirche aus dem 14. Jahrhundert, die der Abtei Sant’Antimo gehörte. Wurde im 16. Jahrhundert erneutert und enthält von Ventura Salimbeni die Werke Christo consegna le chiavi a San Pietro (1599 entstanden), Disputa dell’Eucarestia (1600 entstanden) und Christo inchiodato alla Croce (1604 entstanden). [8]
  • Chiesa di Santa Maria delle Grazie, Kirche kurz außerhalb des Stadttores Porta Burelli. Entstand im 14. Jahrhundert und erlitt schwere Schäden im Krieg um die Gemeinde im Jahr 1553. Wurde 1577 restauriert und ist heute im Besitz der Gemeinde. [8]
  • Fortezza, Burg bzw. Befestigungsanlage, die von der Republik Siena 1361 fertiggestellt wurde. Architekten waren Mino Foresi und Domenico di Feo. Teile der älteren Stadtmauer wurden hier mit eingearbeitet (Bastione di San Martino). [5]
  • Museo Civico e Diocesano d’Arte Sacra, Kunstmuseum im Ex-Convento degli Agostiniani (Convento di Sant’Agostino), entstand 1987 aus dem Museo Civico (1958 gegründet) und dem Museo Diocesano d’Arte Sacra (1925 entstanden und 1953 erweitert). [8] Das Museum besitzt fast 200 Kunstwerke, die in 12 Räumen ausgestellt werden, darunter Werke von Bartolo di Fredi (Incoronazione della Vergine, Polittico aus dem Jahr 1388, insgesamt 14 Werke aus den Jahren 1382 bis 1388[5]), Domenico di Agostino (Annunciata, 1369 entstanden), Giovanni d’Agostino (Angelo annunciante) (alle Saal A), Ambrogio Lorenzetti (San Paolo und San Pietro, Francesco di Valdambrino (beide Saal B), Sano di Pietro (Madonna dell’Umiltà, Saal C), Andrea della Robbia (Saal D), Marco Pino (Madonna col Bambino, San Giuseppe e San Francesco, Saal E), Francesco Rustici (Madonna con il Bambino, San Giovannino, il beato Bernardo Tolomei e Sant’Onofrio, Saal F) und Giovanni Bologna (Saal N)[9]. [10]
  • Palazzo dei Priori (auch Palazzo Comunale genannt, enthält zudem die Cappella delle Carceri[8]), Regierungspalast am Hauptplatz Piazza del Popolo aus dem 13./14. Jahrhundert mit Turm. Die Loggia stammt aus dem 14. Jahrhundert [5]
  • Santuario della Madonna del Soccorso, Sanktuarium nahe dem ehemaligen Stadttor Porta Corniolo. Entstand um das Jahr 1600 über einer älteren Kirche, der Campanile stammt aus dem Jahr 1782, die Travertinfassade aus dem Jahr 1820. Zu den Kunstwerken innerhalb des Santuariums gehören die Werke Assunzione della Vergine von Vincenzo di Benedetto di Chele Tamagni (1527 entstanden) und Calvario von Francesco Vanni. [8]
  • Spedale di Santa Maria della Croce, 1214 gegründetes Hospital in Via Cavour. Beherbergt heute Teile der Gemeindeverwaltung. Enthält eine mit Fresken des Tamagni um 1510/12 ausgestatteten Raum. [8]
  • Convento dell’Osservanza, Konvent kurz außerhalb der Stadtmauern. Wurde erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt, die heutige Konstruktion entstammt dem 18. Jahrhundert. Im Inneren gibt es die Kirche della Natività di Maria, die Werke von Sano di Pietro und Girolamo di Benvenuto enthielt. [8]
  • Pieve dei Santi Filippo e Giacomo, Pieve im Ortsteil Castelnuovo dell’Abate aus dem 15. Jahrhundert, die durch die anliegende Abtei Sant’Antimo entstand. Enthält Gemälde von Ventura Salimbeni. [8]
  • Pieve di San Michele Arcangelo, Pieve im Ortsteil Sant’Angelo in Colle, die erstmals im Jahr 1212 dokumentiert wurde. Enthält Werke von Raffaello Vanni (Estasi di San Carlo Borromeo) und Francesco Rustici (Madonna del Rosario, um 1622 entstanden). [8]
  • Pieve di Santa Restituta, bereits 650 dokumentierte Pieve, ca. 5 km südwestlich vom Hauptort gelegen. [11]
  • Poggio alle Mura, Befestigungsanlage aus dem 14. Jahrhundert, die die Pieve di San Sigismondo enthält. [11] Liegt ca. 10 km südwestlich von Montalcino und wird heute auch Villa Banfi genannt. [5] Beherbergt das Museum Il Museo della Bottiglia e del Vetro (Glas- und Flaschenmuseum), in deren Sammlung sich Werke von Jean Cocteau, Salvador Dalí und Pablo Picasso befinden. [12]
  • Badia Ardenga (Chiesa di Sant’Andrea Apostolo), ca. 8 km nördlich am Fluss Ombrone gelegen, Monasterium das im 11. Jahrhundert von den Vallombrosaner gegründet und 1462 von Pius II. aufgelöst wurde. [8]
  • Castiglion del Bosco, Burg aus dem 13. Jahrhundert, die später in eine Villa umgewandelt wurde. Die Kirche San Michele besitzt Werke von Pietro Lorenzetti. [11]

Weinbau[Bearbeiten]

Böden, Lage und Klima der Gegend begünstigen den Weinbau. Durch ihn ist der Ort weltberühmt geworden. Das Topprodukt ist der Brunello di Montalcino, der unbestritten einer der teuersten Spitzenweine Italiens ist. Die Kellereien in und um Montalcino sind daher ein Besuchermagnet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Sagra del Tordo ('Drosselfest'): Farbenfroh und spannend ist das 'Drosselfest' (Sagra del Tordo), das seit 1958 jährlich am letzten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Es ist ein folkloristischer Wettkampf zwischen den Stadtteilen, der in Form eines Bogenschießens ausgetragen wird und die Jagdsaison eröffnet. Am Beginn steht ein historischer Umzug zur Fortezza, dem Ort des Wettkampfs.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Montalcino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 28. April 2013 (ital.) (PDF-Datei; 322 kB)
  3. Offizielle Webseite des Sistema Informativo Ambientale della Regione Toscana (SIRA) zu den Flüssen in Montalcino, abgerufen am 21. März 2013 (ital.)
  4. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Siena, abgerufen am 28. April 2013 (ital.)
  5. a b c d e f g h TCI
  6. a b c d Repetti
  7. Langton Douglas: A History of Siena. Betti Editrice, Siena 2000 (Org. London 1902), ISBN 88-86417-61-6, S. 264
  8. a b c d e f g h i j k l m n o p Bruno Santi: I Luoghi della Fede. L’Amiata e la Val d’Orcia.
  9. Die Räume K und J existieren nicht
  10. Elisabetta Avanzati: Raccolta archeologica, medievale e moderna. in Musei del Senese, Nuova Immagine Editrice, Siena 2007, ISBN 978-88-7145-255-5, S. 222 ff.
  11. a b c I percorsi della Via Francigena nelle terre di Siena
  12. Istituto e Museo di Storia della Scienza (IMSS) Florenz zum Museo della Bottiglia e del Vetro (Castello di Poggio alle Mura), abgerufen am 2. Mai 2013 (ital./engl.)
  13. Hellmut Hager zu Giovan Battista Contini in: Dizionario Biografico degli Italiani, Volume 28 (1983)
  14. Webseite Itinerari lorenesi in Toscana der Regione Toscana zu Agostino Fantastici, abgerufen am 2. Mai 2013 (ital)
  15. Marco Borgogni nennt im DBI Siena als Geburtsort, siehe DBI Volume 44 (1994)