Pienza

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pienza
Wappen
Pienza (Italien)
Pienza
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Siena (SI)
Koordinaten: 43° 5′ N, 11° 41′ O43.07861111111111.678888888889491Koordinaten: 43° 4′ 43″ N, 11° 40′ 44″ O
Höhe: 491 m s.l.m.
Fläche: 122 km²
Einwohner: 2.127 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 17 Einw./km²
Postleitzahl: 56026
Vorwahl: 0578
ISTAT-Nummer: 052021
Volksbezeichnung: Pientini
Schutzpatron: Sant’Andrea (1. Juli)
Website: Gemeinde Pienza
Panorama von Pienza
Panorama von Pienza

Pienza ist eine italienische Stadt mit 2127 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) im Val d’Orcia (Toskana), gelegen zwischen den Städten Montepulciano und Montalcino.

Allgemeines[Bearbeiten]

Der Ort liegt in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone E, 2113 GR/G.[2]

Einziger Ortsteil ist Monticchiello (500 Höhenmeter, ca. 2000 Einwohner).[3] Die Nachbargemeinden sind Castiglione d’Orcia, Chianciano Terme, Montepulciano, Radicofani, San Giovanni d’Asso, San Quirico d’Orcia, Sarteano, Torrita di Siena, Trequanda.

1996 erklärte die UNESCO das historische Zentrum Pienzas zum Weltkulturerbe; 2004 wurde zudem das ganze Orcia-Tal in die Liste aufgenommen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich hieß der Ort Corsignano. Er war Geburtsort von Aeneas Silvius Piccolomini, Spross einer verbannten sieneser Familie und später Papst unter dem Namen Pius II.. Als Pontifex Maximus begann Pius, der sich in der Tradition antiker Stadtgründer sah, mit dem Ausbau des Ortes zu einer „idealen Stadt“. Der Ort hieß fortan nach seinem Bauherrn Pienza. Er gilt als ein erstes Beispiel einer so genannten humanistischen Stadtplanung – eine Anregung, die andere italienische Städte aufnahmen und die sich schließlich über ganz Europa verbreitete.

Die Umgestaltung wurde vom Florentiner Architekten Bernardo Rossellino 1459 begonnen, und innerhalb von drei Jahren wurden die Hauptbauten fertiggestellt. Durch den Tod Pius' II. im Jahre 1464 wurde die Gesamtplanung jedoch nicht vollkommen verwirklicht.

Rossellino entwarf den neuen Stadtplatz, die Piazza Comunale und die sie flankierenden vier Hauptbauten: den Dom und das Rathaus (Palazzo Pubblico, auch Palazzo Comunale genannt) sowie die beiden Palazzi Vescovile und Piccolomini. Ersterer wurde Wohnsitz von Kardinal Rodrigo Borgia, dem späteren Papst Alexander VI. Der Palazzo Piccolomini war Wohnsitz der Familie Pius' II., ein vom Florentiner Palazzo Rucellai inspiriertes Gebäude und zugleich das größte und wohl schönste am Platz. Den neuen Dom hat Pius II. am 29. August 1462 geweiht.

Von allen Seiten führen Straßen auf die Piazza Comunale, wobei jeder Standort wechselvolle, harmonische Perspektiven auf die Gebäude bietet und weite Ausblicke in die Szenerie des umliegenden Orcia-Tals gewährt.

Der Travertin-Brunnen auf der Piazza, durch seine Aufstellung vor dem Palazzo Piccolomini die bewusste Asymmetrie des Platzes stärkend, trägt das Familienwappen der Piccolominis und wurde in den folgenden Jahrhunderten Vorbild vieler toskanische Brunnen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ansicht von Osten
Grundriss der Piazza in Pienza

Der Dom von Pienza wurde von Rossellino zwischen 1459–1462 als dreischiffige Hallenkirche mit Umgangschor errichtet. Trotz seiner Renaissance-Fassade ist das Gotteshaus an typischen Bauten der nordalpinen Gotik orientiert, was den zahlreichen Reisen des späteren Papstes Pius II. unter anderem auch in deutsche Länder zu danken ist. Im dreischiffigen Inneren belegen Bündelsäulen und toskanische Kapitelle, wie die Übersetzung eines gotischen Raumkonzepts in die Formensprache der Frührenaissance gelungen ist. Das einer Krypta ähnliche Baptisterium findet sich unter der Apsis; in Teilen entstammt es noch seinem ursprünglich romanischen Vorgängerbau.

Es gibt ein Museo della Cattedrale im Dom. Das Diözesan-Museum im Palazzo Vescovile zeigt sowohl lokale Textil-Arbeiten als auch religiöse Artefakte. Drei Wandteppiche mit religiösen Darstellungen sind zu sehen; sie sind Ende des 15. Jahrhunderts in Flandern entstanden und gelangten durch die Piccolominis nach Pienza. In der Gemäldesammlung ist mit „Christus am Kreuz (La Croce)“ eine Arbeit des 7. Jahrhunderts zu finden. Weiterhin zeigt die Exposition Bildnisse von Pietro Lorenzetti (Madonna mit dem Kind) und Bartolo di Fredi (Madonna della Misericordia), allesamt aus dem 14. Jahrhundert. Unter den weiteren Werken des 14./15. Jahrhunderts ragt besonders eine Madonnendarstellung heraus, die Luca Signorelli zugeschrieben wird.

Die Kirche von San Francesco, mit Giebelfassade und gotischem Portal, ist eines der wenigen Gebäude, das noch aus der Zeit des alten Corsignano stammen. Sie ist auf den Grundmauern einer Kirche des 8. Jahrhunderts errichtet. Im Inneren befinden sich Fresken aus dem 14. Jahrhundert, von Cristofano di Bindoccio und Meo di Pero, Künstlern der Sieneser Schule, die das Leben des heiligen Franziskus zeigen. Das wertvolle alte Kircheninventar – etwa das mit Tempera gemalte Tafelkreuz von Segna di Bonaventura – ist inzwischen im Diözesan-Museum untergebracht.

Weiterhin sind der Ammannati Palast, der Gonzaga Palast und der Palazzo del Cardinale Atrebatense erwähnenswert, die alle aus dem 15. Jahrhundert stammen.

In der Nähe befindet sich mit der Pieve di Corsignano eines der wichtigsten romanischen Monumente der Gegend.

Die südwestlich gelegene Lokalität Terrapille dient Fotografen aus aller Welt als toskana-typisches Postkartenmotiv. 1999 war sie zudem einer der Drehorte für den Film Gladiator.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Pienza ist Sitz von Bottega Verde, der größten Kosmetikkette Italiens.


Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Tönnesmann: Pienza: Städtebau und Humanismus, Hirmer, München 1990, ISBN 3-7774-5410-9
  • Maria Bonifazi Geramb: Pienza: Studien zur Architektur und Stadtplanung unter Pius II., Verlag an der Lottbek, Ammersbek 1994, ISBN 3-86130-021-4
  • Jan Pieper: Pienza – Der Entwurf einer humanistischen Weltsicht, Edition Axel Menges, 1997, ISBN 3-930698-06-4
  • Emanuele Repetti: PIENZA in Val d'Orcia. In Dizionario Geografico Fisico Storico della Toscana (1833–1846), Onlineausgabe der Universität Siena (PDF, italienisch)
  • Konstantin Vogas: Die Stadt als Bühne und Buch – Zur Selbstinszenierung Pius’ II. in der Architektur Pienzas, Avinus, 2007, ISBN 3-930064-58-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pienza – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 7. Februar 2013 (ital.) (PDF; 330 kB)
  3. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Siena, abgerufen am 7. Februar 2013 (ital.)